der Großmütige
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Schon als Kind verlor Philipp seinen Vater, im Alter von 13 Jahren übernahm
er 1518 das Amt als Landgraf nach Auseinandersetzungen über die Regentschaft
seiner Mutter. Mit 17 Jahren nahm er am Reichstag in Worms
teil, wo sich Martin Luther vor
dem Kaiser zu seinen Lehren bekannte. 1524 bekannte sich Philipp öffentlich zu
den Lehren der Reformation. Im Oktober 1526 rief er eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
in Homberg
(Efze) zusammen, auf der von Laien und Theologen zusammen die Reformation in
Hessen beschlossen wurde; für Philipp bedeutete die Erneuerung der Kirche
zugleich die Förderung des gemeinen Nutzens
. Im Jahr darauf wurden die Köster
säkularisiert, teilweise in Hospitäler umgewandelt, das Kloster Marburg
zur ersten evangelischen Universität gemacht. Die Klöster und der Adel stemmten
sich nachhaltig gegen die Reformation in Hessen, aber Philipp überwand mit
erstaunlicher Zähigkeit den teils Jahrzehnte dauernden Widerstand.
1529 rief Philipp zum Marburger
Religionsgespräch
zusammen, auf dem die Differenzen zwischen Huldreich
Zwingli und Martin Luther
beigelegt werden sollten; bis auf die Frage des Verständnisses der Elemente im
Abendmahl gelang dies. Gegenüber der Bewegung der Täufer blieb Philipp in seinem
Land nachsichtig, Äußerte Verständnis für deren Kritik an unterschiedsloser
Säuglingstaufe. Er betrieb ein Bündnis aller protestantischen Stände und wurde
1531 einer der Hauptgründer des gegen den katholischen Kaiser gerichteten
Schmalkaldischen Bundes.
1539 wurde auf Anraten von Martin
Bucer in Hessen die Konfirmation eingeführt.
Politisch gelang es Philipp, die Bedeutung seines Landes zu stärken, etwa durch Bündnisse mit Franz I. von Frankreich. Seine profilierte Position zugunsten der Reformation führte aber auch zu Konflikten mit den Habsburger Kaisern des Reiches, besonders als Philipp 1540 eine Nebenehe mit Margarete von der Saale schloss - die Trauung vollzog der evangelische Pfarrer Dionysius Melander. Als Bigamist war er auf Kaiser Karl V. Gnade angewiesen, im geheimen Regensburger Vertrag mit dem Kaiser von 154l erlangte Philipp zwar die Billigung der gegen Reichsgesetze verstoßenden Nebenehe, musste aber mit der Zusage, die Aufnahme Frankreichs, Englands und Kleves in den Schmalkaldischen Bund zu verhindern, eine erhebliche Schwächung der Reformation hinnehmen; so wurde die Eroberung von Geldern durch den Kaiser oder die Verhinderung der Reformation von Erzbischof Hermann von Wied in Köln erst möglich.
Militärisch im Schmalkaldischen
Krieg 1547 besiegt, wurde Philipp für fünf Jahre von Kaiser Karl V. gefangen
gesetzt. Der Versuch, das Interim
auch in Hessen einzuführen und somit die
Reformation rückgängig zu machen, scheiterte aber am geschlossenen Widerstand
der Pfarrer und Gemeinden. Philipps letzte Jahre waren durch
Erbauseinandersetzungen überschattet, was nach seinem Tode 1567 zur Teilung und
damit zur Schwächung des zuvor führenden protestantischen Landes führte. Schon
seine Zeitgenossen nannten Philipp Magnanimus
, den Großmütigen
.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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