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Meister der Gewandstudien: Elisabeth-Triptychon (Ausschnitt), um 1480, in der
Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe

Elisabeth war die Tochter von König Andreas II. von Ungarn und Gertrud von
Kärnten-Andechs-Meran.
Im Geburtsjahr von Elisabeth fand der berühmte Sängerkrieg
auf der Wartburg
bei Eisenach statt; Dichtung und Legende erzählen von der Anwesenheit des
zauberkundigen Klingsor aus Ungarn und seinem prophetischen Hinweis auf die
Königstochter Elisabeth.
Als Vierjährige wurde Elisabeth - unter Einfluss der politischen Interessen des Papstes Innozenz III. - mit dem damals elf Jahre alten Thüringer Landgrafensohn Hermann verlobt und zur Erziehung in deutscher Umgebung und durch ihre Schwiegermutter Sophie nach Thüringen geschickt. Als Vorbild diente dabei Hedwig von Schlesien, die Schwester ihrer Mutter. Doch Hermann starb 1216, ein Jahr darauf auch sein Vater, als Herrscher stand nun der jüngere Ludwig an, der, nachdem er volljährig geworden war, 1218 als Ludwig IV. Landgraf wurde. Elisabeth, die am Hofe durch Frömmigkeit, Schönheit und Sittsamkeit aufgefallen war, aber nun ohne Gemahl dastand, sollte nach Ungarn zurückgeschickt werden; aber inzwischen hatte sich Ludwig in sie verliebt, 1221 - Elisabeth war 14 Jahre alt - wurde die Hochzeit gefeiert.
Elisabeth bei einer Kranken. Glasfenster in der Elisabethen-Kirche in Marburg,
vor 1250 
Es kam zu einer glücklichen Ehe, aus der schnell drei Kinder hervorgingen, als jüngstes die Tochter Gertrude. Als 1225 die ersten Franziskaner nach Eisenach kamen, übte deren Ideal befreiender Besitzlosigkeit großen Einfluss auf Elisabeth aus. Sie kümmerte sich um Bedürftige, besuchte Armenviertel; dies wurde trotz der Unterstützung, die Elisabeth von ihrem Mann erhielt, von der Familie mehr als skeptisch betrachtet. Ausführlich berichten die Legenden, wie sie unerschüttert den Verleumdungen und Vorwürfen ihrer Umgebung standhielt.
Immer wieder werden wundersame Ereignisse berichtet: Der Aussätzige, den sie zur Pflege in ihr Bett hat legen lassen, wurde aufgedeckt, aber statt Elisabeth zu ertappen wurde das Bild des Gekreuzigten Christus gesehen. Als sie im Hungerjahr 1226 alles verfügbare Korn austeilen ließ und auch Geld aus der Staatskasse zur Hilfe verwandte, wurden heftige Vorwürfe erhoben - da bedeckte sich plötzlich der Boden des Saales mit Korn, und Korn füllte alle Kammern. Als sie bei der festlichen Ankunft des Kaisers Friedrich II. kein Gewand mehr in der Truhe fand, überkleidete sie ein Engel mit Glanz und Schmuck, worauf sie fürstlicher als je im Saal erschien.
Mittelrheinischer Meister: Elisabeth als Mantelspenderin, um 1330 / 50,
Altarflügel aus der Klosterkirche in Altenberg,
heute im Städel-Museum in Frankfurt
am Main 
Das Rosenwunder
ist weder in der Lebensbeschreibung noch in den
großen Legendensammlungen verzeichnet: Ludwig,
von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, trat
seiner Frau, die mit einem mit Brot gefüllten Deckelkorb die Burg herab stieg,
mit der Frage entgegen: Was trägst du da?
, deckte den Korb auf, sah aber
nichts als Rosen. *
Buchmalerei: Ludwigs
Abschied von Elisabeth, um 1250 im Psalter der Gertrude
von Altenberg, in der Landes- und Hochschulbibliothe in Darmstadt 
Ihr Mann Ludwig trat dem Deutschen
Orden bei und empfing von Konrad
von Hildesheim das Kreuz, um am 5.
Kreuzzug teilzunehmen. Er erkrankte dabei im italienischen Brindisi,
wurde - schon eingeschifft - in Otranto
wieder an Land gebracht und starb dort
an einer Seuche - die Legende berichtet aber auch von einem verderblichen Trank,
den er mit der Kaiserin Jolanthe getrunken habe, denn auch sie starb. Elisabeth
war tief traurig: Mit ihm ist mir die Welt gestorben
.
