|
|
Übersicht: Leben - Bedeutung - Gedenken
Fragment eines Freskos, 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, Reverenda Fabbrica di
San Pietro in den Vatikanischen
Museen ![]()
Der Fischer Simon, der mit seiner Frau in Kapernaum - heute ein abgegangener Ort am See Genezareth lebte. Dass er Kinder hatte, weiß die Legende von Petronilla. Er wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas, der zuvor schon Jünger von Johannes dem Täufer war, von Jesus in dessen Jüngergruppe berufen (Markusevangelium 1, 16 - 18).
Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus vom Fieber war eine der ersten
Wundertaten Jesu
(Matthäusevangelium 8, 14 - 15). Beim Wandel auf dem See Genezareth zeigte sich
Petrus' Glaube als zögerlich: er wollte dem auf dem Wasser gehenden Jesus folgen,
bekam aber Angst zu versinken; nach seiner Rettung bekannte er mit einem
Kniefall: Du bist in Wahrheit Gottes Sohn
(Matthäusevangelium 14, 28 - 32).
Mit Johannes und Jakobus war Petrus bei der Verklärung Jesu zugegen (Matthäusevangelium 17, 1 - 8). Hervorgehoben wird Petrus auch bei der Fußwaschung, als er sich nicht würdig fühlte, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen (Johannesevangelium 13, 5 - 10). Bei der Gefangennahme Jesu schlug er in seinem Eifer Malchus, dem Diener des Hohenpriesters, das Ohr ab (Johannesevangelium 18, 10). Petrus verleugnete Jesus nach dessen Gefangennahme drei Mal, noch ehe der Hahn krähte (Markusevangelium 14, 66 - 72). Petrus war aber auch der erste männliche Zeuge der Auferstehung Jesu (1. Korintherbrief 15, 5; Lukasevangelium 24, 34).
Veit Stoß: Holzrelief mit Petrus (oben) und Malchus, 1477 - 89, Hochaltar in der Marienkirche in Krakau
Petrus' zukünftige Aufgabe wurde ihm beim Fischzug angekündigt: von nun an
Menschenfischer
zu sein (Lukasevangelium 5, 10). Nach seinem Bekenntnis
in Cäsarea
wurden Petrus die Schlüssel des Reichs der Himmel
übergeben, auch in der
Volksüberlieferung bewacht der deshalb die Himmelstür. Jesus
bezeichnete ihn als Fels
- griechisch: pétros
- auf dem er seine Kirche
bauen wolle (Matthäusevangelium 16, 16 - 19) und erteilte ihm am Abend vor
seiner Kreuzigung einen besonderen Auftrag im Apostelkreis: stärke deine Brüder
(Lukasevangelium 22, 32). Durch den Zuruf des Johannes
erkannte Petrus, vom reichen Fischzug zurückkehrend, den am Ufer erschienenen
Auferstandenen und erhielt den Auftrag: Weide meine Lämmer
(Johannesevangelium
21, 1 - 19). Diese herausgehobene Stellung des Petrus ist mit begründend für die
besondere Stellung aller späteren Nachfolger Petri
in Rom,
den Päpsten.
Am ersten Pfingstfest hielt Petrus eine wirkungsvolle Predigt (Apostelgeschichte 2, 14 - 41); mit Johannes heilte er einen Lahmen, der vor die Tempelpforte getragen wurde (Apostelgeschichte 3, 1 - 11); der Hohepriester Ananias setzte ihn und Johannes gefangen, ließ ihn aber wieder frei (Apostelgeschichte 4, 1 - 23); Kranke wurden vom Schatten des vorüber gehenden Petrus geheilt (Apostelgeschichte 5, 15); der Zauberer Simon bekehrte sich augenblicklich, wurde von Philippus getauft, von Petrus aber der dennoch anhaltenden Falschheit entlarvt (Apostelgeschichte 8, 9 - 24). In Lydda - dem heutigen Lod - heilte Petrus den gichtbrüchigen Aeneas, in Joppe - dem heutigen Jaffa, Ortsteil von Tel Aviv - erweckte er Tabitha vom Tod (Apostelgeschichte 9, 32 - 42); er bekehrte mit dem Hauptmann Cornelius den ersten Nicht-Juden zum Christentum, nachdem er von den reinen und unreinen Tieren geträumt und gehört hatte, dass er keinen Menschen unrein heißen dürfe; auch die Anwesenden wurden zu einer gemeinsamen Schau entrückt und getauft (Apostelgeschichte 10).
