Ökumenisches Heiligenlexikon

Jesus Christus von Nazareth

Namenstag katholisch: 3. Januar
     Tag der Namensgebung des Herrn: 1. Januar
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Gedenktag orthodox: 1. Januar
     Tag der Beschneidung unseres Herrn,
     Gottes und Erlösers dem Fleische nach

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Gedenktag armenisch: 13. Januar
     Tag der Namensgebung des Herrn
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Gedenktag koptisch: 1. Januar
     Tag der Beschneidung
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Gedenktag syrisch-orthodox: 1. Januar
     Tag der Beschneidung des Herrn
Name bedeutet: J: Gott rettet (hebr. - griech. - latein.)
C: der Gesalbte (griech.)
Messias
* im Frühjahr 5 v. Chr. (?) in Nazareth (oder Bethlehem ?) in Israel
† 7. April 30 (?) in Jerusalem in Israel
Kartenskizze Kartenskizze

Übersicht: Leben - Gedenkstätten - Gedenktage

Leben:

Nach den außerbiblischen Quellen ist jeder Zweifel an der tatsächlichen Existenz Jesu unbegründet.

Jesus wurde wäh­rend der Regie­rungs­zeit des römi­schen Kaisers Au­gus­tus geboren (Lukas­evangelium 2, 1), also zwi­schen 31 v. Chr. und 14 n. Chr. Schwierig ist aber, das genaue Ge­burtsjahr zu be­stimmen. Nach dem Matthäus­evange­li­um 2, 1 und dem Lukas­evange­lium 1, 5 fiel seine Geburt noch in die Regierungszeit von Herodes dem Gro­ßen, der 4. v. Chr. starb. Die Steuer­erhebung, die Jesu Eltern nach dem Bericht des Lukas­evangeliums nach Bethlehem führte (2, 1), fand aber erst im Jahr 6/7 n. Chr. statt, nachdem der hier ebenfalls erwähnte Quirinius auch erst 6 n. Chr. sein Amt angetreten hatte; außerdem fand diese nur in Judäa statt, erfasste also nicht Josef als Bürger von Nazareth in Galiläa. Als Weihnachtsstern, der nach dem Matthäus­evangelium (2, 2) die drei Weisen zu Jesus führte, galt bislang eine Begegnung von Saturn und Jupiter im Mai, dann im Oktober und noch einmal im Dezember des Jahres 7 v. Chr., wobei ihr Aufleuchten an der Spitze des Zodiaklichtes am 27. November im Jahr 7 v. Chr. besonders eindrücklich war. Neuere Studien des Max-Planck-Instituts für Aeronomie nehmen als wahrscheinlicher an, eine im Frühling des Jahres 5. v. Chr. im Sternbild Adler aufleuchtende Nova sei der Stern von Bethlehem gewesen. Wenn wir die Geburtsgeschichte des Lukas als legendär betrachten, ergibt sich als wahrscheinlicher Geburtstermin also das Frühjahr 5 v. Chr.

Guido Reni: Joseph mit dem Jesus-Kind, um 1635, in der Hermitage in St. Petersburg

Guido Reni: Joseph mit dem Jesus-Kind, um 1635, in der Hermitage in St. Petersburg   

Matthäus­evangelium und Lukas­evangelium berichten von Jesu Geburt in Bethlehem. Das älteste Evangelium, das des Markus, kennt diese Überlieferung nicht und spricht nur von seiner Heimat Nazareth (Markus­evangelium 1, 24; 6, 1 u.a.), ebenso hält es das Johannes­evangelium (1, 45). Die Erzählungen im Matthäus- und Lukas­evangelium sind als Glaubensaussagen über die Davidsohnschaft und Messianität Jesu zu verstehen: David wurde in Bethlehem geboren und auch nach Micha kommt von hier, der Herrscher in Israel werden soll; sein Ursprung (aber) ist in der Vorzeit (5, 2).

