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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hinweise zu Stadlers »Heiligen-Lexikon« Abkürzungen

Herluka von Bernried


B. Herluca, V. (18. April, al. 18. März). Die sel. Herluka, auch Helluka, Herulia, frz. Herluque genannt, war aus Schwaben (Württemberg) gebürtig und war in in ihrer Jugend einem eitlen und weltlichen Leben zugewendet. Doch die erbarmende Hand Gottes schickte eine schwere und langwierige Krankheit über sie, welche ihr die Augen öffnete und in ihr den Entschluß hervorbrachte, nach erlangter Genesung auf dem Pfade der Tugend Gott allein zu dienen. Doch auch nach überstandener Krankheit wollte sie den gemachten Vorsätzen nicht treu bleiben, bis ihr Gott ein so schweres Augenleiden zuschickte, daß sie nahe daran war, zu erblinden. In dieser großen Noth hatte sie ein Gesicht, in welchem sie belehrt wurde, daß sie an dem einen Auge völlig genesen würde, wenn sie dem hl. Martyrer Cyriacus38 zu Ehren eine Kerze anzünde. Sie that es und fand Erhörung. Das Auge, mit welchem sie wieder sah, blieb sehr scharf bis ins höchste Alter. (Eine andere Quelle sagt, Gott habe ihr in den Sinn gegeben, eine eherne Kugel in Form eines Auges zur Kirche, wo die Reliquien des hl. Cyriacus ruhten, zu schicken.) Wo aber ihr Geburtsort und erster Aufenthalt zu suchen sei, können wir mit Sicherheit nicht angeben. Es wird erzählt, die Pfalzgräfin Adelheid, Manegolds von Calw Gemahlin, habe sie zu sich berufen, um in ihrer Gesellschaft das Leben ihrer auserwählten Schwestern in Christo Wielica und Hilteburgis nachzuahmen. Das Schloß, in welchem sie wohnten, wird bei Paul von Bernried Moropolis genannt. Nun wurden die Reliquien eines hl. Martyrers Cyriacus, wie die Bollandisten bemerken, in dem Benedictinerkloster und nachmaligen Chorherrnstifte Wiesensteig in Württemberg, Oberamts Geislingen im Donaukreis, verehrt. Aus diesem Grunde ist wohl die Vermuthung gestattet, daß der damalige Aufenthalts- und vielleicht Geburtsort der Seligen nicht weit von diesem Kloster zu suchen, und daß Moropolis das nahe bei demselben gelegene Dorf Donstetten, (Todtenstetten, Todtenstadt) 1 sei. In dieser Vermuthung bestärkt uns die Mittheilung Hefele's (»Geschichte der Einführung des Christenthums im südwestlichen Deutschland«, S. 417), daß Donstetten unter den Dörfern erscheine, welche gleich Anfangs dem Kloster Wiesensteig zugetheilt wurden. Hier also übte sich die Selige in Gebet und Werken der Nächstenliebe. Sie nahm sich in Liebe der kleinen Kinder an, die sie wartete, und unterstützte deren arme Mütter durch Anfertigung, Flicken und Waschen von Kleidungsstücken, durch Besorgung von Bädern, Beischaffung von Lebensmitteln u. dgl. In ihrem Streben nach Vollkommenheit wurde sie durch Visionen und andere Gnadenerweisungen Gottes bestärkt. Einst erschien ihr die hl. Felicitas, welche sie eifrig verehrte, und tadelte sie, weil sie einer Magd im Schlosse durch eine Nothlüge aus der Verlegenheit geholfen hatte: es sei wenig, die Keuschheit des Leibes aus Liebe zu Gott zu bewahren, wenn nicht auch jede Lüge gemieden werde; wo die Wahrheit befleckt werde, sei auf körperliche Unbeflecktheit kein großer Werth zu legen (ubi veritas corrumpitur, corporalis integritas non magni penditur). Andererseits bereitete ihr der böse Feind innere und äußere Nachstellungen. Er erschien den frommen Frauen, während sie beteten, in schwarzer Gestalt, löschte ihnen die Lampe aus und dann nochmal, als Herluka sie wieder anzündete; nachher sah man Herluka's Gesicht von dem Anhauch des bösen Geistes stark angelaufen. Als sie aber eifrig fortbeteten, rüttelte er beim Entweichen das Schloßgebäude so gewaltig, daß man dessen Einsturz fürchten mußte, und andere Leute Nachts und am folgenden Tage verschiedene Vermuthungen über diese Erschütterung verlauten ließen. Ein anderes Mal warf er sie ins Wasser u.s.f. Ihre Rathgeber im geistlichen Leben waren der sel. Abt Wilhelm von Hirsau (s. B. Guilielmus29) und nach dessen im J. 1091 erfolgten Tode Theocarius, nachmals (um das J. 1118) der 53. Bischof von Metz. (S. S. Dietgherus.) Wann aber die Selige ihren bisherigen Aufenthalt verlassen habe, ist nicht auf uns gekommen. Wir finden sie in Begleitung der frommen adelichen Eheleute Rutpert und Hadewig, die sie ernährten, auf einer Reise ins Lechthal, bei welcher Gelegenheit sie nach dem zwischen Landsberg und Schongau gelegenen, zur Diöcese Augsburg gehörigen Dorfe Epfach (dem alten Eptaticum), ans Grab des hl. Bischofs Wikterp von Augsburg 2 kam, wo es ihr so sehr gefiel, daß sie, als