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Ökumenisches Heiligenlexikon

Augustinus von Hippo

auch: A. von Thagaste, Aurelius Augustinus

Gedenktag katholisch: 28. August
gebotener Gedenktag
bedacht im spanisch-mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Hochgebet
Hochfest im Orden der Augustiner-Eremiten, im Orden der Augustiner-Chorherren, im Prämonstratenserorden bei den Assumptionisten und in der Stadt Tudela
Fest im Bistum Tudela, im Dominikanerorden, im Servitenorden, im Orden der Barmherzigen Brüder, bei den Kreuzherren, bei den Hieronymiten, im Mercedarierorden, bei den Birgittinnen, bei den Ewigen Anbeterinnen des Heiligsten Sakraments, im weiblichen Zweig des Malteserordens und bei den Bethlehemschwestern
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Ordenskalender der Arnsteiner Patres
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Gedenktag der Bekehrung: 5. Mai, 17. Mai
Fest im Orden der Augustiner-Eremiten: Tag der Bekehrung: 24. April
gebotener Gedenktag im Orden der Augustiner-Chorherren/-frauen und im Prämonstratenserorden: Bekehrung: 24. April
in Pavia: Übertragung der Gebeine von Sardinien nach Pavia 180 Jahre nach seinem Tod: 28. Februar
in Hippo/Annaba: Weihetag der ihm geweihten Kathedrale (1900): 29. März
in Brügge: Übertragung der Gebeine: 11. Oktober

Gedenktag evangelisch: 28. August

Gedenktag anglikanisch: 28. August

Gedenktag orthodox: 15. Juni, 28. August

Name bedeutet: der Erhabene (latein.)

Bischof von Hippo Regius, Kirchenvater
* 13. November 354 in Thagaste in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien
† 28. August 430 in Hippo Regius in Numidien, dem späteren Bône und heutigen Annaba in Algerien


Augustinus' Vater Patricius, ein kleiner Bauer und Regierungsbeamter, blieb bis kurz vor seinem Tod Anhänger des römischen Götterglaubens, seine Mutter Monika war Christin; seine Schwester Perpetua leitete als Witwe später ein Frauenkloster in Hippo Regius. In Madauros - dem heutigen M'Daourouch konnte Augustinus die Grammatikschule besuchen, weil ein Gönner ihm die Ausbildung in den freien Künsten Grammatik, Dialektik, Rhetorik und Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik ermöglichte. Als er 16 Jahre alt war, musste er aus Geldmangel sein Studium abbrechen; er kehrte nach Hause zurück und schloss sich einer Straßenbande an. Ein Jahr später konnte er in Karthago - dem heutigen Vorort von Tunis in Tunesien - ein Studium der Rhetorik beginnen und mit Erfolg absolvieren. Von einem uns unbekannten Mädchen, mit dem er auch die kommenden Jahre ein Verhältnis behielt, bekam er einen Sohn mit Namen Adeodatus.

Für die Religion seiner Mutter empfand Augustinus zunehmend Verachtung. Er las zwar als Literat auch die Bibel, fühlte sich aber von ihrer ungelehrten Sprache abgestoßen. Beeindruckt war er hingegen von Ciceros Hortensius, einer für die Philosophie werbenden Schrift; nach ihrer Lektüre schloss er sich spontan einer geistig-religiösen Strömung an, die dem Christentum jener Zeit schwer zu schaffen machte, dem damals noch jungen und modernen Manichäismus, der eine strenge Teilung der Welt in Gut und Böse lehrte und Augustinus als die tiefere und radikalere Form des Christentums erschien.

Etwa ab 375 war Augustinus als erfolgreicher Professor für Rhetorik in seiner Heimatstadt Thagaste und dann in Karthago tätig. Hier reiften seine Zweifel am Manichäismus, die sich nach seiner Übersiedelung nach Rom 383 noch verstärkten; dennoch halfen ihm Freunde aus dieser Gruppe, 384 die Stelle eines Rhetoriklehrers in Mailand - damals Hauptstadt des römischen Reiches - zu bekommen. Hier wandelte sich sein Leben: Seine ihm besorgt nachgereiste Mutter, der er schon immer sehr nahe stand, machte ihren christlichen Einfluss geltend; sie überredete ihn, die Beziehungen zu seiner Geliebten abzubrechen; außerdem war er von den Predigten des Mailänder Erzbischofs Ambrosius und seiner neuplatonischen Schriftauslegung fasziniert.

Paulus' Lehre von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und eine Biografie über den Mönchsvater Antonius beeindruckten Augustinus. Schließlich geschah es nach seinem eigenen Zeugnis, dass er Anfang August 386 - unter einem Feigenbaum liegend - eine Kinderstimme hörte: Nimm und lies … Er ergriff die Bibel und stieß auf den Satz: Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Buhlereien und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pfleget das Fleisch nicht so, dass Begierden erwachen! (Römerbrief 13, 13 - 14). Daraufhin durchströmte ihn ein Licht der Sicherheit, er bekehrte sich zum Christentum.

