|
|
El Greco: Andreas, 1606, Museo del Greco in Toledo

Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer (Markusevangelium 1, 16); er stammte aus Bethsaida - heute der Hügel Et-Tell bei Ad Dardara in Syrien - (Johannesevangelium 1, 14) oder aus Kafarnaum - - ein heute abgegangener Ort am See Gennesaret (Markusevangelium 1, 29). Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes', des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 - 40). Im Kreise der zwölf Jünger wird er an unterschiedlichen Stellen in der Rangfolge genannt. Nach dem Markusevangelium (13, 3) gehört er zu einem der nur vier Jünger, denen Jesus eine Rede über die Endzeit mitteilt. Bei der Speisung der 5000 nach dem Johannesevangelium wies er auf den Jungen mit den Broten und Fischen hin (6, 8f.). Nach Johannesevangelium 12, 22 war er zusammen mit Philippus der Fürsprecher für Griechen, die Jesus sehen wollten; er scheint also über gute Griechischkenntnisse verfügt zu haben. Er war beim Abendmahl in Jerusalem, bei der Himmelfahrt und an Pfingsten anwesend, sonst wird er nicht besonders genannt.
Nach Pfingsten bildete er möglicherweise mit seinem Bruder Petrus ein Missionspaar, auch er in der Liste der Apostel (Apostelgeschichte 1, 13) erster als vierter genannt wird. - Die Legende lässt Andreas dann das Evangelium in Pontus und Bithynien südlich des Schwarzen Meers in Kleinasien, in Thrakien, Epirus und der Achaia in Griechenland sowie in den Donauländern verkündigen. In Mirmidonia - möglicherweise in Thessalien gelegen - befreite er demnach den gefangenen Matthias und gab dem Geblendeten das Augenlicht wieder. Zahlreiche weitere Wunder, Heilungen und Erweckungen werden berichtet. Schließlich hielt er sich in der Achaia auf, baute Kirchen und bewirkte zahlreiche Bekehrungen. Spätere orientalische Überlieferung nennt auch Kurdistan und Armenien als sein Missionsgebiet, die Kirche von Georgien gedenkt seiner Ankunft und Missionsarbeit in ihrem Land.
Jusepe de Ribera: Andreas' Kreuzigung, 1628 Museum der schönen Künste in
Budapest

In Patras heilte Andreas nach der Überlieferung Maximilla, die Frau des Statthalters Ägeas, und bekehrte sie zum Christentum. Er riet ihr eheliche Enthaltsamkeit; daraufhin dem Statthalter gegenüber gestellt, konnte er diesen in einer ausführlich berichteten Disputation nicht vom Christentum überzeugen. Der Statthalter ließ Andreas geißeln und zu besonderer Pein und langsamem Tod an ein X-förmiges Kreuz binden. Zwei lange Tage hängend, predigte Andreas dem Volk, himmlisches Licht verhüllte den Sterbenden. Ägeas verhöhnte ihn, wurde daraufhin mit Wahnsinn geschlagen und starb, ehe er sein Haus wieder erreichte. Maximilla ließ Andreas mit großen Ehren bestatten.
Die einst umfangreichen Andreasakten aus dem späten 2. Jahrhundert sind heute
nur noch in geringen Resten vorhanden; aus ihnen ergab sich die Legendenbildung.
Sie berichten von seiner Missionsarbeit im Stile einer christlichen Odyssee.
Die Acta Andreae et Matthiae apud
anthropophagos
, Andreas und Matthias unter den Menschenfressern
, die
einst wohl Teil der Andreasakten, schildern die Abenteuer der beiden bei den
Kannibalen, die Andreas demnach in sieben Tagen bekehre. In Anlehnung daran
entstanden in Ägypten die Acta Andreae et Bartholomaei
,
die die Bekehrung des Kynokephalos berichten, sowie die koptisch überlieferten
Acta Andreae et Philemonis
,
welche von der Wiedererweckung eines getöteten Kindes erzählen.
Mosaik: Andreas als Fischer, vor 526, in der Kirche San Apollinare Nuovo in
Ravenna

