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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hinweise zu Stadlers »Heiligen-Lexikon« Abkürzungen

Maria Magdalena von Pazzi


S. Magdalena de Pazzis, V. (25. Mai al. 30. April). Diese hl. Magdalena war am 2. Apr. 1566 zu Florenz geb. Ihr Vater hieß Camillo de Pazzi, die Mutter Maria Lorenzo de Buondelmonte. In der hl. Taufe bekam sie den Namen Catharina (von Siena). Frühe schon zeigte sie die Spuren ihrer spätern Heiligkeit. Die Tugend des Gehorsams scheint sie schon in der Wiege sich zu eigen gemacht zu haben (a cunabulis obediens). Obwohl sie als Mädchen freundlich und gesprächig war, hatte sie doch an Kinderspielen wenig Freude. Aber mit Ertheilung von Unterricht und Anhörung desselben beschäftigte sie sich desto lieber. Seit ihrem siebenten Jahre fing sie an, dieß mit Bewußtseyn und Vorsatz zu thun. Sie sammelte Kinder um sich und belehrte sie. Einst als ihre Eltern nach genossener Sommerfrische wieder in die Stadt zurückkehren wollten, konnte sie sich von ihren kleinen Schülerinnen nicht trennen, ohne daß die Mutter erlaubte, daß eine derselben mit ihr in die Stadt komme. Frühzeitig gewöhnte sie sich, ihre Gedanken oft zu sammeln und auf Gott zu richten. Daher gewann sie das innerliche Gebet besonders lieb, so daß sie schon in frühester Jugend, wenn sie der Betrachtung oblag, manchmal nicht mehr merkte, was neben ihr vorging. Sie trug so großen Abscheu vor jeder Sünde in sich, daß sie über ein einziges böses Wort ganze Nächte weinen konnte. So begoß sie schon im zarten Alter die aufsprießende Pflanze der Vollkommenheit mit den Thränen aufrichtiger Buße, und ließ sie in der Verdemüthigung ihres ganzen Wesens immer tiefere Wurzeln schlagen. In ihrem zehnten Lebensjahre ging sie zum ersten Mal zur hl. Communion. Zwei Jahre später gelobte sie dem göttlichen Heilande beständige Jungfrauschaft. Um dieselbe Zeit fing sie auch an, strengere Bußwerke auf sich zu nehmen, und im Schlaf, im Essen und Trinken, im Reden, in der Verläugnung des eigenen Willens und durch Auferlegung freiwilliger Leiden sich abzutödten. In einer Ueberströmung der Andacht und Liebe zu Jesus, der für uns so viel gelitten, setzte sie sich eines Tages eine von Binsen gefertigte, mit Dornen durchflochtene Krone auf. Ueberhaupt war das Leiden unsers Herrn der Gegenstand ihrer unablässigen Betrachtung. Im Kloster St. Johann, wohin sie in ihrem 14. Lebensjahre zur weitern Ausbildung von ihrem Vater, welcher als Befehlshaber nach Cortona kam, geschickt wurde, erhielten ihre Vorsätze noch größere Festigkeit und eine Art Reife, so daß sie auch den Klosterfrauen »ein lebendes Beispiel wahrer Frömmigkeit« erschien. Es konnte deßhalb nicht erwartet werden, daß sie irgendwelche Anträge, mochten dieselben noch so einladend seyn, annehmen würde. Es stand bereits, wie sie sagte, nicht mehr in ihrer Gewalt, in dieser Hinsicht über sich zu verfügen. Das Gelübde, womit sie als zartes Mädchen sich dem Herrn verbunden hatte, galt ihr als unauflöslich. Nach diesen so offenen und festen Erklärungen gab ihr der Vater die Erlaubniß, in ein Kloster zu gehen. Sie nahm also im J. 1583 den Habit der Carmelitinnen im Kloster St. Maria zu den Engeln bei St. Frigidian (in einer der Vorstädte von Florenz, am östlichen Ende der Stadt, nicht weit von der Porta Pinti). Ein Jahr später, am 27. Mai, machte