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Ökumenisches Heiligenlexikon

Maria Magdalena

volkstümlich: Marlene

Gedenktag katholisch: 22. Juli
gebotener Gedenktag
Hochfest in der Stadt Ripatransone
Fest im Bistum Getafe
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Gedenktag der Bekehrung: 1. März, 7. April
in Basel: Übertragung der Gebeine: 19. März
Auffindung der Gebeine: 5. Mai

Gedenktag evangelisch: 22. Juli

Gedenktag anglikanisch: 22. Juli

Gedenktag orthodox: dritter Sonntag der Osterzeit, 22. Juli
Übertragung der Gebeine nach Konstantinopel und Restaurierung der Kirche 809 - 898: 4. Mai

Gedenktag armenisch: 9. April, 22. Juli, 23. Juli
liturgische Feier am 2. Dienstag nach dem Assumptionssonntag
als Myrrheträgerin: 16. April, 16. Oktober

Gedenktag koptisch: 22. Juli

Gedenktag äthiopisch-orthodox: 30. Juli

Gedenktag syrisch-orthodox: 7. Februar, Montag nach Ostern, 22. Juli, 23. Juli

Name bedeutet: Mar: die Beleibte/die Schöne/die Bittere/die von Gott Geliebte (aramäisch)
Mag: die aus Magdala (am See Gennesaret) Stammende (hebr.)

Jüngerin Jesu
* um 1 in Magdala bei Tiberias, heute Migdal in Israel
† in , heute Ruinen bei Selçuk (?) in der Türkei
oder: Mitte des 1. Jahrhunderts (?) in St-Maximin-la-Sainte-Baume bei Aix-en-Provence in Frankreich (?)

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Maria hat ihren Beinamen wohl nach ihrem Heimatort Magdala - dem heutigen Migdal in Israel. Maria schloss sich Jesus als Jüngerin an, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Lukasevangelium 8, 2) - der Jüngerkreis Jesu war größer als die bekannten zwölf Männer und umfasste auch Frauen, unter denen Maria offenbar eine besondere Stellung hatte, denn die Listen der Frauen im Neuen Testament werden stets von ihr angeführt. Maria sorgte - wie andere Frauen auch - insbesondere für Jesu Lebensunterhalt (Lukasevangelium 8, 3). Mit Jesus und den Jüngern zog auch Maria nach Jerusalem; zusammen mit zwei anderen Frauen flüchtete sie aber nicht wie die anderen Jünger, sondern blieb bei der Kreuzigung und dem Sterben Jesu dabei (Matthäusevangelium 27, 55 - 56).

Maria war an der Kreuzabnahme Jesu beteiligt und verharrte nach der Grablegung durch Joseph von Arimathaia weinend am Grab (Matthäusevangelium 27, 61; Johannesevangelium 20, 11) - auch dies eine in der Kunst oft wiederholte Darstellung. Sie ging dann am Morgen nach dem Sabbat zusammen mit zwei anderen Frauen zum Grab, um den Leichnam Jesu einzubalsamieren; sie wurden die ersten Zeuginnen des leeren Grabes und der Botschaft des Engels: Erschrecket nicht! Er ist nicht hier, er ist auferweckt worden (Markusevangelium 16, 6) und erhielten den Auftrag, dieses den sich versteckt haltenden Jüngern zu berichten (Markusevangelium 16, 7).

Das Johannesevangelium schildert, dass Maria am Ostermorgen allein war, das Grab leer fand und Petrus sowie Johannes darüber berichtete (20, 1 - 10). Dann kehrte sie zum Grab zurück und begegnete dem Auferstandenen (20, 15 - 17): die traurig am Grab Weinende sah einen Mann, vermeintlich den Gärtner; nachdem er sie beim Namen genannt hatte, erkannte sie Jesus als Lebenden, durfte ihn aber nicht anfassen: Berühre mich nicht - noli me tangere - der Auferstandene ist nicht einfach fassbar.