Der Stammbaum Jesu im Lukas­evangelium (3, 23 - 38) führt die Abstammung Jesu über Joseph als Vater bis auf David und weiter auf Abraham und weiter auf Adam zurück, ähnlich im Matthäus­evangelium (1, 1 - 17) und in der ältesten Überlieferung, der bei Paulus im Römerbrief (1, 3); Paulus stellt auch ausdrücklich fest, dass Gott seinen Sohn sandte, von einem Weibe geboren (Galaterbrief 4, 4). Auch die Geburtsgeschichte des Lukas geht selbstverständlich davon aus, dass Maria und Joseph Jesu Eltern sind (Lukas­evangelium 2, 4f).

Schon sehr bald entstand aber die Überlieferung von der jungfräulichen Geburt durch Maria, mit der die Göttlichkeit Jesu aufgezeigt werden soll. Matthäus erzählt deshalb etwas umständlich von der Erscheinung des Engels in Josefs Traum (Matthäus­evangelium 1, 18 - 25). Auch die anderen Erzählungen rund um die Geburt Jesu haben theologische und keine historische Bedeutung: so die bekannte Weihnachtsgeschichte des Lukas­evangeliums (2, 1 - 20) mit der Verkündigung der Engel und dem Besuch der Hirten im Stall, die deutlich macht, dass Jesus besonders zu den Menschen am Rande der Gesellschaft gesandt wurde; die Erzählungen des Matthäus vom Besuch der drei Weisen und vom Kindermord (Matthäus­evangelium 2, 1 - 12. 16 - 18), die den universalen Anspruch Jesu und seine heilsgeschichtliche Bedeutung vor Augen stellen; so auch der Bericht von der Flucht nach Ägypten (Matthäus­evangelium 2, 13 - 15), der Jesus mit dem Schicksal und der Heilsbedeutung == Mose verbindet.

Paolo Veronese: Jesus unter den Gelehrten im Tempel, um 1558, im Museo del Prado in Madrid

Paolo Veronese: Jesus unter den Gelehrten im Tempel, um 1558, im Museo del Prado in Madrid   

Von Kindheit und Jugend Jesu wissen wir nichts, auch von seinem Aussehen oder Charakter ist nichts überliefert - das Grabtuch von Turin kann da wohl nicht helfen. Dass er in Nazareth, also in einfachen bäuerlichen Verhältnissen aufwuchs, als erstgeborener Sohn den Beruf seines Vaters das Bauhandwerk erlernte und zusammen mit vier Brüdern - von denen Jakobus und Simon später für die junge Kirche bedeutsam wurden - und mehreren Schwestern aufwuchs, berichtet das Markus­evangelium (6, 3). Allein das Lukas­evangelium erzählt die idealtypische Geschichte vom 12-jährigen Jesus, der im Tempel in Jerusalem ob seiner Kenntnis der Bibel Aufmerksamkeit erregte (2, 41 - 47). Weil von Joseph dann keine Rede mehr ist wird vermutet, er sei früh gestorben und Jesus als ältester Sohn habe Verantwortung als Familienoberhaupt und Ernährer getragen.

Jesus kam dann im Alter von etwa 30 Jahren (Lukas­evangelium 3, 23) in Kontakt mit Johannes dem Täufer, der im Jahr 28 erstmals auftrat (Lukas­evangelium 3, 1). Möglicherweise lebte Jesus selbst einige Zeit als Gefährte Johannes, von dem er sich im Jordan taufen ließ (Markus­evangelium 1, 9), wahrscheinlich an der heute Qasr el Jahud genannten Stelle auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres. Einige der späteren Jünger Jesu waren zunächst Johannes-Jünger (Johannes­evangelium 1, 37). Bald schon trat Jesus selbst hervor mit seiner Botschaft: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist genaht; tut Buße und glaubet (Markus­evangelium 1, 15). Mit dieser Botschaft traf er auf die bei den Juden damals glühend erwartete Zeitenwende mit Befreiung vom Joch der römischen Fremdherr­schaft, Unterdrückung und Aus­beu­tung und dem Kommen des verheißenen Messias. Anders als Johannes rief Jesus aber die Menschen nicht in die Wüste, heraus aus ihrem Alltag und in ein asketisches Büßerleben, sondern er ging zu ihnen und mit ihnen: er wollte nicht nur zur Umkehr zu mahnen, sondern den Leuten die Heilsbotschaft in Wort und Tat nahebringen.

