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Ökumenisches Heiligenlexikon

Franziskanerorden

Der Orden, lateinisch Ordo Fratrum Minorum, Orden der Minderen Brüder, entwickelte sich aus der Bruderschaft um Franziskus von Assisi in den Jahren zwischen 1210 und 1220. 1223 erfolgte die Anerkennung der Gemeinschafts-Regel durch Papst Honorius III.

Giotto di Bondone: Franziskus erscheint seinen Brüdern in Arles. Fresko, 1297 - 1300, in der Oberen Kirche des Franziskus in Assisi

Giotto di Bondone: Franziskus erscheint seinen Brüdern in Arles. Fresko, 1297 - 1300, in der Oberen Kirche des Franziskus in Assisi

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Im Mittelpunkt des franziskanischen Lebens steht die Armut und eine einfache, natürliche Lebensweise. Franziskus lebte in Armut und widmete sein Leben dem Gebet und der Predigt, für die er durch das Land reiste, um viele Menschen als Zuhörer zu gewinnen. Nachdem sich ihm elf Gefährten angeschlossen hatten, führte er sie von Assisi nach Rom, um den Segen des Papstes zu erwirken. Papst Innozenz III. gab ihnen 1208 seinen Segen unter der Bedingung, dass sie KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. würden und ein Oberhaupt wählten. Franz wurde zum Oberhaupt gewählt, die Gruppe kehrte nach Assisi zurück. Hier wurde ihnen die Nutzung der kleinen Kapelle von Santa Maria degli Angeli aus dem Besitz des Benediktinerklosters vom Berg Subiaco zugesagt. Von dort aus zogen die Brüder der rasant wachsenden Gemeinschaft in alle Himmelsrichtungen, um das Evangelium zu verkünden. Schon bald kamen die ersten Brüder auch nach Deutschland.

Entwicklung des Franziskaner-Ordens

Entwicklung des Franziskaner-Ordens

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Nach dem Tod von Franziskus wurde in seiner Heimatstadt Assisi über seinem Grab ein Kloster und eine Basilika errichtet. Einige der Anhänger störte die Pracht des Baus, da dies sich nicht mit dem Armutsideal des Ordens vereinbaren ließe. Zur Beendigung des entbrannten Streites verfügte Papst Gregor IX., dass eine gewählte Ordensverwaltung Gelder besitzen dürfe und der Bau von Klöstern den Absichten des Ordensgründers nicht widerspreche.

Dies führte zur Spaltung des Franziskanerordens. Im Jahr 1517 wurde diese von Papst Leo X. bestätigt. Er teilte den Orden in
• die Konventualen (Minoriten), denen ein gemeinschaftlicher Besitz erlaubt wurde (OFMConv), und
• die Observanten (Franziskaner), die eine möglichst enge Befolgung der Regel des Franziskus anstreben (OFMObs). Sie bilden bis heute die größere Gruppe; von ihnen spalteten sich wenig später die Kapuziner ab, um sich als unabhängiger Orden zu organisieren.

Um Franziskus enge Gefährtin Klara von Assisi bildete sich der Orden der Klarissen, der Zweite Orden, OSCI.

1221 gründete Franziskus auch einen Orden für Laien, den Dritten Orden, dessen Mitglider demnach Tertiare genannt werden. Mehr als bei anderen Orden sammelten sich um die Franziskaner solche Laiengemeinschaften, in Deutschland heute die Franziskanische Gemeinschaft. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich aus dem Dritten Orden eine Vielzahl von Kongregationen, sogenannte Regulierte dritte Orden, so die Franziskanerinnen, die Franziskusbrüder, die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz, die Elisabethinen, die Liebfrauenschwestern u. a., deren Mitglieder sich karitativen Tätigkeiten wie der Krankenpflege und der Erziehung widmen.

Neben ihrer Predigertätigkeit und den karitativen Werken wirkten die Franziskaner im Erziehungsbereich. Vor der englischen Reformation lehrten viele Franziskaner an englischen Universitäten. Berühmtheit erlangten die Professoren Johannes Duns Scotus, == Wilhelm von Ockham und == Roger Bacon. Die franziskanischen Orden haben vier Päpste hervorgebracht: Sixtus IV., Julius II., Sixtus V. und Clemens XIV., dazu den Gegenpapst Alexander V.

Auf seiner ersten Fahrt nach Amerika wurde Christoph Kolumbus von einer Gruppe von Franziskanern begleitet. Die ersten Klöster in Amerika wurden von Franziskanern in Santo Domingo und La Vega in der heutigen Dominikanischen Republik errichtet. Während die spanischen Franziskaner immer weiter in den Süden von Amerika und bis zum Pazifik vordrangen, missionierten die französischen Franziskaner, die 1615 in Kanada gelandet waren, den Norden Amerikas. Im 20. Jahrhundert wurden von verschiedenen anglikanischen Kirchen eine Reihe von Franziskanergemeinschaften sowohl für Männer wie auch für Frauen gegründet. Die bedeutendste darunter ist Saint Francis in Cerne Abbas in der Grafschaft Dorset in England mit Niederlassungen auf den Britischen Inseln sowie in Neuguinea.

Franziskanerbrüder beim Generalkapitel 2006 in Fonte Colombo

Franziskanerbrüder beim Generalkapitel 2006 in Fonte Colombo

Das höchste Leitungsamt des Ordens wird vom Generalminister bekleidet, der für sechs Jahre gewählt wird. Der Name Minister, lateinisch Diener, geht auf Franziskus selbst zurück, der nicht wollte, dass die Oberen seines Ordens Äbte - Väter oder Prioren - Erste genannt würden. Als Mutterkirche des Ordens gilt die kleine Portiunkula-Kapelle bei Assisi, das Generalatshaus des Ordens befindet sich heute in Rom. Der Orden ist in Provinzen unterteilt, denen jeweils ein Provinzialminister vorsteht, der allen Brüdern einer Ordensprovinz vorsteht.

Die Franziskanertracht erkennt man an den graubraunen - in warmen Gegenden auch weißen - Kutten mit Schulterkragen und Kapuze. Die Minoriten tragen eine schwarze Kutte mit großem Schulterkragen. Der Habit der Kapuziner ist rotbraun; an ihm ist die lange Kapuze fest angenäht. Anstelle eines Gürtels tragen alle franziskanischen Ordensleute einen weißen Strick mit drei Knoten.

Die Franziskaner haben derzeit weltweit rund 17.000 Brüder, die Kapuziner etwa 12.000 und die Minoriten rund 4000 Brüder. In Deutschland haben die drei Zweige des Ersten Ordens im Jahr 1998 insgesamt 891 Mitglieder in 127 Niederlassungen von 8 Ordensprovinzen, darunter 555 Franziskaner, 110 Minoriten, 215 Kapuziner sowie in einem Kommissariat 11 Franziskaner des Regulierten Dritten Ordens.

Die Franziskaner haben eine schöne Homepage mit Informationen über Franziskus, über die Ordensgeschichte und mit Einblicken ins Ordensleben heute.

Die Franziskaner-Minoriten der Provinz St. Elisabeth in Deutschland informieren auf ihrer sehenswerten Website umfassend über die Geschichte der Minoriten, ihr Wirken in Deutschland und das Ordensleben heute.


Quellen: