Gedenktag katholisch: 25. Mai
nicht gebotener Gedenktag
gebotener Gedenktag im Orden der Augustiner-Chorherren / -frauen
in Mailand: 24. Mai
nicht gebotener Gedenktag im Trappisten- und Zisterzienserorden: 26. Mai
Name bedeutet: der Wachsame (griech. - latein.)
Hildebrand kam wohl als Sohn eines Zweiges der Adelsfamilie der Aldobrandeschi, die die Ländereien zwischen der Toskana und Rom beherrschte, zur Welt. Die Überlieferung dagegen nennt ihn Sohn eines einfachen Schreiners namens Bonizo. Schon der Jüngling kam nach Rom ins Marienkloster auf dem Aventin - heute die Kirche S. Maria del Priorato -, dessen Abt sein Onkel war, zur Ausbildung. 1046 folgte er seinem Verwandten, Papst Gregor VI. - nach dessen Absetzung durch den deutschen Kaiser Heinrich III. - nach Köln; nach dessen Tod erbte Hildebrand dessen Besitz. Von Köln aus trat er ins Benediktinerkloster in Cluny ein und erlebte dort die großen Äbte Odilo mit seinen ReformenDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden. und Hugo in Begegnungen, die ihn nachhaltig prägten.
Ziborium aus dem 8. / 9. Jahrhundert, in der Kirche S. Maria in
Sovana 
Papst Leo IX. rief Hildebrand 1049 nach Rom zurück und übertrug ihm die Leitung des Klosters an S. Paolo fuori le Mura. zurück. Auch den vier Nachfolgern Leos auf dem Stuhl Petri diente er als Berater und stieg in hohe Ämter auf. Er begegnete Petrus Damiani und freundete sich mit dem Kardinal an. Zusammen mit diesem festigte er seinen Ruf als Kirchenreformer im Kampf gegen die Simonie, für die Einhaltung des Zölibats und gegen die Priesterehe. Hildebrand leitete 1054 das Konzil von Tours, im selben Jahr war er als päpstlicher Gesandter in Frankreich und Deutschland tätig, ebenso 1056 und 1057 / 58. 1058 wurde er Archidiakon der römischen Kirche und hatte großen Einfluss auf die Reformen der Päpste Nikolaus II. und Alexander II., 1059 auch als Vorsitzender der Bischofssynode im Lateranspalast in Rom, wo entsprechende Beschlüsse gefasst wurden. Nun konnten nicht-kirchliche Autoritäten nicht mehr Bischöfe werden, was zu den Kämpfen und Auseinandersetzungen zwischen den Päpsten in Rom und den deutschen Königen und Kaisern im Investiturstreit führte. Als Papst Alexander II. starb, wurde Hildebrand am Tag der Beisetzung seines Vorgängers 1073 - der Überlieferung nach gegen seinen Willen - auf Drängen des Volkes von Rom, das sich in großer Zahl versammelt hatte, zum Papst ausgerufen.
Straße mit Ildebrandos Geburtshaus in Sovana

Als Papst regierte Gregor hart und unnachgiebig in Verfolgung seiner Ziele; er verstand seine Wahl als Auftrag Gottes,
die Misstände in der Kirche zu überwinden, auch gegen alle weltlichen Gewalten. Sein Programm legte er im März 1075
im 27-Punkte-Katalog des Dictatus Papae
, des Diktates des Papstes
, nieder, anknüpfend an
Augustinus' De civitate dei
und die Ideen von Papst
Gregor I.. Demnach ist der Papst der unumschränkte Herr der Universalkirche, dem
alle Bischöfe und Äbte untertan sind - und er ist der oberste Herr auch der Welt, deshalb trägt er die kaiserlichen
Insignien - seit 1059 trug der Inhaber des Stuhles Petri die Papstkrone, die
TiaraTiara ist die früher bei feierlichen Anlässen getragene Krone des Papstes. Ihr Ursprung liegt in der am byzantinischen Hof getragenen phrygische Mütze, die aus Persien übernommen worden war. Die ersten solchen Hauben wurden im 7. / 8. Jahrhundert vom Papst getragen; im 10. Jahrhundert kam der erste Kronreifen hinzu, Ende des 13. Jahrhunderts der zweite, wohl während des Exils in Avignon der dritte. Die drei aufeinandergetürmten Kronen symbolisieren das Weiheamt, die Rechtssprechungsgewalt und das Lehramt des Papstes oder auch die göttliche Dreieinigkeit. Der bislang letzte Träger der Tiara, Papst Paul VI. verschenkte seine Papstkrone 1964 während des 2. Vatikanischen Konzils zugunsten Armer in der Dritten Welt..
Die ersten fünf Sätze aus dem Dictatus Papae
, im Archiv im
Vatikan in Rom in deutscher Übersetzung:
I. Dass die römische Kirche allein von Gott gegründet wurde.
II. Dass allein der römische Bischof mit Recht allgemein
genannt wird.
III. Dass er allein Bischöfe absetzen und auch wieder einsetzen kann.
IIII. Dass sein Legat den Vorrang vor allen Bischöfen hat auf einem Konzil, auch wenn er einen niedrigeren
Weihegrad hat, und dass er gegen sie ein Absetzungsurteil fällen kann.
