Heilige für den CyberspaceArtikel aus der online-Ausgabe der SonntagsZeitung |
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In der Ausgabe
vom 9. April 2000 berichtet die SonntagsZeitung über Überlegungen,
einen "Heiligen für das Internet" zu finden. Wir geben den Artikel hier wieder und haben die links für das Ökumenische Heiligenlexikon eingebaut: Das Internet soll einen Schutzpatron bekommen, doch wem die Ehre gebührt, darüber herrscht UneinigkeitVON CUNO SCHNEEBERGERDie Heilige Franziska
von Rom beschützt die Autofahrer, Franziskus
von Assisi ist für den Umweltschutz zuständig, und Bierbrauer
können neben Gambrinus auf eine ganze Menge weiterer Heiliger zählen.
Es scheint, als ob es auf der Welt für alles und jeden einen Schutzpatron
gäbe. Einzig Surfer im Cyberspace sind auf sich alleine gestellt.
Niemand wacht über sie, wenn die Suchmaschine den gewünschten
Begriff wieder mal nicht finden will oder das Modem andauernd den Kontakt
zum Provider verliert.
Die Ernennung zum Heiligen durch den Papst ist nicht erforderlich Der Spanier Luis Angel Largo will den Heiligen Stuhl davon überzeugen,
dass jemand anders wesentlich besser qualifiziert wäre. Gemäss
Largo gebührt diese Ehre San Pedro Regalado, einem Priester, der von
1390 bis 1456 gelebt hat, und als Schutzpatron der nordspanischen Stadt
Valladolid sowie von Stierkämpfern gilt. Unterstützt wird der
Spanier von der Obwohl sich der Vatikan Gedanken zum Thema macht, ist die Ernennung
durch den Papst eigentlich gar nicht erforderlich. Viele Schutzheilige
kamen in der Geschichte durch Brauchtum oder Popularität zu ihrer
Aufgabe. So besitzt in Katalanien beispielsweise Santa Tecla eine kleine,
überzeugte Anhängerschaft und amtet als Schutzheilige dieser
Internauten. Santa Tecla soll den Katalanen bei der Lösung von Computerproblemen
helfen und nimmt in einer virtuellen Kapelle die Online-Beichte ab. Mit
einem Mausklick lässt sich für beliebte Sünden, wie das
Nichtbezahlen von Sharwaregebühren oder das Betrachen von obszönem
Material, um Vergebung bitten. Allerdings scheint sie ihre schützenden
Hände nur widerwillig über die Häupter anderer Internetsurfer
ausbreiten zu wollen: Die Site ist bloss in katalanischer Sprache abrufbar.
Nicht ganz geklärt ist unter Gläubigen indes die Frage, ob man das Internet mit all seinen Schmuddelsites einem Heiligen überhaupt zumuten darf. Möglicherweise wäre ein modernerer Schutzpatron den Anforderungen des digitalen Zeitalters weit besser gewachsen. Dabei sei in erhitzten Diskussionen auch schon mal der Name von William H. Gates gefallen. Für was aber könnte man ihn heilig sprechen? Dafür, dass er das Wunder fertiggebracht hat, seinen Kunden so viel Geld aus der Tasche zu ziehen? Bis zur Entscheidung müssen wir ohne höheren Schutz weitersurfen. Ob ein katholischer Heiliger dem sämtlichen Völkergruppen und Religionen umfassenden Internet überhaupt gerecht werden kann, bleibt ebenfalls offen. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die katholische Kirche sich weltoffen zeigt und einen Nichtkatholiken, wie beispielsweise Mahatma Gandhi, zum Internetpatron erklärt. Bis eine Entscheidung fällt, werden wir wohl oder übel ohne höheren Schutz weiter surfen müssen. |
| Aktueller Stand der Entscheidung: => Schutzpatron für Internet |
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