Ökumenisches Heiligenlexikon

Spanischer Bürgerkrieg


Nach der Diktatur unter Miguel Primo de Rivera wurde Spanien 1931 zur Republik mit dem Großgrundbesitzer Niceto Alcalá Zamora als Staatspräsident; eine Koalition aus linksrepublikanischen Parteien und der Sozialistischen Arbeiterpartei bildete die Regierung. Aufgestaute politische und soziale Konflikte belasteten die Zweite Republik von Anfang an: die Eliten aus den Zeiten von Monarchie und Diktatur fürchteten eine Gefährdung ihrer Privilegien, auch wegen der laizistischen Orientierung der Regierung, denn die katholischen Bischöfe hatten immer die hergebrachte Ordnung unterstützt. Diese Kreise wandten sich gegen alle Reformen zur Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände. Bereits 1932 kam es zum ersten Putschversuch rechter Militärs gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung, 1934 gab es dagegen linke und anarchistische Aufstände, die blutig niedergeschlagen wurden. Die politische Instabilität verschärfte sich nach dem Sieg der Volksfront aus linksliberalen, sozialistischen und kommunistischen Parteien bei den Parlamentswahlen im Februar / März 1936. Der Sieg der Volksfront löste bei Monarchisten, Vertretern der katholischen Kirche und Teilen der Streitkräfte wachsende Bitterkeit aus. Die von José Antonio Primo de Rivera, dem Sohn des früheren Diktators, gegründete faschistische Falange wollte sich mit vielen Entscheidungen der Regierung nicht länger abfinden und übte gezielten Terror aus, gegen den der Staat sich machtlos zeigte. Die katholische Presse schrieb regelmäßig Artikel gegen die Regierung und forderte die Aufhebung des Frauenwahlrechtes, den Sturz der tyrannischen Regierung der Volksfront! und die Beseitigung der Feinde Gottes und der Religion.

Die Situation im Juli 1936. Rot: Faschisten, blau: Regierung
Die Situation im Juli 1936. Rot: Faschisten, blau: Regierung Foto: Grandiose

Währenddessen planten die Offiziere der Armee nahezu öffentlich einen Putsch. Melilla, die heutige spanische Exklave in Marokko, wurde noch am 17. Juli unter ihre Kontrolle gebracht. Am 18. Juli 1936 wandte sich General Francisco Franco in einem Funkspruch an die Armee und gab damit das Signal zum Aufstand, gegen den dann vor allem die Arbeiter Widerstand leisteten; aus dem Putsch wurde ein Bürgerkrieg. Treu zur Republik blieben die Mehrheit der Generäle, zwei Drittel der Marine und die Hälfte der Luftwaffe, dazu die paramilitärische Polizeieinheiten Guardia Civil und die Stadtpolizei Guardia de Asalto, hinzu kamen Milizen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten sowie internationale Freiwillige. Nachdem die Aufständischen den Marinehafen in Ferrol - Francos Geburtsstadt - eingenommen hatten, entschlossen sich am 26. Juli die faschistischen Regierungen von Deutschland und Italien, Franco zu unterstützen. Nun gelang den Faschisten der Sieg in den Schlachten von Mérida und Badajoz, nach denen sie Massenexekutionen an den republikanischen Verteidigern vornahmen. Anfang September standen sie nur noch 100 Kilometer vor Madrid, nahmen am 27. September aber zuerst den Alcázar in Toledo ein, was ein wichtiger propagandistischer Erfolg war; zwei Tage später erklärte sich Franco selbst zum Generalissimus und Caudillo, Führer. Im Oktober begannen die Faschisten eine neue Großoffensive in Richtung Madrid. Der zunehmende Widerstand durch die Regierung, die Mobilisierung der Bevölkerung sowie Internationale Brigaden brachten den Vormarsch zum Stehen, es folgte eine bis kurz vor Kriegsende andauernde Belagerung der Hauptstadt. Die Regierung hatte sich am 6. November aus Madrid nach Valencia zurückgezogen, wo ihre Gefolgsleute Massenerschießungen an Franco-Anhängern - und oft an Katholiken wegen des Verdachts der Unterstützung der Faschisten - verübten. Am 1. Juli 1937 erhielt Francos Regime die Zustimmung der katholischen Kirche durch einen Hirtenbrief, unterzeichnet von allen - mit Ausnahme von fünf - spanischen Bischöfen, veröffentlicht mit Zustimmung des Vatikan. Am 18. November erkannten Deutschland und Italien das Francoregime offiziell an.