Andreas' Gebeine wurden 357 in die Apostelkirche in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - gebracht. Sie genießen eine große Verehrung und haben für die Ostkirche eine solche Bedeutung wie Petrus und Paulus für Rom. Einige Reliquien wurden 1208 entwendet und vom Kardinal von Amalfi, Petrus von Capua, in seine Stadt überführt, wo sie in der Krypta des Domes S. Andrea aufbewahrt sind. Das Kopfreliquiar, das auf der Flucht vor den Türken 1462 nach Rom gebracht und 1964 wieder nach Patras zurückgegeben wurde, wird in seiner Echtheit angezweifelt.
Andreas' angebliche Kreuzreliquie befindet sich in der ehemaligen Abtei neben
der Kirche Notre-Dame in Beaune;
der Legende nach ließ der burgundische Graf Stephan im 12. Jahrhundert das
Kreuz ins Kloster St-Victor nach Marseille
schaffen; 1438 kamen Teile davon in die Brüsseler
Palastkapelle, überbracht von Herzog Philipp dem Guten von Burgund,
der 1429 unter Andreas' Patronat den Orden vom Goldenen Vlies
gestiftet hatte; das Andreaskreuz wurde zum Feldzeichen und Emblem von
Burgund.
Das Diagonalkreuz entstammt aber tatsächlich erst spätmittelalterlicher Überlieferung.
Der Mönch == Regulus habe um das Jahr 300 * Reliquien nach Schottland gebracht; andere Überlieferung nennt Acca von Hexham als Überbringer von Andreas-Reliquien nach Schottland und Gründer der dortigen Stadt St Andrews; jedenfalls kamen kleine Reliquien 1879 und 1969 nach Schottland, sie sind in der St. Mary's Cathedral in Edinburgh verwahrt.
Brunnen Sant' Andrea, 1760, auf dem Domplatz in Amalfi

Seit dem 5. Jahrhundert findet sich Andreas als Patron auch im Westen, so für Ravenna. Gregor von Tours schrieb im 6. Jahrhundert ein Buch über seine Wunder. Das Hieronymus zugeschriebene Martyrologium nennt neben seinem Todestag auch den 5. Februar als Tag seiner Einsetzung als Bischof von Patras in Griechenland.
In der Reihe der Apostel steht Andreas traditionell an zweiter Stelle, er
gilt als Verfasser des 2. Glaubensartikels. In Rivalität mit Roms Apostelfürsten
Petrus und Paulus
entwickelte Konstantinopel
- für den von Jesus
Erstberufenen (Protoklitos
) eine besondere Andreas-Verehrung; ihm wird
die Gründung des Bischofssitzes zugeschrieben. In Russland und in Schottland
wird Andreas als Landespatron besonders verehrt.
In der Andreasnacht
zum 30. November zogen Kinder maskiert von Haus zu Haus,
sangen lustige Verse und wurden dafür beschenkt. Dem Volksglauben zufolge können
heiratswillige Mädchen in der Andreasnacht den Zukünftigen im Spiegel sehen. Für
Bauern war der Andreastag ein wichtiger Lostag für das Wetter, die
Andreasnacht gilt als günstig für Orakel und Schatzhebung. Ein X-förmiges
Kreuz nennt man nach den Berichten von Andreas' Martyrium Andreas-Kreuz, es
steht weltweit vor Bahnübergängen.
Attribute:
unbeschuht, mit Fisch, Strick und (seit dem 14./15. Jahrhundert) dem X-förmigen Kreuz
Patron
von Russland, Schottland, Spanien, Griechenland, Sizilien,
Niederösterreich,
Burgund
und der Achaia
in Griechenland; von Neapel,
Ravenna,
Brescia,
Amalfi,
Mantua,
Bordeaux,
Brügge,
Patras;
der Fischer und Fischhändler, Bergleute, Seiler, Metzger und Wasserträger; für
Ehevermittlung, Eheglück und Kindersegen; gegen Gicht, Halsschmerzen, Krämpfe und
Rotlauf (Andreaskrankheit
)
Bauernregeln:
Andreasschnee / tut Korn und Weizen weh.
Wirft herab Andreas Schnee, / tut's dem Korn und Weizen weh.
Andreasschnee / tut den Saaten weh.
Hält St.Andrä den Schnee zurück, / so schenkt er reiches Saatenglück.
Es verrät dir die Andreasnacht / was wohl so das Wetter macht.
Schau in der Andreasnacht, / was für Gesicht das Wetter macht:
So wie es ausschaut, glaub's fürwahr, / bringt's gutes oder schlechtes
Jahr.St. Andreas macht das Eis. St. Georg
bricht das Eis.
St. Andreas macht uns den Winter weiß
* Tatsächlich gibt es den ersten Nachweis des Christentums in Schottland erst ums Jahr 400.
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||