Christusvon Nazareth
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Übersicht: Leben - Gedenkstätten - Gedenktage
Nach den außerbiblischen Quellen ist jeder Zweifel an der tatsächlichen Existenz Jesu unbegründet.
Pietro Cavallini: Jesu Geburt, Mosaik, 1291, in der Kirche S.
Maria in Trastevere in Rom ![]()
Jesus wurde während der Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus geboren
(Lukasevangelium 2, 1), also zwischen 31 v. Chr. und 14 n. Chr. Schwierig ist
aber, das genaue Geburtsjahr zu bestimmen. Nach dem Matthäusevangelium 2, 1 und
dem Lukasevangelium 1, 5 fiel seine Geburt noch in die Regierungszeit von Herodes
dem Großen, der 4. v. Chr. starb. Die Steuererhebung, die Jesu Eltern nach dem
Bericht des Lukasevangeliums nach Bethlehem
führte (2, 1), fand aber erst im Jahr 6/7 n. Chr. statt, nachdem der hier
ebenfalls erwähnte Quirinius auch erst 6 n. Chr. sein Amt angetreten hatte;
außerdem fand diese nur in Judäa statt, erfasste also nicht Josef
als Bürger von Nazareth
in Galiläa. Als Weihnachtsstern, der nach
dem Matthäusevangelium (2, 2) die drei Weisen
zu Jesus führte, galt bislang eine Begegnung von Saturn und Jupiter im Mai, dann
im Oktober und noch einmal im Dezember des Jahres 7 v. Chr., wobei ihr
Aufleuchten an der Spitze des Zodiaklichtes am 27. November im Jahr 7 v. Chr.
besonders eindrücklich war. Neuere Studien des Max-Planck-Instituts für
Aeronomie nehmen als wahrscheinlicher an, eine im Frühling des Jahres 5. v. Chr.
im Sternbild Adler aufleuchtende Nova sei der Stern von Bethlehem
gewesen.
Wenn wir die Geburtsgeschichte des Lukas als legendär betrachten, ergibt sich
als wahrscheinlicher Geburtstermin also das Frühjahr 5 v. Chr.
Guido Reni: Joseph mit dem Jesus-Kind, um
1635, in der Hermitage in St.
Petersburg ![]()
Matthäusevangelium und Lukasevangelium berichten von Jesu
Geburt in Bethlehem.
Das älteste Evangelium, das des Markus, kennt diese Überlieferung nicht und
spricht nur von seiner Heimat Nazareth
(Markusevangelium 1, 24; 6, 1 u.a.), ebenso hält es das Johannesevangelium (1,
45). Die Erzählungen im Matthäus- und Lukasevangelium sind als Glaubensaussagen
über die Davidsohnschaft und Messianität Jesu zu verstehen: David
wurde in Bethlehem geboren und auch nach Micha
kommt von hier, der Herrscher in Israel werden soll; sein Ursprung (aber) ist
in der Vorzeit
(5, 2).
Der Stammbaum Jesu im Lukasevangelium (3, 23 - 38) führt die Abstammung Jesu
über Joseph als Vater bis
auf David und weiter auf Abraham
und weiter auf Adam zurück, ähnlich im
Matthäusevangelium (1, 1 - 17) und in der ältesten Überlieferung, der bei Paulus
im Römerbrief (1, 3); Paulus stellt auch ausdrücklich fest, dass Gott seinen
Sohn sandte, von einem Weibe geboren
(Galaterbrief 4, 4). Auch die
Geburtsgeschichte des Lukas geht selbstverständlich davon aus, dass Maria
und Joseph Jesu Eltern sind (Lukasevangelium 2, 4f).
Schon sehr bald entstand aber die Überlieferung von der jungfräulichen
Geburt durch Maria, mit der die Göttlichkeit Jesu aufgezeigt werden soll.
Matthäus erzählt deshalb etwas umständlich von der Erscheinung des Engels in
Josefs Traum
(Matthäusevangelium 1, 18 - 25). Auch die anderen Erzählungen rund um die Geburt
Jesu haben theologische und keine historische Bedeutung: so die bekannte
Weihnachtsgeschichte
des Lukasevangeliums (2, 1 - 20) mit der Verkündigung der
Engel und dem Besuch der Hirten im Stall, die deutlich macht, dass Jesus
besonders zu den Menschen am Rande der Gesellschaft gesandt wurde; die
Erzählungen des Matthäus vom Besuch der drei
Weisen und vom Kindermord (Matthäusevangelium 2, 1 - 12. 16 - 18), die den
universalen Anspruch Jesu und seine heilsgeschichtliche Bedeutung vor Augen
stellen; so auch der Bericht von der Flucht nach Ägypten (Matthäusevangelium 2,
13 - 15), der Jesus mit dem Schicksal und der Heilsbedeutung == Mose verbindet.
