Ökumenisches Heiligenlexikon

Bartholomäus Holzhauser

Gedenktag katholisch: 20. Mai

Name bedeutet: Sohn des Furchenziehers (hebr.)

Priester, Gründer
* 24. August 1613 (?) in Laugna in Bayern
20. Mai 1658 in Bingen in Rheinland-Pfalz


ehemaliges Jesuitenkolleg in Ingolstadt
ehemaliges Jesuitenkolleg in Ingolstadt

Der Schuhmachersohn Bartholomäus Holzhauser konnte die Lateinschule in Augsburg und die Lateinschule in Neuburg an der Donau besuchen; ab 1633 studierte er Philosophie und Theologie am Kolleg der Jesuiten in Ingolstadt. 1636 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert, 1639 erwarb er den Baccalaureus in Theologie und wurde zum Priester geweiht, 1640 erhielt er die Lehrbefugnis. Die Erfahrungen des 30-jährigen Kriegs veranlassten ihn 1640, in Tittmoning die erste WeltpriesterWeltpriester - oder auch Diözesanpriester - sind in der römisch-katholischen Kirche alle Priester, die keinem Orden angehören.gemeinschaft mit gemeinsamem Leben, die Bartholomäer, zu gründen, der sich bald schon zahlreiche Priester anschlossen.

Dekanatspfarrkirche Maria Himmelfahrt in St. Johann in Tirol
Dekanatspfarrkirche Maria Himmelfahrt in St. Johann in Tirol

Mit Unterstützung eines Salzburger Suffraganbischofs konnte Holzhauser die Bartholomäer im Kloster St. Peter in Salzburg ansiedeln, 1641 wurde er zum Dekan in St. Johann in Tirol ernannt. 1647 wurde die Gemeinschaft von Papst Innocenz X. anerkannt; Widerstände in Salzburg führten 1649 zur Verlegung des Bartholomäer-Instituts ind heutige Haus der Kolping-Akademie nach Ingolstadt. 1654 wurde Holzhauser als Pfarrer nach Bingen berufen, hier gründete er eine Lateinschule und wirkte als Volksmissionar. Weit verbreitet wurden seine zahlreichen asketischen und visionären Schriften.

Bild im Museum in St. Johann in Tirol
Bild im Museum in St. Johann in Tirol

Schon zu Lebzeiten wurde Bartholomäus Holzhauser fast wie ein Heiliger verehrt. Die Bartholomäer konnten sich aber nur vereinzelt durchsetzen, Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Gemeinschaft aufgelöst; Versuche der Wiederbelebung im 19. Jahrhundert blieben mehrfach erfolglos.