Jesus zog durch Galiläa, um die Menschen zu erreichen. Er verließ seine Familie (Lukas­evangelium 8, 19 - 21) und wanderte ohne Besitz und Habe durchs Land (Matthäus­evangelium 8, 20), angewiesen auf die Unterstützung von Anhängern, darunter auch besonders Frauen (Lukas­evangelium 8, 3). Ein besonderer Schwerpunkt seines Wirkens war offenbar die Hafen- und Grenzstadt Kapernaum, - ein heute abgegangener Ort am See Genezareth -, die in den Evangelium 16 Mal erwähnt und im Matthäus­evangelium (9, 1) als seine Stadt bezeichet wird. Von hier stammten mehrere der Jünger, die sich ihm anschlossen, so Petrus und sein Bruder Andreas, aber auch Matthäus.

Der Kreis seiner Nachfolger wurde später typisiert auf die zwölf Jünger als Repräsentaenten der zwölf Stämme Israels, er umfasste tatsächlich eine größere Anzahl von Männern und Frauen; schon früh wird Maria Magdalena genannt (Lukas­evangelium 8, 2). Die Menschen - nicht nur die in Kapernaom - waren zunächst begeistert von der Botschaft Jesu und vor allem den Heilungen, die er vollzog (Markus­evangelium 2, 2), die anfängliche Anhängerschaft führte aber nicht zu der von Jesus erwarteten grundlegenden Besinnung und Änderung des Lebenswandels (Matthäus­evangelium 11, 23); ähnliches galt offenbar auch für eine gewisse Zahl seiner Nachfolger (Johannes­evangelium 6, 66).

Ein Grund der Enttäuschung über Jesus war wohl, dass er die konkreten politischen Erwartungen mancher Anhänger nicht erfüllte. Die Geschichte von der Versuchung Jesu (Matthäus­evangelium 4, 1 - 11) zeigt, was man von ihm erwartete: die Lösung der sozialen Probleme im Land, die Herstellung der nationalen Souveränität und den sichtbaren Anbruch der Gottesherrschaft auf Erden; all dies wurde von Jesus aber als teuflische Verführung abgelehnt. Noch in der nachösterlichen Begegnung mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus kommt deren Enttäuschung zur Geltung: Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen sollte (Lukas­evangelium 24, 21). Auch der Verrat seines Jüngers Judas (Matthäus­evangelium 26, 25) wird oft dadurch erklärt, dass er Anhänger der Aufstandsbewegung der Zeloten gewesen sei und aus Enttäuschung über Jesu' fehlende Konfrontation mit der römischen Besatzungsmacht gehandelt habe. Die offene Konfrontation mit der römischen Macht vermied Jesus, so in der Frage nach dem Steuer Zahlen (Markus­evangelium 12, 13 - 17). Jesus lehnte auf jeden Fall jegliche Gewaltanwendung ab und lehrte sogar, seine Feinde zu lieben (Matthäus­evangelium 5, 38 - 47). Seine fein-ironisch gefärbte Ablehnung der römischen Fremdherrschaft und ihrer Götterverehrung zeigt aber die Geschichte von der Austreibung der Dämonen vom besessenen Gerasener, wo der Dämon seinen Namen Legion - also viele - oder aber die Bezeichnung einer Militäreinheit der Römer - nennt und anschließend auf eine Herde von 2000 Schweinen übergeht, die daraufhin in den See Genezareth stürzen und ertrinken; die in Syrien stationierte 10. Legion der Römer hatte auf ihren Feldzeichen einen Eber.

