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Hildebrand kam wohl als Sohn eines Zweiges der Adelsfamilie der Aldobrandeschi, die die Ländereien zwischen der Toskana und Rom beherrschte, zur Welt. Die Überlieferung dagegen nennt ihn Sohn eines einfachen Schreiners namens Bonizo. Der Jüngling kam nach Rom ins Marienkloster auf dem Aventin - heute die Kirche S. Maria del Priorato -, dessen Abt sein Onkel war, zur Ausbildung. 1046 folgte er seinem Verwandten, Papst Gregor VI., nach dessen Absetzung durch den deutschen Kaiser Heinrich III., nach Köln; nach dessen Tod erbte Ildebrando dessen Besitz. Von Köln aus trat er ins Benediktinerkloster in Cluny ein und erlebte dort die großen Äbte Odilo mit seinen ReformenDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden. und Hugo in Begegnungen, die ihn nachhaltig prägten.
Ziborium aus dem 8. / 9. Jahrhundert, in der Kirche S. Maria in Sovana

Papst Leo IX. rief Hildebrand nach Rom zurück. Auch den vier Nachfolgern Leos auf dem Stuhl Petri diente er als Berater und stieg in hohe Ämter auf. Er begegnete Petrus Damiani und freundete sich mit dem Kardinal an. Zusammen mit diesem festigte er seinen Ruf als großer Kirchenreformer im Kampf gegen die Simonie, für die Einhaltung des Zölibats und gegen die Priesterehe. Hildebrand leitete 1054 das Konzil von Tours und 1059 die Bischofssynode im Lateranspalast in Rom, wo entsprechende verbindliche Beschlüsse gefasst wurden. Nun konnten nicht-kirchliche Autoritäten nicht mehr Bischöfe werden, was zu den Kämpfen und Auseinandersetzungen zwischen den Päpsten in Rom und den deutschen Königen und Kaisern im Investiturstreit führte. Als Papst Alexander II. starb, wurde Hildebrand 1073 - gegen seinen Willen, aber auf Drängen des Volkes von Rom - zum Papst ausgerufen.
Straße mit Ildebrandos Geburtshaus in Sovana

Als Papst regierte Gregor hart und unnachgiebig in Verfolgung seiner Ziele,
die er im März 1075 im 27-Punkte-Katalog des Dictatus Papae
, des Diktates
des Papstes
, niedergelegt hatte, anknüpfend an Augustinus'
De civitate dei
und die Ideen von Papst Gregor I..
Demnach ist der Papst der unumschränkte Herr der Universalkirche, dem alle
Bischöfe und Äbte untertan sind - und er ist der oberste Herr auch der Welt,
deshalb trägt er die kaiserlichen Insignien - seit 1059 trug der Inhaber des
Stuhles Petri die Papstkrone, die TiaraTiara ist die früher bei feierlichen Anlässen getragene Krone des Papstes. Ihr Ursprung liegt in der am byzantinischen Hof getragenen phrygische Mütze, die aus Persien übernommen worden war. Die ersten solchen Hauben wurden im 7. / 8. Jahrhundert vom Papst getragen; im 10. Jahrhundert kam der erste Kronreifen hinzu, Ende des 13. Jahrhunderts der zweite, wohl während des Exils in Avignon der dritte. Die drei aufeinandergetürmten Kronen symbolisieren das Weiheamt, die Rechtssprechungsgewalt und das Lehramt des Papstes oder auch die göttliche Dreieinigkeit. Der bislang letzte Träger der Tiara, Papst Paul VI. verschenkte seine Papstkrone 1964 während des 2. Vatikanischen Konzils zugunsten Armer in der Dritten Welt..
Die ersten fünf Sätze aus dem Dictatus Papae, im Archiv im Vatikan
in Rom.
In deutscher Übersetzung:
I. Dass die römische Kirche allein von Gott gegründet wurde.
II. Dass allein der römische Bischof mit Recht allgemein
genannt wird.
III. Dass er allein Bischöfe absetzen und auch wieder einsetzen kann.
IIII. Dass sein Legat den Vorrang vor allen Bischöfen hat auf einem Konzil, auch wenn er
einen niedrigeren Weihegrad hat, und dass er gegen sie ein Absetzungsurteil fällen kann.
V. Dass Abwesende vom Papst abgesetzt werden können.
Papsttum und weltliche Herrschaft seien wie Sonne und Mond: letzterer erhält von jener erst sein Licht. Der Inhaber des Papstamtes stehe unter dem Schutz des Petrus und werde durch dessen Verdienste auf jeden Fall heilig. Gregor gab der Idee des Papsttums die bis heute nachwirkende Bedeutung, Papsttum und Kirche begannen gleichbedeutende Begriffe zu werden, die Vereinheitlichung der abendländischen Kirche machte bedeutende Fortschritte. Vor allem hat Gregor den Kampf um die Freiheit der Kirche von den weltlichen Gewalten mit Beharrlichkeit durchgeführt.
Otto Friedrich: Heinrich IV. im Büßergewand vor Gregor VII. in Canossa