Raffael: Die Befreiung aus dem Gefängnis, 1514, Fresko in der Stanza di Eliodoro
im Pontikatspalast im Vatikan
![]()
Nach der Enthauptung Jakobus'
des älteren, ließ König Herodes Agrippa I. den nach Jerusalem
zurückgekehrten Petrus zwischen zwei Kriegsknechten ins Gefängnis werfen. Ein
Engel erschien, die Ketten fielen, Petrus ging ungehindert an den Wächtern
vorbei und musste dann zweimal am Haus der Maria, der Mutter des Johannes
Markus, anklopfen, da die Magd Rhode zwar seine Stimme erkannte, aber sich
angesichts dieser Überraschung erst bei ihrer Herrschaft vergewissern wollte
(Apostelgeschichte 12, 1 - 19) - das Fest Petri
Kettenfeier
hat in dieser Geschichte seine Wurzel. Die
Meinungsverschiedenheit mit Paulus über die Mission
bei Juden und Heiden wurde beim Apostelkonzil ausgeglichen (Apostelgeschichte
15). Petrus hatte zusammen mit dem Herrenbruder
Jakobus
die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und begründete die christliche
Mission, er wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle
genannt. Nach der Legenda Aurea
war Petrus beim Tod wie bei Himmelfahrt der Maria
anwesend und war es Petrus, der mit Paulus ihre Bahre trug und den Hohenpriester
heilte, dessen Hände durch seinen Unglauben und sein Bestreben, das Begräbnis zu
verhindern, an der Bahre gelähmt hängen gebleiben waren.
Santuario De Finibus Terrae
an der Stelle des alten Minerva-Tempels in Santa
Maria di Leuca ![]()
Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom; der Überlieferung nach kam er in Santa Maria di Leuca an Land, bekehrte die Menschen dort vom Minerva-Kult zu Christus und widmete den Namen der Stadt der Jungfrau Maria; aus dem Minerva-Tempel wurde demnach schon im Jahr 43 die Älteste christliche Kirche in Italien und ganz Europa. In Rom wirkte Petrus dann als Leiter der Gemeinde, unter Kaiser Nero starb er demnach den Märtyrertod. Schon anfangs des 2. Jahrhunderts gehen kirchliche Schriftsteller von seiner Anwesenheit in Rom aus.
Masolino da Panicale: Petrus predigt, 1426 - 1427, Fresko in der Cappella
Brancacci der Kirche Santa Maria della Carmine in Florenz
![]()
Der Überlieferung zufolge begegneten sich Petrus und Paulus
in Rom,
zusammen überführten sie den Magier Simon, der mit seiner Flugkunst zu Tode
stürzte. Nero verlor mit ihm seinen Hofkünstler und ließ Petrus und Paulus ins
Gefängnis - den Carcere
Mamertino - werfen; vor der Hinrichtung erreichten Freunde, dass Petrus sich
entziehen konnte. Der Fliehende begegnete vor den Toren der Stadt Christus
und fragte ihn: Quo vadis, Domine?
, Wohin gehst du, Herr?