Simone Martini: Elisabeth (rechts) und Klara
von Assisi, 1317, Fresko in der Martinskapelle in der Unterkirche des
Franziskus in Assisi

Nach dem Tod ihres Mannes wurde Elisabeth mit ihren drei Kindern von ihrem Schwager Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben mit der Begründung, sie verschwende öffentliche Gelder für Almosen. In Eisenach fand sie keine Unterkunft, habe zunächst in einem Schweinestall gehaust. Bei ihrem Onkel mütterlicherseits, dem Bischof von Bamberg, fand Elisabeth dann mit ihren drei Kindern Aufnahme: er wollte sie wieder vermählen, aber Elisabeth lehnte selbst die Werbung von Kaiser Friedrich ab. Rückkehrende Kreuzfahrer brachten ihr Ring und Gebeine Ludwigs; nach seiner feierlicher Bestattung musste man ihr auf Betreiben von Papst Gregor IX. ihr Witwengut herausgegeben. Legendär ist, dass Gregor, auf Franziskus' ausdrücklichen Wunsch, diesem den Mantel von den Schultern nahm und ihn Elisabeth zusandte.
1229 zog Elisabeth an den Wohnort ihres Seelenführers und Beichtvaters, des
Prämonstratensers Konrad von
Marburg.
Dieser strenge, asketische Mann wollte die Heilige zu einer Heiligen machen
,
verfolgte sie mit Bußübungen, geißelte sie schon für kleine Vergehen - Konrad
wurde wegen seiner fanatischen Strenge 1233 erschlagen. Elisabeth lebte aus der
Überzeugung, ganz arm sein zu wollen, ging von Tür zu Tür betteln und wollte
öffentlich auf allen ihr juristisch zustehenden Reichtum verzichten; Konrad
hinderte sie am Verzicht, um das Vermögen zu retten. Mit diesem Witwenvermögen
errichtete sie daraufhin 1229 in Marburg ein Spital, benannte es nach Franziskus und
arbeitete dort selbst als Pflegerin bis zu ihrem Tod. Sie ließ nun auch ihre
Kinder zurück und trat in die von Konrad geleitete Hospitalitergemeinschaft ein -
nicht als Tertiarin in den Franziskanerorden,
wie oft angenommen.
Simone Martini: Elisabeth (links) und Margareta
von Ungarn, 1318, Fresko in der Unterkirche des Franziskus
in Assisi

Im November 1231 wurde Elisabeth krank; es heißt, dass ihre letzten Tage von kindlicher Heiterkeit überstrahlt waren. Wenige Tage vor ihrem Tod hatte sie eine Vision von einem Vogel, der zwischen ihr und der Wand fröhlich sang und sie dazu bewegte, mitzusingen. Sie verschenkte ihre letzten Sachen und soll sogar noch ihre Gefährtinnen getröstet haben. Elisabeth starb im Alter von 24 Jahren, aufgezehrt in der Fürsorge für andere, und wurde in ihrem Franziskushospital bestattet.
Ludwig Juppe: Plastik, 1524, am Rathaus in Marburg
Die schnelle Heiligsprechung Elisabeths schon vier Jahre nach ihrem Tod wird
Mechthild von Helfta in
einer Vision von Gott so erklärt: Es gehört sich für einen Boten, schnell zu
sein. Elisabeth ist und war ein Bote, den ich zu den Frauen gesandt habe, die,
ohne an ihr Seelenheil zu denken, auf den Burgen saßen, von der Unkeuschheit so
tief durchdrungen und vom Hochmut ganz bedeckt und von der Eitelkeit so
beständig umhüllt, dass sie von Rechts wegen für den Abgrund bestimmt gewesen
wären. Elisabeths Vorbild sind viele edle Frauen gefolgt, so weit ihr Wille und
ihre Kraft eben reichten.