Auffallend für jene Zeit war, wie Jesus sich auch den Frauen zuwandte und sie Ernst nahm. Auch ihnen gilt seine Lehre, so z.B. besonders deutlich in der Geschichte von Maria und Martha. Jesus übertrat die traditionellen Regeln der Abgrenzung gegenüber Frauen, so in der Geschichte von der Heilung der blutflüssigen Frau (Markus­evangelium 5, 25 - 29), er ließ sich auch deren Zuwendung gefallen (Markus­evangelium 14, 3 - 6). In einmaliger Weise nahm er auch Kinder ernst: das Kinderevangelium (Markus­evangelium 10, 13 - 16) zeigt das gängige, abweisende Verhalten der Jünger gegenüber Kindern und im Gegensatz dazu die besondere Zuwendung Jesu und seine Wertschätzung gerade der Kinder.

Jesus sprach seine Muttersprache, Aramäisch, die Sprache des Volkes. Er war aber auch der liturgischen und biblischen Sprache, des Hebräischen, mächtig und seine Kenntnis der Bibel rief Erstaunen hervor (Lukas­evangelium 2, 47). Er wurde allenthalben als Rabbi, als Lehrer der Schrift anerkannt. Eine besondere Form der Lehre und Verkündigung waren die Gleichnisse Jesu: einfache Geschichten aus der Lebenswelt der einfachen Leute auf dem Lande, zu verstehen ohne Vorwissen für jedermann und in ihrer Aussage wirkkräftig in sich. Im Gleichnis stellte er einen PharisäerDie Pharisäer (hebr. für "die Abgesonderten") waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung. Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt. Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren. Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. - einen Menschen, der mit Gottes Geboten in seinem Leben wirklich ernst macht und deshalb allgemein geachtet wurde - einem Zöllner gegenüber - einem Mann der gehobenen Mittelschicht, oft mit betrügerischen Methoden und im Dienst der verhassten Römer - und verglich deren Gebetspraxis mit dem Ergebnis, das demütige, bußfertige Gebet rechtfertige den Zöllner (Lukas­evangelium 18, 9 - 14).

Gleichnisse dienten Jesus besonders zur Veranschaulichung des kommenden Reiches Gottes, das mit seiner Wirksamkeit schon angebrochen ist (Matthäus­evangelium 12, 28). Wie aus einem der kleinsten Samen, dem Senfkorn, eines der größten Gewächse wird, so wird das Himmelreich - auch gegen alle Erwartung - kommen (Matthäus­evangelium 13, 31f) und sich wie eine kostbare Perle erweisen für die es lohnt, auf alles andere zu verzichten (Matthäus­evangelium 13, 45f). Das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas­evangelium 15, 11 - 24) macht deutlich, dass vor Gott keiner unwürdig ist und jeder auch nach allen Verfehlungen die Chance zur Umkehr hat.

Johann Karl Loth: Der barmherzige Samaritaner, um 1676, Kunstsammlungen Graf von Schönborn in Pommersfelden

Johann Karl Loth: Der barmherzige Samaritaner, um 1676, Kunstsammlungen Graf von Schönborn in Pommersfelden   

Das Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner zeigt neben Jesu Botschaft, den Gefallenen zu helfen, auch die unerschrockene Überwindung geltender Abgrenzungen (Lukas­evangelium 10, 25 - 37). Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus enthält neben dem Aufruf zu sozialer Gerechtigkeit die Mahnung, sich auf das Gottesreich vorzubereiten (Lukas­evangelium 16, 19 - 31). Mit deutlichem Bezug auf das berühmte Weinberglied des Jesaja (5, 1 - 7) mahnt Jesus im Gleichnis von den bösen Weingärtnern, ihn nicht zu verkennen (Markus­evangelium 12, 1 - 12).

Jesus war Jude, auch in seinem unbedingten Festhalten an der jüdischen Thora, dem Gesetz (Matthäus­evangelium 5, 17). Aber auch buchstabengetreues Verhalten kann die Erfüllung der Thora verfehlen, wie Jesus immer wieder durch seinen Umgang mit dem Sabbatgebot deutlich macht: kein Gebot darf an sich absolut gesetzt werden, Maßstab ist allein Heilung und Heil des Menschen (Markus­evangelium 3, 1 - 5). Auch in seinen ethischen Forderungen, so in der wichtigen Bergpredigt mit ihren Antithesen (Matthäus­evangelium 5, 21 - 48) wird nicht eine neue Ethik gelehrt; neu aber ist, dass der Forderung die Heilszusage vorangeht mit den Seligpreisungen (Matthäus­evangelium 5, 3 - 11). So wird möglich, nicht nur Forderungen zu hören - sondern sich tatsächlich so zu verhalten, wie es der Goldenen Regel entspricht: Alles nun, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun; auch diese Regel findet sich schon zuvor ebenso in jüdischer Lehre bei Rabbi Hillel.

