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Tintoretto: Jesus im Haus von
Martha (hinten) und Maria (vorn), 1570 -
75, Alte Pinakothek in München
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Martha war die ältere Schwester des Lazarus
und der Maria von Bethanien. Sie gehörte
zum engeren Freundeskreis Jesu;
nur von diesen dreien wird - abgesehen von Johannes
- berichtet, dass Jesus sie lieb hatte
(Johannesevangelium 11, 5). Martha
bewirtete Jesus (Lukasevangelium 10, 38 - 42), als er bei ihr und ihrer
Schwester zu Gast war. Nach dem Johannesevangelium (12, 1 - 3) bewirtete sie
Jesus auch, als er von der unbekannten Frau gesalbt wurde. Martha ergriff dann
die Initiative, Jesus nach dem Tod ihres Bruders um Hilfe zu bitten (Johannesevangelium
11, 20) und legte das Bekenntnis ab: Ja, Herr, ich habe den Glauben gewonnen,
dass du der Christus, der Sohn Gottes bist
(Johannesevangelium 11, 27).
Die Legende lässt sie später mit ihren Geschwistern und weiteren Begleitern von Juden in ein segel- und steuerloses Boot auf dem Meer ausgesetzt werden und durch ein Wunder in Marseille landen. Hier habe sie ein Kloster errichtet und mit gleichgesinnten Frauen mehr als 30 Jahre gelebt.
Eine provençalische Legende erzählt, dass Martha in der Nähe des später so genannten Tarascon im Rhônetal den Menschen fressenden Drachen Tarasque mit Kreuzzeichen und Weihwasser - oder Weihrauch - bändigte und an ihrem Gürtel nach Arles führte, um ihn dort seinem eigentlichen Bestimmungsort, dem breiten Fluß der Rhône, zu übereignen. Eine andere Fassung sagt, dass die Leute in Tarascon den Drachen töten wollten, weil sie Angst vor ihm hatten, Martha ihn aber in einer Höhle versteckte und so auch sein Leben rettete.
Diese Legenden entstanden, nachdem 1187 in Tarascon
ein Leichnam entdeckt wurde, den man mit dem Marias identifizierte. Die voll
ausgebildete Version enthält die im 12. Jahrhundert von einem Zisterziensermönch
verfasste Vita SS. Mariae Magdalenae, Marthae et Lazari
.
Martha zähmt den Drachen Tarasque, Martha-Altar in der St.-Lorenz-Kirche in
Nürnberg
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Es ist anzunehmen, dass die Vorstellung vom Umgang mit Tieren in Haus und Hof, der zum Bild ihrer hausfraulichen Tätigkeit gehört, dazu führte, ihr diese Tat zuzuschreiben. Bischof Fronto von Périgueux hielt ihr nach der Legenda Aurea, die Martha als aus königlichem Geschlecht stammend beschreibt, die Totenmesse und legte sie ins Grab. Darüber wurde im 12. Jahrhundert die Kirche Sainte-Marthe gebaut, wo bis heute Reliquien gezeigt werden.
Martha wurde oft als Urbild der biederen Hausfrau
angesehen; Meister
Eckart dagegen sah Marthas Vorzüge gegenüber ihrer Schwester: während Maria
noch lernen musste, konnte Martha schon handeln. Die Behauptung, dass Martha die
Namensgeberin für die im süddeutschen Raum verwendete Bezeichnung Marterl
für
Bildstöcke gewesen sei, ist falsch; zum Unterschied zu den üblichen Betsäulen
sind die so genannten Marterl im allgemeinen mit einer Inschrift versehen, die
auf einen Unglücksfall hinweist, bei dem ein Mensch den Tod fand. Deshalb kommt
Marterl von Martyrium
, Leiden.
Attribute:
schlichtes Kleid, Kochlöffel, Weihwedel oder Weihwasserkessel, Drachen an einem
Strick
Patronin
der Häuslichkeit; der Hausfrauen, Hausangestellten, Dienstmägde, Köchinnen,
Wäscherinnen und Arbeiterinnen, Gastwirte, Hotelangestellten, Bildhauer und
Maler; der Sterbenden; gegen Blutfluss
Bauernregel:
Wie's an Agathe wettert,
das weiß die Martha.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Ikone: Martha hat den Drachen gezähmt und ans Halsband genommen, Georg
aber tötet den Drachen. Martha ist schon, Georg wird gekrönt. 18. Jahrhundert.
Aus: Brenske Ikonenkalender, Weingarten, 2005 ![]()
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