sie Profeß. Sie that es im Bett, denn ihre strengen Bußübungen hatten ihre Kräfte so sehr geschwächt, daß man für ihr Leben fürchtete. Aber nach der Profeß kam sie in eine zweistündige Ekstase. Ihr Angesicht verschönerte sich, die Wangen wurden roth wie frische Rosen, ihre auf das Crucifix gewendeten Augen glühten, sie schien nicht mehr die blasse, kranke Schwester Maria Magdalena, wie sie jetzt hieß, sondern ein aus dem Paradiese gesendeter Engel zu seyn. Dieser Zustand wiederholte sich vierzig Tage lang nach empfangener hl. Communion. Die Schwestern beteten einmüthig zu Gott, daß er ihnen dieses Wunder der Frömmigkeit noch erhalten möge, und sie wurden erhört. Die neue Profeßschwester genas zur Freude Aller. Sie lebte fort wie sie begonnen hatte, und je mehr der Gnaden sie empfing, ein desto bereitwilligeres Herz trug sie ihrem göttlichen Bräutigam in täglicher Selbstvernichtung entgegen. Am 21. Mai 1585 erhielt sie die innerliche Mahnung, alle Tage, mit Ausnahme der Feste, nur Wasser und Brod zu genießen, an Festen aber sich jener Speisen zu bedienen, welche die andern Schwestern an Fasttagen zu sich nahmen. Die Obern gestatteten ihr's nicht, obwohl sie eine Stimme gehört haben wollte, welche zu ihr sprach: »So du dieß nicht thust, will ich meine Augen von dir wenden.« Nur ausnahmsweise gab man ihr später, nach vorheriger Prüfung, die Erlaubniß zu so großer Abtödtung. Bald darauf sagte sie, Gott wolle, daß sie nicht länger als fünf Stunden schlafe, und zwar auf einer härenen Matratze, die mit einem Leintuche überzogen wurde. Ueberhaupt trat sie allmählich in einen Zustand über, in welchem sie mit Gott in ununterbrochenem Verkehr stand, und das Wort der Schrift: erunt docibiles Dei: »Gott selbst wird sie lehren«, sich an ihr erfüllte. Sie selbst gab die Regeln an, denen gemäß sie nach dem Willen Gottes leben solle: ihre Worte müßten sanft, wahr, gerecht seyn; ihr Verstand wie todt; ihr Gedächtniß dürfe nichts behalten, als das Andenken der von Gott empfangenen Wohlthaten; ihr Wille solle nichts Irdisches, sondern nur das verlangen, was Gott am besten gefalle; alle ihre Kräfte und Fähigkeiten müßten in Gottes Fürsehung fest genietet seyn, so daß sie in den Armen derselben ruhe wie eine Leiche. Ihre Aeußerungen, den Schwestern gegenüber, athmeten ganz die himmlische Luft, in der sie lebte: »O Liebe, o Liebe!« rief sie einmal aus, »gib mir eine Stimme, die dich als die Liebe verkünde, laß mich dich, die Liebe, so laut ausrufen, daß ich im Osten und Westen, durch alle Theile der Welt bis hinab in die Tiefe gehört werde, daß man dich, als die wahre Liebe, überall erkenne und ehre.« Und ein anderes Mal: »O Liebe, o Liebe! wie wenig bist du gekannt, wie wenig geliebt! Aber wenn du, o Liebe, nirgends Ruhe findest, so komm zu mir, ganz wie du bist, ich will dich gut aufnehmen. O Seelen, warum liebet ihr die Liebe nicht, die euch geschaffen hat! Was ist die Liebe, wenn nicht Gott? Ja, Gott ist die Liebe. O Liebe, du vertilgest mich, du zehrest mich auf, du machst mich sterben und doch lebe ich!