El Greco: Heilung des Blinden in Bethsaida (Markus­evangelium 8, 22 - 25), 1577 - 78, im Metropolitan Museum of Art in New York

El Greco: Heilung des Blinden in Bethsaida (Markus­evangelium 8, 22 - 25), 1577 - 78, im Metropolitan Museum of Art in New York   

Die Behauptung Jesu, er sei Gottes Sohn, sahen geset­zes­treue Juden, vor allem die strengen Pha­risäer als mas­sive Gottes­läs­te­rung an. Die fast sprich­wört­liche Geg­ner­schaft war wohl unver­meid­bar. Jesu Selbst­be­zeich­nung als Men­schen­sohn, wie er sich öfter nennt, war wohl auch der Ver­such, unter Auf­nahme eines tra­di­tio­nellen Begriffs aus dem Buch Daniel seine endzeitliche Sendung mit einem nicht anstößigen Begriff zu beschreiben. Aber Jesus wollte auch deutlich zu machen, dass - gut gemeintes - Festhalten am Gesetz der Thora die ursprünglich menschenfreundlichen Gebote auch in eine sinnentleerte Handlungsanweisung verwandeln kann. In der Frage des Sabbatgebotes hat Jesus das immer wieder verdeutlicht: Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen (Markus­evangelium 2, 28). Pharisäer bauten auf die verändernde Kraft der Gebote, während bei Jesus das Geschenk der frohen Botschaft zur Folge hat, freiwillig und freudig Gottes Vorgaben einhalten zu können.

Jesus wirkte aber nicht nur durch seine Lehre, sondern auch durch die Heilungen, die er vollbrachte. Nach dem Erstaunen über seine vollmächtigen Worte verbreitete sich sein Ruf aufgrund der Heilung eines Besessenen in Kapernaom (Markus­evangelium 1, 22 - 28). Besonders das Markus­evangelium betont Jesu Wirken als Dämonenaustreiber: Jesus heilte, und die unreinen Geister warfen sich, wenn sie ihn erblickten, vor ihm nieder und schrieen: Du bist der Sohn Gottes. (Markus­evangelium 3, 11). Ein endgültiger Machtwechsel fand statt: Befreiung aus der Macht unreiner Geister durch Gottes Geist. Die Heilung Aussätziger (Lukas­evangelium 5, 12 - 16) gab den Betroffenen nicht nur ihre Gesundheit zurück, sondern machte auch ihre Wiedereingleiderung in die Gesellschaft möglich. Eine Kraft ging von ihm aus und heilte alle (Lukas­evangelium 6, 19).

Giotto di Bondone: Einzug in Jerusalem, 1304 - 06, Fresko in der Cappella Scrovegni in Padua

Giotto di Bondone: Einzug in Jerusalem, 1304 - 06, Fresko in der Cappella Scrovegni in Padua   

Spätestens nach der Ermordung von Johannes dem Täufer wird Jesus auch mit seinem eigenen gewaltsamen Ende gerechnet haben; seit seinem ersten öffentlichen Auftreten waren kaum zwei Jahre vergangen. Ort seines Wirkens war bislang Galiläa und das angrenzende Gebiet der zehn Städte mit griechischer Tradition südöstlich des Sees Genezareth (Markus­evangelium 5, 1) sowie Phönizien bis nach Tyrus - dem heutigen Sur - im Libanon (Markus­evangelium 7, 24). Nun machte Jeus sich auf den Weg in die Hauptstadt und die Stadt des Heils, nach Jerusalem. Zunächst wird vom seinem triumphalen Einzug am Palmsonntag berichtet (Matthäus­evangelium 21, 8 - 11), was an den Tatsachen aber wohl vorbeigeht; die weiteren Schilderungen lassen deutlich werden, wie unbeachtet sein Schicksal weithin blieb. Auch die Berichte vom Einzug in Jerusalem wollen deutlich machen, dass sich durch Jesus der göttliche Heilsplan erfüllt, wie ihn das Alte Testament vielfach vorhergesagt hatte.