Paolo Veronese: Jesus unter den Gelehrten im Tempel, um 1558, im Museo del Prado
in Madrid
![]()
Von Kindheit und Jugend Jesu wissen wir nichts, auch von seinem Aussehen oder Charakter ist nichts überliefert - das Grabtuch von Turin kann da wohl nicht helfen. Dass er in Nazareth, also in einfachen bäuerlichen Verhältnissen aufwuchs, als erstgeborener Sohn den Beruf seines Vaters das Bauhandwerk erlernte und zusammen mit vier Brüdern - von denen Jakobus und Simon später für die junge Kirche bedeutsam wurden - und mehreren Schwestern aufwuchs, berichtet das Markusevangelium (6, 3). Allein das Lukasevangelium erzählt die idealtypische Geschichte vom 12-jährigen Jesus, der im Tempel in Jerusalem ob seiner Kenntnis der Bibel Aufmerksamkeit erregte (2, 41 - 47). Weil von Joseph dann keine Rede mehr ist wird vermutet, er sei früh gestorben und Jesus als ältester Sohn habe Verantwortung als Familienoberhaupt und Ernährer getragen.
Jordan bei Qasr el Jahud, wo Jesus wohl - auf der jordanischen Seite, rechts im Bild - getauft wurde
Jesus kam dann im Alter von etwa 30 Jahren (Lukasevangelium 3, 23) in Kontakt
mit Johannes dem Täufer,
der im Jahr 28 erstmals auftrat (Lukasevangelium 3, 1). Möglicherweise lebte
Jesus selbst einige Zeit als Gefährte Johannes, von dem er sich im Jordan
taufen ließ (Markusevangelium 1, 9), wahrscheinlich an der heute Qasr
el Jahud genannten Stelle auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres.
Einige der späteren Jünger Jesu waren zunächst Johannes-Jünger (Johannesevangelium
1, 37). Bald schon trat Jesus selbst hervor
mit seiner Botschaft: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist genaht;
tut Buße und glaubet
(Markusevangelium 1, 15). Mit dieser Botschaft traf er auf
die bei den Juden damals glühend erwartete Zeitenwende mit Befreiung vom Joch
der römischen Fremdherrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung und dem Kommen des
verheißenen Messias. Anders als Johannes rief Jesus aber die Menschen nicht in
die Wüste, heraus aus ihrem Alltag und in ein asketisches Büßerleben, sondern
er ging zu ihnen und mit ihnen: er wollte nicht nur zur Umkehr zu mahnen,
sondern den Leuten die Heilsbotschaft in Wort und Tat nahebringen.
Gérard David: Johannes tauft Jesus, Mittelteil des Triptychons von Jean des
Trompes, 1505, im Groeninge Museum in Brügge
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Jesus zog durch Galiläa, um die Menschen zu erreichen. Er verließ seine
Familie (Lukasevangelium 8, 19 - 21) und wanderte ohne Besitz und Habe durchs
Land (Matthäusevangelium 8, 20), angewiesen auf die Unterstützung von Anhängern,
darunter auch besonders Frauen (Lukasevangelium 8, 3). Ein besonderer
Schwerpunkt seines Wirkens war offenbar die Hafen- und Grenzstadt Kapernaum,
- ein heute abgegangener Ort am See Genezareth -, die in den Evangelium 16 Mal
erwähnt und im Matthäusevangelium (9, 1) als seine Stadt
bezeichet wird. Von
hier stammten mehrere der Jünger, die sich ihm anschlossen, so Petrus
und sein Bruder Andreas, aber auch
Matthäus.
