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Ökumenisches Heiligenlexikon

Maria

Gedenktag katholisch: 1. Januar
Hochfest Mutterschaft Mariens, gebotener Feiertag (= Tag mit Sonntagspflicht)
Diözesankalender von Zamość-Lubaczów, Ordenskalender der Jesuiten, der Marianer von der Unbefleckten Empfängnis und der Bethlehemschwestern
Fest I. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die I. Klasse einem Hochfest. (Oktavtag von Weihnachten)
im mozarabischen Ritus: 18. Dezember
bedacht im Eucharistischen      Die Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I, im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I, im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Hochgebet und im Keltischen Hochgebet I

die weiteren Gedenktage

Gedenktag orthodox: 26. Dezember
bedacht in der Proskomedie
die weiteren Gedenktage

Gedenktag armenisch: 10. September
Fest
bedacht in der armenischen Anaphora

die weiteren Gedenktage

Gedenktag koptisch: 21. Tag jedes koptischen Monats
bedacht in der Basilius-Anaphora
die weiteren Gedenktage

Gedenktag äthiopisch-orthodox: 16. Mai
Erscheinung in Dabra Metmaq

Gedenktag syrisch-orthodox: 1. Januar
Tag der Beschneidung des Herrn
                                                 Mittwoch nach Ostern, Freitag nach Ostern,
                                                 8. Mai, 3. Juli
bedacht in der Jakobus-Anaphora
die weiteren Gedenktage

Gedenktag Syrische Kirche des Ostens: 1. Januar
Tag der Beschneidung des Herrn
                                                                 26. Dezember
Verherrlichung der Gottesmutter

Name bedeutet: die Beleibte/die Schöne/die Bittere/die von Gott Geliebte (aramäisch)

Mutter Jesu
* um 15 v. Chr. in Jerusalem oder in Nazaret in Israel
† 15. August (?) 48 (?) in Jerusalem in Israel
oder in Ephesus beim heutigen Selçuk in der Türkei (?)

Kartenskizze Kartenskizze

Übersicht: Leben - Bedeutung - Verehrung - Gedenktage

Leben:

Über Abstammung und Jugend Marias findet sich in der Bibel nichts; die Stammbäume für Jesus im Matthäus- und Lukasevangelium wollen Jesu Abstammung von Joseph und damit aus dem Geschlecht Davids aufzeigen. Von Maria wird nur berichtet, dass sie in Nazaret zuhause, mit Joseph verlobt und mit Elisabeth verwandt war; vermutlich stammte sie also aus priesterlichem Geschlecht, da Elisabeth mit dem Priester Zacharias verheiratet war. Quelle für das Leben von Maria sind deshalb nicht nur die biblischen Evangelien, sondern vor allem apokryphe Schriften, insbesondere das sogenannte Evangelium des Jakobus.

Giovanni da Milano: Geburt der Maria, Fresko von 1365 in der Rinuccini-Kapelle in Santa Croce in Florenz

Giovanni da Milano: Geburt der Maria, Fresko von 1365 in der Rinuccini-Kapelle in Santa Croce in Florenz

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Die Vorgeschichte beginnt demnach mit dem Elternpaar Joachim und Anna, die kinderlos blieben. Joachims Altaropfer wies der Hohepriester zurück. Joachim verbarg sich bei seinen Herden, ein Engel verkündete ihm, dass er zu seiner Frau zurückkehren und ihr an der Goldenen Pforte begegnen solle. Auch Anna, die trauernd ein Vogelnest mit den die Jungen fütternden Alten betrachtete, erschien der ihr trotz ihres Alters Nachkommen verheißende Engel. Das Kind Maria wurde geboren. Von Anna sorgfältig unterwiesen und dem Tempeldienst gewidmet, schritt die Dreijährige selbständig die Treppen empor, wo der Hohepriester sie mit den Tempelfrauen empfing - als Mariä Tempelgang ist diese Szene bekannt.

Meister des Pfullendorfer Altars (Bernhard Strigel ?): Geburt der Maria, um 1500, in der Stadtkirche St. Jakob in Pfullendorf, heute in der Staatsgalerie in Stuttgart

Meister des Pfullendorfer Altars (Bernhard Strigel ?): Geburt der Maria, um 1500, in der Stadtkirche St. Jakob in Pfullendorf heute in der Staatsgalerie in Stuttgart

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Nun berichten die Überlieferungen die Szene mit den 12 Auserwählten aus den zwölf Stämmen Israels, die ihre Stäbe zum Orakel in den Tempel brachten. Allein der Stab des alten Joseph aus dem Geschlecht Davids erblühte; eine Taube erschien darauf, Maria, die Jungfrau, wurde ihm angetraut - so fand die Verlobung, lateinisch Sposalizio, statt.

Es folgt die im Neuen Testament bezeugte Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria mit der Begrüßung Ave Maria (Lukasevangelium 1, 26 - 38). Maria wurde - wohl im damals üblichen Alter von 15 Jahren - mit Jesus schwanger. Lukas- und Matthäusevangelium bemühen sich, diese Schwangerschaft und bei Lukas die Geburt als ein wunderbares, von Gott gewirktes Ereignis darzustellen, um damit auch die besondere Bedeutung Jesu erkennbar zu machen: das Leben des Kindes in ihrem Schoß ist durch den Heiligen Geist in der Kraft Gottes geweckt worden, das Kind wird deshalb Sohn Gottes genannt werden (Lukasevangelium 1, 35). Im Markus- und Johannesevangelium sowie in den Briefen des Apostels Paulus fehlen entsprechende Hinweise. Im Traum wurde Joseph vom Engel angewiesen, die schwangere Maria nicht zu verlassen (Matthäusevangelium 1, 19 - 24) - dies wird als Rechtfertigung bezeichnet.

Eine Cousine von Maria war Elisabeth, die Mutter Johannes' des Täufers. Die Heimsuchung bezeichnet die Begegnung von Maria und Elisabeth, die Lukas in seinem Evangelium (1, 39 - 56) schildert.

Joseph und Maria machten sich dann nach der Überlieferung im Lukas- und Matthäusevangelium auf den Weg nach Betlehem, wo das Jesuskind geboren wurde. Dies, dazu die Verkündigung der Engel an die Hirten und ihre Verehrung des Neugeborenen, die berühmte Weihnachtsgeschichte, ist überliefert im Lukasevangelium 2, 1 - 20.

Nach der Überlieferung im Matthäusevangelium folgt die Verehrung der Weisen - der heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar -, ihre Begegnung mit Herodes, dessen - angeblicher, historisch aber nicht zu belegender - Befehl zum Kindermord, der Traum der Könige und der Traum Josephs, der die Flucht nach Ägypten veranlasst, um Jesus vor dem Mordkommando des Herodes zu schützen (Matthäusevangelium 2).