Vom letzten Abend mit seinen Jüngern und der Feier des Abschiedsmahles am Vorabend des Passahfestes berichtet schon die älteste Überlieferung bei Paulus (1. Korintherbrief 11, 23 - 26). Jesus gab Brot und Wein eine neue Deutung, erklärte sie zu seinem eigenen Fleisch und Blut und zur Besiegelung des neuen Bundes, der nun und endgültig durch ihn zwischen Gott und den Menschen geschlossen wird in Erneuerung und Erweiterung des ersten Bundes, der nach Ende der Sintflut zwischen Gott und Noah und seinen Nachkommen in Kraft trat (1. Mose 9, 8 - 17). Jesus forderte bei diesem letzten Abendmahl seine Anhänger auf, ihm in der Zukunft im Pflegen eines solchen gemeinsamen Erinnerungsmahls zu begegnen (Markus­evangelium 14, 22 - 25). Die letzte Mahlzeit wurde zum Vermächtnis und zur Verheißung: die Vergegenwärtigung Jesu Christi und seines Heilshandelns ist in der Feier der EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23. Zentrum jeder katholischen Messe, das Abendmahl auch in evangelischen und orthodoxen Gottesdiensten das Mahl der wirksamen Gemeinschaft der Christen mit Jesus.

Hans Multscher: Christus vor Pilatus, Panel aus dem Wurzacher Altar von 1437, Staatliche Museen in Berlin

Hans Multscher: Christus vor Pilatus, Panel aus dem Wurzacher Altar von 1437, Staatliche Museen in Berlin   

Jesus starb wohl an einem Freitag während des Passahfestes oder am Tag vor dem Fest, also nach jüdischem Kalender am 14. oder 15. Nisan, wahrscheinlich im Jahr 30 - möglich sind aber auch die Jahre 27, 31, 33 oder 34. Seinem Tod ging eine Verhandlung vor dem Sanhedrin, dem Hohen Rat der jüdischen Tempelherren, voraus. Jesus wurde der Gotteslästerung bezichtigt (Markus­evangelium 14, 62 - 64). Dass dabei ein Todesurteil gefällt wurde, ist eher unwahrscheinlich: weder war der hohe Rat zu solchem Urteil berechtigt (vgl. auch Johannes­evangelium 18, 31), noch konnte diese Versammlung ein Urteil unmittelbar nach der Verhandlung und schon gar nicht des Nachts fällen.

Das Ur­teil wurde von Pontius Pilatus nach stand­gerichtlichem Verfahren ausgesprochen, der Jesus aufgrund seines - als politisch ver­stan­denen - Herrschaftsanspruchs verurteilte (Matthäus­evangelium 27, 11); die Evangelien spielen deutlich die Verantwortung Pilatus' herunter, der sprichwörtlich seine Hände in Unschuld wusch (Matthäus­evangelium 27, 24).

Die von Kaiserin Helena 326 gefundene - hebräisch von rechts nach links geschriebene - 'Kreuzesinschrift Jesu', in der Kirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom

Die von Kaiserin Helena 326 gefundene - hebräisch von rechts nach links geschriebene - Kreuzesinschrift Jesu, in der Kirche S. Croce in Gerusalemme in Rom   

Das Urteil gegen Jesus wurde unmit­telbar danach voll­streckt als Kreu­zi­gung, der römischen Strafe für Rebellen und Widerstand Leistende, was auch die Kreuzesinschrift bezeugt: Jesus, der König der Juden (Matthäus­evangelium 27, 37). Die Evangelien berichten, dass Jesus vergleichsweise schnell - schon nach sechs Stunden am Kreuz - starb; oft warteten die Gekreuzigten zwei qualvolle Tage lang auf Erlösung. Bei ihm waren in diesen schweren Stunden nur Frauen: Maria Magdalena, (Maria) Salome von Galiläa und die Maria des Kleophas (Markus­evangelium 15, 40); nach der Schilderung des Johannes­evangeliums waren auch seine Mutter Maria und sein Jünger Johannes (19, 25f) dabei.