Der Kreis seiner Nachfolger wurde später typisiert auf die zwölf Jünger
als
Repräsentaenten der zwölf Stämme Israels, er umfasste tatsächlich eine größere
Anzahl von Männern und Frauen; schon früh wird Maria
Magdalena genannt (Lukasevangelium 8, 2). Die Menschen - nicht nur die in
Kapernaom - waren zunächst begeistert von der Botschaft Jesu und vor allem den
Heilungen, die er vollzog (Markusevangelium 2, 2), die anfängliche
Anhängerschaft führte aber nicht zu der von Jesus erwarteten grundlegenden
Besinnung und Änderung des Lebenswandels (Matthäusevangelium 11, 23); ähnliches
galt offenbar auch für eine gewisse Zahl seiner Nachfolger (Johannesevangelium 6,
66).
Ein Grund der Enttäuschung über Jesus war wohl, dass er die konkreten
politischen Erwartungen mancher Anhänger nicht erfüllte. Die Geschichte von der
Versuchung Jesu (Matthäusevangelium 4, 1 - 11) zeigt, was man von ihm erwartete:
die Lösung der sozialen Probleme im Land, die Herstellung der nationalen
Souveränität und den sichtbaren Anbruch der Gottesherrschaft auf Erden; all dies
wurde von Jesus aber als teuflische Verführung
abgelehnt. Noch in der
nachösterlichen Begegnung mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus kommt deren
Enttäuschung zur Geltung: Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen
sollte
(Lukasevangelium 24, 21). Auch der Verrat seines Jüngers Judas
(Matthäusevangelium 26, 25) wird oft dadurch erklärt, dass er Anhänger der
Aufstandsbewegung der Zeloten gewesen sei und aus Enttäuschung über Jesu'
fehlende Konfrontation mit der römischen Besatzungsmacht gehandelt
habe. Die offene Konfrontation mit der römischen Macht vermied Jesus, so in der
Frage nach dem Steuer Zahlen (Markusevangelium 12, 13 - 17). Jesus lehnte auf
jeden Fall jegliche Gewaltanwendung ab und lehrte sogar, seine Feinde zu lieben
(Matthäusevangelium 5, 38 - 47). Seine fein-ironisch gefärbte Ablehnung der
römischen Fremdherrschaft und ihrer Götterverehrung zeigt aber die Geschichte
von der Austreibung der Dämonen vom besessenen Gerasener, wo der Dämon seinen
Namen Legion
- also viele
- oder aber die Bezeichnung einer Militäreinheit
der Römer - nennt und anschließend auf eine Herde von 2000 Schweinen übergeht,
die daraufhin in den See Genezareth stürzen und ertrinken; die in Syrien
stationierte 10. Legion der Römer hatte auf ihren Feldzeichen einen Eber.
Rembrandt Harmensz van
Rijn: Die kleinen Kinder werden zu Jesus gebracht - die Radierung ist
bekannt als das 100-Gulden-Blatt
, 1647 - 49, im Rijksmuseum in Amsterdam
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Auffallend für jene Zeit war, wie Jesus sich auch den Frauen zuwandte und sie
Ernst nahm. Auch ihnen gilt seine Lehre, so z.B. besonders deutlich in der
Geschichte von Maria und
Martha. Jesus
übertrat die traditionellen Regeln der Abgrenzung gegenüber Frauen, so in der
Geschichte von der Heilung der blutflüssigen Frau (Markusevangelium 5, 25 - 29),
er ließ sich auch deren Zuwendung gefallen (Markusevangelium 14, 3 - 6). In
einmaliger Weise nahm er auch Kinder ernst: das Kinderevangelium
(Markusevangelium 10, 13 - 16) zeigt das gängige, abweisende Verhalten der
Jünger gegenüber Kindern und im Gegensatz dazu die besondere Zuwendung Jesu und
seine Wertschätzung gerade der Kinder.
Rembrandt
Harmensz van Rijn: Rückkehr des verlorenen Sohnes, um 1669, in der
Hermitage in St.
Petersburg ![]()
Jesus sprach seine Muttersprache, Aramäisch, die Sprache des Volkes. Er war
aber auch der liturgischen und biblischen Sprache, des Hebräischen, mächtig und
seine Kenntnis der Bibel rief Erstaunen hervor (Lukasevangelium 2, 47). Er wurde
allenthalben als Rabbi
, als Lehrer der Schrift anerkannt. Eine besondere Form
der Lehre und Verkündigung waren die Gleichnisse Jesu: einfache Geschichten aus
der Lebenswelt der einfachen Leute auf dem Lande, zu verstehen ohne Vorwissen
für jedermann und in ihrer Aussage wirkkräftig in sich. Im Gleichnis stellte er
einen PharisäerDie Pharisäer (hebr. für "die Abgesonderten") waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung.
Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt.
Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren.
Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. - einen Menschen, der mit Gottes Geboten in seinem Leben
wirklich ernst macht und deshalb allgemein geachtet wurde - einem Zöllner
gegenüber - einem Mann der gehobenen Mittelschicht, oft mit betrügerischen
Methoden und im Dienst der verhassten Römer - und verglich deren Gebetspraxis
mit dem Ergebnis, das demütige, bußfertige Gebet rechtfertige den Zöllner
(Lukasevangelium 18, 9 - 14).
Gleichnisse dienten Jesus besonders zur Veranschaulichung des kommenden Reiches Gottes, das mit seiner Wirksamkeit schon angebrochen ist (Matthäusevangelium 12, 28). Wie aus einem der kleinsten Samen, dem Senfkorn, eines der größten Gewächse wird, so wird das Himmelreich - auch gegen alle Erwartung - kommen (Matthäusevangelium 13, 31f) und sich wie eine kostbare Perle erweisen für die es lohnt, auf alles andere zu verzichten (Matthäusevangelium 13, 45f). Das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukasevangelium 15, 11 - 24) macht deutlich, dass vor Gott keiner unwürdig ist und jeder auch nach allen Verfehlungen die Chance zur Umkehr hat.
Johann Karl Loth: Der barmherzige Samaritaner, um 1676, Kunstsammlungen Graf von
Schönborn in Pommersfelden
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Das Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner zeigt neben Jesu Botschaft, den Gefallenen zu helfen, auch die unerschrockene Überwindung geltender Abgrenzungen (Lukasevangelium 10, 25 - 37). Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus enthält neben dem Aufruf zu sozialer Gerechtigkeit die Mahnung, sich auf das Gottesreich vorzubereiten (Lukasevangelium 16, 19 - 31). Mit deutlichem Bezug auf das berühmte Weinberglied des Jesaja (5, 1 - 7) mahnt Jesus im Gleichnis von den bösen Weingärtnern, ihn nicht zu verkennen (Markusevangelium 12, 1 - 12).
Jesus war Jude, auch in seinem unbedingten Festhalten an der jüdischen Thora,
dem Gesetz (Matthäusevangelium 5, 17). Aber auch buchstabengetreues Verhalten
kann die Erfüllung der Thora verfehlen, wie Jesus immer wieder durch seinen
Umgang mit dem Sabbatgebot deutlich macht: kein Gebot darf an sich absolut
gesetzt werden, Maßstab ist allein Heilung und Heil des Menschen
(Markusevangelium 3, 1 - 5). Auch in seinen ethischen Forderungen, so in der
wichtigen Bergpredigt mit ihren Antithesen
(Matthäusevangelium 5, 21 - 48)
wird nicht eine neue Ethik gelehrt; neu aber ist, dass der Forderung die
Heilszusage vorangeht mit den Seligpreisungen (Matthäusevangelium 5, 3 - 11). So
wird möglich, nicht nur Forderungen zu hören - sondern sich tatsächlich so zu
verhalten, wie es der Goldenen Regel
entspricht: Alles nun, was ihr wollt,
dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun
; auch diese Regel
findet sich schon zuvor ebenso in jüdischer Lehre bei Rabbi Hillel.
El Greco: Heilung des Blinden in Bethsaida (Markusevangelium 8, 22 - 25), 1577 -
78, im Metropolitan Museum of Art in New
York ![]()
Die Behauptung Jesu, er sei Gottes Sohn, sahen gesetzestreue Juden, vor allem
die strengen Pharisäer
als massive Gotteslästerung an. Die fast sprichwörtliche
Gegnerschaft war wohl unvermeidbar. Jesu Selbstbezeichnung als Menschensohn
,
wie er sich öfter nennt, war wohl auch der Versuch, unter Aufnahme eines
traditionellen Begriffs aus dem Buch Daniel
seine endzeitliche Sendung mit einem nicht anstößigen Begriff zu beschreiben.