Diese Flucht ist von einer Reihe apokrypher Legenden umrahmt: ein aufwachsendes Ährenfeld verbarg die Flüchtenden; ein Palmbaum neigte sich ehrerbietig; Götter stürzten um; Räuber bekehrten sich; das Jesuskind spielte mit aus Ton geformten Vögeln, die lebendig wurden; Maria strickte einen Rock, der mit dem heranwachsenden Jesus stets mitwuchs.

Acht Tage nach der Geburt erfolgte die Namensgebung und Beschneidung Jesu (Lukasevangelium 2, 21). Die Darbringung im Tempel, das jüdische Reinigungsopfer der Mutter, ist wieder im Lukasevangelium (2, 22- 40) erzählt; dabei erkannte der greise Simeon Jesus als den erwarteten Heilsbringer, sagte aber auch sein Leiden und das Leid von Maria voraus: auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen. Ausführlich als Lichterfest geschildert ist diese Szene in der Legenda Aurea, sie trägt daher auch die Bezeichnung Mariä Lichtmess.

Das Ehepaar suchte eines Tages den Sohn und fand Jesus als Zwölfjährigen mit den Schriftgelehrten im Tempel (Lukasevangelium 2, 41 - 52). Von Joseph wird danach nichts mehr berichtet. Maria dagegen ist im späteren Leben Jesu bei allen wichtigen Situationen gegenwärtig, ohne im Vordergrund zu stehen. Vom 12. Jahrhundert an wird Maria mit dem Kind als Madonna verehrt; dem tritt eine Vorstellung aus der Apokalypse (Offenbarung 12) zur Seite: die vom Drachen verfolgte Frau, die das Kind zur Welt bringt, das Michael rettete, und die von der Sonne bekleidet, von Sternen bekrönt auf dem Monde steht, als Mondliebe-Madonna bezeichnet.

Nach dem Tod Jesu ging Maria der Überlieferung zufolge zwischen den Jahren 37 und 48 mit Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu, nach Ephesus - heute Ruinen bei Selçuk. Dass sich hier ihr Grab befindet wird erstmals 431 beim Konzil von Ephesus benannt. Älter ist die Überlieferung, Maria sei in Jerusalem gestorben, dort wird ihr Grab nahe des Löwentors am östlichen Rand der Altstadt verehrt in der Krypta einer Kirche, die südlich des Ölberges im 4. Jahrhundert erbaut und um 1130 von den Kreuzfahrern erneuert wurde.

Der Tod der Maria - byzantinisch Koimesis, orthodoxe Kirchengebäude tragen diesen Namen - ist ein großes Thema von später entstandenenen Legenden: Maria erschien am Berg Zion - oder in Ephesus - ein Engel mit leuchtendem Palmzweig und verkündete ihr den Tod. Sie bat, dass die Apostel zugegen sein sollten; diese wurden von Wolken herbeigetragen und umstanden das Lager der Sterbenden; Christus nahm die Seele der Entschlafenen auf den Arm. Die Hände des Hohenpriesters, der den Leichnam vernichten und mit Bewaffneten verhindern wollte, dass er in das Tal Josaphat - den Ort, an dem nach dem alttestamentlichenWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde. Buch Joel (4, 12) das göttliche Endgericht stattfinden soll - gebracht wird, blieben an der Bahre kleben, bis Petrus sie löste, ihn heilte und bekehrte.

Meryem ana Evi, das angebliche Haus der Maria bei Ephesus

Meryem ana Evi, das angebliche Haus der Maria bei Ephesus

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Im Ruinenfeld von Epheus - beim heutigen Selçuk - befinden sich gut erhaltene Reste der Marien-Kirche, die auf eine römische Basilika aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. zurückging. In dieser Kirche fand 431 das Konzil von Ephesus statt, das den Titel Marias als theotokos, Gottesgebärerin, bestätigte. Ihr angebliches letztes Wohnhaus, das Meryem ana Evi, das Marien-Haus liegt am Bülbül-Dag, dem Nachtigallenberg, 6 km vom Ruinenfeld von Epheus entfernt; dessen heutige Verehrung geht zurück auf Visionen von Anna Katharina Emmerick über die letzte Wohnstätte und das Grab der Gottesmutter; nach Hinweisen sandte der Superior der Lazaristen in Smyrna - dem heutigen Ízmir - 1891 eine Kommission nach Ephesus, die tatsächlich eine Hausruine ganz nach der visionären Beschreibung fand. Auch viele Muslime verehren dort die Mutter des Propheten. => Das Marienhaus bei Ephesus

Eine ähnlich umfangreiche Tradition entwickelte sich um das Geburtshaus der Maria. Demnach wurde Kaisermutter Helena während ihrer Wallfahrt ins Heilige Land - wohl im Jahr 326 - beim Anblick einer Hütte in Nazaret überwältigt von der Erkenntnis, die Geburtsstätte der Maria vor sich zu haben. Knapp tausend Jahre später, im Jahr 1291, trugen Engel das Heilige Haus zur Rettung vor den in Nazaret eingefallenen Muslimen nach Trsat bei Rijeka in Kroatien, besannen sich dann drei Jahre später und setzten es jenseits der Adria im italienischen Loreto ab. 16 Bürger der Stadt fuhren daraufhin nach Nazaret, entdeckten das Fundament mit übereinstimmendem Grundriss und einer Inschrift, die besagte, dass das Häuschen verschwunden sei. Später baute man in Loreto eine Kathedrale um das heilige Haus, das bis heute ein wichtiges Wallfahrtsziel ist. => Wallfahrtstätte Geburtshaus der Maria in Loreto

Video:Zur Darstellung des Videos müssen Sie mit dem Internet verbunden sein Luciano Pavarotti singt 1994 in Los Angeles Schuberts Ave Maria. Tatsächlich komponierte Franz Schubert 1825 das Lied Ellens dritter Gesang, D839, Op. 52 no. 6, 1825; einer nicht-Schubertschen späteren Fassung dieses Liedes wurde dann der Text des Mariengebetes unterlegt

Die Marienverehrung in Loreto setzte Anfang des 14. Jahrhunderts ein. 1554 kamen Jesuiten nach Loreto, die die Verehrung des heiligen Hauses förderten. Nach dem Petersdom in Rom ist Loreto heute der zweitwichtigste Wallfahrtsort in Italien und einer der wichtigsten der katholischen Welt. Durch die Jesuiten entstanden in vielen Ländern Nachbildungen der Loretokapelle, zu denen eigene Wallfahrten veranstaltet werden. = > Loreto im Marienlexikon

Bedeutung:

Maria gilt als Vorbild des Glaubens und als Mittlerin und Fürbitterin, deshalb ist sie die unter allen Frauen Gepriesene (Lukasevangelium 1, 42). Im Magnificat bringt sie das selbst zum Ausdruck: Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter (Lukasevangelium 1, 48) - dieser Hymnus zeigt, dass schon die Urkirche die besondere Verehrung der Maria kannte und die anhaltende Verehrung voraussetzte. Mit Ihrem Ja zu Gott hat Maria Gott in sich Raum gewährt, hat ihn in sich wachsen lassen, hat sich von ihm einnehmen lassen. Gleichzeitig hat sie Gott ein menschliches Gesicht gegeben, hat ihn unter Menschen erfahrbar und erlebbar gemacht und damit den Mitmenschen geholfen, ihrerseits befreit und erlöst und damit richtig Mensch zu werden.