Rembrandt: Der Auferstandene erscheint Maria Magdalena, 1638, Königliche Sammlung im Buckingham-Palast in London

Rembrandt: Der Auferstandene erscheint Maria Magdalena, 1638, Königliche Sammlung im Buckingham-Palast in London

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Maria Magdalena war also nicht nur zu Lebzeiten die Frau mit besonderer Nähe zu Jesus - die Vermutung, dass eine erotische Beziehung zwischen ihr und Jesus bestanden habe, ist schon alt. Sie war - als Frau! - auch die erste, welche die das Christentum begründende Botschaft von der Auferstehung Christi erfuhr und dann zu verbreiten hatte. Über ihr weiteres Schicksal fehlen biblische oder andere zuverlässige Berichte. Wohl um 160 entstand das ihr zugeschriebene Evangelium der Maria mit Dialogen zwischen dem Auferstandenen und seinen Jüngerinnen und Jüngern mit Gedanken aus der Gnosis.

Als erste Botschafterin von Ostern wurde Maria von westlichen und östlichen Kirchenvätern wie Augustinus, Hippolyt von Rom oder Johannes „Chrysostomus” und Cyrill von Alexandria auch als neue Eva angesehen.

Die Gleichsetzung von Maria Magdalena mit der namenlosen Sünderin, die Jesus die Füße salbte (Lukasevangelium 7, 37 - 38) und mit Maria von Bethanien wurde schon 373 im Kommentar von Ephraim dem Syrer vollzogen. Origenes trennte die Figuren, aber Papst Gregor der Große hat diese Gleichsetzung in seinen Auslegungen wieder bestätigt; sie ging von da in die Legenden und Vorstellungen ein, obwohl sie in der Bibel keinen Anhaltspunkt hat. Aus königlichem Geschlecht, edel, reich und minniglich, trug sie ihr Gemüt hoch, so beginnt die Legende und fährt fort: Eine Burg Magdala ist ihr Besitz, und weil es ihr so wohl ist, wird sie zur Sünderin. Gleichwohl ließ sich auch in der westlichen Kirche die Rolle Marias als erster Osterbotin nicht völlig unterdrücken. Im Mittelalter wurde Maria deshalb auch zum Urbild für die Kirche als solche; Motive aus der Legende der Maria von Ägypten und der Geschichte von der namenlosen Frau am Jakobsbrunnen in Sychar - beim heutigen Balata -, später Photini genannt, (Johannesevangelium 4, 5 - 30) ergänzten dieses Bild.

Relief: die büpende Maria Magdalena, in der Kirche Ste-Marthe in Tarascon

Relief: die büpende Maria Magdalena, in der Kirche Ste-Marthe in Tarascon

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Der Legende zufolge ist Maria Magdalena bzw. Maria von Bethanien mit ihren zwei Geschwistern Lazarus und Martha sowie Maximin, dem späteren Bischof von Aix-en-Provence, und == Cedonius von christenfeindlichen Juden in ein Schiff ohne Steuer und Segel gesetzt, dem Meer überantwortet und Wind und Wellen preisgegeben worden. Das Schiff erreichte Marseille; die Geretteten warteten an der Landestelle auf Einlass, den Maria Magdalena erbat, indem sie dem schlafenden Königspaar im Traum erschien. Sie soll dann einige Jahre als Einsiedlerin in einer Höhle nahe dem heutigen Ort Plan-d'Aulps-de-Sainte-Baume bei Baume - dem heutigen St-Maximin-la-Sainte-Baume - inmitten von wilden Tieren in völliger Einsamkeit gelebt haben - deshalb stellte man sie im späten Mittelalter unbekleidet, aber mit einem wunderbarerweise gewachsenen Haarkleid dar. Im von Maximin erbauten Oratorium in heutigen St-Maximin-la-Sainte-Baume habe sie dann von diesem die EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. empfangen und sei dann dort gestorben und besgraben worden.