Aber Jesus wollte auch deutlich zu machen, dass - gut gemeintes - Festhalten am
Gesetz der Thora die ursprünglich menschenfreundlichen Gebote auch in eine
sinnentleerte Handlungsanweisung verwandeln kann. In der Frage des Sabbatgebotes
hat Jesus das immer wieder verdeutlicht: Der Sabbat ist um des Menschen willen
geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen
(Markusevangelium
2, 28). Pharisäer bauten auf die verändernde Kraft der Gebote, während bei Jesus
das Geschenk der frohen Botschaft zur Folge hat, freiwillig und freudig Gottes
Vorgaben einhalten zu können.
Jesus wirkte aber nicht nur durch seine Lehre, sondern auch durch die
Heilungen, die er vollbrachte. Nach dem Erstaunen über seine vollmächtigen Worte
verbreitete sich sein Ruf aufgrund der Heilung eines Besessenen in Kapernaom
(Markusevangelium 1, 22 - 28). Besonders das Markusevangelium betont Jesu Wirken
als Dämonenaustreiber: Jesus heilte, und die unreinen Geister warfen sich, wenn
sie ihn erblickten, vor ihm nieder und schrieen: Du bist der Sohn Gottes.
(Markusevangelium 3, 11). Ein endgültiger Machtwechsel fand statt: Befreiung aus
der Macht unreiner Geister durch Gottes Geist. Die Heilung Aussätziger
(Lukasevangelium 5, 12 - 16) gab den Betroffenen nicht nur ihre Gesundheit
zurück, sondern machte auch ihre Wiedereingleiderung in die Gesellschaft möglich.
Eine Kraft ging von ihm aus und heilte alle
(Lukasevangelium 6, 19).
Spätestens nach der Ermordung von Johannes dem Täufer wird Jesus auch mit seinem eigenen gewaltsamen Ende gerechnet haben; seit seinem ersten öffentlichen Auftreten waren kaum zwei Jahre vergangen. Ort seines Wirkens war bislang Galiläa und das angrenzende Gebiet der zehn Städte mit griechischer Tradition südöstlich des Sees Genezareth (Markusevangelium 5, 1) sowie Phönizien bis nach Tyrus - dem heutigen Sur - im Libanon (Markusevangelium 7, 24). Nun machte Jeus sich auf den Weg in die Hauptstadt und die Stadt des Heils, nach Jerusalem. Zunächst wird vom seinem triumphalen Einzug am Palmsonntag berichtet (Matthäusevangelium 21, 8 - 11), was an den Tatsachen aber wohl vorbeigeht; die weiteren Schilderungen lassen deutlich werden, wie unbeachtet sein Schicksal weithin blieb. Auch die Berichte vom Einzug in Jerusalem wollen deutlich machen, dass sich durch Jesus der göttliche Heilsplan erfüllt, wie ihn das Alte Testament vielfach vorhergesagt hatte.
Leonardo da Vinci: Abendmahl, 1498, Wandbild im Konvent Santa Maria delle Grazie
in Mailand.
Von links nach rechts: Bartholomäus, Jakobus
der Jüngere, Andreas, Judas, Petrus,
Johannes, Jesus,
Thomas, Jakobus
der Ältere, Philippus, Matthäus,
Thaddäus und Simon.
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Vom letzten Abend mit seinen Jüngern und der Feier des Abschiedsmahles am Vorabend des Passahfestes berichtet schon die älteste Überlieferung bei Paulus (1. Korintherbrief 11, 23 - 26). Jesus gab Brot und Wein eine neue Deutung, erklärte sie zu seinem eigenen Fleisch und Blut und zur Besiegelung des neuen Bundes, der nun und endgültig durch ihn zwischen Gott und den Menschen geschlossen wird in Erneuerung und Erweiterung des ersten Bundes, der nach Ende der Sintflut zwischen Gott und Noah und seinen Nachkommen in Kraft trat (1. Mose 9, 8 - 17). Jesus forderte bei diesem letzten Abendmahl seine Anhänger auf, ihm in der Zukunft im Pflegen eines solchen gemeinsamen Erinnerungsmahls zu begegnen (Markusevangelium 14, 22 - 25). Die letzte Mahlzeit wurde zum Vermächtnis und zur Verheißung: die Vergegenwärtigung Jesu Christi und seines Heilshandelns ist in der Feier der EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23. Zentrum jeder katholischen Messe, das Abendmahl auch in evangelischen und orthodoxen Gottesdiensten das Mahl der wirksamen Gemeinschaft der Christen mit Jesus.