Weil sie so von Anfang an in die Menschwerdung und das Erlösungshandeln Gottes in Jesus Christus unmittelbar einbezogen war, war sie sozusagen die geschichtlich-irdische Urheberin des Heils. Anselm von Canterbury lehrte, dass alle Gaben Gottes in Jesus Christus - die Versöhnung des Sünders, neues Leben und Versöhnung im Endgericht - erst durch Maria, indem sie Jesus gebar, in die Welt kamen. Daraus resultiert dann ihre Rolle als Mittlerin und wirkungsvollste Fürbitterin; im Mittelalter konnte sie sogar zur Miterlöserin und Mithelferin werden. Das Mitleiden Marias bei der Passion Christi wurde schließlich fast ebenso wie Christi Leiden selbst als heilswirksam betrachtet.

So wurde Maria zur Mutter der Kirche (vgl. Johannesevangelium 19, 26) - eine Auffassung, die auch Philipp Melanchthon in der Reformation teilte: Alles, was in der Gestalt Marias geschieht, geschieht auf ähnliche Weise in der Kirche, denn Maria ist das Bild der ganzen Versammmlung, die Kirche Gottes heißt. *

Wie bei keiner anderen biblischen Gestalt vereinen sich in Maria Glaubenslehren und Formen persönlicher Frömmigkeit in nahezu allen Ausprägungen christlicher Spiritualität: Anrufung, Lobpreis, Feste, Ordensleben, Kunst oder volkstümliches Brauchtum, oft sehr emotional geprägt und als Kraftquelle für den einzelnen Menschen, die seinesgleichen sucht. Besonders die römisch-katholische Kirche hat - im Unterschied zu den Orthodoxen Kirchen und den Kirchen der Reformation - deshalb die Mariologie als eigene theologische Disziplin entwickelt, in der biblische, kirchengeschichtliche, systematische, spirituelle und symbolische Zugänge aufgezeigt werden.

Bartolomé Esteban Murillo: Mariä Himmelfahrt, um 1675, in der Hermitage in St. Petersburg

Bartolomé Esteban Murillo: Mariä Himmelfahrt, um 1675, in der Hermitage in St. Petersburg

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Dogmatische Aussagen der katholischen Kirche über Maria, die im Laufe der Kirchengeschichte formuliert wurden, sind:
• Maria ist wahre Gottesmutter;
• sie hat Jesus jungfräulich durch den Heiligen Geist empfangen;
• sie ist auch bei und nach der Geburt Jungfrau geblieben;
• Maria blieb in ihrem Leben ohne Sünde;
• auch sie selbst wurde empfangen, ohne in die Erbsünde verstrickt zu sein;
• sie ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden.

Vor dem Hintergrund des Streites, ob Jesus göttlicher oder menschlicher Natur sei, wurde Maria im 4. Jahrhundert in theologischen Schriften als theotokos, Gottesgebärerin, bezeichnet. Der syrische Mönch Nestorius, gestorben um 451, lehnte diese Bezeichnung ab und hielt daran fest, dass Maria zwar die Mutter Jesu, nicht aber Gottes sei. Das Konzil von Ephesus verurteilte 431 die nestorianische Auffassung und bestätigte den Titel, der seitdem sowohl in der orthodoxen wie in der römisch-katholischen Kirche verwendet wird.

In engem Zusammenhang mit der Gottesmutterschaft steht die Jungfräulichkeit Marias. Sie beruhte im 2. oder 3. Jahrhundert auf der Auffassung, nicht Joseph, sondern Gott selbst sei durch den Heiligen Geist der wahre Vater Jesu gewesen (Lukasevangelium 1, 35). Auch der Islam verehrt sie als sündenfreie Jungfrau Marjam.

Der Marienkult, der im 4. Jahrhundert im Osten aufkam, verehrte Maria in ihrer Funktion als Gottesgebärerin und Jungfrau. Diese Überzeugung kommt in den 373 bis 374 beschlossenen Taufbekenntnissen Zyperns, Syriens, Palästinas und Armeniens zum Ausdruck, wo von αειπάρθενος, immerwährender Jungfräulichkeit, gesprochen wird. Das Konzil von Ephesus bezeichnete Maria als Ewig-Jungfrau, Papst Martin I. erklärte auf dem 1. Konzil im Lateran die immerwährende Jungfräulichkeit Marias zum Dogma. 680 schuf das 3. Konzil von Konstantinopel den Titel der heiligen unbefleckten Jungfrau. Zwar werden im Neuen Testament an mehreren Stellen die Geschwister Jesu erwähnt (z. B. Markusevangelium 6, 3), doch legte man diese Passagen so aus, dass sie sich auf Vettern Jesu - so Hieronymus und der Katechismus der katholischen Kirche - oder auf Kinder aus einer früheren Ehe Josephs - so einige ostkirchliche Väter - bezogen.

Im frühen Mittelalter wurde Maria zum Urbild des glaubenden Menschen und so der Kirche als solcher und zur Fürsprecherin für die Bedrängten. Andreas von Kreta nannte sie erstmals Mittlerin, Augustinus Mutter der Glieder; im Osten wird damit v. a. Glaubenspraxis, im Westen eher die dogmatische Lehre von ihrer Erlösungskraft verbunden.

Die Vorstellung von der Jungfräulichkeit Marias wurde dann ausgeweitet auf ihre eigene unbefleckte Empfängnis, d. h. dass Marias Mutter Anna die Tochter empfangen habe, ohne dass damit die Erbsünde weitergegeben wurde. Das Fest der Empfängnis der Gottesmutter Maria hat Wurzeln bis zurück ins 8. Jahrhundert, auch in der Ostkirche. Unter dem Einfluss des schottischen Theologen Duns Scotus vertraten dann insbesondere die Franziskaner die Auffassung, dass Maria nicht mit Erbsünde behaftet sei. Das Konzil von Basel fasste darüber einen Beschluss.

Das Dogma von der unbefleckten Empfängnis dagegen wurde erst 1854 durch Papst Pius IX. verkündet. Die blaue Farbe ihres Mantels in zahlreichen Darstellungen ist das Symbol dieser Reinheit. Damit wurde das Marianische Jahrhundert in der katholischen Kirche eingeleitet, das seinen Höhepunkt fand in der Lehre von der leiblichen Aufnahme in den Himmel, dem jüngsten der Mariendogmen, verkündet 1950 von Papst Pius XII. Erste Überlieferungen von einem leeren Mariengrab gab es schon im 6. Jahrhundert. Der Psychologe Carl Gustav Jung gab diesem viel kritisierten Lehrsatz seine Deutung: Die Menschheit braucht in der Gestalt der göttlichen Frau eine transzendente Verankerung, um heil, um ganz zu werden.