Die Grablegung musste aufgrund des herannahenden Sabbats eilig vollzogen werden. Joseph von Arimathaia stellte nach dem Bericht der Evangelien das Grab zur Verfügung. Christen bekennen, dass Jesus in der Zeit seines Todes hinabgestiegen in das Reich des Todes ist, um auch den in der Unterwelt schmachtenden Menschen das Heil zu verkünden und die zu erlösen, die sich von ihm rufen lassen.

Als am Morgen nach dem Sabbat drei seiner Anhängerinnen, darunter Maria Magdalena und (Maria) Salome von Galiläa, die zunächst aus Eile unterbliebene Totensalbung nachholen wollten, fanden sie das Grab leer. Ein Bote, ein Engel, sprach sie an: Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferweckt worden, er ist nicht hier (Markus­evangelium 16, 6). Diese Osterbotschaft ist die zentrale Botschaft des Christentums: der scheinbar Gescheiterte, der schändlich am Kreuz Gestorbene, der die Leiden schuldlos auf sich nahm, der den Menschen das Heil gebracht hatte: Jesus lebt. Diese alles entscheidende frohe Botschaft erfuhren und erlebten jene Frauen als erste. Und die männlichen Jünger - die zuvor noch ängstlich, verzagt, verzweifelt, ohne Hoffnung und auf dem Weg nach Hause waren, weil der, an den sie geglaubt hatten, im Grab lag - sie fingen dann auf einmal an, von seiner Rückkehr zu erzählen. Vergessen waren Angst und Verzweiflung und Enttäuschung: der Ruf Jesus lebt gewann schnell mehr Anhänger, als Jesus selbst zu seinen Lebzeiten hatte.

Andreas von Florenz: Christus, hinabgestiegen in die Hölle, 1365 - 68, Fresko in der Cappella Spagnuolo der Kirche Santa Maria Novella in Florenz

Andreas von Florenz: Christus, hinabgestiegen in die Hölle, 1365 - 68, Fresko in der Cappella Spagnuolo der Kirche Santa Maria Novella in Florenz   

Die Jünger hatten sich nach dem ziemlich eindeutigen Zeugnis der Evangelien nach der Gefangennahme Jesu versteckt und versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Berichtet wird, wie selbst Petrus seinen bewunderten Herrn verleugnete (Matthäus­evangelium 26, 69 - 75). Die Evangelien berichten dann von Erscheinungen des Auferstandenen vor seinen Jüngern in Jerusalem (Johannessevangelium 20, 19 - 29), auf deren Flucht nach Emmaus - dem Ort Emmaus Nicopolis, später Amwas, heute Ruinen - (Lukas­evangelium 24, 13 - 32) und nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat Galiläa (Matthäus­evangelium 28, 16 -18). Dort erteilte Jesus ihnen die Verheißung und den Auftrag, der jeder Taufe zugrunde liegt: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt. (Matthäus­evangelium 28, 18 - 20). Das Lukas­evangelium berichtet, wie Jesus sich dann mit seiner Himmelfahrt von seinen Jüngern verabschiedete und von der Erde entschwand (Lukas­evangelium 24, 50 - 51).

Als erster männlicher Zeuge der Auferstehung wird später oft Petrus genannt. Das Johannes­evangelium berichtet, wie Petrus den am Ufer des See Genezareth - dem heutigen Kinneret - erschienenen Auferstandenen erkannte und von Jesus Christus den Auftrag erhielt: Weide meine Lämmer. (21, 1 - 19). Paulus erschien Christus nach dem Bericht der Apostel­geschichte einige Zeit später und bewirkte seine Bekehrung (9, 1 - 20).