Worte von Bartholomäus Holzhauser

Tugend bewährt sich im Kampf gegen die Einflüsterungen des Bösen in den Versuchungen, Leiden und Wechselfällen des Lebens:
In diesem Leben liebt Gott zwei Sorten von Menschen vor anderen. Die einen, gleichsam die Erstlinge des Lammes, bewahrt er vor Sünden und Versuchungen, umschirmt sie mit seinem Schutz, erquickt sie mit himmlischen Tröstungen und ziert sie von Anfang an bis zum Schluss mit allem Schmuck himmlischer Gnaden als seine geliebte Braut (z. B. Maria, Josef etc.). Der zweiten Art seiner Lieblinge reichert er das Leben mit Versuchungen, Verfolgungen, Mühen und Leidenschaften der Natur an und teilt ihnen seine spürbare Gnade so spärlich zu, dass sie nur mit größter Mühe zu höchster Tugend und zum Gipfel der Verdienste gelangen. Niemand solle sich einbilden, er könne auf dem weichen Ruhekissen göttlicher Tröstungen die echten Tugenden erlangen. Er soll vielmehr seine Seele auf den bitteren Wermut häufiger Versuchungen und Wechselfälle einstellen. Versuchungen und Wechselfälle und Leiden werden von Gott zugelassen, damit die Tugenden geläutert werden. Wer auf vielfache Weise von Gott zur Bewährung versucht wird, ist zu vielen hervorragenden Tugenden aufgerufen. Wie das Feuer, im Kieselstein verborgen, nur brennt, wenn es herausgeschlagen wird, so bleiben die Tugenden im Gerechten unbekannt; brennen und leuchten werden sie nur, wenn sie durch mancherlei Widerwärtigkeiten geschüttelt werden. Der böse Geist macht es bei der Versuchung dem Feldherrn nach, der bei Belagerung einer Stadt oder feindlicher Truppen deren schwächeren Teil angreift, um so leichter über den Feind zu triumphieren. So greift auch jener, der unsere Natur ganz durchschaut hat, den schwächeren Teil an: Er kämpft gegen jene Tugend an, in der unsere Seele weniger geübt ist und mehr zum entgegengesetzten Laster neigt. Gegen solche Arglist des bösen Feindes muss unsere Seele von einem klugen Staats- oder Heerführer lernen, alle Kräfte dort zu konzentrieren, wo wir angegriffen werden, und durch Gebet, Betrachtung und andere Übungen, die zur Bewahrung jener Tugend sich besser eignen, sich verteidigen.
Um bisweilen von einer Tugend oder geistlichen Übung, die ihm zuwider ist, beim Menschen aber wundersame Fortschritte macht, abzulenken, befolgt der böse Geist für gewöhnlich verschiedenartige Taktiken: Wütende Angriffe von Versuchungen wechseln mit Lockreizen irdischer Freuden, die Überlast weltlicher Geschäfte mit dem Ablenken auf angeblich wichtigere geistliche Übungen. All das tut der Architekt der tausend Künste und Listen nur zu dem einen Zweck, vom Streben nach wahrer Tugend, die er hasst, auf Unnützes, Unmögliches oder Schädliches abzulenken. Dieser Fallstrick des Teufels muss durch Standhaftigkeit und Geistesstärke in kluger Weise zerrissen werden. Das wird gelingen, wenn die Seele in aller Demut, Geduld und Langmut der Tugend nachgeht, sich von solchen Einflüsterungen nicht beeinflussen lässt und alle ihre Angelegenheiten mit dem Rat eines klugen Beichtvaters oder Oberen regelt.

Quelle: Michael Arneth: Seelsorge am Seelsorger, Bartholomäus Holzhauser 1613 - 1658, Leben und Werk. Burghard Verlag Trier 1993, S. 158f

Zitate von Bartholomäus Holzhauser:

Die wahre christliche Vollkommenheit besteht nicht in der Betrachtung erhabener und himmlischer Dinge, sondern in der demütigen und wahrhaftigen Erkenntnis der eigenen Armseligkeiten und natürlichen Leidenschaften. … Die beste Erkenntnis und heilsamste Vollkommenheit besteht darin, Gott zu erkennen in seinen Gütern und zu lieben in seinen Gaben, sich selbst aber erkennen in seinen Schwächen und sich hassen in seinen Lastern und Leidenschaften.
Nichts ist im Leib des Menschen verführerischer als die Begierlichkeit des Fleisches und nichts ist im Herzen des Menschen verführerischer als der Hochmut des Geistes. Die Wurzel, aus der alle Eitelkeit im Verborgenen aufkeimt, ist nichts anderes als dein Verstand, dein Licht und dein Urteil.
Sammelt mir die Priester und Hirten aus der Zerstreuung ihres Willens und heiligt sie mir, die täglich in das Allerheiligste eintreten. Du wirst eine einheitliche Lebensweise unter ihnen stiften, wie es dir gezeigt wurde. Leitet eure Jugend dazu an! Dann werden eure Priester heilig und unbefleckt sein, ihre Opfer werden mir gefallen, dann wird mein Volk heilig sein und eure Söhne heilig und eure Töchter unbefleckt in meinem Hause sein und in meiner Scheune wird eine große Ernte sein.

Quelle: Quelle: Michael Arneth: Seelsorge am Seelsorger, Bartholomäus Holzhauser 1613 - 1658, Leben und Werk. Burghard Verlag Trier 1993, S. 142f, 182

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 30.07.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Bernd Wildermuth. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. II, Hamm 1990

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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