Ab dem 31. März 1937 wurde die baskische Provinz Bizkaia angegriffen, wobei die italienische Luftwaffe und die Legion Condor der deutschen Lufwaffe schwere Luftangriffe auf republikanische Stellungen im Hinterland flog. Besonders die Angriffe auf Durango bei Bilbao und auf Guernica - das heutige Gernika-Luno - bleiben wegen der Bombardierung von Zivilisten und hohen Opferzahlen in Erinnerung; am 28. April 1937 betraten Francos Truppen Guernica. In Miranda de Ebro wurde ein Konzentrationslager nach deutschem Vorbild eröffnet, das von dem deutschen SS- und Gestapo-Mitglied Paul Winzer geführt wurde und bis 1947 bestand, weitere folgten. Die rechtmäßige, gewählte Regierung zerstritt sich in Valencia immer mehr in Auseinandersetzungen zwischen Sozialisten und Kommunisten, eine zunächst eingeleitete Gegenoffensive kam zum Erliegen. Franco konnte nach Kantabrien und Asturien vordringen und wichtige Industrien und Kohleminen erobern. Am 28. August anerkannte der Vatikan Franco.

Die Situation im Juli 1936. Rot: Faschisten, blau: Regierung
Die Situation im Juli 1938. Rot: Faschisten, blau: Regierung Foto: Grandiose

Am 14. April 1938 brachen die Faschisten zum Mittelmeer durch, das republikanische Gebiet war nun in zwei Teile zersplittert. Im Mai bat die Regierung um Frieden, doch Franco verlangte die bedingungslose Kapitulation, der Krieg ging weiter. Die Regierung begann mit einer Offensive, deren Misserfolg legte den endgültigen Ausgang des Krieges fest. Acht Tage vor Jahresende begann Franco mit starken Kräften die Invasion in Katalonien, am 10. Februar 1939 war ganz Katalonien besetzt. In Erwartung von Massakern flohen 450.000 Menschen nach Frankreich, darunter Staatspräsident Azaña und Ministerpräsident Negrín. Letzterer kehrte in die republikanische Zone zurück, Azaña trat als Staatspräsident zurück. Die republikanische Regierung kontrollierte noch ein Drittel Spaniens, ihre Streitkräfte waren aber noch immer etwa 500.000 Mann stark. Doch am 27. Februar anerkannten die Regierungen von Großbritannien und Frankreich die Franco-Regierung. Am 4./5. März putschten in Madrid Teile der republikanischen Armee bei einem mehrtägigen Bürgerkrieg im Bürgerkrieg, der etwa 2000 Menschen das Leben kostete; Republikaner wurden inhaftiert und beim Einmarsch der Truppen Francos sofort von diesen getötet. Nun brach der republikanische Widerstand zusammen.

Republikanische Soldaten begaben sich in Gefangenschaft oder desertierten. Einige kleinere Verbände gingen in den Untergrund und organisierten einen Guerilla-Krieg, der in Einzelfällen bis 1951 andauerte. Ab 26. März 1939 besetzten die faschistischen Truppen innerhalb weniger Tage die restlichen republikanischen Gebiete, ohne auf organisierten Widerstand zu stoßen. Am 30. März besetzten italienische Truppen Alicante, wo zehntausende Flüchtlinge vergeblich auf eine Evakuierung gehofft hatten. Ministerpräsident Negrín konnte entkommen und bildete in Frankreich eine Exilregierung. Franco erklärte den Bürgerkrieg am 1. April 1939 für beendet und legte seinen Säbel auf den Altar einer Kirche. Nach Francos Sieg sandte Papst Pius XII. eine Grußbotschaft: Wir erheben unsere Herzen zu Gott, wir bedanken uns aufrichtig bei Eurer Exzellenz für den Sieg des katholischen Spanien. Insgesamt waren nach Kriegsende etwa 275.000 Menschen - unter größtenteils unwürdigen Bedingungen, etwa in Stierkampfarenen oder Fußballstadien - gefangen; deren Zahl verringerte sich Ende der 1940-er Jahre auf etwa 45.000.

