Ökumenisches Heiligenlexikon

Hieronymus

Gedenktag katholisch: 30. September
gebotener Gedenktag
im Bistum Basel: 1. Oktober
im Bistum Bamberg: 3. Oktober
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Chur, Lausanne-Genf-Fribourg, St. Gallen und Sitten

Gedenktag evangelisch: 30. September

Gedenktag anglikanisch: 30. September

Gedenktag orthodox: 15. Juni
                                       30. September

Gedenktag armenisch: 30. September

Name bedeutet: heiliger Name (griech.)

Priester, Bibelübersetzer, Kirchenlehrer
* um 342 in Stridon, heute Štrigova in Kroatien
† 30. September 420 (oder 419?) in Betlehem in Palästina

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Michelangelo Caravaggio: Hieronymus in der Höhle, um 1606, Galleria Borghese in Rom

Michelangelo Caravaggio: Hieronymus in der Höhle, um 1606, Galleria Borghese in Rom

Sophronius Eusebius Hieronymus wurde als Sohn wohlhabender christlicher Eltern, die ihn allerdings nicht taufen ließen, in Stridon - dem heutigen Štrigova an der Grenze der römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien, geboren. Er studierte in Mailand und in Rom Dort stürzte sich seinem Temperament entsprechend ins Leben der Weltstadt, fühlte sich mehr zu den Philosophen Cicero und Platon hingezogen als zur Bibel, bis ihm nach der Legende im Traum ein Engel die Bücher aus der Hand nahm und ihn vor den himmlischen Richter brachte. Dies führte zu seiner Bekehrung, 366 wurde er getauft.

Hieronymus setzte seine Studien in Trier fort, wo er das Klosterleben kennen lernte, dann in Aquileia, wo er sich 373 dem asketischen Bund Chor der Seligen anschloss. Eine Wallfahrt ins Heilige Land führte ihn für fünf Jahre zu Einsiedlern in die Wüste Chalkis bei Aleppo - dem heutigen Halab - in Syrien. Die Löwenlegende * erzählt, wie ein hinkender Löwe die Mönche in die Flucht jagte, Hieronymus ihm aber einen Dorn aus der Tatze zog und die Wunde pflegte, worauf der geheilte Löwe als Haustier blieb und täglich den das Holz für die Mönche herbeitragenden Esel auf die Weide zu begleitete. Dabei schlief er einmal ein, worauf eine vorüberziehende Karawane den Esel raubte. Beschuldigt, den Esel gefressen zu haben, musste nun der Löwe das Holz herbeitragen, bis er eines Tages die zurückkehrende Karawane mit dem Esel als Leittier erblickte. Mit donnerndem Schweifschlagen und Brüllen brachte er den Esel zu Hieronymus zurück, der nahm aber die Karawanenleute freundlich auf und erhielt reichen Lohn für das Kloster.

Hieronymus verließ die Mönchsgemeinschaft aufgrund interner Streitigkeiten und kam 375 nach Antiochien - dem heutigen Antakya - wo er die Heimreise krankheitshalber abbrechen musste, Griechisch und Hebräisch erlernte und Schüler bei Apollinaris von Laodicea wurde; 379 wurde er zum Priester geweiht. Zusammen mit dem griechischen Kirchenlehrer Gregor von Nazianz verbrachte er drei Jahre in Konstantinopel; hier beschäftigte er sich auch mit den Schriften von Origines und lernte von ihm, obwohl er ihn später in seinen Werken verleugnete und kritisierte. 382 kehrte Hieronymus nach Rom zurück und wurde Sekretär des römischen Bischofs Damasus I. Seine Weihe zum Bischof wird in den Legenden des 15. Jahrhunderts als Kardinalswürde berichtet. Damasus beauftragte Hieronymus, der sieben Sprachen beherrschte, mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische; Hieronymus übersetzte aus den Urtexten in Hebräisch und Griechisch und schuf die nun und bis heute für die katholische Kirche verbindliche Vulgata.