die beiden Eheleute wieder heimkehrten, durchaus nicht mehr zu bewegen war, mit ihnen zu gehen. Hierüber geriethen dieselben in großen Zorn und verließen sie ohne alle Unterstützung. Da erschien ihr aber der hl. Bischof Wikterp und gab ihr zu verstehen, daß sie hier bleiben solle. Bei der Kapelle des hl. Laurentius, wo diese Erscheinung statthatte, blieb von jetzt Herluka ungefähr 36 Jahre lang. Hier gesellte sich zu ihr eine andere fromme Person, Namens Douda, eine Enkelin des Eremiten Sigebod von Raitenbuch. Sie förderten sich gegenseitig im Streben nach Vollkommenheit. Eines Tages kam die selige Herluka aus der Kirche und warf, da es sehr kalt und das Feuer im Ofen ausgegangen war, die Brände etwas hastig durcheinander. »Wo bist du gewesen, meine Tochter?« fragte Douda, »wo kommst du her?« - »In der Kirche war ich, von der Kirche komm' ich,« war die Antwort. »Glaub' es nicht,« erwiderte Douda, »du müßtest sonst eine süßere Frucht des Gebetes mit nach Hause gebracht haben.« Einst erschien der sel. Herluka am hellen Tage der Erlöser; Blut floß aus seinen Wunden, tief betrübt war sein Angesicht, schmerzvoll sein Ausdruck. Die Jungfrau erschrack, aber plötzlich sah sie den hl. Wikterp, welcher sie tröstete und ihr sagte, die Bedeutung des Gesichtes sei, sie dürfe künftighin die Messe des Priesters Richardus, welcher im Concubinate lebte, nicht mehr hören. Sie hatte die Lieblichkeit des vertrauten Umgangs mit Gott so gekostet, daß sie zu sagen pflegte, keine Pein der Welt gebe es, die sie nicht zu ertragen bereit wäre, um bei Christus seyn zu können. Nachdem die sel. Herluka 36 Jahre lang in wunderbarer Heiligkeit zu Epfach zugebracht hatte, wurde sie durch Verfolgungen boshafter Menschen gezwungen, ihre einsame Wohnung zu verlassen. Sie wendete sich daher an ihren gottseligen Freund, den regulirten Chorherrn Paul von Bernried, flüchtete sich dann auf seinen Rath zu diesem am Würmsee gelegenen Kloster Bernried, verschloß sich in eine enge Zelle neben demselben und starb dort selig im Herrn um das J. 1142. Dieser Paul von Bernried ist auch ihr ältester Lebensbeschreiber, welcher durch volle 20 Jahre Nachforschungen über ihr Leben anstellte, und dem wir viele Einzelnheiten aus demselben verdanken, von denen oben einige angeführt sind. Diese Lebensbeschreibung ist auch von den Bollandisten aufgenommen worden. Leider hat Paul von Bernried dieselbe nicht vollendet, weßwegen auch der Todestag der sel. Herluna nicht bekannt ist. Sie wurde übrigens in der Klosterkirche zu Bernried beigesetzt, 3 wo sie auf der Epistelseite des Chors ihre Ruhestätte fand. Im J. 1763 untersuchte man das Grab und legte ihre Gebeine aus dem schadhaft gewordenen hölzernen Sarge in einen andern von Blei. Ein einfaches Kreuz auf einem Stein des Kirchenpflasters bezeichnet die Stelle ihres Begräbnisses. Hiernach scheint die Verehrung, welche die späteren Augustinerbrüder gegen die Selige trugen, nicht sehr groß gewesen zu seyn. Als im J. 1791 eine neue Untersuchung der Gruft vorgenommen wurde, fand der hiezu beigezogene Arzt, daß mehrere Stücke abgingen. Da erzählte der Senior, P. Remigius, daß »ein andächtelnder Pater« bei der letzten Eröffnung eine Schachtel voll von diesen Gebeinen zu sich genommen und wahrscheinlich hinter dem Choraltar versteckt habe. Das Volk hat sie in besserm Andenken behalten; denn heute noch geht die Sage, daß, wenn die sel. Herluka nächtlicher Weile in die Kirche ging, die verschlossenen Thüren ihr sich von selbst geöffnet hätten. Obwohl deßhalb Herluka von Einigen »heilig« genannt wird, wird sie von den Bollandisten und Andern, worunter auch Raderus (I. 51) lediglich als »Selige« bezeichnet. Nach Einigen ist ihr Todestag der 18. März, an welchem die Bollandisten (II. 614) sie unter den »Uebergangenen« aufführen, während sie dann von ihnen am 18. April, zugleich mit dem hl. Bischof Wikterp, behandelt wird. Vgl. B. Diemodis. (II. 547-557.)

1 Das Wort moropolis heißt auch, »Todtenstadt«, von moros = Loos, Tob, lat. mors, und polis Stadt.

2 Ueber die Zeit, wann der hl. Bischof Wikterp lebte, schwanken die Angaben. Nach den Bollandisten (Apr. II. 548) starb er am 18. April 651, nach Placidus Braun (»Lebensgeschichten aller Heiligen und Seligen in der Stadt und Diöcese Augsburg«, S. 33) am 18. April um das J. 768, nach Andern noch später.

3 Das Folgende ist nach gütiger Mittheilung des gegenwärtigen Hrn. Pfarrers Jos. Hammerschmid von Bernried.




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zuletzt aktualisiert am 20.10.2018
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