Viele der Vorstellungen und Lehren über Maria haben Ur- und Vorbilder in anderen Religionen. In fast allen Völkern und Religionen findet sich die Vorstellung, dass besondere Menschen ohne menschlichen Erzeuger von einer Jungfrau geboren werden. Buddhas Mutter war ein reines Gefäß natürlicher Tugendhaftigkeit, frei von körperlichen Plagen und Begierden. ** Die altägyptische Göttin Isis war Jungfrau und Mutter; auf ihrem Schoß sitzt ihr Knabe Horus, die Welt in der einen, das Zepter in der anderen Hand. Anath und Astarte waren Göttinnen, die nicht empfangen, aber gebären; alle Göttinnen der alten ägäischen Kulte waren Jungfrauen und Frauen ohne Ehemänner. Die babylonische Ischtar/Astarte galt als Herrin des Himmels; ihr Standbild gelangte im 7. Jahrhundert v. Chr. sogar in den Tempel nach Jerusalem, dort als Himmelskönigin verehrt (Jeremia 7, 18). Auf den Resten des Tempels der Göttin Artemis in Ephesus - der Göttin der Amazonen, der kriegerischen Jungfrauen des alten Griechenland - baute man - wohl nach dem Konzil von Ephesus - die Marienkirche.
vgl. hierzu den => Leserkommentar von C. S.

Christa Mulack *** schrieb: Mit der Verehrung der Gottesmutter gelingt wohl die grandioseste Auferstehung der Muttergöttin früherer Jahrtausende, deren Symbole und Titel sie übernimmt; sie wird zur liebreichen Herrin, thronenden Göttin, Gnadenspenderin, Retterin, Erhörerin von Gebeten, Meereskönigin, Maienkönigin, Herrin des Grünens und Blühens, sancta regina, stella maris, mater dolorosa.
vgl. auch hierzu den => Leserkommentar von C. S.

Verehrung:

Sowohl die Ost- wie auch die Westkirche führte zwischen dem 4. und dem 7. Jahrhundert eine Reihe von Marienfesten ein, die sich auf spezielle Ereignisse im Leben der Jungfrau bezogen. Dabei standen die wundersame Empfängnis und die im Protevangelium des Jakobus und im Pseudo-Matthäusevangelium beschriebene Geburt Marias am 8. September, die Verkündigung am 25. März sowie Marias Tod und ihre Himmelfahrt am 15. August im Mittelpunkt.

Vom 3. bis ins 5. Jahrhundert stellten Predigten und Kunstwerke als eine Gegenreaktion auf den Arianismus die göttliche Natur Jesu in den Vordergrund. Byzantinische Darstellungen zeigten Christus als Pantokrator, als universellen und allmächtigen Herrscher. Während Jesus Christus in der Kunst so als ehrfurchtgebietende, richterliche Gestalt dargestellt wurde, fiel Maria mehr und mehr die Rolle der Fürsprecherin der Menschen in Not zu.

Durch an die Jungfrau Maria gerichtete Gebete und Fürbitten hoffte man, Gottes strenges Gericht zu mildern. Zu dieser Zeit kam der Rosenkranz auf, eine Perlenschnur, nach der 150 Ave-Maria und später zusätzlich 15 Vaterunser gebetet wurden. Aus der gleichen Zeit stammt der Angelus sowie verschiedene Litaneien und Anrufungen, die sich der biblischen Metaphorik bedienten und Maria als mystische Rose und Turm Davids verehrten.

Fra Angelico: Maria mit dem Jesuskind, umringt von Heiligen, mit Hinweis auf die Kreuzigung, 1438 - 40, Museo di San Marco in Florenz

Fra Angelico: Maria mit dem Jesuskind, umringt von Heiligen, mit Hinweis auf die Kreuzigung, 1438 - 40, Museo di San Marco in Florenz

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In vielen Teilen der Welt existieren Marienwallfahrtsstätten. Im spanischen Kloster Montserrat verehrt man seit dem 12. Jahrhundert die Schwarze Madonna. Die Ikone der Jungfrau von Częstochowa zieht in Polen seit dem 14. Jahrhundert zahlreiche Pilger an; als 1655 die lutherischen Schweden vor Częstochowa standen, aber nach 40 Tagen die Belagerung abbrachen, wurde dies der schwarzen Madonna zugeschrieben; daraufhin stellte der polnische König Jan III. Kazimierz die Länder seines Königreichs unter ihren Schutz und erhob sie zur Königin Polens.

Die Schwarzen Madonnen sind auch anderswo nur selten durch Farbveränderung, Alter, Kerzen oder Weihrauch geschwärzt, sondern schwarz angelegt mit Beziehung auf das Hohelied 1, 5: Ich bin schwarz, aber schön. Schwarze Göttinnen lagen vielen antiken Kulten zugrunde. Das Bild Unserer Jungfrau von Guadalupe erinnert an eine Erscheinung, die 1531 stattgefunden haben soll. Auch im 19. Jahrhundert kam es zu einer Reihe solcher Visionen, die zur Entstehung neuer Wallfahrtszentren führten, so in Paris seit 1830, in Lourdes auf Grund der Visionen der Bernadette Soubirous seit 1858, im irischen Knock im County Mayo seit 1879, in Fátima in Portugal nach den Marienerscheiningen vor Lucia de Jesus und ihren Verwandten seit 1917.

Der bedeutendste Marienwallfahrtsort in Deutschland ist Altötting, wo in der Gnadenkapelle das Bild der Schwarzen Muttergottes aufbewahrt ist. Die Gnadenkapelle stammt in ihrem Grundbestand aus dem 8. Jahrhundert, um 1330 kam das in Burgund oder am Oberrhein entstandene frühgotische Bild einer stehenden Muttergottes mit dem Jesuskind nach Altötting, seitdem ist die Wallfahrt bezeugt. Die Wallfahrt in Kevelaer am Niederrhein geht zurück auf eine Vision des Kaufmanns Hendrick Busman, der danach 1642 die Kapelle errichtete, und einer weiteren Vision seiner Frau, die zum Erwerb eines Abbildes des Luxemburger Gnadenbildes Maria Consolatrix Afflictorum, Maria Trösterin der Betrübten führte. Nachdem 1647 die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Venlo die Vorgänge geprüft und den Wallfahrtsort anerkannt hatte, entwickelte sich die Zahl der Besucher auf heute 800.000 pro Jahr und werden eine große Zahl von Wunderheilungen berichtet.

