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Unbekannter flämischer Meister: Joseph von Arimathäa (direkt über dem Kopf
Christi) bei der Kreuzabnahme. Mittelteil eines
Trptychons, Altar für Wilhelm Edelheere, 1443, in der Sint-Pieterskerk in Löwen

Joseph aus Arimathaia - hebräisch Ramathajim, das heutige Rantis
- war ein reicher Jude, wahrscheinlich ein Mitglied des Synedriums, des
jüdischen Gerichts in Jerusalem,
der bei der Kreuzigung Jesu mit dessen
Beschluss und Vorgehen nicht einverstanden gewesen
ist (Lukasevangelium
23, 51). Nach dem Matthäus- (27, 57) und Johannesevangelium (19, 38) war er
selbst auch ein Jünger Jesu geworden
. Nach Jesu' Kreuzestod bat er
den römischen Statthalter Pontius
Pilatus um den Leichnam, um ihn in sein eigentlich für sich selbst
bestimmtes Felsengrab zu legen (Matthäusevangelium 27, 59 - 61).
Um das weitere Schicksal kreist ein Kranz von Legenden. Das Nikodemusevangelium
erzählt, dass die Juden
, nachdem sie hörten, dass Joseph Christus
ins Grab gelegt habe, ihn in eine Kammer sperrten, diese versiegelten und
ihn nach dem Sabbat töten wollten. In der Nacht der Auferstehung aber hob
Christus das Haus an den vier Enden hoch, trocknete Josephs Tränen, küsste ihn
und führte ihn heraus, ohne dass die Siegel zerbrachen. Im Evangelium des
Gamaliel
wird erzählt, Joseph
habe zusammen mit Nikodemus den mit Jesus gekreuzigten Dismas
nach Ostern in Christi Grabtuch eingehüllt,
worauf auch dieser zu neuem Leben auferstanden sei. Die Erzählung vom Martyrium
des Pilatus berichtet von
Josephs Gefangennahme und Geißelung durch Herodes und Befreiung aus dem
Gefängnis durch den Erzengel Gabriel.
Nach der Überlieferung der Georgischen Kirche soll Joseph zusammen mit Nikodemus
die Kirche in Lydda - dem heutigen Lod
in Israel - gegründet haben. Nach anderen Legenden hat er als Glaubensbote
in Gallien und Britannien gewirkt. Bei der Zerstörung
Jerusalems durch Kaiser Titus wurde Joseph einer Legende nach anders als
die jüdische Bevolkerung gerettet: Titus sah demnach eine dicke Mauer, ließ
sie aufbrechen und sah einen alten Mann in weißem Haar, der sagte: Ich bi
Joseph von Arimathaia, die Juden haben mich eingemauert, aber ich wurde bis
zu dieser Stunde mit himmlischer Speise ernährt und im göttlichen Licht
getröstet.
Legendär ist auch die Überlieferung, Karl „der Große” habei Josephs Leichnam aus Jerusalem nach Mittelmünster - das heutige Moyenmoutier - übertragen. Ein angeblicher Arm von Joseph wird im Petersdom in Rom gezeigt.
Ludwig II.' Gralsburg
Neuschwanstein
bei Füssen ![]()
Der Arthussage zufolge brachte Joseph von Arimathaia den Heiligen Gral - in der mittelalterlichen Literatur ein wundertätiger und heiliger Gegenstand, der Glückseligkeit verheißt - im Jahr 1247 nach England. Einer frühchristlichen Legende des Nikodemus-Evangeliums zufolge war der Gral jener Kelch, den Christus beim letzten Abendmahl benutzte und in dem dann Joseph das Blut des Gekreuzigten, das aus der Seitenwunde floss, auffing. Joseph wurde dann 40 Jahren im Kerker gefangen gehalten, anschliessend brachte er den Kelch über Rom nach England, um die Insel zu missionieren. Am Weihnachtstag soll er Glastonbury erreicht und den Gral im Boden vergraben haben. Aus dem Pilgerstab, den er in die Erde steckte, wurde ein Weißdornbusch, dessen Ableger heute noch zu Weihnachten blüht. Auch gründete er der Sage nach dort die erste Kirche in Britannien. Im 11. und 12. Jahrhundert enstand der Mythos der Tafelrunde mit König Arthus: die Ritter der Tafelrunde um König Artus suchten den Heiligen Gral.
Andere Legenden berichten von der Verwahrung des Heiligen Grals durch den
Diakon Laurentius. Wolfram von
Eschenbachs Parzival
vom Anfang des 13. Jahrhunderts berichtet die Sage.
Bayernkönig Ludwig II. ließ sich mit Schloss Neuschwanstein
bei Füssen das Modell einer Gralsburg bauen. Richard Wagner gab seinen Gralsträumen
in den Opern Parsifal
und Lohengrin
Ausdruck. Heute zeigen Filme wie
Indiana Jones
, aber auch solche über Artus und die Ritter der Tafelrunde
die ungebrochene Faszination der Gralsthematik; Dan Browns Buch Sakrileg
nimmt auch die Gralsthematik zum Anlass wilder Verschwörungstheorien.
Attribute:
mit Jesu Leichnam; mit Gralskelch
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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