Augustinus zog sich aus seinem Beruf und mit Freunden auf das Landgut Cassiciacum - wohl das heutige Casciago bei Varese - zurück, ging Anfang 387 als Taufbewerber nach Mailand und ließ sich dort in der Osternacht 387 taufen, kehrte nach Thagaste - zurück, verkaufte sein Vermögen und lebte für drei Jahre mit Gleichgesinnten wie schon in Cassiciacum in klosterähnlicher Weise. Als er während einer Reise in Hippo Regius weilte, wurde er vom Volk ins Priesteramt berufen und Ende 390/Anfang 391 zum Priester geweiht; er übernahm die Aufgabe des Predigers, die in Nordafrika sonst vom Bischof selbst ausgefüllt wurde, und wurde nach dem Tod des Bischofs Valerius um 396 dessen Nachfolger. Er war ein begeisternder Prediger, bekämpfte scharf alle abweichenden Lehren, hatte Einfluss weit über seine Diözese hinaus, obwohl er diese nur zur Teilnahme an den nordafrikanischen SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. verließ, und wurde zum geistigen Führer der abendländischen Kirche. Nachdem der Einfluss des Manichäismus schwand, wurde der Donatismus immer mehr zur Herausforderung der Kirche. Auf dem Konzil in Karthago 411 wurde unter Augustinus' maßgeblichem Einfluss der Donatismus endgültig verurteilt.

Auf dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen mit dem gemeinsamen Leben schrieb Augustinus um 397 einen Brief mit Regeln für das Leben im Kloster - ob zunächst für das von seiner Schwester geleitete Frauenkloster in Hippo Regius bestimmt oder für das von ihm gegründete Kloster für Männer ohne pastoralen Auftrag, ist umstritten. Grundlegend gebietet der erste Satz: Vor allen Dingen, liebe Brüder, sollt ihr Gott lieben, sodann den Nächsten; denn das sind die Hauptgebote, die uns gegeben sind. Es folgen Anweisungen über die Gebetszeiten und -praxis, die Einteilung der Arbeitszeit, über Gehorsam, die Tischlesung und das Verhalten bei Tisch, das Verhalten außerhalb des Klosters, die Zeiten des Redens und Schweigens sowie über die Strafe bei der Missachtung dieser Regeln; daraus entstanden dann die Regeln für die sich in den kommenden Jahrhunderten weit verbreitenden Zweige des Augustinerordens.

Als einer der größten Theologen der Kirchengeschichte entwickelte Augustinus in der Auseinandersetzung mit den philosophischen und religiösen Strömungen seiner Zeit seine Lehren von der Erbsünde, der göttlichen Gnade, der göttlichen Souveränität und der Prädestination, die über Jahrhunderte bis ins hohe Mittelalter die katholische Theologie, dann auch die Reformation des Augustinermönches Martin Luther beeinflussten. Stark vom griechischen Philosophen Plato geprägt, war Augustinus die Welt der Erfahrung weniger wichtig als die Welt des Geistes - die für ihn immer die Welt des guten Geistes Gottes ist. Mit Plato lehnte er die Existenz eines Bösen an sich ab, da Gott allmächtig und gut ist; alles Böse ist deshalb Mangel an Gutem. Nach Augustinus gab Gott den Menschen die Vernunft, um Gott besser verstehen zu können, und den freien Willen, um Entscheidungen in der Verantwortung vor Gott treffen zu können. Unmoralische Entscheidungen seien solche, die ohne Gott gefällt werden. Überliefert sind fast 1000 seiner Predigten, 113 Bücher und 218 Briefe.

Vittore Carpaccio: Vision des Augustinus (Detail), 1502, Schule von San Giorgio degli Schiavoni in Venedig
Vittore Carpaccio: Vision des Augustinus (Detail), 1502, Schule von San Giorgio degli Schiavoni in Venedig

Nach der Eroberung Roms durch Gotenkönig Alarich 410 setzte Augustinus sich intensiv mit Heidentum und Platonismus auseinander. In seiner großen christlichen Apologie De civitate Dei, Gottesstaat, entstanden von 413 bis 426, legte er seine theologisch begründete Geschichtsphilosophie dar und beschrieb die Weltgeschichte als einen linearen Prozess hin auf ihr Ziel, die Vollendung bei Gott. Damit soll der Vorwurf ausgeräumt werden, der Fall Roms sei durch die Abkehr von dessen hergebrachten Göttern verschuldet. Gegen die alte Vielheit der Götter setzte Augustinus die Einzigartigkeit des allein durch Jesus Christus vermittelten Heils. Nach 410 setzte er sich eingehend mit dem Pelagianismus, dessen asketischem Rigorismus und dessen Menschenbild auseinander; er betonte, dass die Gnade Gottes nicht geschenkt werde zur Erleichterung eines tugendsamen Lebens, sondern um solches überhaupt erst zu ermöglichen; in diesem Zusammenhang entwickelte Augustinus seine Lehre von der Erbsünde.