Die Verehrung der Maria eröffnet den Gläubigen, Trost, Beistand und Hilfe aus weiblich-mütterlicher Sicht zu erfahren. Maria bringt das fürsorglich-zärtliche Element in eine sonst weithin von Männern beherrschte Kirche und in eine weitgehend von männlichen Bildern geprägte Gottesvorstellung. Auch Protestanten lernen - nach den Exzessen der Reformation - die Bedeutung Marias zu erkennen als Frau, die alle Leiden des weiblichen Geschlechts durchgestanden hat: Schwangerschaft, uneheliche Mutterschaft, Armut, Flüchtlingselend, Witwendasein, Unverständnis bis zur Zurückweisung durch den Sohn (Markusevangelium 3, 31 - 35) und schließlich den schrecklichen Tod ihres Kindes. Neu zu entdecken ist Maria auch als Frau, die geschildert wird als zum Kreis der Apostel gehörend (Apostelgeschichte 1, 13f); überdeutlich ist die Tendenz der Zeugnisse, die Rolle von Frauen in der jungen Kirche kleinzureden an vielen Stellen des Neuen Testaments; Paulus erwähnte Marias Namen nicht ein einziges Mal.

Unabhängig von allen konfessionellen und dogmatischen Differenzen bleibt Maria die Frau, die als Mädchen aus dem Volk von Gott begnadet wurde, im Glauben lernen und reifen konnte und zu den ersten Nachfolgern und Zeugen ihres Sohnes wurde - somit allen Christen und besonders den Frauen ein bleibendes Vorbild.

Rogier van der Weyden: Lukas malt Maria mit dem Jesuskind, 1435, Museum of Fine Arts in Boston

Rogier van der Weyden: Lukas malt Maria mit dem Jesuskind, 1435, Museum of Fine Arts in Boston

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katholische Gedenktage:

Die katholische Kirche verehrt mit besonderer Liebe Maria, die selige Gottesgebärerin, die durch ein unzerreißbares Band mit dem Heilswerk ihres Sohnes verbunden ist (Sacrosanctum Concilium). Diese Verehrung stellt nach den Worten von Papst Paul VI. die goldene Regel christlicher Frömmigkeit dar (Marialis cultus, 1974)

Die Daten der Marienfeste wurden während des 2. Vatikanischen Konzils durch die KalenderreformNach Abschluss und im Auftrag des => 2. Vatikanischen Konzils wurde im Jahr 1969 eine Liturgiereform in der römisch-katholischen Kirche durchgeführt; in diesem Rahmen wurden auch Änderungen im Römischen Generalkalender vorgenommen; der erneuerte wurde mit dem 1. Januar 1970 in Kraft gesetzt. bestätigt oder neu festgelegt.

Marienkrönung durch Christus (links) und Gottvater (rechts), 1477 - 1389, in der Marienkirche in Krakau

Marienkrönung durch Christus (links) und Gottvater (rechts), 1477 - 1389, in der Marienkirche in Krakau

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Maria von Valvanera, dem Kloster bei Anguiano, <q>die Sonne von La Rioja (der spanischen autonomen Gemeinschaft)

Maria von Valvarena, dem Kloster bei Anguiano, die Sonne von La Rioja (der spanischen autonomen Gemeinschaft)

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orthodoxe Gedenktage:

armenische Gedenktage:

koptische Gedenktage:

Syrisch-orthodoxe Gedenktage:

Sandro Bottichelli: Maria mit dem Kind (mit dem Buch), 1483, Museo Poldi Pezzoli, Mailand

Sandro Bottichelli: Maria mit dem Kind (mit dem Buch), 1483, Museo Poldi Pezzoli in Mailand

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Attribute: mit Kind, auf Mondsichel, auf Weltkugel, 7 Schwerter in der Brust, Sternenkranz, Weintrauben

Patronin der (katholischen) Kirche und der ganzen (katholischen) Christenheit; von Polen, von Bayern, von Lausanne und von Oppeln / Opole; der Priester, Hebammen, Gastwirte, Köche, Kürschner, Tuchmacher, Töpfer, Schiffer, Lebkuchenbäcker, Seidenarbeiter, Essigbrauer; gegen Gewitter und Blitz; in allen Nöten; gegen Krankheiten allgemein; des Erzbistums Freiburg i. Br.; als Maria von Konstantinopel Hodegetria des Bistums Bari-Bitonto, als Maria von San Luca des Bistums Bologna, als Königin von Polen der Diözesen Częstochowa/Tschenstochau und Przemyśl, als Mutter der Liebe und sozialen Gerechtigkeit des Bistums Gliwice/Gleiwitz, als Maria von Piekar des Bistums Katowice/Kattowit, als Mutter der Kirche des Bistums Szczecin-Kamień/Stettin-Kammin

* Corpus Reformatorum 14

** Paul Schwarzenau: Das göttliche Kind - der Mythos vom Neubeginn

*** Maria, die geheime Göttin im Christentum

Literatur zu Maria

Statue der Madonna in ihrem Haus in Loreto Wallfahrtstätte Geburtshaus der Maria in Loreto


Plan des Mariengrabes in Jerusalem Einzelheiten zur Diskussion über Marias Grab


Das Marienhaus bei Ephesus


Die Marienkirche und der Bischofspalast in Ephesus


Orte von Marienerscheinungen

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Verehrung

Alban Butler: The Lives ...

Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet bietet in seinem Artikel über Maria umfassende und fundierte Informationen.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Web 3.0 - Leserkommentare:

Die Aussage, die ägyptische Göttin Isis sei Jungfrau und Mutter gewesen, trifft überhaupt nicht zu. Nach dem Mythos von Isis und Osiris waren die drei Götter Isis, Osiris und Seth Geschwister, wobei die miteinander verheirateten Zwillinge Isis und Osiris nach einer Überlieferung sogar schon im Mutterleib miteinander Geschlechtsverkehr hatten, so daß Isis schon bei ihrer Geburt nicht mehr Jungfrau war. Osiris und Seth konkurrierten später um die Herrschaft und Seth ermordete Osiris, zerstückelte die Leiche und verstreute die Teile. Isis sammelte sie einschließlich des Penis' wieder ein und setzte sie zu einer Mumie zusammen. Mit Hilfe ihrer Zauberkünste gelang es ihr, die Mumie soweit wiederzubeleben, daß sie beim Geschlechtsverkehr mit dieser den Sohn Horus empfangen konnte. Als Horus erwachsen war, kämpfte er mit seinem Onkel Seth um das Erbe des Osiris, wobei er unter anderem die Zauberkraft seiner Mutter nutzte, um Seth zu vergewaltigen und seinerseits einer Vergewaltigung durch diesen zu entgehen. (In dem Artikel Homosexualität aus dem Lexikon der Ägyptologie sowie im Artikel Horus und Seth wird nicht ganz klar ausgesprochen, daß Horus den Seth vergewaltigt hat; im Artikel Thot wird eindeutig gesagt, daß Seth den von Horus gezeugten Thot geboren hat.) Überdies soll Horus auch seine Mutter Isis vergewaltigt haben. Diese Geschichte von Nekrophilie, Inzest, Homosexualität und Vergewaltung ist daher besonders weit von christlichem Glauben und christlicher Moral entfernt und es kann von einem Gläubigen nur als blasphemisch angesehen werden, wenn Isis mit Maria und Horus mit Christus verglichen werden.

