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Ökumenisches Heiligenlexikon

Carl Lampert

Gedenktag katholisch: 13. November
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum Salzburg
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum München: 12. Juni

Name bedeutet: der Tüchtige (althochdt.)

Priester, Märtyrer
* 9. Januar 1894 in Göfis bei Feldkirch in Österreich
† 13. November 1944 in Halle in Sachsen-Anhalt


Pfarrkirche St. Martin in Dornbirn mit an Lampert erinnernder Installation auf einer Säule
Pfarrkirche St. Martin in Dornbirn mit an Lampert erinnernder Installation auf einer Säule

Carl Lampert wurde 1918 in Brixen zum Priester geweiht. Er war dann als KaplanEin Kaplan (von lateinisch capellanus, „der einer Hofkapelle zugeordnete Kleriker”) ist im deutschen Sprachraum ein römisch-katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, der in der Regel noch einem erfahrenen Pfarrer unterstellt ist. In manchen Bistümern wird er Vikar genannt - dies ist die Bezeichnung des kanonischen Kirchenrechts von 1983 - in anderen Kooperator. in Dornbirn tätig. Ab 1930 studierte er Kirchenrecht am Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima in Rom, ab 1935 war er Leiter des kirchlichen Gerichts in Innsbruck. 1936 wurde er Präsident des Verwaltungsrates der Verlagsanstalt Tyrolia; dies blieb er bis zu deren Besetzung durch die Nazionalsozialisten im März 1938. 1939 wurde er zum Provikar bei der apostolischen Administratur und damit Vertreter des Bischofs von Innsbruck-Feldkirch ernannt. Den Nationalsozialisten widerstand er von Anfang an, mehrfach wurde er in Schutzhaft genommen, so wegen seines Protests, nachdem das Kloster der Ewigen Anbetung in Innsbruck gewaltsam von den Nazis aufgehoben wurde. Als die Todesanzeige für Otto Neururer den Todesort, das KZ Buchenwald, nannte, wurde Lampert deshalb wieder verhaftet, im August 1940 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert, zeitweise auch ins KZ Sachsenhausen überstellt.

In seinem letzten Brief, zwei Stunden vor der Hinrichtung verfasst und an seinen Bruder Julius Lampert in Göfis gerichtet, schrieb Carl Lampert:

Lieber, lieber, guter Bruder! Nun ist die Stunde gekommen, die so schmerzliche für Dich und all meine Lieben, die erlösende für mich! Der Kreuzweg geht nun zur letzten Station. Tenebrae factae sunt, - sed dies albescit, - in Te, Domine, speravi, alleluja! [Finsternis ist geworden, - aber der Tag leuchtet auf, - auf dich, Herr, habe ich gehofft. Alleluja] - So hoffe ich, er wird nun kommen! … Oh, wie bin ich froh, daß endlich ein Ende kommt von all dem harten Leid - nun gehts heim! - u. bleib doch bei Euch ---

Nach einem Jahr wurde Carl Lampert entlassen und unter Zwang nach Stettin - das heutige Szczecin - gebracht. Im Februar 1943 wurde er wieder verhaftet und im Dezember 1943 in Halle an der Saale wegen Feindbegünstigung durch Unterstützung von Zwangsarbeitern, Rundfunkverbrechen durch Hören ausländischer Sender, Wehrmachtzersetzung durch Äußerungen gegen die Verschleppung von Juden sowie Spionage zum Tod verurteilt. Die Vorwürfe stammten aus Aufzeichnungen eines Agenten, der unter dem Decknamen Hagen als Ratsuchender von Oktober 1942 bis Februar 1943 Gespräche mit Carl Lampert geführt hatte.

Nach Carl Lamperts Verlegung ins Gefängnis nach Torgau gab es im Juli 1944 einen weiteren Prozess mit Todesurteil, schließlich im September 1944 einen Schauprozess, bei dem er zusammen mit dem KaplanEin Kaplan (von lateinisch capellanus, „der einer Hofkapelle zugeordnete Kleriker”) ist im deutschen Sprachraum ein römisch-katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, der in der Regel noch einem erfahrenen Pfarrer unterstellt ist. In manchen Bistümern wird er Vikar genannt - dies ist die Bezeichnung des kanonischen Kirchenrechts von 1983 - in anderen Kooperator. Herbert Simoleit und dem Oblatenpater Friedrich Lorenz erneut zum Tod verurteilt wurde. Zur Hinrichtung wurde er nach Halle gebracht und dort zusammen mit den beiden anderen Priestern durch das Fallbeil hingerichtet. Provikar Dr. Carl Lampert war der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche, der von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde.