Marias sterbliche Überreste wurden der Überlieferung nach im 9. Jahrhundert in das Kloster in Vézelay überführt; dieses Kloster wurde ab dem 11. Jahrhundert zu einem Wallfahrtsort, besonders als Zwischenstation der Pilger auf der Wallfahrt zu Jakobus nach Santiago de Compostela. Heute ist die Basilika Sainte Madeleine ein Touristenzentrum. Bernhard von Clairvaux rief hier zum 2. Kreuzzug auf. Im 13. Jahrhundert verbreitete sich die Auffassung, die echten Reliquien seinen in St-Maximin-la-Sainte-Baume gefunden worden, wo sie heute noch in einer Krypta aus dem 9. Jahrhundert gezeigt werden. Weitere Reliquien werden in Paris, Exeter und Halberstadt verehrt.

Die Überlieferung der Orthodoxen Kirchen berichtet, dass Maria in Ephesus gestorben und bestattet sei. Die Verehrung ist dort seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Reliquien kamen dann der Überlieferung nach 899 von Ephesus nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul. Maria wird neben == Junia als apostelgleiche Frau verehrt.

In Deutschland entstand im 13. Jahrhundert der Magdalenen-Orden für Büßerinnen und reuige Frauen. Die Stadt Lübeck begründete ihren Sieg gegen die Dänen mit Marias Hilfe. Vom 14. Jahrhundert an wurde sie bei Kreuzigungs-Darstellungen nicht nur in der nach dem biblischen Zeugnis etwas entfernt stehenden Gruppe von Frauen, sondern direkt am Fuß des Kreuzes dargestellt. Das Motiv der reuigen Sünderin wurde vor allem in der Dichtung und Malerei des Mittelalters häufig aufgegriffen, später u. a. auch in Friedrich Hebbels Drama Maria Magdalena von 1844 sowie 1983 in einer modernen Interpretation von Luise Rinser mit dem Titel Mirjam.

Buchmalerei: Maria Magdalena bringt den Jüngern die Nachricht von der Auferstehung Jesu, 12. Jahrhundert, aus dem Psalter von St. Albans in England, heute im Domschatz in Hildesheim

Buchmalerei: Maria Magdalena bringt den Jüngern die Nachricht von der Auferstehung Jesu, 12. Jahrhundert, aus dem Psalter von St Albans in England, heute im Domschatz in Hildesheim

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Attribute: unter dem Kreuz, Salbgefäß, als Büßerin, Geißel, mit Musikinstrumenten, nackt und völlig behaart
Patronin von Ripatransone; der Frauen, reuigen Sünderinnen und Verführten; der Kinder, die schwer gehen lernen; der Schüler und Studenten, Gefangenen; der Handschuhmacher, Wollweber, Kammmacher, Friseure, Salbenmischer, Bleigießer, Parfüm- und Puderhersteller, Gärtner, Winzer, Weinhändler, Böttcher; gegen Augenleiden und Pest; gegen Gewitter und Ungeziefer
Bauernregeln: An Magdalena regnet's gern, / weil sie weinte um den Herrn.
Regnet's am Magdalenentag, / folgt gewiss mehr Regen nach.
Wie Maria fortgegangen, / wird Magdalena sie empfangen.
Am Tag der heiligen Magdalenen, / kann man schon volle Nüsse sehen.

Basilika Ste-Madeleine Maria Magdalena in St-Maximin-la-Sainte-Baume


Paolo Veronese: Die Bekehrung der Maria Magdalena, um 1547, in der National Gallery in London Bilder zu Maria Magdalena


Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet bietet in seinem Artikel über Maria Magdalena umfassende und fundierte Informationen.

Im Massif de la Sainte-Baume liegt die Höhle, in der Maria Magdalena gelebt habe; Franz Lindenmayr informiert mit Fotos auf seiner Homepage Mensch und Höhle über die Grotte de Sainte-Baume.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Giotto di Bondone: Noli me tangere, 1320. Fresko in der Magdalena-Kapelle in der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi

Giotto di Bondone: Noli me tangere, 1320. Fresko in der Magdalena-Kapelle in der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.10.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Fritz Rienecker (Hg.): Lexikon zur Bibel, 19. Aufl., R. Brockhaus, Wuppertal 1990
• http://www.bauernregeln.net/juli.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6., Herder, Freiburg im Breisgau 1997