Augustinus' bekanntestes Werk sind die autobiographischen Confessiones, Bekenntnisse, geschrieben um 400, in denen er in 13 Bänden sein frühes Leben, seine ständige Suche nach Wahrheit und seine Bekehrung beschreibt. Durch seine grundsätzlichen Erwägungen über das Wesen des Menschen sind die Bekenntnisse viel mehr als nur eine Biografie; oft werden sie als die erste Autobiografie der Literaturgeschichte bezeichnet, aber diese Ehre gebührt Gregor Thaumaturgos. Eine Stelle in diesem Werk, in der Augustinus' feurige Gottesliebe zum Ausdruck kommt, wurde später zum Attribut eines flammenden Herzens, das ihn in den Darstellungen von Ambrosius unterscheidet.

Weitere Werke: De libero arbitrio, Über den freien Willen, enstanden 389 bis 395; De doctrina christiana, Über die Christliche Lehre, verfasst 397 bis 428; De baptismo, contra donatistas, Über die Taufe, gegen die Donatisten, geschrieben 400/401: De trinitate, Über die Dreieinigkeit (Gottes), erarbeitet 400 bis 416; De natura et gratia, Über Natur und Gnade, aus dem Jahr 415.

Eine der zahlreichen Legenden erzählt, wie Augustinus am Ufer des Meeres wandelnd und in tiefes Nachdenken versunken einen kleinen Knaben sah, der mit einer Muschel Wasser schöpfte und in eine Sandgrube goss. Befragt, was er tue, antwortete das Kind: Dasselbe, was du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit deinen Gedanken ausschöpfen - ich versuche, das Meer auszuschöpfen!

Während der Belagerung von Hippo Regius durch die Vandalen im Sommer 430 erkrankte Augustinus an einem Fieber. Er wollte nicht sterben, ohne vorher gründlich Buße getan zu haben. Teil dieser Buße war, keinen Besuch mehr zu empfangen, eine Ausnahme machte er nur für seinen Arzt und für die Diener, die ihm das Essen brachten. Er ließ sich die Bußpsalmen auf Pergament abschreiben und an die Wand nageln; niemand konnte ihn so bei seiner ununterbrochenen Lektüre stören. Schließlich starb er, ohne die Sterbesakramente empfangen zu haben, denn auch kein Priester durfte sein Zimmer betreten.

Augustinus' Gebeine wurden wohl um 500 von den durch Vandalenkönig Thrasamund verbannten Bischöfen Nordafrikas nach Sardinien mitgenommen; im 8. Jahrhundert wurden sie von Langobardenkönig Liutprand gekauft und nach Pavia gebracht, wo sie 1695 angeblich wieder entdeckt wurden und seitdem in der Kirche S. Pietro in Ciel d'Oro verehrt werden. Augustinus gilt als der wichtigste Kirchenvater der Westkirche und wird Kämpfer gegen Irrlehren genannt. Sein Beiname Aurelius wurde von ihm selbst nie bezeugt, er geht möglicherweise auf eine Verwechslung mit Augustinus' Kollegen == Aurelius von Karthago zurück.

Kanonisation: Augustinus wurde 1295 vom Papst zum Kirchenlehrer ernannt. Attribute: Buch, flammendes Herz, Engel, wasserschöpfendes Kind, Schreibfeder
Patron der Theologen, Buchdrucker und Bierbrauer; für gute Augen
Bauernregel: Um die Zeit von Augustin/gehn die warmen Tage hin.

Die Bekenntnisse auf deutsch

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia: Leben
Catholic Encyclopedia: Lehren
Catholic Encyclopedia: Werke
Catholic Encyclopedia: Ordensregeln

Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)

Werke von Augustinus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Schriften von Augustinus gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Das Zentrum für Augustinus-Forschung in Würzburg bietet eine Hinführung zu Gestalt und Werk von Augustinus, dazu einige seiner Texte und Texte über ihn als Einführung in eine 1995 erschienene CD-ROM, die Texte des großen Theologen enthält.

Die Website der deutschen Augustiner bietet Informationen zu Leben und Wirken ihres Namensgebers, den Orten seiner Wirksamkeit und vor allem die deutsche Übersetzung der kompletten Confessiones. Dazu gibt es natürlich Informationen zum Orden.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 11.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Gregory Bergmann: Philosophie für die Badewanne. Kreuz Verlag, Stuttgart 2004
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993
• http://www.augustiner.at/augustinus_ueberlieferung.php