Hans Multscher: Christus vor Pilatus, Panel aus dem Wurzacher Altar von 1437,
Staatliche Museen in Berlin
![]()
Jesus starb wohl an einem Freitag während des Passahfestes oder am Tag vor
dem Fest, also nach jüdischem Kalender am 14. oder 15. Nisan, wahrscheinlich im
Jahr 30 - möglich sind aber auch die Jahre 27, 31, 33 oder 34. Seinem Tod ging
eine Verhandlung vor dem Sanhedrin
, dem Hohen Rat
der jüdischen Tempelherren,
voraus. Jesus wurde der Gotteslästerung bezichtigt (Markusevangelium 14, 62 -
64). Dass dabei ein Todesurteil gefällt wurde, ist eher unwahrscheinlich: weder
war der hohe Rat zu solchem Urteil berechtigt (vgl. auch Johannesevangelium 18,
31), noch konnte diese Versammlung ein Urteil unmittelbar nach der Verhandlung
und schon gar nicht des Nachts fällen.
Lovis Corinth: Ecce Homo, 1925, im Kunstmuseum in Basel
![]()
Das Urteil wurde von Pontius
Pilatus nach standgerichtlichem Verfahren ausgesprochen, der Jesus aufgrund
seines - als politisch verstandenen - Herrschaftsanspruchs verurteilte
(Matthäusevangelium 27, 11); die Evangelien spielen deutlich die Verantwortung
Pilatus' herunter, der sprichwörtlich seine Hände in Unschuld wusch
(Matthäusevangelium 27, 24).
Die von Kaiserin Helena 326 gefundene
- hebräisch von rechts nach links geschriebene - Kreuzesinschrift Jesu
, in der
Kirche S.
Croce in Gerusalemme in Rom ![]()
Das Urteil gegen Jesus wurde unmittelbar danach vollstreckt als Kreuzigung,
der römischen Strafe für Rebellen und Widerstand Leistende, was auch die
Kreuzesinschrift bezeugt: Jesus, der König der Juden
(Matthäusevangelium 27,
37). Die Evangelien berichten, dass Jesus vergleichsweise schnell - schon nach
sechs Stunden am Kreuz - starb; oft warteten die Gekreuzigten zwei qualvolle
Tage lang auf Erlösung. Bei ihm waren in diesen schweren Stunden nur Frauen:
Maria Magdalena, (Maria)
Salome von Galiläa und die Maria
des Kleophas (Markusevangelium 15, 40); nach der Schilderung des
Johannesevangeliums waren auch seine Mutter Maria
und sein Jünger Johannes (19, 25f) dabei.
Die Grablegung musste aufgrund des herannahenden Sabbats eilig vollzogen
werden. Joseph von
Arimathaia stellte nach dem Bericht der Evangelien das Grab zur Verfügung.
Christen bekennen, dass Jesus in der Zeit seines Todes hinabgestiegen in das
Reich des Todes
ist, um auch den in der Unterwelt schmachtenden Menschen das
Heil zu verkünden und die zu erlösen, die sich von ihm rufen lassen.
Alessandro Allori: Christi Leichnam mit zwei Engeln, im Museum der schönen
Künste in Budapest
![]()
Als am Morgen nach dem Sabbat drei seiner Anhängerinnen, darunter Maria
Magdalena und (Maria)
Salome von Galiläa, die zunächst aus Eile unterbliebene Totensalbung
nachholen wollten, fanden sie das Grab leer. Ein Bote, ein Engel, sprach sie an:
Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferweckt worden, er
ist nicht hier
(Markusevangelium 16, 6). Diese Osterbotschaft
ist die zentrale Botschaft des Christentums: der scheinbar Gescheiterte, der
schändlich am Kreuz Gestorbene, der die Leiden schuldlos auf sich nahm, der den
Menschen das Heil gebracht hatte: Jesus lebt. Diese alles entscheidende frohe
Botschaft
erfuhren und erlebten jene Frauen als erste. Und die männlichen
Jünger - die zuvor noch ängstlich, verzagt, verzweifelt, ohne Hoffnung und auf
dem Weg nach Hause waren, weil der, an den sie geglaubt hatten, im Grab lag -
sie fingen dann auf einmal an, von seiner Rückkehr zu erzählen. Vergessen waren
Angst und Verzweiflung und Enttäuschung: der Ruf Jesus lebt
gewann schnell
mehr Anhänger, als Jesus selbst zu seinen Lebzeiten hatte.
