Gedenktag katholisch: 28. August
gebotener Gedenktag
bedacht im spanisch-mozarabischen Hochgebet
Hochfest im Orden der Augustiner-Eremiten und im Orden der Augustiner-Chorherren
Fest im Dominikanerorden, im Prämonstratenserorden, im Servitenorden und im Orden der Barmherzigen Brüder
Gedenktag der Bekehrung: 5. Mai
Fest im Orden der Augustiner-Eremiten und im Prämonstratenserorden: Bekehrung: 24. April
gebotener Gedenktag im Orden der Augustiner-Chorherren / -frauen: Bekehrung: 24. April
in Pavia: Übertragung der Gebeine: der Gebeine: 28. Februar
in Brügge: Übertragung der Gebeine: 11. Oktober
Gedenktag evangelisch: 28. August
Gedenktag anglikanisch: 28. August
Gedenktag orthodox: 28. August
15. Juni
Name bedeutet: der Erhabene (latein.)
Älteste Darstellung des Augustinus, Mosaik an der Kapelle Sancta Sanctorum in der Bibliothek von Papst
Gregor dem Großen im
Lateranspalast in Rom, 6. Jahrhundert

Augustinus' Vater Patricius, ein kleiner Bauer und Regierungsbeamter, blieb bis kurz vor seinem Tod Anhänger des römischen Götterglaubens, seine Mutter Monika war Christin; seine Schwester Perpetua leitete als Witwe später ein Frauenkloster in Hippo Regius. In Madauros - dem heutigen M'Daourouch konnte Augustinus die Grammatikschule besuchen, weil ein Gönner ihm die Ausbildung in den freien Künsten Grammatik, Dialektik, Rhetorik und Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik ermöglichte. Als er 16 Jahre alt war, musste er aus Geldmangel sein Studium abbrechen; er kehrte nach Hause zurück und schloss sich einer Straßenbande an. Ein Jahr später konnte er in Karthago - dem heutigen Vorort von Tunis in Tunesien - ein Studium der Rhetorik beginnen und mit Erfolg absolvieren. Von einem uns unbekannten Mädchen, mit dem er auch die kommenden Jahre ein Verhältnis behielt, bekam er einen Sohn mit Namen Adeodatus.
Für die Religion seiner Mutter empfand Augustinus zunehmend Verachtung. Er las zwar als Literat auch die Bibel, fühlte
sich aber von ihrer ungelehrten Sprache abgestoßen. Beeindruckt war er hingegen von Ciceros Hortensius
, einer
für die Philosophie werbenden Schrift; nach ihrer Lektüre schloss er sich spontan einer geistig-religiösen Strömung an, die
dem Christentum jener Zeit schwer zu schaffen machte, dem damals noch jungen und modernen
Manichäismus, der eine strenge Teilung der Welt in Gut und Böse lehrte und
Augustinus als die tiefere und radikalere Form des Christentums erschien.
Etwa ab 375 war Augustinus als erfolgreicher Professor für Rhetorik in seiner Heimatstadt Thagaste und dann in Karthago tätig. Hier reiften seine Zweifel am Manichäismus, die sich nach seiner Übersiedelung nach Rom 383 noch verstärkten; dennoch halfen ihm Freunde aus dieser Gruppe, 384 die Stelle eines Rhetoriklehrers in Mailand - damals Hauptstadt des römischen Reiches - zu bekommen. Hier wandelte sich sein Leben: Seine ihm besorgt nachgereiste Mutter, der er schon immer sehr nahe stand, machte ihren christlichen Einfluss geltend; sie überredete ihn, die Beziehungen zu seiner Geliebten abzubrechen; außerdem war er von den Predigten des Mailänder Erzbischofs Ambrosius und seiner neuplatonischen Schriftauslegung fasziniert.
Paulus' Lehre von der Menschwerdung Gottes in
Jesus Christus und eine Biografie über den Mönchsvater
Antonius beeindruckte Augustinus. Schließlich geschah es nach seinem eigenen Zeugnis,
dass er Anfang August 386 - unter einem Feigenbaum liegend - eine Kinderstimme hörte: Nimm und lies ...
Er ergriff
die Bibel und stieß auf den Satz: Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht
in Buhlereien und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pfleget
das Fleisch nicht so, dass Begierden erwachen!
(Römerbrief 13, 13 - 14). Daraufhin durchströmte ihn ein Licht der
Sicherheit
, er bekehrte sich zum Christentum.
