Ökumenisches Heiligenlexikon

Petrus

Gedenktag katholisch: 29. Juni
     Hochfest
     bedacht im Eucharist. Hochgebet I,
     im Ambrosianischen Hochgebet I
     und im spanisch-mozarabischen Hochgebet
     Diözesankalender Berlin und Lausanne-Genf-Fribourg

     die weiteren Gedenktage
Gedenktag evangelisch: 29. Juni
Gedenktag anglikanisch: 29. Juni
Gedenktag orthodox: 29. Juni
     Erscheinung bei Kaiser Justinian: 5. September
Gedenktag armenisch: 29. Juni
                                               29. Oktober, 25. Dezember
                                               28. Dezember
     Weihe seiner Kirche in Antiochia: 30. Juni
Gedenktag koptisch: 29. Juni
     wundersame Heilung der Kaisertochter: 9. Juli
Gedenktag syrisch-orthodox: 29. Juni
Name bedeutet: der Fels (griech. - latein.)
Apostel, Märtyrer (?)
* um 1 in Bethsaida, heute El Aradsch bei Mahjar in Syrien, oder in Kapernaum, heute abgegangener Ort am See Genezareth in Israel
† um 64 (?) in Rom (?)
Kartenskizze Kartenskizze

Übersicht: Leben - Bedeutung - Gedenken

Leben:

Der Fischer Simon, der mit seiner Frau in Kapernaum - heute ein abgegangener Ort am See Genezareth lebte. Dass er Kinder hatte, weiß die Legende von Petronilla. Er wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas, der zuvor schon Jünger von Johannes dem Täufer war, von Jesus in dessen Jüngergruppe berufen (Markus­evangelium 1, 16 - 18).

Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus vom Fieber war eine der ersten Wundertaten Jesu (Matthäus­evangelium 8, 14 - 15). Beim Wandel auf dem See Genezareth zeigte sich Petrus' Glaube als zögerlich: er wollte dem auf dem Wasser gehenden Jesus folgen, bekam aber Angst zu versinken; nach seiner Rettung bekannte er mit einem Kniefall: Du bist in Wahrheit Gottes Sohn (Matthäus­evangelium 14, 28 - 32).

Mit Johannes und Jakobus war Petrus bei der Verklärung Jesu zugegen (Matthäus­evangelium 17, 1 - 8). Hervorgehoben wird Petrus auch bei der Fußwaschung, als er sich nicht würdig fühlte, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen (Johannes­evangelium 13, 5 - 10). Bei der Gefangennahme Jesu schlug er in seinem Eifer Malchus, dem Diener des Hohenpriesters, das Ohr ab (Johannes­evangelium 18, 10). Petrus verleugnete Jesus nach dessen Gefangennahme drei Mal, noch ehe der Hahn krähte (Markus­evangelium 14, 66 - 72). Petrus war aber auch der erste männliche Zeuge der Auferstehung Jesu (1. Korintherbrief 15, 5; Lukas­evangelium 24, 34).

Veit Stoß: Holzrelief mit Petrus (oben) und Malchus, 1477 - 89,  Hochaltar in der Marienkirche in Krakau

Veit Stoß: Holzrelief mit Petrus (oben) und Malchus, 1477 - 89, Hochaltar in der Marienkirche in Krakau

Petrus' zukünftige Aufgabe wurde ihm beim Fischzug angekündigt: von nun an Menschenfischer zu sein (Lukas­evangelium 5, 10). Nach seinem Bekenntnis in Cäsarea wurden Petrus die Schlüssel des Reichs der Himmel übergeben, auch in der Volksüberlieferung bewacht der deshalb die Himmelstür. Jesus bezeichnete ihn als Fels - griechisch: pétros - auf dem er seine Kirche bauen wolle (Matthäus­evangelium 16, 16 - 19) und erteilte ihm am Abend vor seiner Kreuzigung einen besonderen Auftrag im Apostelkreis: stärke deine Brüder (Lukas­evangelium 22, 32). Durch den Zuruf des Johannes erkannte Petrus, vom reichen Fischzug zurückkehrend, den am Ufer erschienenen Auferstandenen und erhielt den Auftrag: Weide meine Lämmer (Johannes­evangelium 21, 1 - 19). Diese herausgehobene Stellung des Petrus ist mit begründend für die besondere Stellung aller späteren Nachfolger Petri in Rom, den Päpsten.