Daß die Göttin Anat sexuell enthaltsam ist, dürfte – abgesehen von der im Artikel Homosexualität aus dem Lexikon der Ägyptologie ) erwähnten transsexuellen Vergewaltigung durch Seth – zwar stimmen, aber davon, daß sie trotzdem ein Kind gebiert, weiß jedenfalls das wissenschaftliche Bibellexikon nichts, denn ihre Bezeichnung durch Ramses II. als seine Mutter ist, wie das WiBiLex schreibt, nicht im Sinne einer körperlichen Verbindung zu verstehen. Ansonsten ist keine Ähnlichkeit zwischen der agressiven und grausamen Anat und der demütigen, als Königin des Friedens verehrten Magd des Herrn zu erkennen.

Bei der ebenfalls sehr kriegerischen Astarte spricht schon das in der Heiligen Schrift angeprangerte (vgl. 1. Könige 14, 24; 23, 7) Vorhandensein von Hierodulen, griechisch: heilige Diener in ihrem Kult gegen sexuelle Enthaltsamkeit der Göttin selbst. Vielmehr ist sie, die mit der babylonischen Istar gleichzusetzen ist, Göttin der Wollust, Mutter u. Dirne zugleich (F. Nötscher: Astarte. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 1, Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 1950).

Aus dem Umstand, daß Ischtar keinen Ehemann hat (wobei sie diesen Zustand selbst herbeigeführt hat, indem sie ihren Mann der Unterwelt auslieferte), zu schließen, sie sei jungfäulich, ist ein völliger Trugschluß, da die Freiheit von ehelichen Banden bei Ischtar nur zu besonders ausgeprägter Promiskuität führt. So wird sie Hierodule des Ani genannt (Inanna/Ištar). In: Reallexikon der Assyrologie, Bd. 5, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1980), von dem womöglich auch ihre Kinder abstammen, und schon die Namen ihres Schmucks und ihrer Schminke verraten ihre Verführungsabsichten. Da "fast kein Bereich des menschlichen Lebens ... nicht in ihre Zuständigkeit fällt, gibt es zwar notwendigerweise Überschneidungen mit dem Zuständigkeitsbereich Marias, aber während bei Ischtar ihre primäre Aufgabe im Bereich der Sexualität liegt (Manfred Hutter: Ischtar, In: Lexikon für Theologie und Kirche, Herder, Freiburg im Breisgau 1996), kann man dies bei Maria wirklich nicht sagen.

Die Beschreibung der Artemis als Göttin der Amazonen, der kriegerischen Jungfrauen des alten Griechenland ist ebenfalls unzutreffend. Zum einen gehören die Amazonen nicht nach Griechenland, auch wenn griechische Autoren von ihnen berichten, sondern sie galten vielmehr als geradezu exemplarisch fremd und ungriechisch, da bei den Griechen die Frauen gerade nicht kämpften. Die Amazonen blieben auch nicht Jungfrauen, denn da sie in ihrem eigenen Volk alle Knaben töteten und nur die Mädchen großzogen, schliefen sie mit den Männern eines Nachbarvolkes, um auf diese Weise Kinder zu bekommen. Und auch wenn Artemis von den Amazonen verehrt wurde (angeblich, denn die Amazonen waren ja kein reales, sondern nur ein mythischen Volk), so war sie doch keineswegs allein deren Göttin, sondern in erster Linie die griechische Göttin der Jagd und der Initiation und zwar sowohl der Mädchen als auch der Knaben.

Vor diesem Hintergrund lediglich vereinzelter ähnlicher Züge läßt es sich auch nicht rechtfertigen, die Verehrung Marias als Auferstehung der Muttergöttin früherer Jahrtausende zu bezeichnen. Schließlich würde auch niemand von einer Auferstehung der Gewittergottheiten Zeus oder Thor sprechen, nur weil meine Großmutter, wenn es donnert, gerne sagt: Da Himmebabba schimpft.

Von dem in ihrem Artikel ebenfalls erwähnten Buddah und seiner Mutter weiß ich fast nichts, weswegen ich hierzu nichts sagen kann, aber da die Aussagen über die antiken Göttinnen so wenig stimmen, bin ich hier jedenfalls skeptisch, und soviel ich weiß, soll Buddahs Lebensgeschichte der des heiligen Franziskus ähneln, er also ein Sohn eines reichen Mannes (wohl eines Fürsten) gewesen sein, der sich nach einer sorglosen, vor allem dem Vergnügen hingegebenen Jugend als junger Mann bekehrte und fortan ein Leben in freiwilliger Armut führte. Buddha hätte demnach sehr wohl einen Vater. Auch führt mich die im Artikel zitierte Aussage, Buddahs Mutter sei ein reines Gefäß natürlicher Tugendhaftigkeit, frei von körperlichen Plagen und Begierden gewesen, keineswegs zu dem Schluß, daß sie deswegen ihren Sohn ohne menschlichen Erzeuger empfangen und als Jungfrau geboren habe, schließlich ist es ja weder unrein oder untugendhaft noch eine körperliche Plage, wenn eine Frau von ihrem Mann ein Kind empfängt, und bei der in Indien üblichen arrangierten Ehe oft noch im Kindesalter muß auch bei einer ehelichen Verbindung nicht viel Begierde im Spiel sein.

