Ökumenisches Heiligenlexikon

Joseph von Arimathaia

Gedenktag katholisch: 31. August
Gedenktag evangelisch: 31. Juli (LCMS)
Gedenktag orthodox: 31. Juli
     dritter Sonntag der Osterzeit (Sonntag der Myrrheträger)
Gedenktag armenisch: 25. Oktober
                                               9. April
     liturgische Feier am 6. Montag nach dem Kreuzerhöhungssonntag
     Übertragung der Reliquien von Ptolemais (= Akko) nach Jerusalem: 16. Oktober
Name bedeutet: Gott hat hinzugefügt (hebr.)
Wohltäter
† im 1. Jahrhundert
Kartenskizze

Unbekannter flämischer Meister: Joseph von Arimathaia (direkt über dem Kopf Christi) bei der Kreuzabnahme. Mittelteil eines Trptychons, Altar für Wilhelm Edelheere, 1443, in der Sint-Pieterskerk in Löwen

Unbekannter flämischer Meister: Joseph von Arimathäa (direkt über dem Kopf Christi) bei der Kreuzabnahme. Mittelteil eines Trptychons, Altar für Wilhelm Edelheere, 1443, in der Sint-Pieterskerk in Löwen   

Joseph aus Arimathaia - hebräisch Ramathaim, das heutige Rantis - war ein reicher Jude, wahr­scheinlich ein Mitglied des Synedriums, des jüdi­schen Gerichts in Jerusalem, der aber zum Jünger Jesu geworden war. Nach der Kreuzi­gung von Jesus Chris­tus bat er den römi­schen Statt­halter Pontius Pilatus um den Leich­nam, um ihn in sein ei­gentlich für sich selbst bestimmtes Felsengrab zu legen (Matthäus­evangelium 27, 57 - 61).

Joseph soll zusammen mit Nikodemus die Kirche in Lydda gegründet haben, nach anderen Legenden als Glaubensbote in Gallien und Britannien gewirkt haben. Die Legenda Aurea erzählt: Als die Juden hörten, dass Joseph Christus ins Grab gelegt habe, sperrten sie ihn in eine Kammer, versiegelten diese und wollten ihn nach dem Sabbat töten. In der Nacht der Auferstehung aber hob Christus das Haus an den vier Enden hoch, trocknete Josephs Tränen, küsste ihn und führte ihn heraus, ohne dass die Siegel zerbrachen. Bei der Zerstörung Jerusalems durch Titus sah dieser eine dicke Mauer und ließ sie aufbrechen; da sah man einen alten Mann in weißem Haar, der sagte: Ich bin Joseph von Arimathia, die Juden haben mich eingemauert, aber ich wurde bis zu dieser Stunde mit himmlischer Speise ernährt und im göttlichen Licht getröstet.

Ludwig II.' 'Gralsburg' Neuschwanstein

Ludwig II.' Gralsburg Neuschwanstein bei Hohenschwangau

Der Arthussage zufolge brachte Joseph von Arimathaia den Heiligen Gral - in der mittel­alterlichen Literatur ein wundertätiger und heiliger Gegenstand, der Glück­seligkeit verheißt - nach England. Einer frühchrist­lichen Legende des Niko­demus-Evange­liums zufol­ge war der Gral jener Kelch, den Christus beim letzten Abendmahl be­nutzte und in dem dann Joseph das Blut des Gekreuzigten, das aus der Seitenwunde floss, auf­fing. Joseph wurde dann 40 Jahren im Kerker gefangen gehalten, anschliessend brachte er den Kelch über Rom nach England, um die Insel zu missionieren. Am Weihnachtstag soll er das Glastonbury erreicht und den Gral im Boden vergraben haben. Aus dem Pilgerstab, den er in die Erde steckte, wurde ein Weißdornbusch, dessen Ableger heute noch zu Weihnachten blüht. Auch gründete er der Sage nach dort die erste Kirche in Britannien. Im 11. und 12. Jahrhundert enstand der Mythos der Tafelrunde mit König Arthus: die Ritter der Tafelrunde um König Artus suchten den Heiligen Gral.

Andere Legenden berichten von der Verwahrung des Heiligen Grals durch den Diakon Laurentius. Wolfram von Eschenbachs Parzival vom Anfang des 13. Jahrhunderts berichtet die Sage. Bayernkönig Ludwig II. ließ sich mit Schloss Neuschwanstein bei Hohenschwangau das Modell einer Gralsburg bauen. Richard Wagner gab seinen Gralsträumen in den Opern Parsifal und Lohengrin Ausdruck. Heute zeigen Filme wie Indiana Jones, aber auch solche über Artus und die Ritter der Tafelrunde die ungebrochene Faszination der Gralsthematik; Dan Browns Buch Sakrileg nimmt auch die Gralsthematik zum Anlass wilder Verschwörungstheorien.

Attribute: mit Jesu Leichnam; mit Gralskelch

Catholic Encyclopedia

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie



Digg it delicious Facebook Google Bookmark Mister Wong Myspace netvibes linkarena blinklist Yahoo Yigg StudiVZ Folkd Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live
W3C