; als Christus
anwortete, er gehe nach Rom, um sich noch einmal kreuzigen zu lassen, beschloss
Petrus, mit ihm zu gehen und dieses Schicksal zu teilen; gleich danach sah er
den Auferstandenen in den Wolken entschwinden. Petrus wurde dann auf eigenen
Wunsch im Zirkus des Nero - an der Stelle, wo heute der Petersdom
steht - ans Kreuz geschlagen: mit dem Kopf nach unten, da er nicht würdig
sei, den selben Tod wie Jesus
Christus zu sterben.
Petrus gilt als Autor der beiden im Neuen Testament enthaltenen Petrusbriefe. Der 1. Petrusbrief wurde in Rom von Silvanus geschrieben (1. Petrusbrief 5, 12 - 13); er enthält aber eher Gedankengut von Paulus, für eine Autorenschaft des Petrus spricht nichts. Der 2. Petrusbrief ist tatsächlich wohl erst Anfang des 2. Jahrhunderts entstanden, hat also sicher nicht Petrus zum Autoren. Dagegen spricht einiges für die Auffassung, dass im Evangelium des Markus, das wohl in Rom geschrieben wurde, die Überlieferung des Petrus enthalten ist.
Seine hervorragende Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom, also alle Päpste, direkte Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen.
Caravaggio: Die Kreuzigung des Petrus, 1600 in der Cerasi-Kapelle in der Kirche S.
Maria del Popolo in Rom ![]()
Petrus' Patronat für Brückenbauer hat seine Grundlage in einem der Titel der
Päpste als Pontifex Maximus
, größter Brückenbauer
.
Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor, die
Paradiesespforte, auf, der Schlüssel ist in den Darstellungen sein Attribut.
Diese himmlische Rolle machte ihn auch zum Wettergott
: er entscheidet, ob die
Himmelsschleuse
zum Regnen geöffnet wird. Der Volksglaube hat Petrus hier an
die Stelle des germanischen Gewittergottes Thor gesetzt, der auch das Wetter
machte und die Wolkenschleusen öffnete. Petrus hat im Volksglauben - ob seines
Berufes - enge Beziehung zum Wasser. Am Tage Peter und Paul darf man nicht in
offenen Gewässern baden, da an diesem Tage das Wasser ein Opfer zu fordern
pflegt.
Kulturgeschichtlich steht Petrus in vielem heute an Stelle des römischen
Gottes Janus. Janus, ein alter Licht- und Tagesgott, galt als der himmlische
Schlüsselinhaber, als Öffner (Patulcius) und als Schließer (Clusius), indem er
sowohl im Himmel wie auf Erden über allen Aus-und Eingang gebietet. Er war der
Herr über alle Türen
, von ihm hat die Türe im Lateinischen ebenso ihren Namen
(janua), wie der Monat, der das Jahr eröffnet, der Januar. Alle zum Himmel empor-
und von ihm herabsteigenden Erscheinungen, die Wolken und die Winde, aber auch
das Meer und die Erde hatte er nach Ovid unter seiner Oberaufsicht. Er geleitete
nicht nur die abgeschiedenen Seelen gen Himmel, auch den Gebeten der Menschen
schloss er demnach die Tore des Himmels auf und verschaffte ihnen Eingang bei
den übrigen Göttern. Er saß an der Himmelspforte und selbst der Götterkönig
Jupiter konnte ohne seine Erlaubnis nicht in den Himmel eingehen.
Der Leichnam des Petrus wurde der katholischen Überlieferung nach in der
Nekropole in den vatikanischen Gärten neben dem Zirkus von Kaiser Nero
beigesetzt - dort, wo heute der Petersdom
steht. Anderer Überlieferung nach wurde er zusammen mit dem des Paulus
zunächst auf einem alten Friedhof an der Via Appia Antica beigesetzt, in den
Katakomben
des Sebastian; darüber wurde im 4. Jahrhundert die zunächst Petrus und Paulus
geweihte Kirche erbaut, die seit dem 8. Jahrhundert S. Sebastiano ad Catacumbas
genannt wird; Petrus' Reliquien wurde dann umgebettet an die
Stelle, über der Kaiser Konstantin
324 die Älteste Peterskirche errichten ließ; in dieser Kirche wurde u. a. 800
Karl der Große gekrönt. Den
Auftrag zur vollständigen Erneuerung dieser immer mehr zerfallenden Kirche
erteilte Papst Nikolaus 1452, im Jahr 1626 konnte dieses Bauwerk, der Petersdom,
fertig gestellt und eingeweiht werden. Unter dem Hochaltar werden Petrus' Gebeine verehrt.