Auch mit den angeblich von den Muttergottheiten übernommenen Symbolen ist es so eine Sache. Symbole sind immer mehrdeutig. Das ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt Symbol sein zu können, denn eine Erscheinung, die völlig eindeutig nur eine einzige Bedeutung hat, kann nicht zugleich symbolisch für etwas anderes stehen. Aus der Fülle der Mehrdeutigkeiten bei den Symbolen, die allein schon innerhalb der Heiligen Schrift auftreten, will ich daher nur einige wenige als Beispiele herausgreifen. So kann z.B. das Feuer in der Geschichte vom brennenden Dornbusch (2. Mose 3, 2) für Gott stehen, an anderer Stelle (Matthäusevangelium 3, 12; 5, 22 oder 18, 9) aber für die Qualen der Hölle. Es kann für die Botschaft Christi stehen (Lukasevangelium 12, 49) oder für eine Prüfung, in der die Werke der Menschen offenbar werden (1. Korintherbrief 3, 13). Ebenso kann das Wasser ein Symbol für das ewige Leben in Christus sein (Johannesevangelium 4, 14), aber es kann auch Symbol der tiefsten Niedergeschlagenheit (Psalm 22, 15) und der Vergänglichkeit (Psalm 58, 8) sein. Es kann Bedrängnis ebenso symbolisieren (Psalm 69, 2f. 15f) wie Segen (Hiob 5, 10f), Verfluchung (4. Mose 5, 18ff) ebenso wie Recht und Gerechtigkeit (Amos 5, 24). Auch das Salz kann einerseits für das segensreiche Wirken der Jünger Christi stehen (Matthäusevangelium 5, 13) und andererseits für Tod und Erstarrung, wenn Lots Frau zur Salzsäule wird (1. Mose 19, 26). Der Sauerteig kann das unaufhaltsame Vordringen des Reiches Gottes bezeichnen (Lukasevangelium 13, 21) oder der alte Sauerteig der Sünde sein (1. Korintherbrief 5, 7f) oder der Sauerteig der Pharisäer, vor dem sich die Jünger in Acht nehmen sollen (Lukasevangelium 12,1). Hieran wird deutlich, daß völlig Verschiedenes, ja Gegensätzliches, ein und das selbe Symbol haben kann. Wenn also nun der Planet Venus, der Morgenstern, Symbol der Liebesgöttin ist (nicht nur der römischen Venus, sondern auch der babylonischen Ischtar, und zugleich auch Maria als stella matutina, also Morgenstern, bezeichnet werden kann, so läßt sich daraus noch keinerlei Schlußfolgerung über etwaige Beziehungen zwischen Maria und Ischtar ziehen. Schließlich wird in dem bekannten Kirchenlied Morgenstern der finstern Nacht von Angelus Silesius oder in Offenbarung 22, 16 mit dem Morgenstern Christus bezeichnet, während Jesaja 14,12 damit den gefallenen Engel Lucifer (wörtlich Lichtbringer und die übliche lateinische Bezeichnung für Morgenstern, etwa auch in 2. Petrusbrief 1, 19) meint. Nun wird aber niemand sagen, daß deshalb Christus etwas von Lucifer übernommen habe.
Das Phänomen, daß auf den ersten Blick gleiches trotzdem nicht dem selben Ursprung entstammt, ist auch in anderen Wissenschaften bekannt, etwa in der Archäologie. So haben beispielsweise sowohl die Ägypter als auch die präkolumbischen Kulturen Amerikas die Sonne als Gott verehrt und Pyramiden gebaut. Kein ernstzunehmender Wissenschaftler käme aber deshalb auf den Gedanken, daß die Maya oder Azteken dies von den Ägyptern übernommen hätten. Es liegt vielmehr eine sogenannte Motivattraktion vor, die ihren Grund in universalen, jedem Menschen unmittelbar einleuchtenden Gegebenheiten hat. Jeder erkennt schließlich, wie wichtig die Sonne für das Gedeihen der Pflanzen und damit das Leben überhaupt ist. Da die Sonne insbesondere in den heißen Ländern Ägypten und Mexiko aber auch eine zerstörerische Seite hat, indem sie Dürre, Hitzschlag oder Sonnenstich auslösen kann, und das scheinbare Verschwinden in der Nacht (von beiden Kulturen als ein Sterben mit anschließender Wiedergeburt am nächsten Morgen gedeutet) sowie das Umherwandern im Laufe das Jahres den Eindruck eines eigenen Lebenszyklus' der Sonne erwecken, liegt es nahe, diese als eine höhere Macht zu verehren, zumal das, was oben ist, natürlicherweise als das wichtigere und mächtigere, eben höhere angesehen wird, da z.B. der Kopf als der wichtigste Körperteil des Menschen oben ist, bei Kämpfen – auch im Tierreich, etwa zwischen Wölfen – der Überlegene (schon an den Worten überlegen und unterlegen sieht man ja, wie sehr diese Vorstellung auch die Sprache prägt) über dem auf dem Boden liegenden Verlierer steht, der Reiter auf dem von ihm beherrschten Reittier sitzt usw. Aufgrund dieser Symbolik des Oben und Unten liegt es dann auch nahe, Berge als Orte der Begegnung mit den im Himmel (oder wie beim griechischen Olymp gleich auf dem Berg selbst) wohnhaft gedachten Göttern zu sehen. In den flachen Ländern am Nil und in Yucatán, wie auch an Euphrat und Tigris bauten sich die Menschen dann Pyramiden als künstliche Berge.
In der Biologie kennt man das Auftreten von gleichartigen Merkmalen trotz unterschiedlicher Herkunft unter der Bezeichnung Analogie. Zwar haben sowohl Fledermäuse als auch Vögel oder Libellen Flügel, aber keines dieser Tiere hat sich aus einem der beiden anderen entwickelt.

Gleiches gilt auch für die Mariensymbolik, die wie jede andere auch immer aus dem Zusammenhang zu deuten ist. Da Maria stets in Beziehung zu Christus zu sehen ist, müssen ihre Symbole also von ihm her gedeutet werden. So erklärt sich der Morgenstern für Maria daraus, daß sie als Mutter vor ihrem Sohn war. Da der Sohn als Sonne der Gerechtigkeit bezeichnet wird (Maleachi 3,20), kann die Mutter mit dem Morgenstern verglichen werden, der kurz vor Sonnenaufgang am Himmel zu sehen ist.

Ebenso ist es bei der Maienkönigin, einem Titel, der ohnehin erst im 19. Jahrhundert und damit lange nach dem Aussterben der letzten antiken Muttergottkulte aufkam: Da Christus der Sproß ist (Jesaja 11, 10; 53, 2; Jeremia 23, 5; 33, 15; Sacharja 3, 8; 6, 12) kann Maria mit dem Mai in Verbindung gebracht werden, in dem die Pflanzen sprossen. Übrigens steht keine der weiblichen altorientalischen Gottheiten in so enger Verbindung mit dem Grünen und Blühen wie die männliche Gottheit Adonis, in deren Kult die sogenannten Adonisgärtlein gepflanzt wurden und deren Name Adonis (was einfach Herr bedeutet) auch noch sehr an die jüdische Gottesbezeichnung Adonai erinnert. Würden Sie deswegen sagen, der jüdische und damit auch christliche Gott habe etwas von Adonis übernommen?