Am ersten Pfingstfest hielt Petrus eine wirkungsvolle Predigt (Apostel­geschichte 2, 14 - 41); mit Johannes heilte er einen Lahmen, der vor die Tempelpforte getragen wurde (Apostel­geschichte 3, 1 - 11); der Hohepriester Ananias setzte ihn und Johannes gefangen, ließ ihn aber wieder frei (Apostel­geschichte 4, 1 - 23); Kranke wurden vom Schatten des vorüber gehenden Petrus geheilt (Apostel­geschichte 5, 15); der Zauberer Simon bekehrte sich augenblicklich, wurde von Philippus getauft, von Petrus aber der dennoch anhaltenden Falschheit entlarvt (Apostel­geschichte 8, 9 - 24). In Lydda - dem heutigen Lod - heilte Petrus den gichtbrüchigen Aeneas, in Joppe - dem heutigen Jaffa, Ortsteil von Tel Aviv - erweckte er Tabitha vom Tod (Apostel­geschichte 9, 32 - 42); er bekehrte mit dem Hauptmann Cornelius den ersten Nicht-Juden zum Christentum, nachdem er von den reinen und unreinen Tieren geträumt und gehört hatte, dass er keinen Menschen unrein heißen dürfe; auch die Anwesenden wurden zu einer gemeinsamen Schau entrückt und getauft (Apostel­geschichte 10).

Nach der Enthauptung Jakobus' des älteren, ließ Kö­nig Herodes Ag­rip­pa I. den nach Jerusalem zurückgekehrten Petrus zwischen zwei Kriegs­knech­ten ins Gefängnis wer­fen. Ein Engel er­schien, die Ket­ten fielen, Petrus ging un­ge­hindert an den Wächtern vorbei und musste dann zweimal am Haus der Maria, der Mutter des Johannes Markus, anklop­fen, da die Magd Rhode zwar seine Stimme erkannte, aber sich angesichts dieser Überraschung erst bei ihrer Herrschaft vergewissern wollte (Apostel­geschichte 12, 1 - 19) - das Fest Petri Kettenfeier hat in dieser Geschichte seine Wurzel. Die Meinungsverschiedenheit mit Paulus über die Mission bei Juden und Heiden wurde beim Apostelkonzil ausgeglichen (Apostel­geschichte 15). Petrus hatte zusammen mit dem Herrenbruder Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und begründete die christliche Mission, er wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Nach der Legenda Aurea war Petrus beim Tod wie bei Himmelfahrt der Maria anwesend und war es Petrus, der mit Paulus ihre Bahre trug und den Hohenpriester heilte, dessen Hände durch seinen Unglauben und sein Bestreben, das Begräbnis zu verhindern, an der Bahre gelähmt hängen gebleiben waren.

Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom; der Überlieferung nach kam er in Santa Maria di Leuca an Land, bekehrte die Menschen dort vom Minerva-Kult zu Christus und widmete den Namen der Stadt der Jungfrau Maria; aus dem Minerva-Tempel wurde demnach schon im Jahr 43 die Älteste christliche Kirche in Italien und ganz Europa. In Rom wirkte Petrus dann als Leiter der Gemeinde, unter Kaiser Nero starb er demnach den Märtyrertod. Schon an­fangs des 2. Jahrhun­derts gehen kirchliche Schriftsteller von seiner Anwesenheit in Rom aus.

Masolino da Panicale: Petrus predigt, 1426 - 1427, Fresko in der Cappella Brancacci der Kirche Santa Maria della Carmine in Florenz

Masolino da Panicale: Petrus predigt, 1426 - 1427, Fresko in der Cappella Brancacci der Kirche Santa Maria della Carmine in Florenz   