Gregors Reformpolitik für die Kirche im Gefolge der Reformen von ClunyDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden.
war umfassend. Anhänger für seinen Anspruch auf Freiheit der Kirche vor weltlichen
Gewalten fanden sich in ganz Europa. Sein Anspruch für die Kirche machte aber
den Zusammenstoß mit dem deutschen König Heinrich IV. unausweichlich. In einer
1075 einberufenen SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
drang Gregor noch entschiedener auf die Ahndung der Simonie,
schon 1074 war die strikte Einhaltung des Zölibats
erzwungen worden. Darüber hinaus untersagte die Synode
den weltlichen Fürsten die Investitur von Laien ins Bischofsamt - ein Privileg,
mit dem die Fürsten bislang ihre Autorität in geistlichen Fragen gefestigt
hatten. Der Investiturstreit
eskalierte: Gregor drohte dem Kaiser die Exkommunikation an, nachdem dieser
unbeeindruckt Bischöfe ernannt und eingesetzt hatte; der wiederum erklärte den
Papst als falschen Mönch
für abgesetzt. Die deutschen Fürsten drohten, sich
von Heinrich loszusagen, woraufhin er einlenken musste: mit dem Bußgang
Heinrichs nach Canossa
schien der Konflikt 1077 sein Ende zu finden.
Doch Heinrich betrieb eine Politik der Nadelstiche gegen den Papst und
taktierte weiter. Es folgte der zweite Bannstrahl aus Rom
und eine von Heinrich nach Brixen
einberufene SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.,
die den Erzbischof von Ravenna
als Gegenpapst Clemens III. wählte. Heinrich unternahm zudem einen Feldzug gegen
Gregor, kaiserliche Truppen belagerten ab 1081 Rom,
stürmten 1083 die Peterskirche
und bekamen 1084 die ganze Stadt übergeben. Gregor verschanzte sich in der
Engelsburg.
Die Normannen konnten Gregor dann zwar aus Rom befreien, verwüsteten
die Stadt dabei aber so sehr und nahmen Tausende als Sklaven, so dass das Volk
Gregor die Schuld dafür gab und ihn nicht länger in ihren Mauern duldete.
Ausgelaugt und einsam starb er im Exil in Salerno.
Gregors gut bezeugte letzte Worte wandelten den Bibelvers aus Jesaja 61, 8 ab:
Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, deshalb sterbe ich
in der Verbannung
.
Szenen aus dem Leben von Gregor VII.: oben links: Die Erhebung des Gegenpapstes Wibert (Clemens VIII.);
oben rechts: die Flucht Gregors aus Rom unter dem Schutz des Normannenfürsten Robert
Guiskard; unten links: Gregor mit seinem Anhang im Exil; unten rechts sein Tod. Aus
dem Bilderkreis zur Chronik des Otto
von Freising im Jenenser Codex, 1158 (?) 
Das bittere Vorbild von Canossa löste bei den weltlichen Gewalten ein immer stärker werdendes Streben aus, den Staat unter Zurückdrängung der universalen Gewalt von Kaisertum und Papsttum auf nationaler Grundlage zu entwickeln und die Kirche dem Staat entschieden einzuordnen. So wurzeln in Canossa sowohl der Niedergang des Römischen Reichs wie das von den Normannen ausgehende Emporsteigen der neueren Nationalstaaten.
Gregors Konzept der Trennung von weltlicher und kirchlicher Macht und Unterordnung der ersteren und die letztere markierte eine entscheidende Wende in der Entwicklung des Papsttums. Gregor war der erste absolutistisch regierende, einer der gewaltigsten und erfolgreichsten Päpste, seit ihm ist die klare Vorrangstellung Roms in der katholischen Weltkirche Tatsache. Seine Nachfolger kämpften weithin erfolgreich um die Durchsetzung seiner Positionen, wenngleich sie die Ansprüche auf Weltherrschaft fallen ließen und sich auf die Bekämpfung der Laieninvestitur beschränkten.
Der Gang nach Canossa
wurde sprichwörtlich für ein schwieriges, Bereitschaft zur Unterordnung
signalisierendes Gespräch.
Kanonisation:
1606 wurde Gregor heiliggesprochen.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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