Auch ihren Titel als Königin (sancta regina, heilige Königin) hat Maria von Christus, siehe Königtum Mariens im Marienlexikon. So wie Adam und Eva das erste Paar des alten Menschen waren, das durch den Sündenfall Verderben über die ganze Menschheit gebracht hat, so sind Maria und Jesus (freilich nicht als Ehepaar, sondern als Mutter und Sohn, aber es ist ein Charakteristikum dieser Prototypensymbolik, daß es neben dem Gleichartigen immer auch einen Zug von etwas Neuem und Anderem gibt) das erste Paar der neuen Menschheit, beide frei von der Erbsünde (auch wenn Maria diese Gnade nur im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohne zuteil wurde), beide mit Leib und Seele im Himmel vollendet (auch wenn nur Jesus selbst aktiv in dem Himmel aufgefahren ist, während Maria passiv aufgenommen wurde). So wie Jesus als König herrscht (Daniel 7, 13f; Matthäusevangelium 25, 31ff; Lukasevangelium 1, 33; Apostelgeschichte 5, 31; Judasbrief 1, 4; Offenbarung 1, 5. 8; 11, 15; 12, 5), herrscht darum auch Maria als Königin an seiner Seite, wobei sie zwar eine herausgehobene Stellung hat, aber keineswegs die einzige ist, da auch die Jünger Anteil an dieser Herrschaft erhalten (Matthäusevangelium 19, 28; Lukasevangelium 22, 30; Offenbarung 20, 4). Der spezielle Titel als Himmelskönigin wird außerdem durch die Beschreibung als am Himmel erscheinende, mit der Sonne bekleidete und mit Sternen gekrönte Frau, die den Mond unter ihren Füßen hat und ein über alle Völker herrschendes Kind gebiert, in Offenbarung 12, 1 nahegelegt. Bei alledem ist und bleibt Maria aber Mensch, sie wird nie zur thronenden Göttin, wie das Zitat in Ihrem Artikel unterstellt.

Die Titel der Gnadenspenderin, Retterin, Erhörerin von Gebeten sind völlige Allgemeinplätze, sie können auch von jedem andern Heiligen (und in heidnischem Zusammenhang von jedem von Menschen angerufenen Götzen) ausgesagt werden, der einem Beter eine Gnade von Gott erwirkt, ihn als Nothelfer aus einer bedrängten Lage rettet oder eben überhaupt auf ein Gebet hin für ihn bei Gott eintritt.

Der Titel Meereskönigin ist mir bisher noch nie begegnet und auch Google liefert dafür vornehmlich Treffer für eine Miss-Wahl und eine Playmobilfigur sowie über das Schiff Titanic und die Stadt Venedig, die mit diesem Beinamen belegt werden. Wahrscheinlich gibt es diesen Titel für Maria gar nicht und es liegt eine Verwechslung mit Meerstern / stella maris vor. Der Name stella maris aber hat garantiert keinerlei heidnischen Ursprung, denn er geht auf eine Fehlübersetzung des Namens Maria durch Hieronymus zurück. Hieronymus meinte, den Namen Marjam/Mirjam in die hebräischen Bestandteile mar/mir = Tropfen, lateinisch stilla, und jam = Meer, lateinisch maris, zerlegen zu können und gab deshalb als Namensbedeutung stilla maris an. Daraus wurde im Laufe der Jahrhunderte (!, also zu einer Zeit, als die Menschen längst Christen waren und keinen Bedarf mehr für eine Übertragung von Attributen heidnischer Götter, von denen sie kaum noch etwas wußten, auf Maria hatten) die Variante stella maris, was Meerstern bedeutet. Damit verband sich dann die Vorstellung, daß Maria den Gläubigen den Weg zu Christus als ihrem Ziel weist, so wie den Seefahrern nachts die Sterne – und insbesondere der unbewegliche Polarstern – den Weg zum Ziel weisen, vgl. Meerstern im Marienlexikon sowie Enzyklika Spe Salvi von Papst Benedikt XVI. ab Kapitel 49, wo Benedikt XVI. die Bedeutung Marias als Stern der Hoffnung darlegt. Daher konnte Stella maris zum Beinamen Marias werden und Maria selbst unter diesem Namen zur Patronin der Seeleute.

Welche Verbindung der Name Mater dolorosa zu irgendwelchen heidnischen Muttergottheiten haben soll, geht aus dem Zitat in Ihrem Artikel nicht hervor, aber angesichts der Weissagung Simeons in Lukasevangelium 2, 35 und Marias Ausharren unter dem Kreuz, was für sie als Mutter noch viel schmerzhafter gewesen sein muß als es für die Apostel, die vor dieser Erfahrung bis auf Johannes alle geflohen sind, hätte sein können, ist wahrlich keine Beeinflussung von außerhalb nötig, um Maria mit diesem Beinamen zu belegen.

Die Aussage Schwarze Göttinnen lagen vielen antiken Kulten zugrunde wird durch nichts belegt. Mir ist kein einziger solcher Kult bei einem hellhäutigen Volk bekannt. (Daß die schwarzafrikanische Kultur von Meroë schwarze Göttinnen kannte, dürfte kaum bemerkenswert sein, schließlich waren die Gläubigen selber schwarz.) Ganz im Gegenteil sind die Darstellungen weiblicher Figuren meist deutlich heller, so etwa in Ägypten, wo die Männer in einem kräftigen Rotbraun gemalt sind, die Frauen (und auch die Göttinnen) dagegen oft blasser (gut zu erkennen etwa auf Der Gott Re-Harakleti und Amentit, die Göttin des Okzidents oder Den Geheimnissen ägyptischer Farben auf der Spur [Frauen links oben] oder Haremhab opfert einer Gaugöttin und der Göttin Isis oder Bücher über Religion und Glaubensvorstellungen [auf mehreren Buchumschlägen]) bis hin zu gelb (Egyptian Wall Painting). Auch die dunkle Farbe der Himmelsgöttin Nut in manchen Darstellungen ist nicht etwa eine schwarze Hautfarbe, sondern die dunkelblaue Farbe des Nachthimmels, wie man deutlich anhand der aufgemalten Sterne erkennen kann (Bild). Bei den Minoern sind weibliche Abbilder sogar oft vollständig weiß (Minoan Art). Bei der griechischen schwarzfigurigen Vasenmalerei gehört die Haut von Frauen und Göttinnen zu den wenigen Dingen, die weiß dargestellt werden (etwa bei der Göttin Athene: Bild oder Bild)
Historiker betonen daher, daß die Schwarzen Madonnen nichts mit heidnischen Göttinnen zu tun haben, und sind – Ihrem Artikel genau entgegengesetzt – der Auffassung, daß die Mehrzahl der Schwarzen Madonnen gerade nicht so geschaffen wurde, sondern im Laufe der Zeit nachdunkelte. Allerdings wird man hier einen gewissen Spielraum haben, der davon abhängt, ab wann man eine Madonna als schwarz bezeichnet. Wenn man dies erst bei einem Schwärzegrad wie dem von Sara-la-Kâli tut, dürfte sich das Verhältnis zugunsten der von vornherein schwarzen verschieben, weil die altersbedingte Nachdunkelung wohl meist keine solche Intensität erreicht. Die Seite Nigra sum hat übrigens das Ziel, alle Schwarzen Madonnen zu katalogisieren.

C. S., Brief vom 20. April 2013




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 14.09.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Messbuch. Für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes
• http://ocafs.oca.org/FeastSaintsViewer.asp?FSID=100001
• Prof. Helmut Bouzek aus Wien XIII, E-Mail vom 17. Februar
• http://kcm.co.kr/HolyLand/ho041.html
• Chronik-Kalender 2005, Harenberg, Dortmund 2004
• Maria in der Theologie Melanchthons. In: Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim 3/1998
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6., Herder, Freiburg im Breisgau 1997