Der Überlieferung zufolge begegneten sich Petrus und Paulus in Rom, zusammen überführten sie den Magier Simon, der mit seiner Flugkunst zu Tode stürzte. Nero verlor mit ihm seinen Hofkünstler und ließ Petrus und Paulus ins Gefängnis - den Carcere Mamertino - werfen; vor der Hinrichtung erreichten Freunde, dass Petrus sich entziehen konnte. Der Fliehende begegnete vor den Toren der Stadt Christus und fragte ihn: Quo vadis, Domine?, Wohin gehst du, Herr?; als Christus anwortete, er gehe nach Rom, um sich noch einmal kreuzigen zu lassen, beschloss Petrus, mit ihm zu gehen und dieses Schicksal zu teilen; gleich danach sah er den Auferstandenen in den Wolken entschwinden. Petrus wurde dann auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero - an der Stelle, wo heute der Petersdom steht - ans Kreuz geschlagen: mit dem Kopf nach unten, da er nicht würdig sei, den selben Tod wie Jesus Christus zu sterben.

Petrus gilt als Autor der beiden im Neuen Testament enthaltenen Petrusbriefe. Der 1. Petrusbrief wurde in Rom von Silvanus geschrieben (1. Petrusbrief 5, 12 - 13); er enthält aber eher Gedankengut von Paulus, für eine Autorenschaft des Petrus spricht nichts. Der 2. Petrusbrief ist tatsächlich wohl erst Anfang des 2. Jahrhunderts entstanden, hat also sicher nicht Petrus zum Autoren. Dagegen spricht einiges für die Auffassung, dass im Evangelium des Markus, das wohl in Rom geschrieben wurde, die Überlieferung des Petrus enthalten ist.

Bedeutung:

Seine hervorragende Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom, also alle Päpste, direkte Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen.

Petrus' Patronat für Brü­ckenbauer hat seine Grundlage in einem der Titel der Päpste als Pontifex Maximus, größter Brü­cken­bauer. Petrus schließt in mittelalterlichen Darstel­lun­gen des Jüngsten Ge­richts das Himmelstor, die Pa­radiesespforte, auf, der Schlüssel ist in den Darstellungen sein Attribut. Diese himmlische Rolle machte ihn auch zum Wet­tergott: er entscheidet, ob die Himmelsschleuse zum Regnen geöffnet wird. Der Volksglaube hat Petrus hier an die Stelle des ger­manischen Gewittergot­tes Thor gesetzt, der auch das Wetter machte und die Wolkenschleusen öffnete. Petrus hat im Volksglauben - ob seines Berufes - enge Beziehung zum Wasser. Am Tage Peter und Paul darf man nicht in offenen Gewässern baden, da an diesem Tage das Wasser ein Opfer zu fordern pflegt.

Kulturgeschichtlich steht Petrus in vielem heute an Stelle des römischen Gottes Janus. Janus, ein alter Licht- und Tagesgott, galt als der himmlische Schlüsselinhaber, als Öffner (Patulcius) und als Schließer (Clusius), indem er sowohl im Himmel wie auf Erden über allen Aus-und Eingang gebietet. Er war der Herr über alle Türen, von ihm hat die Türe im Lateinischen ebenso ihren Namen (janua), wie der Monat, der das Jahr eröffnet, der Januar. Alle zum Himmel empor- und von ihm herabsteigenden Erscheinungen, die Wolken und die Winde, aber auch das Meer und die Erde hatte er nach Ovid unter seiner Oberaufsicht. Er geleitete nicht nur die abgeschiedenen Seelen gen Himmel, auch den Gebeten der Menschen schloss er demnach die Tore des Himmels auf und verschaffte ihnen Eingang bei den übrigen Göttern. Er saß an der Himmelspforte und selbst der Götterkönig Jupiter konnte ohne seine Erlaubnis nicht in den Himmel eingehen.

Gedenken:

Der Leichnam des Petrus wurde der katholischen Überlieferung nach in der Nekropole in den vatikanischen Gärten neben dem Zirkus von Kaiser Nero beigesetzt - dort, wo heute der Petersdom steht. Anderer Überlieferung nach wurde er zusammen mit dem des Paulus zunächst auf einem alten Friedhof an der Via Appia Antica beigesetzt, in den Katakomben des Sebastian; darüber wurde im 4. Jahrhundert die zunächst Petrus und Paulus geweihte Kirche erbaut, die seit dem 8. Jahrhundert S. Sebastiano ad Catacumbas genannt wird; Petrus' Reliquien wurde dann umgebettet an die Stelle, über der Kaiser Konstantin 324 die Älteste Peterskirche errichten ließ; in dieser Kirche wurde u. a. 800 Karl der Große gekrönt. Den Auftrag zur vollständigen Erneuerung dieser immer mehr zerfallenden Kirche erteilte Papst Nikolaus 1452, im Jahr 1626 konnte dieses Bauwerk, der Petersdom, fertig gestellt und eingeweiht werden. Unter dem Hochaltar werden Petrus' Gebeine verehrt.

