Weihnachten
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Gérard David (1460 - 1523), Kunsthistorisches Museum in Wien

Johannes Daniel Falk und Heinrich Holzschuher
Das Christfest ist das jüngste Christusfest
der Kirche, es wurde zunächst am 6. Januar gefeiert (=>
Epiphanias). Das Lukasevangelium erzählt, dass Maria
ihren ersten Sohn gebar und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine
Krippe, weil sie in der Herberge keinen Platz fanden
(2, 7).
Im Volksmund hat sich für dieses Fest der Name Weihnachten
durchgesetzt.
Die Herkunft des Begriffes ist umstritten; der früheste Beleg stammt aus dem
Jahr 1190 in einem Text des bayerischen Minnesänger Herger (Spervogel I):
Er ist gewaltic unde starc,
(Minnesangs Frühling VII. IV; 1.1-4).
der ze wîhen naht geborn wart.
daz ist der heilige Krist,
jâ lobt in allez, daz dir ist.
Das Grimm'sche Wörterbuch nennt aus der gleichen Zeit eine parallele
Formulierung: diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu
wîhe naht
, Die Gnade kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt sie nun
Weihnacht
. Die wîhen naht
wird dabei als Übertragung des lateinischen nox
sancta
, heilige, geweihte Nacht
, verstanden. In den romanischen Sprachen
entwickelte sich daraus natale
, navidad
oder noel
.
kolorierter Holzschnitt: Die Heilige
Familie, 15. Jahrhundert, Graphische Sammlung Albertina in Wien

Andere Quellen weisen darauf hin, dass der Begriff heidnischen Ursprungs ist:
Sebastian Franck schreibt in seiner Germaniae chronicon
1538: das dieser
heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von Petro,
sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht,
weinnacht etc.
* So begründet sich die These, dass das Wort
Bezug nimmt auf die Raunächte
, die 12
Nächte, die mit der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember beginnen und in denen
damals die germanischen Priester, die Druiden, Weihehandlungen vornahmen, um die
Menschen vor dem Zugriff der Finsternis, dem Lebensbereich der Dämonen, zu
schützen. Luther dachte an
wiegen
und sprach von Wygenachten
, da wir das kindlein wiegen
**.
Von Theodor Storm stammt dann das Verb: Es weihnachtet sehr
***.
Das Wort Weihnachten
soll heute christlich die durch die Geburt Jesu
geweihte Nacht bezeichnen.
Sicher auf vorchristliche Ursprünge zurück geht der heutige Termin des Festes.
Die Germanen feierten damals ihr Mittwinterfest oder Julfest, das zugleich ein
Toten- und Fruchtbarkeitsfest war. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an
diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den Ägyptern wurde
mit dem Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag gelegt. Die Römer begingen
an diesem Tag feierlich ihre Saturnalien
zu Ehren des Gottes Saturn, des
unbesiegbaren Sonnengottes - im julianischem Kalender fiel die Wintersonnenwende
auf den 25. Dezember. Kaiser Aurelian (270 - 275) hatte den 25. Dezember als
Geburtstag des Sol Invictus
, des Unbesiegten Sonnengott
feiern lassen. In
der Zeit der längsten Nächste des Jahres hatten die Menschen das Gefühl, den
dämonischen Mächten besonders ausgesetzt zu sein; deshalb wurde die Zeit nach
der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder länger werden, zur besonderen
Festzeit, in der der Sieg der Sonne des Lichtes über die Finsternis gefeiert
wurde. Die Christenheit, die Jesus
als das Licht der Welt
(Johannesevangelium 8, 12) verkündigt, hat so die
römische Tradition übernommen. Clemens
von Alexandria sagte von Christus, er sei die Sonne der Auferstehung
.
Reliquie der Krippe in der Kirche S.
Maria Maggiore in Rom ![]()
Schon Gegenpapst Hippolyt
versuchte ums Jahr 217, all diese Kulte damit zu beseitigen, dass er das Fest
der Geburt Christi auf den 25. Dezember verlegte. Durchsetzen konnte dies aber
erst Papst Liberius im Jahr 354: der
25. Dezember wird erstmals ausdrücklich vom Kalligraphen Furius Dionysius
Filocalus im Chronographus anni 354
genannt, einem Handbuch, in dem sich
Verzeichnisse der römischen Konsulen, Stadtpräfekten und Bischöfe, eine
Ostertafel, eine Weltchronik, eine Stadtchronik und Beschreibung der Stadt Rom,
ein Kalender und ein Verzeichnis der Gedächtnistage der römischen Bischöfe und
Märtyrer befindet, wobei Teile wohl der aus dem Jahre 334 stammenden Weltchronik
des Hippolyt entnommen sind.