(Das fließende Licht der Gottheit V, 34)
Der Deutsche Orden, der seinen
Verwaltungssitz in Marburg
hatte, erweiterte Elisabeths Spital und ließ 1235 - 1283 die ihr geweihte Kirche
als ersten gotischen Bau in Deutschland errichten. 1236 erfolgte die Erhebung
ihrer Gebeine im Beisein Kaiser Friedrichs
II. von Hohenstaufen; er stiftete
eine Krone, mit der der Leichnam gekrönt wurde. Im selben Jahr erschien die von
Cäsar von Heisterbach verfasste Lebensgeschichte. 1240 wurde die neue
Predigerkirche in Eisenach
der Landgräfin geweiht, 1245 der goldene Schrein in Marburg wird mit der
Inschrift Gloria Teutoniae
, Ruhm des deutschen Landes
versehen. 1249 wurden
die Reliquien im Chor der Kirche St. Elisabeth in Marburg beigesetzt, der bis
1283 nicht konsekriert war. Die Überlieferung und Verehrung von Elisabeth wurde
ab Mitte des 13. Jahrhunderts stark beeinflusst durch die von Dietrich von
Apolda vor 1240 verfasste Lebensgeschichte. Die Wallfahrt
wuchs nun so schnell, dass sie bald eine mit der zu Jakobus
nach Santiago
de Compostela vergleichbare Bedeutung erreichte.
Urkunde über die Rückgabe der Reliquien von Elisabeth an den Deutschen
Orden 
Wallfahrten zu Elisabeths Grab gehörten
- durch wundersame Heilungen sich ausbreitend - zu den berühmtesten des Mittelalters.
Philipp von Hessen ließ
Elisabeths Reliquien 1539 im Zuge der
Reformation aus dem Sarg entfernen und gab den Befehl, die sterblichen Überreste
seiner Ahnfrau in einem Beinhaus oder auf einem Totenacker so zu zerstreuen, dass
sie nicht wieder auffindbar sein sollten, um die Verehrung zu beenden. Der Statthalter
Georg von Kolmatsch missachtete aber die Weisung und ließ die Reliquien
auf sein Wasserschloss Wommen
bei Herleshausen bringen. Nach der Niederlage der Protestanten im
Schmalkaldischen Krieg
musste er 1548 die Reliquien an den Deutschen
Orden zurückgeben, wobei sich herausstellte, dass nur noch ein relativ
kleiner Teil der Reliquien vorhanden war: der Kopf mit Unterkiefer, fünf
Röhrenknochen, eine Rippe, zwei Schulterblätter und ein Breitbein
. Elisabeths
Kopf erhielt im Elisabethinnen-Kloster in Wien
1548 einen neuen Schrein. 1907 erfuhr ihre Verehrung in Deutschland und
Österreich neue Impulse durch große Feiern zu ihrem 700. Geburtstag. Auch die
Stadt Kosice - etwas nördlich ihres Geburtsortes, heute in der Slowakei gelegen
- ist ein Zentrum ihres Kultes; im ungarischen Sarospatak ist nun ein Museum
geplant.
Friedrich Heer nannte Elisabeth eine der zartesten, innigsten und
liebenswertesten
Heiligen des Mittelalters; Alban Stolz schrieb, dass außer
der Mutter Gottes Maria noch keine
weibliche Person eine größere, weiter verbreitete Verherrlichung auf Erden
gefunden hat als die heilige Elisabeth
.
Schrein der Elisabeth, um 1242, in der Sakristei der Elisabethkirche in Marburg
Kanonisation:
Elisabeth wurde schon am 27. Mai 1235, am Pfingstfest,
durch Papst Gregor IX. in Perugia
heiliggesprochen.
Attribute:
Korb mit Rosen, Korb mit Broten, Schüssel mit Fischen, Bettler, Kug, Löffel
Patronin
von Thüringen und Hessen; der Witwen und Waisen, Bettler, Kranken, unschuldig Verfolgten und
Notleidenden; der Bäcker, Sozialarbeiter und Spitzenklöpplerinnen; des Deutschen
Ordens, der Caritas-Vereinigungen; des Bistums Erfurt, zweite Patronin des
Bistums Fulda
Bauernregeln:
St. Elisabeth sagt es an, / was der Winter für ein Mann.
Es kündet St. Elisabeth / was für ein Winter vor uns steht.