V. Dass Abwesende vom Papst abgesetzt werden können.
Gregor vertrat die Lehre, Papsttum und weltliche Herrschaft seien wie Sonne und Mond: letzterer erhält von jener erst
sein Licht. Der Inhaber des Papstamtes stehe unter dem Schutz des Petrus und
werde durch dessen Verdienste auf jeden Fall heilig. Gregor gab der Idee des Papsttums die bis heute nachwirkende
Bedeutung, Papsttum und Kirche begannen gleichbedeutende Begriffe zu werden, die Vereinheitlichung der abendländischen
Kirche machte bedeutende Fortschritte. Vor allem hat Gregor den Kampf um die Freiheit der Kirche von den weltlichen
Gewalten mit Beharrlichkeit durchgeführt. Mehr noch: er beanspruchte die Lehenshoheit
über die Könige, die ihn
finanziell und militärisch zu unterstützen hätten. Gleichzeitig intensivierte er die Kontakte
Roms zu den Herrschern.
Otto Friedrich: Heinrich IV. im Büßergewand vor Gregor VII. in
Canossa 
Gregors Reformpolitik für die Kirche im Gefolge der Reformen von ClunyDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden.
war umfassend. In einer 1075 einberufenen SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
drang Gregor noch entschiedener auf die Ahndung der Simonie, schon 1074 war die
strikte Einhaltung des Zölibats erzwungen worden. Darüber hinaus untersagte die
Synode den weltlichen Fürsten die Investitur von Laien ins Bischofsamt - ein Privileg, mit dem die Fürsten bislang ihre
Autorität in geistlichen Fragen gefestigt hatten. Nachdem der deutsche König Heinrich IV. Gregor bei der Durchsetzung
der Reformen gegenüber den Bischöfen im Reich nicht ausreichend unterstützte, wurde der Konflikt unausweichlich, der
Investiturstreit eskalierte: Gregor drohte dem Heinrich die Exkommunikation
an, nachdem dieser unbeeindruckt Bischöfe ernannt und eingesetzt hatte; der wiederum erklärte den Papst auf einer Synode
in Worms 1076 als falschen
Mönch
für abgesetzt. Gregor antwortete im selben Jahr auf der römischen Fastensanode die Exkommunikation des Königs
und darüber hinaus seine Absetzung; die Untertanen entband er vom Treueeid. Die deutschen Fürsten drohten deshalb, sich
von Heinrich loszusagen, woraufhin er einlenken musste: mit dem Bußgang Heinrichs nach
Canossa und der dort durch Gregor erteilten
Absolution schien der Konflikt 1077 befriedet. Auch die vom Papst unterstützte Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben
stellte für Heinrich keine wirkliche Bedrohung dar.
Heinrich betrieb nun eine Politik der Nadelstiche gegen den Papst. Es folgte 1080 der zweite Bannstrahl aus
Rom mit Exkommunikation und Absetzungserklärung;
Heinrich berief daraufhin eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.,
nach Brixen ein, die den Erzbischof von
Ravenna als Gegenpapst Clemens III. wählte.
Nach dem Scheitern und Tod des Gegenkönigs Heinrich unternahm Heinrich einen Feldzug gegen Gregor, diee Truppen
belagerten ab 1081 Rom, stürmten 1083 die
Peterskirche und bekamen 1084 die ganze
Stadt übergeben, Gregor verschanzte sich in der
Engelsburg. Hier musste er zur Kenntnis
nehmen, dass Heinrich IV. von Gegenpapst Clemens III. im Petersdom zum Kaiser gekrönt wurde. Die Normannen konnten
Gregor dann zwar aus Rom befreien, verwüsteten die Stadt und nahmen Tausende als Sklaven, so dass das Volk Gregor die
Schuld dafür gab und ihn nicht länger in ihren Mauern duldete. Ausgelaugt und einsam, auch vom Groteil der Kardinäle
verlassen, starb er im Exil in Salerno.
Gregors gut bezeugte letzte Worte wandelten den Bibelvers aus Jesaja 61, 8 ab: Ich habe die Gerechtigkeit geliebt
und das Unrecht gehasst, deshalb sterbe ich in der Verbannung
.
Szenen aus dem Leben von Gregor VII.: oben links: Die Erhebung des Gegenpapstes Wibert (Clemens VIII.); oben rechts:
die Flucht Gregors aus Rom unter dem Schutz
des Normannenfürsten Robert Guiskard; unten links: Gregor mit seinem Anhang im Exil; unten rechts sein Tod. Aus dem
Bilderkreis zur Chronik des Otto von Freising, Jenenser Codex von
1158 (?) 
Gregor wurde im Dom in Salerno bestattet.
Das bittere Vorbild von Canossa löste bei den weltlichen Gewalten ein immer stärker werdendes Streben aus, den Staat unter Zurückdrängung der universalen Gewalt von Kaisertum und Papsttum auf nationaler Grundlage zu entwickeln und die Kirche dem Staat entschieden einzuordnen. So wurzeln in Canossa sowohl der Niedergang des Römischen Reichs wie das von den Normannen ausgehende Emporsteigen der neueren Nationalstaaten.
Gregors Konzept der Trennung von weltlicher und kirchlicher Macht und Unterordnung der ersteren und die letztere markiert eine entscheidende Wende in der Entwicklung des Papsttums. Gregor war der erste absolutistisch regierende, einer der gewaltigsten und in der Kirche stärksten Päpste; seit ihm ist die klare Vorrangstellung Roms in der katholischen Weltkirche gültig. Seine Nachfolger kämpften weithin erfolgreich um die Durchsetzung seiner Positionen, wenngleich sie die Ansprüche auf Weltherrschaft fallen ließen und sich auf die Bekämpfung der Laieninvestitur beschränkten.
Der Gang nach Canossa
wurde
sprichwörtlich für ein schwieriges, Bereitschaft zur Unterordnung signalisierendes Gespräch.
Kanonisation:
Gregor VII. wurde von Gregor XIII. 1584 seilig- und von Benedikt XIII. 1606 heiliggesprochen.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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