Andreas von Florenz: Christus, hinabgestiegen in die Hölle, 1365 - 68, Fresko in
der Cappella Spagnuolo der Kirche Santa Maria Novella in Florenz
![]()
Die Jünger hatten sich nach dem ziemlich eindeutigen Zeugnis der Evangelien
nach der Gefangennahme Jesu versteckt und versucht, sich in Sicherheit zu
bringen. Berichtet wird, wie selbst Petrus
seinen bewunderten Herrn verleugnete (Matthäusevangelium 26, 69 - 75). Die
Evangelien berichten dann von Erscheinungen des Auferstandenen vor seinen
Jüngern in Jerusalem
(Johannessevangelium 20, 19 - 29), auf deren Flucht nach Emmaus - dem Ort Emmaus
Nicopolis, später Amwas, heute Ruinen - (Lukasevangelium 24, 13 - 32) und nach ihrer Rückkehr
in ihre Heimat Galiläa (Matthäusevangelium 28, 16 -18). Dort erteilte Jesus ihnen die
Verheißung und den Auftrag, der jeder Taufe zugrunde liegt: Mir ist alle Gewalt
gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet alle Völker zu
Jüngern und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen
Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe! Und siehe, ich
bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt.
(Matthäusevangelium 28, 18 -
20). Das Lukasevangelium berichtet, wie Jesus sich dann mit seiner Himmelfahrt
von seinen Jüngern verabschiedete und von der Erde entschwand (Lukasevangelium
24, 50 - 51).
Als erster männlicher Zeuge der Auferstehung wird später oft Petrus
genannt. Das Johannesevangelium berichtet, wie Petrus den am Ufer des See Genezareth -
dem heutigen Kinneret
- erschienenen Auferstandenen erkannte und von Jesus Christus den Auftrag erhielt: Weide meine
Lämmer.
(21, 1 - 19). Paulus erschien
Christus nach dem Bericht der Apostelgeschichte einige Zeit später und bewirkte
seine Bekehrung (9, 1 - 20).
Jesus sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen, zu richten die
Lebenden und die Toten
, so bekennt das Apostolische Glaubensbekenntnis Jesu
Christi Wirksamkeit in Gegenwart und Zukunft. Durch den an Pfingsten
ausgegossenen Heiligen Geist wirkt er auch heute in dieser Welt.
unbekannter flämischer Meister: Auferstehung, um 1400, Museum Mayer van den
Bergh in Antwerpen
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Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. - schreibt in seinem Buch Jesus von
Nazareth
: In Jesus ist die Verheißung des neuen Propheten erfüllt. Bei ihm ist
nun vollends verwirklicht, was von Mose nur gebrochen galt: Er lebt vor dem
Angesicht Gottes, nicht nur als Freund, sondern als Sohn; er lebt in innerster
Einheit mit dem Vater. Nur von diesem Punkt her kann man die Gestalt Jesu
wirklich verstehen; alles, was uns an Worten, Taten, Leiden, an Herrlichkeit
Jesu erzählt wird, ist hier verankert. Wenn man diese eigentliche Mitte auslässt,
geht man am Eigentlichen der Gestalt Jesu vorbei; dann wird sie widersprüchlich u
nd letzten Endes unverständlich. Die Reaktion seiner Hörer war klar: Diese Lehre
stammt aus keiner Schule. Sie ist radikal anders als das, was man in Schulen
lernen kann. Sie ist Auslegung 'in Vollmacht'. Die Lehre Jesu kommt nicht aus
menschlichem Lernen, welcher Art auch immer. Sie kommt aus der unmittelbaren
Berührung mit dem Vater, aus dem Dialog von 'Gesicht zu Gesicht'. Sie ist
Sohneswort.
In Israel gibt es unzählige Orte und Stellen, an denen Jesus sich aufgehalten haben soll. Wirklich historisch und archäologisch gesichert ist eigentlich keiner dieser Plätze.
Milchgrotte, deren weiche, weiße Steine der Legende nach aus der Milch der Maria gebildet sind. Beim Ort Beit Sahur werden die Felder gezeigt, auf denen den Hirten die Geburt verkündet wurde (nach Lukasevangelium 2, 8 - 14).
