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Ökumenisches Heiligenlexikon

Anna

Gedenktag katholisch: 26. Juli
gebotener Gedenktag
Fest in Kanada
in Rouen: 30. Januar (Überführung der Gebeine)

Gedenktag anglikanisch: 26. Juli

Gedenktag orthodox: 9. September
Tag der Entschlafung: 25. Juli
Tag der Empfängnis der Allerheiligsten Gottesmutter: 9. Dezember

Gedenktag armenisch: 25. Juli
                                          9. September
liturgische Feier am 2. Dienstag nach dem Assumptionssonntag

Gedenktag koptisch: 7. November
                                      25. Juli, 4. September

Name bedeutet: die Begnadete (hebr.)

Mutter der Gottesmutter Maria
† vor 1 (?) in Israel

Kartenskizze

Anna und Joachim waren nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts - erstmals im in Syrien oder Ägypten verfassten Protoevangelium des Jakobus um 150 - die Eltern der Maria und somit die Großeltern von Jesus. Die legendäre Lebensgeschichte ist dem alttestamentlichen Vorbild von == Hanna und ihrem Sohn Samuel (1. Samuel 1 - 2) nachgezeichnet: erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe gebar Anna die Maria. Die vorangegangenen Verheißungen des Engels sind Hinweis auf die besondere Erwählung der Maria von Anfang an. Demnach war Anna königlicher Abstammung und aus dem Geschlecht Davids. Nach der Legenda Aurea hatte die betagte Anna nach Joachims Tod noch zwei weitere Ehemänner, deren Namen mit Kleophas und Salomas überliefert werden; daraus entstand die Überlieferung von der Heiligen Sippe.

Griechisches Mosaik in der Kirche Nea Moni auf Chios in Griechenland, 11. Jahrhundert

Griechisches Mosaik in der Kirche Nea Moni auf Chios in Griechenland, 11. Jahrhundert

Anna und Joachim wurden mit reicher Ausgestaltung in den Legenden schon in frühchristlicher Zeit dargestellt, seit dem 6. Jahrhundert wird Anna als Marias Mutter verehrt. Der Kult wurde besonders durch das Kaiserhaus in Byzanz - dem heutigen Ístanbul - gefördert, dort wurde um 550 durch Kaiser Justinian eine Anna geweihte Kirche errichtet. Im Westen wurde die Anna-Legende zunächst abgelehnt, so durch Hieronymus, Augustinus und das Papst Gelasius I. zugeschriebene Dekret.

Im 8./9. Jahrhundert verbreitete Haimo von Halberstadt die Anna-Legende im Westen. Der Anna-Kult kam dann durch die Kreuzfahrer nach Europa, er wurde v.a. durch die Franziskaner verbreitet, die gegen die Dominikaner die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens vertraten, und unterstützt durch zahlreiche Reliquienübertragungen. Die Verehrung erreichte ihren Höhepunkt, als 1481 Papst Sixtus IV. den Gedenktag der Anna in den römischen Kalender aufnahm; 1584 bestimmte Papst Gregor XIII. ihren Festtag. Das bürgerlichen Familienideal des späten Mittelalters förderte noch einmal die Verehrung Annas und der Heiligen Sippe. Das Bild von der starken Frau machte sie zur Patronin von Zünften und von Handels- und Gewerbetreibenden, denn sie wurde um die Vermehrung des Reichtums angerufen.

Seit 1500 liegt das angebliche Haupt von Anna in Düren, weitere Reliquien liegen in Wien und anderen Städten. Wallfahrten gab es in Annaberg in Niederösterreich, insgesamt in fast 100 größeren und kleineren Orten im deutschen Sprachgebiet; dazu in Nantes und Sainte-Anne-d'Auray in Frankreich; auch in Kanada ist die Verehrung von Anna weit verbreitet und beliebt. Der Annaberg in Schlesien - beim heutigen Góra Świętej Anny - ist auch heute noch Zentren des Annakultes. In Annaberg in Sachsen wurden bis zur Reformationszeit Reliquien verehrt, die aber heute nicht mehr existieren. Da Anna an einem Dienstag gestorben sein soll, ist dies der Tag ihrer besonderen Verehrung.

Tilman Riemenschneider: Anna mit ihren drei Ehemännern, um 1510, im Bode-Museum, Staatliche Museen in Berlin

Tilman Riemenschneider: Anna mit ihren drei Ehemännern, um 1510, im Bode-Museum, Staatliche Museen in Berlin

Anna ist Schutzpatronin gegen Gewitter. Um den Annatag herum beginnen die sommerlichen Hundstage, die bis in den August hinein andauern; diese Jahreszeit wird durch den Aufgang des Hundssterns, des Sirius im Sternbild des großen Hundes bestimmt und zeichnet sich durch große Hitze und die damit einhergehenden Gewitter aus. Selbst Martin Luther soll erklärt haben: Sankt Anna war mein Abgott und rief die Heilige auf seiner Wanderung bei Stotternheim zum Schutz vor Blitz und Donner an.

Patronin von Florenz, Innsbruck, Neapel und der Bretagne; der Mütter und der Ehe, der Hausfrauen, Hausangestellten, Ammen, Witwen, Armen, Arbeiterinnen, Bergleute, Weber, Schneider, Strumpfwirker, Spitzenklöppler, Knechte, Müller, Krämer, Schiffer, Seiler, Tischler, Drechsler, Goldschmiede; der Bergwerke; für eine glückliche Heirat, für Kindersegen und glückliche Geburt, für Reichtum und Wiederauffinden verlorener Sachen und Regen; gegen Gicht, Fieber, Kopf-, Brust- und Bauchschmerzen, Gewitter

Bauernregeln: Wenn am Annatag die Ameisen aufwerfen, so soll ein strenger Winter folgen.
St. Anna klar und rein / wird bald das Korn geborgen sein.
Anna warm und trocken, / macht den Bauer frohlocken.
Um St. Ann / fangen die kühlen Morgen an.
Ist St. Anna erst vorbei / kommt der Morgen kühl herbei.

Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)

Catholic Encyclopedia

Die Erzählung aus dem Protevangelium des Jakobus gibt es online.

Francisco de Zurbarán: Anna und Joachim links, Maria und Joseph rechts, das Jesuskind in der Mitte erhält Rosen gebracht. Um 1655, Sammlung der Marqués de Perinat in Madrid

Francisco de Zurbarán: Anna und Joachim links, Maria und Joseph rechts, das Jesuskind in der Mitte erhält Rosen gebracht. Um 1655, Sammlung der Marqués de Perinat in Madrid





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bauernregeln.net/juli.html
• http://www.kathnews.de/content/index.php/2009/07/26/zum-gedenktag-der-heiligen-anna/
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XV, Herzberg 1999
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993