Kapelle für Carl Lampert in der Pfarrkirche in Göfis
Kapelle für Carl Lampert in der Pfarrkirche in Göfis

Gerühmt wird Carl Lamperts große Geduld in seiner Leidenszeit. Zahlreiche Briefe aus der Haft sind erhalten. In der Basilika St. Johannes der Täufer in Szczecin befindet sich im linken Querschiff eine bronzene Gedenktafel in deutscher und polnischer Sprache, die an die drei deutschen Priester erinnert. In der Kirche seines Heimatortes Göfis bei Feldkirch wurde ihm eine Kapelle eingerichtet.

Kanonisation: Das Verfahren zur Seligsprechung wurde 1998 eingeleitet. Am 13. November 2011, seinem 67. Todestag, wurde er in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn seliggesprochen.

Reliquiar im Dom in Innsbruck
Reliquiar im Dom in Innsbruck

Worte des Seligen

In seinen Tagebuchaufzeichnungen und Briefen während seiner Gefangenschaft spiegelt sich Carl Lamperts inneres Ringen angesichts von Leid und Tod wider. So schrieb er:

In mein Leben und Planen hat die Vorsehung die letzten fünf bis sechs Jahre große Striche gemacht, nun kam der dickste Strich, daher auch der schmerzlichste; aber wie immer sage ich auch diesmal mein Fiat: Herr, Dein Wille geschehe! Dann wird’s schon recht sein, lieber Bruder [Julius], wenn’s auch noch so wehe tut; denn alle Trauer wird einmal in Freude gewandelt werden. (27. März 1943)
Wie Millionen Male lieber würde ich allüberall mithelfend tätig sein, als hier in einsamer Kerkergruft so trostloser Untätigkeit sich hingeben zu müssen! Du kennst mich, Julius, und kannst ermessen, wie schwer, wie unsagbar schwer das für mich ist, namentlich in dieser Zeit. Hätte ich nicht eine innere Kraft, so möcht’ man verzweifeln an solchem Wahnsinn des Lebens. Aber alles Geschehen hat schließlich seinen Sinn und Zweck gefunden, das muss mich trösten. (4. Apri 1943)
Weißt du, lieber Julius, es ahnt ja niemand, was für trostlose Stunden und Stürme für Seele und Gemüt in solcher Lage durchzukämpfen sind, nur Gott sieht es. Doch genug von diesem Lied! Zwei Dinge geben mir zu Allem Kraft: der Vorsehungsglaube und das manchmal geradezu greifbare Fühlen, wie nahe der Herr mir ist. Wie glücklich und dankbar bin ich Ihm dafür und denen, die mir dazu helfen! So sei mein Leid der gehorsame Beitrag zu dem, wozu Gott es geschickt! Damit basta und Streusand drauf! (4. Juli 1943)
Ich lebe und bin seelisch und körperlich wohlauf, wenn auch ständig zwischen zwei Ungeheuern, dem des einsamen, mühseligen Tages und dem der schlafunruhigen, ungemütlichen Nacht. So pendelt das Menschenleben der Jetztzeit in doppelter Unsicherheit. nur gut, dass eine Sicherheit bleibt. - Gott und sein heiliger Wille! Das gibt Ruhe in aller Unruhe. (22. August 1943)
Nun ist mein Trost und meine Stärke Matthäus 5, 11: Selig seid Ihr, wenn Euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse fälschlich wider Euch aussagen um meinetwillen! Freut euch und frohlockt; denn Euer Lohn ist groß im Himmel! Denn so haben sie auch die Propheten vor Euch verfolgt. Wie lange ich noch lebend zu erreichen bin, weiß ich nicht, es kann auch schnell gehen. Alles steht in Gottes Hand, auf ihn vertraue ich, seinen Willen erfüllen will ich und bin bereit auch zum Letzten.- Nun ist alles noch ein Wettlauf der Zeit mit dem Tode. (9. September 1944)
Allerheiligen-Abend 1944! Ich sitze auf meiner Zelle, meine Gedanken wogen und stürmen und wollen das armselige Gehäuse meines gefangengehaltenen Leibes fast sprengen; es ist nicht immer leicht, mit allen einstürmenden Stimmungen fertigzuwerden, speziell an solchen Tagen der Erinnerung; und das Menschenherz, verwurzelt und durchwachsen mit 1000 irdischen Wurzeln, zappelt und blutet, sooft wieder eine ausgerissen wird.
Wie viele solch irdische Wurzeln hat das harte Schicksal dieser Leidensjahre meinem Herzen mit unbarmherziger Faust schon ausgerissen, und wie wenige dieser Wunden sind ganz vernarbt und bluten weiter! Wieder hat eine Verfügung des gestrigen Tages mir etwas weggenommen, was fest und teuer in meinem Herzen wurzelte und mir viel Trost und Ablenkung war; und so zappelt heute mein Herz wieder einmal mehr als sonst und muss sich damit abfinden. So sind wir arme Menschen! Das Losschälen schmerzt immer, besonders wenn es bei einem armen Todeskandidaten um ein paar letzte noch übriggebliebene irdische Freuden handelt und wenn diese auch nur Kamerad in Zelle und Leid heißen. So pendeln heute Sinn und Gemüt um zwei Pole, freudiges Festgeheimnis – und irdische Erdennot; und wäre nicht dies Erstere, so wäre das Letztere heute einfach trostlos; da hilft dann nur ein herzhaftes Herr, Dir zulieb, und tut’s auch noch so weh!
(1. November 1944)