Statue im Petersdom

Statue im Petersdom in Rom

Als Tag des Martyriums des Petrus, gleichgesetzt mit dem ebenso unbekannten Todestag des Paulus, wird der 29. Juni erstmals für das Jahr 258 genannt; das heutige Fest ist schon im römischen Staatskalender von 354 erwähnt. Auch in Ravenna und Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - wurden im 4. Jahrhundert Petrus-Kirchen geweiht. Das frühe Mittelalter war eine Hochzeit des Kultes um Petrus, vor allem bei Angelsachsen; die Karolinger ernannten ihn zu ihrem Patron.

Die katholische Kirche feiert Petrus mit mehreren Fest- und Gedenktagen:
am 22. Februar wird das Fest Cathedra Petri (Petri Stuhlfeier) begangen. Das Fest wurde im 4. Jahrhundert in Rom eingeführt als Erinnerung an die Übertragung des besonderen Hirtenamtes an Petrus.
am 1. August wird das Fest Petri Kettenfeier gefeiert. An einem 1. August sei die Kirche S. Pietro in Vincoli in Rom eingeweiht worden, in der bis heute die Ketten gezeigt werden, mit denen Petrus in der Gefangenschaft gehalten gewesen sei.
der 18. November ist das Fest der Kirchweih der Basiliken von Petrus und Paulus in Rom, Gedenktag an die Weihe der alten Peterskirche und des Petersdomes.

Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen Teilablass, der einen von einem Priester oder Diakon rechtmäßig geweihten Andachtsgegenstand in frommer Gesinnung benutzt. Ist aber dieser Andachtsgegenstand vom Papst oder von einem Bischof geweiht, so kann der Gläubige durch den frommen Gebrauch dieses Gegenstandes am Fest der Apostel Petrus und Paulus auch einen vollkommenen Ablass gewinnen, wenn er nach einer beliebigen rechtmäßigen Formel das Glaubensbekenntnis spricht.

Attribute: Schlüssel, Schiff, Buch, Hahn, umgedrehtes Kreuz
Patron von Rom, Trier, Kanton und Stadt Genf und Poznan / Posen in Polen; der Päpste und Brückenbauer; der Reuigen, Büßenden, Beichtenden; der Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmiede, Bleigießer, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer und Schiffbrüchigen; der Jungfrauen; gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl; des Wetters; des Bistums Berlin und des Domes in Bamberg;
Bauernregeln: Peter und Paul / hat Wasser im Maul.
Regnet es an Peter und Paul / wird des Winzers Ernte faul.
Um Peter und Paul wird dem Korn schon mal die Wurzel faul.
Regnet's am St. Petertag, / so drohen dreißig Regentag.
Wenn es am Peterstag regnet, so regnet es im ganzen Schnitt.
Peter und Paul hell und klar / bringet uns ein gutes Jahr.
Petrus schwimmt im Schiff daher oder dahin.
Ist's Wetter von Peter bis Laurentius heiß, / bleibt kommend' Winter lange weiß.

zeitgenössische Quellen: Das Martyrium des Petrus und Paulus

Das Grab des Petrus

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Legenda Aurea: Petrus

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Petrus' Briefe
Catholic Encyclopedia: Petrus' Grab

 
Giovanni Lorenzo Bernini: Baldachin, 1624 - 1633, über dem (angeblichen) Petrus-Grab im Petersdom in Rom

Giovanni Lorenzo Bernini: Baldachin, 1624 - 1633, über dem Petrus-Grab im Petersdom in Rom

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.radikalkritik.de/Petruslegende.htm
• http://www.bauernregeln.net/juni.html
• Handbuch der Ablässe, Normen und Bewilligungen. Deutsche Ausgabe des Enchiridion Indulgentiarum, Rosenkranz-Verlag, München 1971



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