Alle Historiker sind sich einig, dass die faschistischen Unterdrückungsmaßnahmen gegen republikanische Soldaten, Gewerkschafter und Mitglieder linker Parteien richtete mehr Opfer kostete als die republikanische Repression, die sich vor allem gegen Geistliche, Mitglieder der rechten Parteien und Falangisten richtete. Die katholische Kirche schätzt, dass zwischen 1931 und 1939 fast 7000 Geistliche getötet wurden. Für die nationalistische Zone lagen die Schätzungen über die zur Herrschaftssicherung Getöteten bisher zwischen 75.000 und 200.000 Menschen, hinzu kommt die bislang wenig erforschte Zahl der Verschwundenen; allein für Andalusien wird neuerdings die Zahl der verschwundenen Republikaner mit 70.000 angegeben. Bis etwa 1945 fanden zudem Massenerschießungen statt, denen nochmals weit mehr als 100.000 Regimegegner zum Opfer fielen.

Die katholische Kirche erhielt unter Franco die ihr in der Zweiten Republik aberkannten traditionellen Privilegien zurück. Beamte mussten katholisch sein, Arbeitgeber forderten von Priestern eine Erklärung für gutes Benehmen. Alle Zivilehen wurden für nichtig erklärt, es sei denn, dass sie von der katholischen Kirche gebilligt wurden. Scheidung, Verhütungsmittel und Abtreibung wurden verboten. 1946 wurde der Kirche das Recht eingeräumt, jede Immobilie ohne Vorlage von Papieren und nur mit der Unterschrift eines Bischofs, als kirchliches Eigentum ins Grundbuch eintragen zu lassen. 1 1953 wurde ein neues Konkordat mit der katholischen Kirche abgeschlossen, das einen wichtigen Schritt zur internationalen Anerkennung der Franco-Regierung war. In den 1970-er Jahren gab es dann erste Spannungen zwischen Franco und der katholischen Kirche, die begann, Kritik zu äußern. Franco starb am 20. November 1975 in Madrid, als sein Nachfolger führte König Juan Carlos I. die Demokratie wieder ein.

Ab 1989 sprach die katholische Kirche eine große Zahl von Märtyrern des Spanischen Bürgerkrieges selig, wobei immer ausschließlich Opfer durch die Regierungsseite in den Kreis der Seligen erhoben wurden, aber keiner der von den Putschisten Ermordeten. Bei der bis dahin größten Massenseligsprechung am 28. Oktober 2007 fiel auf, dass sie stattfand drei Tage vor der Verabschiedung eines Gesetzes zur Rehabilitierung von Opfern der Diktatur, gegen das die Kirche eintrat.

1 2022 übergab die Kirche der Regierung eine Liste von rund 1000 Immobilien, die sich offenbar zu Unrecht im Kirchenbesitz befinden, und erklärte sich bereit, diese Gebäude ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Dies erfolgte, nachdem sie 2020 von der Regierung aufgefordert worden war, die Eigentumsrechte ihrer Immobilien zu klären.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 23.03.2022
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg - abgerufen am 22.01.2022
• https://www.heise.de/tp/features/Katholische-Kirche-stellt-sich-hinter-Franquisten-3415902.html - abgerufen am 22.01.2022
• https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2022-01/spanien-kirche-immobilien-streit-rechtmaessige-besitzer.html - abgerufen am 23.03.2022

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