Benozzo Gozzoli: Augustinus wird von Ambrosius getauft, 1465, in der Augustinus
geweihten Kirche in San Gimignano 
Augustinus zog sich aus seinem Beruf und mit Freunden auf das Landgut Cassiciacum - wohl das heutige Casciago bei Varese - zurück, ging Anfang 387 als Taufbewerber nach Mailand und ließ sich dort in der Osternacht 387 taufen, kehrte nach Thagaste - zurück, verkaufte sein Vermögen und lebte für drei Jahre mit Gleichgesinnten wie schon in Cassiciacum in klosterähnlicher Weise. Als er während einer Reise in Hippo Regius weilte, wurde er vom Volk ins Priesteramt berufen und Ende 390 / Anfang 391 zum Priester geweiht; er übernahm die Aufgabe des Predigers, die in Nordafrika sonst vom Bischof selbst ausgefüllt wurde, und wurde nach dem Tod des Bischofs Valerius um 396 dessen Nachfolger. Er war ein begeisternder Prediger, bekämpfte scharf alle abweichenden Lehren, hatte Einfluss weit über seine Diözese hinaus, obwohl er diese nur zur Teilnahme an den nordafrikanischen SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. verließ, und wurde zum geistigen Führer der abendländischen Kirche. Nachdem der Einfluss des Manichäismus schwand, wurde der Donatismus immer mehr zur Herausforderung der Kirche. Auf dem Konzil in Karthago 411 wurde unter Augustinus' maßgeblichem Einfluss der Donatismus endgültig verurteilt.
Auf dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen mit dem gemeinsamen Leben schrieb Augustinus um 397 einen Brief mit
Regeln für das Leben im Kloster - ob zunächst für das von seiner Schwester geleitete Frauenkloster in
Hippo Regius bestimmt oder für das von ihm
gegründete Kloster für Männer ohne pastoralen Auftrag, ist umstritten. Grundlegend gebietet der erste Satz: Vor
allen Dingen, liebe Brüder, sollt ihr Gott lieben, sodann den Nächsten; denn das sind die Hauptgebote, die uns gegeben
sind.
Es folgen Anweisungen über die Gebetszeiten und -praxis, die Einteilung der Arbeitszeit, über Gehorsam,
die Tischlesung und das Verhalten bei Tisch, das Verhalten außerhalb des Klosters, die Zeiten des Redens und Schweigens
sowie über die Strafe bei der Missachtung dieser Regeln; daraus entstanden dann die Regeln für die sich in den kommenden
Jahrhunderten weit verbreitenden Zweige des Augustinerordens.
Als einer der größten Theologen der Kirchengeschichte entwickelte Augustinus in der Auseinandersetzung mit den
philosophischen und religiösen Strömungen seiner Zeit seine Lehren von der Erbsünde, der göttlichen Gnade, der göttlichen
Souveränität und der Prädestination, die über Jahrhunderte bis ins hohe
Mittelalter die katholische Theologie, dann auch die Reformation des Augustinermönches
Martin Luther beeinflussten. Stark vom griechischen Philosophen Plato
geprägt, war Augustinus die Welt der Erfahrung weniger wichtig als die Welt des Geistes - die für ihn immer die Welt
des guten Geistes Gottes ist. Mit Plato lehnte er die Existenz eines Bösen an sich
ab, da Gott allmächtig und gut
ist; alles Böse ist deshalb Mangel an Gutem. Nach Augustinus gab Gott den Menschen die Vernunft, um Gott besser verstehen
zu können, und den freien Willen, um Entscheidungen in der Verantwortung vor Gott treffen zu können. Unmoralische
Entscheidungen seien solche, die ohne Gott gefällt werden. Überliefert sind fast 1000 seiner Predigten, 113 Bücher und
218 Briefe.
Vittore Carpaccio: Vision des Augustinus (Detail), 1502, Schule von San Giorgio degli Schiavoni in
Venedig 
Nach der Eroberung Roms durch Gotenkönig
Alarich 410 setzte Augustinus sich intensiv mit Heidentum und Platonismus auseinander. In seiner großen christlichen
Apologie De civitate Dei
, Gottesstaat
, entstanden von 413 bis 426, legte er seine theologisch begründete
Geschichtsphilosophie dar und beschrieb die Weltgeschichte als einen linearen Prozess hin auf ihr Ziel, die Vollendung
bei Gott. Damit soll der Vorwurf ausgeräumt werden, der Fall Roms sei durch die Abkehr von dessen hergebrachten Göttern
verschuldet. Gegen die alte Vielheit der Götter setzte Augustinus die Einzigartigkeit des allein durch
Jesus Christus vermittelten Heils. Nach 410 setzte er sich eingehend mit
dem Pelagianismus, dessen asketischem Rigorismus und dessen Menschenbild
auseinander; er betonte, dass die Gnade Gottes nicht geschenkt werde zur Erleichterung eines tugendsamen Lebens, sondern
um solches überhaupt erst zu ermöglichen; in diesem Zusammenhang entwickelte Augustinus seine Lehre von der Erbsünde.
