|
|
Bartolomé Esteban Murillo, 1655, in der Sakristei der Kathedrale in Sevilla

Isidor, Sohn einer vornehmen Familie mit Wurzeln in Rom, die wohl wegen der byzantinischen Besetzung nach Sevilla geflohen war. Er war das jüngste von fünf Kindern, Bruder von Fulgentius, der == Florentina von Astigi und des Leander von Sevilla, der Isidor nach dem Tod der Eltern erzog und ihn auch zum Priester weihte. Auch Isidor ging bereits als Jugendlicher ins Kloster. Mit 30 Jahren wurde er Abt. Er führte ein strenges Regiment; ein Regelbuch für das mönchische Zusammenleben wurde in seiner Zeit wichtig.
Isidor war den Wissenschaften zugetan. Die Klosterbibliothek gehörte zu den berühmtesten ihrer Zeit. Beim Konzil von Toledo 589 war er der führende Theologe. 600 wurde er als Nachfolger seines Bruders Leander Erzbischof von Sevilla. Hier legte er besonderes Gewicht auf die Ausbildung des Klerus, richtete Schulen und Bibliotheken ein. Er förderte die Einheit und den Erhalt der spanischen Kirche, indem er die Westgoten, die im 5. Jahrhundert Spanien erobert hatten und bei denen noch stark der Arianismus verbreitet war, zum Christentum der Kirche bekehrte. Er leitete die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. von 619 in Sevilla. Auch beim vierten nationalen Konzil von Toledo 633, in welchem die Einheit von Kirche und Staat, die Einrichtung von Domschulen in jeder Diözese sowie die Vereinheitlichung der liturgischen Praxis verabschiedet wurde, führte er den Vorsitz.
Meister des Codex 167: Bischof Braulio und Isidor von Sevilla, Buchmalerei, 2.
Hälfte des 10. Jahrhunderts, in der Stiftsbibliothek des Klosters in Einsiedeln

Isidor gilt als bedeutender Kirchenlehrer.
In seinem wichtigsten Werk, der Etymologiae
, wahre Bestimmung (der
Dinge)
, einer Art Realenzyklopädie der Spätantike, versuchte Isidor das
gesamte weltliche und religiöse Wissen zu vereinen. Das Werk umfasst 20 Bände
und enthält Informationen, die Isidor den Werken anderer Schreiber und römischer
Persönlichkeiten entnommen hatte: die Darstellung der sieben Freien Künste Grammatik,
Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, dazu die Lehren
der Medizin, des Rechts, der Weltgeschichte, der Theologie und Anthropologie, der
Architektur und Erdkunde mit Beschreibung von Naturphänomenen wie Sonnenfinsternis
oder Erdbeben, Schiffahrtskunde und Kriegskunde. Die erst von Bischof Braulio
von Saragossa fertiggestellte, König Sisebut gewidmete Etymologie
wurde zum beliebtesten Handbuch für die Studenten des Mittelalters und blieb
über Jahrhunderte hinweg ein Standard-Nachschlagewerk. Isidors Chronica Majora
,
Große Chronik
, ist ein umfassendes Geschichtswerk von der Schöpfung bis
zum Jahr 615 als Ergänzung der Werke von Eusebius
von Cäsarea und Hieronymus.
Die Historia Gothorum
, Geschichte der Goten
, zeigt Isidors Sympathie
für die Westgoten. De viris illustribus
, Über die bedeutenden Männer
ergänzt wieder Hieronymus gleichnamige Arbeit mit besonderer Berücksichtigung
spanischer Schriftsteller.
Am Schnittpunkt zwischen profaner und theologischer Wissenschaft angesiedelt sind
Isidors Differentiae
, Unterschiede
, ein Synonymenwörterbuch mit
Erläuterung theologischer Begriffe; Synonyma
oder Liber lamentationum
,
Zusammenschau
oder Buch des Wehklagens
enthält ein Zwiegespräch
zwischen Mensch und Vernunft; De natura rerum
, Über die Dinge der Natur
,
enthält eine biblische Auslegung der kosmolgischen Erkenntnisse der Antike.
Isidors theologisches Hauptwerk Sententiarum Libri Tres
in der Tradition
der Lehren des Augustinus gilt als erstes
Handbuch christlicher Lehre und Ethik in der römischen Kirche. Contra Iudaeos ad
Florentinam sororem
, Gegen die Juden an (seine) Schwester == Florentina
enthält scharfe Polemik. Seinem Bruder Fulgentius
gewidmet ist De origine officiorum ecclasiasticorum
, Von den Ursprüngen
der kirchlichen Dienste
mit Beschreibung der Ämter der Priesterschaft und der
Liturgie. Die kirchenrechtliche Sammlung Hispana
, Spanisches
hatte
großen Einfluss auf das mittelalterliche Kirchenrecht. De regula monachorum
Über Regeln für Mönche
bestimmte das Leben in den von Isidor gegründeten
Klöstern.
Von Isidor stammt der Gebrauch des Ausdrucks Messe
für den Gottesdienst mit
EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23.feier,
abgeleitet vom lateinischen Missio
, Sendung
als die
Sendung zunächst der Neugetauften, der Katechumenen, dann der ganzen Gemeinde.
Kanonisation:
Isidor ist der Nationalheilige von Spanien; er wurde wohl 1598 heiliggesprochen
und 1722 zum Kirchenlehrer ernannt.
Patron
Isidor ist im Gespräch als Patron
des Internets, damit wir während der Reise durch das Internet unsere Hände
und Augen nur darauf lenken, was dir gefällt
, wie es in einem Gebet heißt.
2001 wurde der Isidor-Award
gestiftet zur Auszeichnung des besten
europäischen Shareware-Programms.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||