Wandmalerei: Maria mit dem Jesukind
und == Bileam, der zu den Sternen deutet, 3. Jahrhundert, in den
Priscilla-Katakomben
in Rom. Dies ist die älteste Darstellung von Maria mit Kind ohne die
Heiligen drei Könige
. 
Von Rom
aus hat sich die Tradition schnell ausgebreitet: Bereits 360 wurde das Fest der
Geburt Jesu in Nordafrika, um
370 in Oberitalien, ab 375 im Orient, nach 380 in Spanien gefeiert. Zum Dogma
wurde der Termin als Geburtstag Christi im Jahr 381 auf dem 1.
Konzil von Konstantinopel erklärt. 562 wurde die Einweihung der Hagia Sophia
in Konstantinopel - dem heutigen Istanbul - in der Weihnachtsnacht gefeiert. Im
7./8. Jahrhundert setzte sich dieser Festtag auch in Deutschland durch, die
SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
von Mainz
erklärte 813 diesen Tag offiziell zum festum nativitas Christi
. Mit ihm begann
damals das Kalenderjahr; der 1. Januar wurde erst mit Einführung des
Gregorianischen Kalenders im 16.
Jahrhundert zum Jahresbeginn. Der 25. Dezember blieb der Tag der Feier der
Geburt Christi, obwohl seit Einführung des gregorianischen Kalenders die
Wintersonnwende am 21. Dezember ist.
Seit dem 4. Jahrhundert gab es in Katakomben Malereien mit dem Kind zwischen Ochs und Esel, teilweise auch mit Hirten. Erst später kamen Bilder, auf denen auch Maria und die Weisen zu sehen sind. Im 7. Jahrhundert wurde in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom eine Holzkrippe aufgestellt, in Italien waren Krippen um 1478 weit verbreitet, nach Deutschland kamen Krippen Mitte des 16. Jahrhundert durch den Jesuitenorden. 1537 sind Krippen zum Weihnachtsfest nachgewiesen in Brügge in Belgien, 1562 in Böhmen, 1595 in Japan, 1599 in Ostindien, 1601 in Altötting, 1607 in München.
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Der Dresdener Kreuzchor singt Stille Nacht
in der Dresdener Frauenkirche
Die Sitte, grüne Tannenzweige ins Haus zu stellen, tauchte erstmals 1494 in
Sebastian Brants Narrenschiff
auf. Aus dem Jahr 1535 ist überliefert, dass in
Straßburg
kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft wurden, die in
den Stuben aufgehängt wurden; 1605 soll es einen mit Äpfeln geschmückten, aber
noch kerzenlosen Weihnachtsbaum in Straßburg gegeben haben. 1597 schmückte die
Handwerkerzunft von Bremen
erstmals einen Christbaum zur Weihnachtszeit. 1611 soll in Schlesien der erste
kerzengeschmückte Tannenbaum im Schloss der Herzogin Dorothea Sybille von
Schlesien gestanden haben. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Sitte, einen
Tannenbaum aufzustellen; so berichtete Lieselotte von der Pfalz 1708 von einem
Buchsbäumchen mit Kerzen. Goethe lernte den Weihnachtsbaum 1770 in Straßburg
kennen, in Berlin
soll der erste Weihnachtsbaum um 1780 aufgetaucht sein. Für das Jahr 1813 werden
erste Weihnachtsbaüme aus Wien
gemeldet, 1815 aus Danzig. Schnell breitete sich der Brauch weltweit aus, man
schmückte die Bäume mit Papierrosen, Oblaten, Dörrobst, Äpfeln, Zuckerstücken
usw., erst später auch mit Kerzen. Nach Amerika kam der Weihnachtsbaum durch die
deutschen Auswanderer, 1891 wurde erstmals ein Lichterbaum vor dem Weißen Haus
in Washington aufgestellt.
kolorierter Holzschnitt: Christkind mit Neujahrswünschen, aus der Gegend um Köln
/ Trier,
um 1465, in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München

Bereits um 1450 beschenkte man Kinder in Konstanz
am Weihnachtstag, die Bescherung war aber eigentlich mit dem Tag des Nikolaus
verbunden. Die Bauern bezogen Tiere und Bäume in das Brauchtum mit ein, sie
erhielten Äpfel, Nüsse, Brot als Leckerbissen. Lebkuchen
haben ihren Namen aus
dem Althochdeutschen, leb
bedeutet Heil-, Arzneimittel; die Klöster hatten
früher Gärten mit Heilkräutern, das daraus bereitete Gebäck aus besonders
wohlschmeckenden Heilkräutern und -säften wurde am Christfest von den Klöstern
als Lebkuchen
verteilt. Pfeffernüsse
wurden mit dem früher sehr teuren
orientalischen Gewürz gebacken, man konnte sie sich nur zu einem besonderen Fest
leisten.
