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Agnes pflegt einen Kranken. Kreuzherren-Altar von 1492, heute in der
Nationalgalerie in Prag

Anežka war die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. Přemysl und seiner zweiten Frau Konstanze von Ungarn. Schon als dreijähriges Kind wurde sie mit ihrem Cousin Boleslaw von Schlesien verlobt und ihrer zukünftigen Schwiegermutter zur Erziehung überlassen. So kam sie zu den Zisterzienserinnen ins Stift Trebnitz - dem heutigen Trzebnica in Polen. Als ihr Bräutigam starb, verlobte ihr Vater sie im Alter von acht Jahren mit dem damals neunjährigen Sohn des deutschen Kaisers, dem zukünftigen Thronerben und späteren Heinrich IV. Die kommenden sechs Jahre verbrachte sie deshalb am Babenberger Hof in Wien. Heinrich heiratete dann aber Margarethe von Babenberg, Anežka musste zurück nach Prag. Ein Jahr später sprach der englische König Heinrich III. in Prag vor, vier Jahre darauf löste auch er die Verlobung. Als sogar der deutsche Kaiser Friedrich II. selbst um ihre Hand anhielt, lehnte die inzwischen erwachsene Anežka seine Werbung selbständig ab. Sie wollte ihrer Kousine Elisabeth von Thüringen nacheifern; mit Klara von Assisi stand sie in Briefkontakt.
Ab 1230 konnte Anežka nach dem Tod ihres Vaters ein eigenständiges Leben führen.
Der neue König, ihr Bruder Wenzel / Václav I., ermöglichte ihr eigene Entscheidungen.
1232 gründete sie in Prag
ein Armenspital, das von Ordensmännern der Franziskanerminoriten
versorgt wurde. Neben diesem Männerkloster errichtete sie auch ein Klarissinnenkloster,
das sie mit Nonnen aus Trient
besiedelte. 1234 legte sie ihre Krone ab und trat selbst in ihr Kloster ein, was im
europäischen Adel einges Aufsehen erregte. Ein Jahr später wurde sie von Papst Gregor IX.
zur Äbtissin ernannt. Agnes wollte einen eigen Orden mit einer von ihr entworfenen
Ordensregel strengster Armut gründen; der Papst aber betrachtete die neu entstandene
Armutsbewegung kritisch und zwang Anežka in ihren Plänen zu Kompromissen. Sie trat
daraufhin als Äbtissin zurück und lebte nur noch als ältere Schwester
in ihrem
Kloster. Den Plan, einen eigenen Orden auf der Grundlage der strengen, unverfälschten
ursprünglichen Lehren von Franziskus
zu schaffen, gab sie aber nicht auf; nach dem Tod von Gregor IX. konnte sie den einzigen
original tschechischen Orden, die Kreuzritter vom roten Stern
, gründen.
Agnes-Kloster, heute Ausstellungsräume der Nationalgalerie in Prag

Um ihr klösterliche Zentrum herum bildeten sich weitere Gemeinschaften, Pflegestellen, Waisenhäuser und Heimatlosenasyle. Anežkas Verbindungen zur päpstlichen Kurie ermöglichten ihr, für ihren Bruder Wenzel den Zwist zwischen ihm und seinem Sohn Ottokar II. Přemysl zu schlichten; auch diesem ihrem ehrgeizigen Neffen stand sie dann bei. Dennoch musste sie im Alter nach der Schlacht auf dem Marchfeld 1278 den Niedergang des Königreichs Böhmen erleben. Die Legenden erzählen von ihrem Leben voller Entsagung, Aufopferung für die Armen und Wundertaten
Anežka wurde in dem von ihr gegründeten und heute nach ihr benannten Kloster in Prag
bestattet. Die Prager Bürger haben in einer tagelangen Prozession von ihr Abschied
genommen und unsere heilige Frau
beweint.
Kanonisation:
Die Seligsprechung von Agnes ließ lange auf sich warten, einer der Gründe war,
dass ihre Gebeine in den Wirren der
Hussitenkriege verloren gingen; sie
erfolgte 1874, die Heiligsprechung am 12. November 1989 durch Papst Johannes
Paul II., wenige Tage vor der samtenen Revolution
von 1989.
Attribute:
mit Krone Kranke pflegend
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