Lukas Cranach der Ältere: Hieronymus als Büßer, 1502, Kunsthistorisches Museum in Wien

Lukas Cranach der Ältere: Hieronymus als Büßer, 1502, Kunsthistorisches Museum in Wien

Hieronymus wurde in Rom auch als guter Seelsorger geschätzt, v.a. bei den Aristokratinnen, die sich zu einem asketischen Leben entschlossen hatten, unter ihnen Marcella sowie die adlige römische Witwe Paula und deren Tochter Julia, die ihm später ins Heilige Land folgten. Nach dem Tod seines Gönners Damasus wollten einige Anhänger ihn auf den Stuhl Petri wählen; andere, denen seine deutliche Kritik am Klerus missfiel und die ihn ob seiner Wirkung auf Frauen verleumdeten, verhinderten dies. Enttäuscht verließ er 385 Rom und ging mit einer Gruppe von Frauen über Zypern, Antiochia - das heutige Antakya - und Alexandria in Ägypten nach Betlehem, wo er zusammen mit Paula aus deren Vermögen vier Klöster gründete: drei Nonnenklöster und eines für Mönche, dessen Leitung er übernahm.

35 Jahre lang wirkte Hieronymus zurückgezogen, aber mit intensiver schriftstellerischer Tätigkeit, wurde zu einem der bedeutendsten Theologen aller Zeiten, oft in seiner Gelehrsamkeit mit Augustinus verglichen; 19 seiner Briefe an diesen sind erhalten. Er verfasste Bibelkommentare, die wegen des reichen historisch-archäologischen Wissens geschätzt wurden, und vollendete die Übersetzung der Vulgata. Die erste christliche Literaturgeschichte De viris illustribus über die ausgezeichneten Männer der Kirchengeschichte lobt die Heiligen- und Reliquienverehrung. Ein als Martyrologium des Hieronymus weit verbreiteter Heiligenkalender steht in dieser Tradition, stammt aber nicht von ihm, sondern entstand wohl erst nach 430 in Oberitalien und angereichert um 600 in Südfrankreich; er umfasst rund 6000 Märtyrernamen der gesamten Kirche.

Die drei Mönchsviten über Paulus von Theben, den Hieronymus als ersten Mönch vor Antonius, Hilarion und Malchus entdeckte, führten ein die Unterscheidung der Mönche in Anachoreten - das sind die nach urchristlichem Vorbild und in Einsamkeit Lebendenen, die sich aus allen menschlichen Bindungen lösen, um sich ganz der Askese und dem Gebet zu verschreiben - und Koinobiten - das sind jene, die gemeinsam in einer Mönchssiedlung leben und gewisse Regeln befolgen. Hieronymus übersetzte auch die Regeln und Katechesen von Pachomius und einiger Schriften seiner Schüler.

Hieronymus beteiligte sich an den Kontroversen mit dem Mönch und Theologen Rufinus mit Augustinus über die Gnadenlehre und mit Jovinianus über die Jungfräulichkeit der Maria und das asketisch-ehelose Leben, mit Vigilantius sowie mit den Anhängern des Pelagianismus; in diesen Kampfschriften zeigte sich Hieronymus als satirischer Polemiker, der seine Position verteidigt, ohne Argumente seiner Gegner wirklich ernst zu nehmen. In diesen Auseinandersetzungen musste er sich zwei Jahre lang versteckt halten; kurz nach seiner Rückkehr nach Betlehem starb er.

Albrecht Dürer: Hieronymus in der Wildnis, um 1495, National Gallery in London

Albrecht Dürer: Hieronymus in der Wildnis, um 1495, National Gallery in London

Hieronymus blieb für das ganze Mittelalter die große Lehrautorität, besonders in Bibelfragen und für das asketische und Kloster-Leben. Im 13. Jahrhundert wurden Hieronymus' Gebeine nach Rom überführt.

Attribute: als Kardinal oder Einsiedler, mit Totenkopf oder Löwe, am Schreibpult
Patron von Dalmatien und Lyon; der Schüler, Studenten, Lehrer, Gelehrten, Theologen, Übersetzer, Korrektoren; der theologischen Fakultäten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Bibelgesellschaften und Asketen; gegen Augenleiden
Bauernregel: Von Michel und Hieronymus, mach' aufs Weihnachtswetter den Schluss.

* Die Löwen-Legende von Hieronymus ist dieselbe wie bei Gerasimos vom Jordan. Hieronymus (Geronimus) wurde diese ursprünglich zu Gerasimos gehörende Legende wohl durch Verwechslung der Namen und die Ähnlichkeit zwischen den beiden Einsiedlern zugeschrieben.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Legenda Aurea: Hieronymus

Catholic Encyclopedia

Werke von Hieronymus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.bauernregeln.net/september.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.incommunion.org/articles/older-issues/saint-gerasimos-and-jordanes - Dank an Thorsten Gubatz, E-Mail vom 12. März 2008, für den Hinweis