Die Reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest früher als Brauchtum
,
das nichts mit Christus zu tun
hat, ab. Lutherische Christen bestehen auf dem Namen Christfest
, weil die
Bezeichnung Weihnachten undeutlich ist. Die östlichen Kirchen stellten seit
jeher die Theophanie, die Erscheinung
Gottes, am 6. Januar in den Mittelpunkt; dieser Gedenktag ist Älter als das
Weihnachtsfest. Gregor
von Nazianz unterschied in den Jahren 380 und 381 erstmals Epiphanias
als Fest der Taufe Jesu von Weihnachten mit dem Schwerpunkt der Geburt.
Antiochien übernahm kurze Zeit später das Weihnachtsfest, wie ein Predigt von
Johannes Chrysostomos
aus dem Jahre 386 belegt. Die Jerusalemer
Kirche lehnte das Weihnachtsfest bis ins 6. Jahrhundert ab, die Armenische
Kirche hat es bis heute nicht übernommen und hält am 6. Januar fest. Die
Orthodoxen Kirchen mit
gregorianischem
Kalender feiern Weihnachten am 25. Dezember; auch die Orthodoxen mit
julianischem Kalender feiern an
ihrem 25. Dezember, dem 7. Januar gregorianischer Rechnung. Am Sonntag nach
Weihnachten feiert die katholische Kirche das Fest
der Heiligen Familie.
Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen Teilablass, der an einer öffentlich abgehaltenen Gebetsnovene zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn teilnimmt.
Im orthodoxen Griechenland wird am 24. Dezember mit dem Singen der Kalanda die Weihnachtszeit eingeläutet. Kinder ziehen von Haus zu Haus, singen und überbringen Segenswünsche. Am Abend des 24. Dezember entzündet man ein zwölf Tage brennendes Weihnachtsfeuer, das die Kalikantzeri fernhalten - die verfressene Kobolde, die in der Weihnachtszeit von den Düften der Festtagsvorbereitungen unter der Erde hervorgelockt werden und dann ihr Unwesen treiben. Am 25. Dezember feiern die Griechen nach dem Kirchgang im Kreis ihrer Familie. Als traditionelles Weihnachtsgebäck gibt es Kourambiedes, Butterplätzchen mit Mandeln und viel Puderzucker, und Melomakarona, ein Gebäck mit Honigsirup. Während der Weihnachtszeit wird auch das Christopsomo (Weihnachtsbrot) gebacken und vor die Ikonen des Hauses gelegt. Am Abend des 25. Dezember kommt dasnn das größte und beste Holzscheit in den Kamin, um das Jesuskind zu wärmen.
Bauernregeln:
Wenn's Christkindlein Regen weint, / vier Wochen keine Sonne scheint.
Ist gelind' der Heilig' Christ, / der Winter d'rüber wütend ist.
Ist die Weihnacht hell und klar, / hofft man auf ein fruchtbar Jahr.
Wenn's Weihnachten flockt auf allen Wegen, / das bringt den Feldern Segen.
Weihnachten klar, / gutes Weinjahr.
Hängt zu Weihnacht Eis an den Weiden, / kannst du zu Ostern
Palmen schlagen.
Weihnachten im Schnee, / Ostern im
Klee.
Grüne Weihnacht, weiße Ostern.
Steckt die Krähe zu Weihnacht im Klee, / sitzt sie zu Ostern
oft im Schnee.
Ist es Grün zur Weihnachtszeit, fällt der Schnee auf Ostereier.
Je dicker das Eis um Weihnacht
liegt, / je zeitiger der Bauer Frühling kriegt.
Bringt das Christkind Kält und Schnee, / drängt das Winterkorn in die Höh'.
Kommt weiße Weihnacht, wird der Winter lang und hart.
Ist's windig in den Weihnachtstagen, / sollen viel Obst die Bäume tragen.
Viel Wind in den Weihnachtstagen, / reichlich Obst die Bäume tragen.
Auf windige Weihnachten folgt ein glückliches Jahr.
Wenn's ums Christfest feucht und nass, / so gibt's leere Speicher und
Fass.
Vor Weihnacht viel Wasser,
/ nach Johanni kein Brot.
* Sebastian Franck: Germaniae chronicon. von des gantzen Teutschlands aller teutschen völcker herkommen, namen, Augsburg 1538
** Martin Luther: Werke. Kritische Gesammtausgabe. Weimar 1883 ff, Bd. 2, 531 und Bd. 37, 48
*** Theodor Storm: Gesammelte Schriften. Braunschweig 1868 - 1882, Bd. 1 S. 187
Die Weihnachtsvision
der Birgitta von Schweden
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