Jesus sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten, so bekennt das Apostolische Glaubensbekenntnis Jesu Christi Wirksamkeit in Gegenwart und Zukunft. Durch den an Pfingsten ausgegossenen Heiligen Geist wirkt er auch heute in dieser Welt.

unbekannter flämischer Meister: Auferstehung, um 1400, Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen

unbekannter flämischer Meister: Auferstehung, um 1400, Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen   

Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. - schreibt in seinem Buch Jesus von Nazareth: In Jesus ist die Verheißung des neuen Propheten erfüllt. Bei ihm ist nun vollends verwirklicht, was von Mose nur gebrochen galt: Er lebt vor dem Angesicht Gottes, nicht nur als Freund, sondern als Sohn; er lebt in innerster Einheit mit dem Vater. Nur von diesem Punkt her kann man die Gestalt Jesu wirklich verstehen; alles, was uns an Worten, Taten, Leiden, an Herrlichkeit Jesu erzählt wird, ist hier verankert. Wenn man diese eigentliche Mitte auslässt, geht man am Eigentlichen der Gestalt Jesu vorbei; dann wird sie widersprüchlich u nd letzten Endes unverständlich. Die Reaktion seiner Hörer war klar: Diese Lehre stammt aus keiner Schule. Sie ist radikal anders als das, was man in Schulen lernen kann. Sie ist Auslegung 'in Vollmacht'. Die Lehre Jesu kommt nicht aus menschlichem Lernen, welcher Art auch immer. Sie kommt aus der unmittelbaren Berührung mit dem Vater, aus dem Dialog von 'Gesicht zu Gesicht'. Sie ist Sohneswort.

Gedenkstätten:

In Israel gibt es unzählige Orte und Stellen, an denen Jesus sich aufgehalten haben soll. Wirklich historisch und archäologisch gesichert ist eigentlich keiner dieser Plätze.

Elsässische Werkstatt von 1418: Der thronende Christus in der Mandorla, Buchmalerei, 1419, in der Universitätsbibliothek in Heidelberg

Elsässische Werkstatt von 1418: Der thronende Christus in der Mandorla, Buchmalerei, 1419, in der Universitätsbibliothek in Heidelberg   

Gedenktage:

Gedenktag mit der Erinnerung an Kreuzigung und Tod Jesu ist zunächst jeder Freitag. Herrenfest mit der Feier des Heilswerks Christi ist sodann jeder Sonntag als Tag des Herrn (Offenbarung des Johannes 1, 10), dem Tag seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche *.

In der koptischen Kirche ist der 29. Tag jedes koptischen Monats ein Gedenktag von Verkündigung, Geburt und Auferstehung Jesu Christi.

Darüber hinaus gibt es spezielle Herrrenfeste:

El Greco: Die Anbetung des Namens Jesu, 1578/79, Monasterio de San Lorenzo im Escorial in Madrid

El Greco: Die Anbetung des Namens Jesu, 1578/79, Monasterio de San Lorenzo im Escorial in Madrid   

Michael Pacher: Beschneidung Jesu, aus dem Altar in der Kirche in St. Wolfgang, 1479 - 81

Michael Pacher: Beschneidung Jesu, aus dem Altar in der Kirche in St. Wolfgang, 1479 - 81   

* Seit Urzeiten ist im jüdisch-christlichen Kulturraum der Sabbat / Samstag der 7. und letzte Tag der Woche. Dass die Woche mit dem arbeitsfreien Tag beginnt, konnte die kapitalistische Wirtschaft nicht ertragen und inszenierte deshalb eine bürgerliche Kalenderreform, wonach die Woche montags anfängt. Für Christen aber gilt: erst das Geschenk Gottes - Symbol ist der arbeitsfreie Tag - dann und daraus dankbar folgend die Antwort des Menschen im Tun.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

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Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• H. Conzelmann / A. Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1976

• Staatliches Israelisches Fremdenverkehrsbüro (Hg.): Das Heilige Land im Jahr 2000. Frankfurt/Main 1999
• Handbuch der Ablässe, Normen und Bewilligungen. Deutsche Ausgabe des Enchiridion Indulgentiarum, Rosenkranz-Verlag, München 1971



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