* Elisabeth
von Portugal soll die älteren Rechte
für dieses Wunder haben. Erst eine
gewollte Verwechslung
habe die längst heiliggesprochene Landgräfin um dieses
Wunder bereichert.
linker und rechter Altarflügel: Gabriel
verkündet Maria die Geburt ihres Kindes,
Maria besucht Elisabeth, Jesus
Christus wird geboren, die heiligen drei
Könige (linker Flügel); Erzengel Michael,
Krönung der Maria, Elisabeth von Thüringen, Marias Tod (rechter Flügel); aus dem
Prämonstratenserstift Altenberg, um
1330, im Städtischen Kunstmuseum in Frankfurt

Literatur über Elisabeth.
Viele weitere empfehlenswerte Bücher - von Sachliteratur und Belletristik bis hin zu Kinderliteratur und
pädagogischen Hilfen zum Thema Hl. Elisabeth - bietet der
Online-Buchladen
des Pilgerbüros Hl. Elisabeth.
Die enge Verbindung Elisabeths zum Fürstenhaus Sayn
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Elisabethaltar (Fragment): Elisabeth kleidet Arme und pflegt Kranke, um 1385, im
Wallraf-Richartz-Museum in Köln

Umfassende
Lebensdaten, ausführliche Informationen zum Verfahren der Heiligsprechung und eine
umfangreiche Bibliographie, dazu eine große Liste mit links zu Elisabeth-Seiten
im Intenet hat Helmut
Zenz zusammengetragen.
Eine
schöne Internet-Seite hat die Elisabeth-Kirche
in Marburg
mit Informationen zu Elisabeth, zum Bauwerk und zur Gemeinde heute.
Über
Elisabeth von Thüringen in Marburg
informiert das Pilgerbüro
Heilige Elisabeth.
Der
Elisabethpfad-Verein will ermuntern, auf Pilgerwegen
zur Grabkirche der heiligen Elisabeth in Marburg
zu gehen.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Danke für diese wunderbare Seite.
Gerne möchte ich zum Leser Kommentar von Gerhard J.M. Lüftenegger aus Hof
bei Salzburg bemerken, dass das Original der Elisabethstaue in der Pfarrkirche
in St Ulrich in Gröden (Ortisei),
der Heimat meines Großvaters, steht. Wir haben sie bereits als Kinder
bewundert, es ist wirklich unglaublich was diese Skulptur, die aus
dem Hause Moroder stammt, für eine Ausstrahlung hat.
Liebe Grüße aus dem schönen Zillertal
Carl-Peter Kostner aus Mayrhofen über E-Mail, 20. April 2011
Zum Bild von Herrn Günter Becker vom 19. November 2010:
Diese Darstellung ist eine Kopie der Hl. Elisabeth, das Original
dazu steht in der Pfarrkirche in St.
Ulrich im Grödnertal. Sie steht neben dem linken Seitenaltar und
ist frei zugänglich.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard J.M. Lüftenegger aus Hof bei Salzburg - http://www.luefti.at
über E-Mail, 20. April 2011
Guten Tag,
ich habe zufällig ihre Seite zu Elisabeth im Internet entdeckt und da
es inzwischen wohl kein vergleichbares Lexikon mit solcher Korrektheit auch
in Details gibt, sende ich Ihnen für die Bemühungen ihrer Arbeit vier Fotos.
Ich denke, dieses Unikat, dass Sie vermutlich nicht kennen, eine schöne
Erinnerung an diese Frau ist. Ich hoffe, ich habe Ihnen eine kleine Freude
damit gemacht! Rein zufällig habe diese Holzschnitzerei in einem Haushalt
entdeckt und hatte die Erlaubnis diese Fotos zu machen, weil sie mich irgendwie
bis heute in ihren Bann gezogen hat. Eigentlich gehört diese Figur als Erinnerung
an diese Frau in eine Kirche, oder Museum, wo sie für viele Menschen ersichtlich
ist. Wie das Jugendhafte und die Hingabe dieser Frau von dem Künstler
dargestellt wurde, finde ich einmalig!
Günter Becker über E-Mail, 19. November 2010
Ich möchte dieser Seite gratulieren und einige Information über Elisabeth mitteilen. Was noch über Sie zu wissen ist: dass sie als Ungarin starke Verbindung zu der ungarischen Urreligion hatte. Bei jedem Sonnenauf- und untergang hatte sie Richtung Sonne geritten und gebetet. In Ungarn ist diese Urreligion ein organischer Teil des Christentums geblieben. Es wäre wertvoll, auch ungarische Quellen für Ihre Biographie zu benutzen.
Noémi Majláth über E-Mail, 20. Juni 2010
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