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Unbekannter flämischer Meister: Joseph von Arimathäa (direkt über dem Kopf
Christi) bei der Kreuzabnahme. Mittelteil eines
Trptychons, Altar für Wilhelm Edelheere, 1443, in der Sint-Pieterskerk in Löwen
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Joseph aus Arimathaia - hebräisch Ramathaim, das heutige Rantis - war ein reicher Jude, wahrscheinlich ein Mitglied des Synedriums, des jüdischen Gerichts in Jerusalem, der aber zum Jünger Jesu geworden war. Nach der Kreuzigung von Jesus Christus bat er den römischen Statthalter Pontius Pilatus um den Leichnam, um ihn in sein eigentlich für sich selbst bestimmtes Felsengrab zu legen (Matthäusevangelium 27, 57 - 61).
Joseph soll zusammen mit Nikodemus
die Kirche in Lydda gegründet haben, nach anderen Legenden als Glaubensbote in
Gallien und Britannien gewirkt haben. Die Legenda
Aurea erzählt: Als die Juden hörten, dass Joseph Christus
ins Grab gelegt habe, sperrten sie ihn in eine Kammer, versiegelten diese und
wollten ihn nach dem Sabbat töten. In der Nacht der Auferstehung aber hob
Christus das Haus an den vier Enden hoch, trocknete Josephs Tränen, küsste ihn
und führte ihn heraus, ohne dass die Siegel zerbrachen. Bei der Zerstörung
Jerusalems durch Titus sah dieser eine dicke Mauer und ließ sie aufbrechen;
da sah man einen alten Mann in weißem Haar, der sagte: Ich bin Joseph von
Arimathia, die Juden haben mich eingemauert, aber ich wurde bis zu dieser Stunde
mit himmlischer Speise ernährt und im göttlichen Licht getröstet.
Ludwig II.' Gralsburg
Neuschwanstein bei Hohenschwangau
Der Arthussage zufolge brachte Joseph von Arimathaia den Heiligen Gral - in der mittelalterlichen Literatur ein wundertätiger und heiliger Gegenstand, der Glückseligkeit verheißt - nach England. Einer frühchristlichen Legende des Nikodemus-Evangeliums zufolge war der Gral jener Kelch, den Christus beim letzten Abendmahl benutzte und in dem dann Joseph das Blut des Gekreuzigten, das aus der Seitenwunde floss, auffing. Joseph wurde dann 40 Jahren im Kerker gefangen gehalten, anschliessend brachte er den Kelch über Rom nach England, um die Insel zu missionieren. Am Weihnachtstag soll er das Glastonbury erreicht und den Gral im Boden vergraben haben. Aus dem Pilgerstab, den er in die Erde steckte, wurde ein Weißdornbusch, dessen Ableger heute noch zu Weihnachten blüht. Auch gründete er der Sage nach dort die erste Kirche in Britannien. Im 11. und 12. Jahrhundert enstand der Mythos der Tafelrunde mit König Arthus: die Ritter der Tafelrunde um König Artus suchten den Heiligen Gral.
Andere Legenden berichten von der Verwahrung des Heiligen Grals durch den
Diakon Laurentius. Wolfram von
Eschenbachs Parzival
vom Anfang des 13. Jahrhunderts berichtet die Sage.
Bayernkönig Ludwig II. ließ sich mit Schloss Neuschwanstein bei Hohenschwangau
das Modell einer Gralsburg bauen. Richard Wagner gab seinen Gralsträumen in den Opern Parsifal
und Lohengrin
Ausdruck. Heute zeigen Filme wie Indiana Jones
, aber auch
solche über Artus und die Ritter der Tafelrunde die ungebrochene Faszination der
Gralsthematik; Dan Browns Buch Sakrileg
nimmt auch die Gralsthematik zum
Anlass wilder Verschwörungstheorien.
Attribute:
mit Jesu Leichnam; mit Gralskelch
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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