Augustinus' bekanntestes Werk sind die autobiographischen Confessiones
, Bekenntnisse
, geschrieben um 400,
in denen er in 13 Bänden sein frühes Leben, seine ständige Suche nach Wahrheit und seine Bekehrung beschreibt. Durch seine
grundsätzlichen Erwägungen über das Wesen des Menschen sind die Bekenntnisse
viel mehr als nur eine Biografie; oft
werden sie als die erste Autobiografie
der Literaturgeschichte bezeichnet, aber diese Ehre gebührt
Gregor Thaumaturgos. Eine Stelle in diesem Werk, in der Augustinus'
feurige Gottesliebe zum Ausdruck kommt, wurde später zum Attribut eines flammenden Herzens, das ihn in den Darstellungen
von Ambrosius unterscheidet.
Weitere Werke: De libero arbitrio
, Über den freien Willen
, enstanden 389 bis 395; De doctrina
christiana
, Über die Christliche Lehre
, verfasst 397 bis 428; De baptismo, contra donatistas
, Über
die Taufe, gegen die Donatisten
, geschrieben 400/401: De trinitate
,
Über die Dreieinigkeit (Gottes)
, erarbeitet 400 bis 416; De natura et gratia
, Über Natur und Gnade
,
aus dem Jahr 415.
Eine der zahlreichen Legenden erzählt, wie Augustinus am Ufer des Meeres wandelnd und in tiefes Nachdenken versunken
einen kleinen Knaben sah, der mit einer Muschel Wasser schöpfte und in eine Sandgrube goss. Befragt, was er tue, antwortete
das Kind: Dasselbe, was du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit deinen Gedanken ausschöpfen - ich versuche,
das Meer auszuschöpfen!
Während der Belagerung von Hippo Regius durch die Vandalen im Sommer 430 erkrankte Augustinus an einem Fieber. Er wollte nicht sterben, ohne vorher gründlich Buße getan zu haben. Teil dieser Buße war, keinen Besuch mehr zu empfangen, eine Ausnahme machte er nur für seinen Arzt und für die Diener, die ihm das Essen brachten. Er ließ sich die Bußpsalmen auf Pergament abschreiben und an die Wand nageln; niemand konnte ihn so bei seiner ununterbrochenen Lektüre stören. Schließlich starb er, ohne die Sterbesakramente empfangen zu haben, denn auch kein Priester durfte sein Zimmer betreten.
Augustinus' Gebeine wurden wohl um 500 von den durch Vandalenkönig Thrasamund
verbannten Bischöfen Nordafrikas nach
Sardinien mitgenommen; im 8. Jahrhundert
wurden sie von Langobardenkönig Liutprand gekauft und nach
Pavia gebracht, wo sie 1695 angeblich wieder
entdeckt wurden und seitdem in der Kirche S. Pietro in Ciel d'Oro verehrt werden. Augustinus gilt als der wichtigste
Kirchenvater der Westkirche und wird Kämpfer gegen Irrlehren
genannt.
Sein Beiname Aurelius
wurde von ihm selbst nie bezeugt, er geht möglicherweise auf eine Verwechslung mit Augustinus'
Kollegen == Aurelius von Karthago zurück.
Michael Pacher: Altar der vier lateinischen Kirchenväter - Detail mit Augustinus (links) und
Gregor dem Großen, um 1483, Alte Pinakothek in
München 
Kanonisation:
Augustinus wurde 1295 vom Papst zum Kirchenlehrer ernannt.
Attribute:
Buch, flammendes Herz, Engel, wasserschöpfendes Kind, Schreibfeder
Patron
der Theologen, Buchdrucker und Bierbrauer; für gute Augen
Bauernregel:
Um die Zeit von Augustin / gehn die warmen Tage hin.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Catholic Encyclopedia: Leben
Catholic Encyclopedia: Lehren
Catholic Encyclopedia: Werke
Catholic Encyclopedia: Ordensregeln
Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)
Werke von Augustinus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek
der Kirchenväter der Université Fribourg.
Das
Zentrum für Augustinus-Forschung
in Würzburg bietet eine
Hinführung zu Gestalt und Werk von Augustinus, dazu einige seiner Texte und Texte über ihn als Einführung in eine 1995
erschienene CD-ROM, die Texte des großen Theologen enthält.
Die
Website der deutschen Augustiner bietet Informationen zu Leben und
Wirken ihres Namensgebers, den Orten seiner Wirksamkeit und vor allem die deutsche Übersetzung der kompletten
Confessiones
. Dazu gibt es natürlich Informationen zum Orden.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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