Statue im Petersdom in Rom
Als Tag des Martyriums des Petrus, gleichgesetzt mit dem ebenso unbekannten Todestag des Paulus, wird der 29. Juni erstmals für das Jahr 258 genannt; das heutige Fest ist schon im römischen Staatskalender von 354 erwähnt. Auch in Ravenna und Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - wurden im 4. Jahrhundert Petrus-Kirchen geweiht. Das frühe Mittelalter war eine Hochzeit des Kultes um Petrus, vor allem bei Angelsachsen; die Karolinger ernannten ihn zu ihrem Patron.
Die katholische Kirche feiert Petrus mit mehreren
Fest- und Gedenktagen:
• am 22. Februar wird das Fest Cathedra
Petri (Petri Stuhlfeier) begangen. Das Fest wurde im 4. Jahrhundert in Rom
eingeführt als Erinnerung an die Übertragung des besonderen Hirtenamtes an
Petrus.
• am 1. August wird das Fest Petri
Kettenfeier
gefeiert. An einem 1. August sei die Kirche S.
Pietro in Vincoli in Rom eingeweiht worden, in der bis heute die Ketten
gezeigt werden, mit denen Petrus in der Gefangenschaft gehalten gewesen sei.
• der 18. November ist das Fest
der Kirchweih der Basiliken von Petrus und Paulus
in Rom, Gedenktag an die Weihe der alten Peterskirche
und des Petersdomes.
Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen Teilablass, der einen von einem Priester oder Diakon rechtmäßig geweihten Andachtsgegenstand in frommer Gesinnung benutzt. Ist aber dieser Andachtsgegenstand vom Papst oder von einem Bischof geweiht, so kann der Gläubige durch den frommen Gebrauch dieses Gegenstandes am Fest der Apostel Petrus und Paulus auch einen vollkommenen Ablass gewinnen, wenn er nach einer beliebigen rechtmäßigen Formel das Glaubensbekenntnis spricht.
Attribute:
Schlüssel, Schiff, Buch, Hahn, umgedrehtes Kreuz
Patron
von Rom,
Trier,
Kanton und Stadt Genf
und Poznan
/ Posen in Polen; der Päpste und Brückenbauer; der Reuigen, Büßenden,
Beichtenden; der Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmiede, Bleigießer,
Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber,
Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer und Schiffbrüchigen; der Jungfrauen;
gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und
Diebstahl; des Wetters; des Bistums Berlin und des Domes in Bamberg;
Bauernregeln:
Peter und Paul / hat Wasser im Maul.
Regnet es an Peter und Paul / wird des Winzers Ernte faul.
Um Peter und Paul wird dem Korn schon mal die Wurzel faul.
Regnet's am St. Petertag, / so drohen dreißig Regentag.
Wenn es am Peterstag regnet, so regnet es im ganzen Schnitt.
Peter und Paul hell und klar / bringet uns ein gutes Jahr.
Petrus schwimmt im Schiff daher oder dahin.
Ist's Wetter von Peter bis Laurentius
heiß, / bleibt kommend' Winter lange weiß.
zeitgenössische Quellen: Das
Martyrium des Petrus und Paulus
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Petrus' Briefe
Catholic Encyclopedia: Petrus' Grab
Giovanni Lorenzo Bernini: Baldachin, 1624 - 1633, über dem Petrus-Grab im Petersdom in Rom
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint. |
||||||||||||||||||||