« Wir werden weiter unten sie noch einmal sprechen hören, geben aber zuvor noch einige Auszüge aus den besondern Lebensvorschriften, die sie einhielt: »in jeder deiner Handlungen, sowohl innerlichen als äußerlichen, suche immer die reinste Absicht zu haben, und denke alle deine Worte und Werke so zu reden und zu thun, als ob sie die letzten wären; ertheile nie einen Rath, noch weniger ein Gebot, bevor du mit dem Gekreuzigten dich darüber berathen hast; sorge so viel als möglich, daß du eine Speise seiest allen Hungernden, ein Trunk den Dürstenden, ein Kleid den Nackten, ein Garten den Gefangenen, eine Erguickung den Mühseligen; die Regel und die Satzungen des Ordens halte so heilig wie den Herrn selbst.« Sie wollte getreu seyn im Kleinsten wie im Größten. Daher konnte sie nicht aufhören, ihren Mitschwestern zuzurufen: »Kommet, liebet meine Liebe, kommet und liebet euren Gott!« In ihrer Lebensbeschreibung sind mehrere ihrer Anmuthungen wörtlich aufgenommen. Eine der schönsten ist die folgende am Abende, die zugleich angibt, wie genau sie jeden Tag ihr Gewissen zu erforschen pflegte: »O mein Jesu, was war mein erster Gedanke am heutigen Tage? Es schmerzt mich, daß es du nicht gewesen bist. Aber ich fürchtete, es möchte zu spät seyn, deine Bräute zu rufen, daß sie dein Lob verkünden. Ich dachte also auch nicht daran, mich dir zu opfern, dich zu ehren. Dann ging ich in den Chor, mein Jesu, diese Aufopferung zu vollziehen, aber ich habe mich dir nicht ganz hingegeben, ich habe nicht in Allem mich in deinen Willen gelegt. O gnädigster Gott, welche Barmherzigkeit kann ich erwarten von dir, da ich mich nicht ganz in dich eingesenkt habe! Wenn ich hierauf dein Lob sprach (die Tagzeiten), so habe ich zu viel mich belästigen lassen, wenn ich einige sah, die lässig waren in einem Theil der Ceremonien u.d. vorgeschriebenen Verbeugungen, als daß ich einzig gesorgt hätte, dir mein Lob zu opfern in Vereinigung mit dem Lobe, das dir die seligen Geister darbringen … O ich weiß, o Herr, daß ich keine Verzeihung verdiene, aber dein Blut, das du für mich vergossen, läßt mich alle Tage hoffen, daß du mir verzeihen werdest.« So dachte, so betete die hl. Maria Magdalena von Pazzi Dieses Rüstzeug der Demuth und der Gottesliebe hatte ihr die Gnade gegeben, ehe sie eingehen durfte in jene lange Reihe unendlich schwerer Versuchungen und Kämpfe mit dem bösen Feinde, denen sie mit kurzer Unterbrechung vom 16. Juni 1585 fünf volle Jahre ausgesetzt wurde. Als sie davon Kenntniß erhielt, sprach sie wie Paulus in ähnlicher Lage war belehrt worden: »Deine Gnade ist mir genug, ich werde ewig mich nicht losreißen lassen von dir. In dir kann ich Alles.« Zuerst ward ihr Freude und Genuß der Andacht entzogen, dann die Gnade der guten Meinung, dann begannen schreckliche Erscheinungen der höllischen Geister und grausame Versuchungen sie hin- und herzujagen. Den fünf vorzüglichsten Liebeserweisungen, die der Herr ihr geschenkt hatte, wurden fünf eben so schwere Versuchungen entgegen gestellt. Sie hatte in der Seele die Wundmale des Herrn und seine Dornenkrone, dann war sie mit Ihm vermählt worden, ihr Herz hatte eingehen dürfen in sein Herz und sie hatte theilgenommen an der göttlichen Reinheit. Jetzt empfand sie Versuchungen gegen den Glauben, sie hatte Anfechtungen des Stolzes, die Bewegungen ihrer Sinne versagten den Gehorsam, ihr Geist fand sich in tiefer Nacht, sie hatte unmäßige Lust nach Nahrung und dergleichen mehr. Sie sagte oft, es gebe gar keine Art der Versuchung, die sie nicht erfahren hätte. Doch fehlte es nicht, wie wir oben schon angedeutet, an hellen Augenblicken. Sie blieb sogar vom 20. Juli bis zum October 1586 ganz frei von Anfechtungen. Während dieser Zeit hatte sie einmal eine viertägige Ekstase. Dem Erzbischofe von Florenz sagte sie das Papstthum und dessen sehr kurze Dauer voraus: »Nicht lang wird er in dieser Ehre bleiben; kaum hat er sie erlangt, wird ihr Ruhm verschwinden.