Quelle: Provikar Dr. Carl Lampert, Zeuge in gnadenloser Zeit. Dokumentation, Innsbruck 2014
Susanne Emerich (Hg.): Hätte ich nicht eine innere Kraft … Leben und Zeugnis des Carl Lampert. Mit Briefen von Carl Lampert …, 2. Aufl. Innsbruck / Wien 2012

Zitate von Carl Lampert:

Je mehr dem Menschen liebe Menschen fehlen, umso mehr wendet sich die Seele an den, den niemand ferne halten kann. (13. Juli 1943)
Des Menschen Leben geht nicht am Zügel frommer Wünsche. Der religiöse Mensch weiß, dass es ihm durch göttliche Bestimmung gegeben ist, damit er sich darin tätig oder leidend bewähre. So geschehe sein heiligster Wille – auch in einsamer, leidender Stille!
Die Liebe stirbt niemals – erst recht nicht, wenn sie leiden muss! (16. Juni 1944)
Liebe, was leidest du im Hass dieser Zeit, Hass dieser Zeit, wie quälst du die Liebe der Ewigkeit!

Anbetend knie ich vor Dir, Allweiser, Du mein Gott!
Wie Schalen sind offen mir die Hände mein.
Was meiner Seele frommt, leg’ ich hinein!
Und dankend preis’ ich Dich für Glück und Leid und Tod!

(Abschiedsbrief an Weihbischof Franz Tschann in Feldkirch, 13. November 1944)

Quelle: Provikar Dr. Carl Lampert, Zeuge in gnadenloser Zeit. Dokumentation, Innsbruck 2014
Susanne Emerich (Hg.): Hätte ich nicht eine innere Kraft … Leben und Zeugnis des Carl Lampert. Mit Briefen von Carl Lampert …, 2. Aufl. Innsbruck / Wien 2012

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

  Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zu dieser größten Einzelaktion der Nazis gegen die Katholische Kirche, so von Wolfgang Knauft: Akcja Fall Stettin.
Einen ausführlichen Lebenslauf Lamperts, Auszüge aus Briefen, die er zwischen Frühjahr 1943 und Herbst 1944 aus verschiedenen Gefängnissen geschrieben hat und deren Interpretation durch verschiedene Autorinnen und Autoren von heute enthält das von Susanne Emerich herausgegebene Buch Hätte ich nicht eine innere Kraft … Leben und Zeugnis.
Mit 25 Beiträgen werden die Person und das Leben Carl Lamperts ausführlich dargestellt sowie Hintergründe beleuchtet in dem von Richard Gohm, dem Aktuar im Seligsprechungsverfahren herausgegebenen Buch Selig, die um meinetwillen verfolgt werden. Carl Lampert - ein Opfer der Nazi-Willkür.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.10.2019

Quellen:
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XV, Herzberg 1999
• G. Podhradsky, Pfarramt Röthis, E-Mail vom 1. 11. 2004
• Pfr. Clemens Pullwitt, Kath. Kirchengemeinde St. Konrad in Falkensee, E-Mail vom 28. 11. 2009
• Richard Gohm, Aktuar im diözesanen Seligsprechungsverfahren, E-Mail vom 26. 1. 2012

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.