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Jacopo Robusti Tintoretto: Georg und der Drache, 1560, National Gallery in
London

Viele Legenden ranken sich um Georg; zwei frühen syrischen Kircheninschriften zufolge starb Georg in Lydda - dem heutigen Lod in Israel - den Märtyrertod. Gleiches besagt auch ein Kanon von Papst Gelasius I. aus dem Jahr 494, der Georg als verehrungswürdige Gestalt erwähnt. Andere Quellen geben Nikomedia - das heutige Ízmit in der Türkei - als Todesort an.
Märtyrerlegenden kennen einmal einen Bischof Georg von Alexandria, Anhänger des Arianismus, der nach zahllosen Martyrien immer wieder vom Erzengel Michael zum Leben erweckt wurde. Andere Legenden berichten von einem Perserkönig Dadian - in späteren Legenden wird er als Richter Dacian vorgestellt, der die Martern Georgs unter Diokletian veranlasste. In einer Vision soll Jesus selbst ihm ein sieben Jahre andauerndes Martyrium vorausgesagt haben, wobei er dreimal sterben und auferstehen werde. Einmal sollen ihm 60 Nägel gleichzeitig in den Kopf geschlagen worden sein.
Besondere Berühmtheit erlangte die Legende vom Kampf des Ritters Georg mit
einem Drachen, der in einem See vor der Stadt Silena in Lybia
- dem heutigen
Qabīlat Sīlīn
bei Al Khums oder Cyrene - dem heutigen Shahhat
in Libyen (?) - hauste und die
Stadt mit seinem Gifthauch verpestete. Die Einwohner mussten ihm täglich Lämmer
opfern, um seinen Grimm zu stillen. Als keine Tiere mehr aufzutreiben waren,
wurden die Söhne und Töchter geopfert. Eines Tages traf das Los die
Königstochter - die als Verkörperung der Kirche gelten kann -, die nach Herz
zerreißendem Abschied von den Eltern an den See vor der Stadt ging. Da erschien
Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt worden war und von
den Cherubim mit Michael wieder zum
Leben und zu herrlicher Schönheit gebracht worden war. Als der Drache auftauchte,
schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier,
das zu Boden stürzte. Er veranlasste die Königstochter, den Drachen mit ihrem
Gürtel in die Stadt zu ziehen, wo alle die Flucht ergreifen wollten. Georg
versprach, den Drachen zu töten, wenn die Leute sich zu Christus bekehrten. Er
erschlug den Drachen, vier Paar Ochsen mussten das gewaltige Gewicht des Drachen
aus der Stadt schleppen, der König ließ sich daraufhin mit allem Volk taufen.
Diese Schilderung entspricht der Georgsdichtung aus dem 12. Jahrhundert, die die
Rolle des Helden betont, der die Kreuzfahrer
unterstützt. Hier kommen Demetrius
und Theodor als seine
Brüder vor, die ihm in einer älteren Überlieferung zur Seite stehen und neben
Georg die meistverehrten Heiligen der Ostkirche sind. Hinzuwiesen ist auch auf
die Ältesten, in der Georgslegende wieder auftauchenden, Vorstellungen von der
heldenhaften Bekämpfung und Befreiung aus der Drachengewalt des Bösen durch ein
neues Bewußtsein.
J.A.M. Zwolle: Kupferstich, 15. Jahrhundert, Grafische Sammlung Albertina in
Wien

Hier setzt die - auch Ambrosius
bekannte - ältere Legende ein, der zufolge Georg erleben musste, wie viele
Bekehrte durch die Verfolgungen unter den Kaisern Diokletian und Maximian wieder
ungläubig wurden. Er legte sein ritterliches Kleid ab, gab sein Gut den Armen
und trat mitten unters Volk mit den Worten: Alle Heidengötter sind böse Geister,
unser Herr aber hat Himmel und Erde erschaffen.
Da ließ ihn der Richter Dacian
greifen, mit Nägeln blutig reißen und ihm Salz in die Wunden reiben. Im
Gefängnis wurde Georg von Christus getröstet und gestärkt. Ein Zauberer sollte
ihn mit einem Giftbecher bezwingen, aber Georg machte das Kreuzzeichen über dem
Trank und erlitt keinen Schaden, der Zauberer bekehrte sich und wurde enthauptet.
Georg wurde aufs Rad geflochten, stieg aber unversehrt herab; auch aus einem
Kessel mit siedendem Blei ging er unverletzt hervor. Georg war nun bereit zu tun,
was der Richter begehrte. Dieser rief das Volk zusammen, Georg kniete und betete,
Feuer fiel vom Himmel und verbrannte Tempel, Götzenbilder und Priester, die Erde
aber tat sich auf und verschlang alle Trümmer. Da ließ der Richter Georg von
Pferden durch die Stadt schleifen und schließlich enthaupten.
Auf die Reinbot-Dichtung geht die häufige Bezeichnung der Königstochter als
Margarete
zurück, nach ältester Tradition auf die Kaiserin Alexandra bezogen,
die nach der Enthauptung von Engeln im Himmel den neuen Namen erhielt.
Zusätzlich erzählt die Legenda
Aurea, wie Georg in weißer Rüstung den Kreuzrittern
vor Jerusalem
erschien: von Gott zur Erde zurück geschickt, habe er sie unterstützt, die
Sarazenen zu erschlagen und Jerusalem zu erobern. Diese Darstellung bildet die
Grundlage der Georgsritter-Bruderschaften.
Ikone aus Wysokie in der Slowakei, 15. - 16. Jahrhundert: Georg tötet den
Drachen, während Martha
ihn schon gezähmt und ans Halsband genommen hat und dafür die Krone erhielt, im
Stadtmuseum der Region Przhemysl
in Polen 
Georg gehört zu den 14
Nothelfern. Sein Kult und seine Verehrung sind vor allem im Osten verbreitet.
Er ist Landespatron von Äthiopien, heißt in der Landessprache Amharisch
Giyorgis
; in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche wird der 23. Tag jeden Monats
nach dem Äthiopischen Kalender Giyorgis
genannt. In Lydda - dem heutigen
Lod
in Israel - wurde ihm im 4. Jahrhundert eine Kirche geweiht. Die Weihe der Kirche in
Kiew
fand 1051 - 1054 statt und wird in der orthodxen Kirche als eigener Gedenktag begangen.
In den Westen kam der Kult durch die Kreuzfahrer;
Georg wurde zum Symbol der Ritterlichkeit, besonders in England. Im Jahr 1222
ernannte die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
von Oxford
den Namenstag des Heiligen zum nationalen Feiertag. Er war persönlicher
Schutzpatron von Richard Löwenherz und ist Schutzpatron des englischen
Königreichs sowie des berühmten Hosenbandordens, obwohl keinerlei historische
Bezüge zwischen dem Heiligen und dem angelsächsischen Raum existieren. Schon 896
brachte Bischof Hatto von Mainz
den Kopf Georgs auf die Insel Reichenau im Bodensee, wo sie nun in der ihm
geweihten Kirche liegen. Das Land Georgien ist nach ihm benannt, die Dardanellen
wurden dereinst als Meerenge des heiligen Georg
bezeichnet. 2005 beschloss der
Landtag des österreichischen Bundeslandes Tirol,
Georg neben Joseph zum
zweiten Landespatron zu erklären.
Der Georgstag war in der Landwirtschaft ein wichtiger Tag: Dienstboten konnten auf diesen Tag wechseln, Zinsen waren an diesem Tag zu bezahlen. Pferde wurden an diesem Tag gesegnet, verbreitet sind noch heute Pferdeumritte. Dort, wo am Georgstag die Sonne aufgeht, ist nach alter Tradition in Mitteleuropa Osten.
Auf Arabisch heißt Georg Al Khader. Im Ort Al Khader bei Betlehem
in Palästina ist er der Schutzheilige der palästinensischen Christen, das
Drachentöter-Motiv findet sich praktisch über jedem Hauseingang in der Gegend
und auch mit einem Standbild im Stadtzentrum von Bayt
Jala, der Schwesterstadt gleich neben Betlehem. Al Khader wird auch von
den Moslems verehrt, für die er als der Grüne
für Fruchtbarkeit des
Landes und der Früchte des Feldes sorgt.
Donatello: Marmorstatue, um 1416, in Orsanmichele in Florenz, heute im Museo Nazionale del Bargello in Florenz
Attribute:
Ritter mit Lanze, den Drachen durchbohrend
Patron
des englischen Königreichs, des byzantinischen Reiches, von Georgien, Äthiopien,
Griechenland, Serbien, Tirol,
Aragonien
und Katalonien,
Genua
und Barcelona;
von 13 Ritterorden; der Soldaten, Bauern, Reiter, Bergleute, Sattler, Schmiede,
Waffenschmiede und Büchsenmacher, Böttcher, Pfadfinder, Artisten, Wanderer,
Gefangenen; der Spitäler und Siechenhäuser; der Pferde und des Viehs; gegen
Kriegsgefahren, Schlangenbiss-Vergiftungen, Versuchungen, Fieber, Pest, Lepra,
Syphilis; für gutes Wetter; Patron des Bistums Limburg, zweiter Patron des
Domes in Bamberg
Bauernregeln:
Ab Georgi dürfen die Felder nicht mehr betreten werden.
St. Georg kommt nach alten Sitten / auf dem Schimmel angeritten.
- er
bringt noch einmal Schnee!
St. Andreas macht das Eis,
St. Georg bricht das Eis.
Kommt St. Georg auf dem Schimmel, / kommt ein gutes Jahr vom Himmel!
Sind die Reben an Georgi noch blind, / so freut sich Mann und Kind.
Auf St. Georgs Güte / stehen alle Bäum in Blüte.
Zu Georg soll sich's Korn so recken, / dass sich eine Krähe kann
verstecken.
Gewitter am St.-Georgs-Tag / ein kühles Jahr bedeuten mag.
St. Georgi und St. Marks /
dräuen oft viel Arg's.
Regnet's am Georgitag, / währt noch lang des Segens Plag.
Vor Georgi trocken, nach Georgi nass.
Wenn vor Georgi Regen fehlt, / wird man nachher damit gequält.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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