« In der That regierte Leo XI. nur 26 Tage. Aber auch Krankenheilungen bewirkte sie: eine bereits am Sterben liegende Ordensschwester und eine andere, die den Aussatz hatte, wurden durch ihr Gebet wieder gesund. Auch ihrem Beichtvater erflehte sie bei Gott ein längeres Leben. Ueberhaupt war sie voll der zärtlichsten Liebe für alle Menschen, besonders für alle Sünder und alle Ungläubigen: »O könnt' ich doch«, sprach sie öfter, »nach Indien oder zu den Türken gehen.« Und wieder: »Wir wollen zu dem Ende heute Alles aufopfern.« Und: »Erbitten wir von Gott so viele Seelen, als wir Schritte durchs Kloster machen, oder so viele, als wir im göttl. Officium Worte aussprechen werden.« Wie sehr von dieser Liebe ihr ganzes Herz erfüllt war, gab sich dadurch zu erkennen, daß ihre Reden bei allen Arbeiten und bei jeder Beschäftigung immer wieder auf diesen Gegenstand zurückkehrten, daß sie oft schwere Bußübungen in dieser Meinung an sich vollzog und lange Gebete verrichtete. Auch für die armen Seelen litt und betete sie; mehrere derselben hat sie aus dem Fegfeuer erlöst. Diese Liebe ihren Mitschwestern einzupflanzen machte ihr viele Freude. Als sie im J. 1595 Novizenmeisterin wurde, fand sie dazu noch öfter Gelegenheit. Nach sechs Jahren, also 1604, wurde sie, wahrscheinlich weil sie dem Amte der Novizen-Belehrung wegen des im vorigen Jahre eingetretenen heftigen Blutspeiens nicht mehr vorstehen konnte, Subpriorin. Aber sie kränkelte fort. Im J. 1607 wurde ihr Zustand immer bedenklicher. Sie sah ihr nahes Ende voraus. Den Schwestern gab sie, ohne aufzuhören, für ihr eigenes Heil bis zu ihrer Auflösung ängstlich besorgt zu seyn, jeder besonders, die schönsten Ermahnungen. Allen aber prägte sie vornehmlich drei Dinge ein: daß sie die Regel fleißig beobachten, daß sie die Armuth lieben, und daß sie die gegenseitige Liebe bewahren möchten. So kam der Tag ihrer Auflösung. Sie ließ sich die letzte Oelung ertheilen. Am 24. Mai begehrte und erhielt sie die hl. Wegzehrung. Am 25. starb sie. Sie hatte ein Alter von 42 Jahren erreicht. Der Ruf ihrer Heiligkeit war so weit verbreitet, daß ein ungeheurer Zulauf zu ihrer Leiche war. Am 17. Mai des nächsten Jahres öffnete man ihr Grab. Eine wohlriechende Feuchtigkeit floß aus demselben. Dieß dauerte 12 Tage. Im J. 1626 erfolgte ihre Seligsprechung durch Papst Urban VIII., ihre Heiligsprechung vollzog Alexander VII. im J. 1669. Das Kloster, in welchem sie lebte, nahm ihren Namen an (S. M. Maddalena di Pazzi). Ueber ihre Offenbarungen bemerkt Papebroche, daß sie keineswegs eine Gewißheit beanspruchen; man könne über dieselben in den Schulen streiten, aber eine Erörterung hierüber eigne sich nicht für eine allgemeine Besprechung. Sie findet sich am 25. Mai im Mart. Rom. und am 30. Mai im Mart. der Camaldulenser. Attribut auf ihren Bildnissen sind die Wundmale des Heilandes. Sie erscheint (Hack, S. 359) als Carmeliterin mit einem brennenden Herzen und der Dornenkrone in der Hand. (VI. 177-351).




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zuletzt aktualisiert am 00.00.2014
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