Hochzeitskirchekönnen Ehepaare ihr Trauversprechen erneuern.
Elsässische Werkstatt von 1418: Der thronende Christus in der Mandorla,
Buchmalerei, 1419, in der Universitätsbibliothek in Heidelberg
![]()
Basilika der Verklärungerrichtet wurde.
Via Dolorosa, beginnend am
Löwentor, endend an der Grabeskirche, dazwischen die vierzehn Stationen der Kreuzwegandacht.
Auferstehungskirche.
Gedenktag mit der Erinnerung an Kreuzigung und Tod Jesu ist zunächst jeder
Freitag. Herrenfest mit der Feier des Heilswerks Christi ist sodann jeder
Sonntag als Tag des Herrn
(Offenbarung des Johannes 1, 10), dem Tag
seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche *.
In der koptischen Kirche ist der 29. Tag jedes koptischen Monats ein Gedenktag von Verkündigung, Geburt und Auferstehung Jesu Christi.
Darüber hinaus gibt es spezielle Herrrenfeste
:
Gedenktag der Namensgebung des Herrnbegangen. Nach Lukasevangelium 2, 21 und in der orthodoxen und koptischen Tradition ist es ausdrücklich auch der Tag der Beschneidung Jesu entsprechend jüdischem Brauch.
El Greco: Die Anbetung des Namens Jesu, 1578/79, Monasterio de San Lorenzo im
Escorial in Madrid
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Daher hat ihn auch Gott über die Maßen erhöht und ihm den Namen geschenkt, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich beuge jedes Knie derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind(2, 9f). Die Verehrung des Namens Jesu förderte vor allem Bernhardin von Siena mit Verwendung des Monograms IHS und durch Hinzufügung des Namens Jesus bei der Anrufung von Maria. Papst Sixtus V. (1585 - 1590) kündigte erstmals einen Ablass an für die Anrufung des Namens Jesu. 1578/79 schuf El Greco für den spanischen König Philipp II. das Bild
Die Anbetung des Namens Jesu: oben erscheinen zwischen Wolken die Buchstaben IHS; unter den knieenden Gestalten ist im Vordergrund König Philipp II. in schwarzer Kleidung zu erkennen.
empfohlener Gedenktag- also zwar nicht geboten, aber doch mehr als ein nichtgebotener Gedenktag).
Michael Pacher: Beschneidung Jesu, aus dem Altar in der Kirche in St.
Wolfgang, 1479 - 81 ![]()
Fest der Erscheinung des Herrn, ist das älteste Fest der Kirche, das kalendarisch festgelegt war und noch heute mit verschiedenen Inhalten belegt ist. In der orthodoxen Kirche und den evangelischen Kirchen steht eindeutig die Erscheinung des Mensch gewordenen Gottes auf Erden im Mittelpunkt. In der katholischen Kirche wird der Erscheinung der drei Weisen an der Krippe in Bethlehem, zugleich der Taufe Jesu im Jordan und der von ihm als erster Wundertat vollbrachten Wandlung von Wasser in Wein in Kana - wohl dem heutigen Kafr Kanna (Johannesevangelium 2, 1 - 11) - gedacht.
Weihnachtengenannt, die Geburt Jesu gefeiert.
* Seit Urzeiten ist im jüdisch-christlichen Kulturraum der Sabbat / Samstag der 7. und letzte Tag der Woche. Dass die Woche mit dem arbeitsfreien Tag beginnt, konnte die kapitalistische Wirtschaft nicht ertragen und inszenierte deshalb eine bürgerliche Kalenderreform, wonach die Woche montags anfängt. Für Christen aber gilt: erst das Geschenk Gottes - Symbol ist der arbeitsfreie Tag - dann und daraus dankbar folgend die Antwort des Menschen im Tun.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Catholic Encyclopedia: Übersicht
Catholic Encyclopedia: Chronologie
Catholic Encyclopedia: Christologie
Catholic Encyclopedia: Menschwerdung
Catholic Encyclopedia: Abstammung
Catholic Encyclopedia: Charakter
Catholic Encyclopedia: Selbst-Bewusstsein
Catholic Encyclopedia: Auferstehung
Catholic Encyclopedia: frühe außerchristliche Dokumente
Catholic Encyclopedia: Name
Catholic Encyclopedia: Verehrung des Namens
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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