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Ökumenisches Heiligenlexikon

Dietrich Bonhoeffer

Gedenktag evangelisch: 9. April

Gedenktag anglikanisch: 9. April

Name bedeutet: der im Volk Mächtige (althochdt.)

Theologe, Märtyrer
* 4. Februar 1906 in Breslau, heute Wrocław in Polen
† 9. April 1945 in Flossenbürg in Bayern


Dietrich Bonhoeffer wuchs in Breslau, dann in Berlin auf als sechstes von acht Kindern des Arztes und Professors für Psychiatrie und Neurologie Karl Bonhoeffer und seiner Frau Paula geb. von Hase. 1923 begann er in Tübingen mit dem Studium der Theologie und schloss sich der akademischen Verbindung Igel an; das Studium setzte er in Rom und Berlin fort und schloss es mit der Doktorarbeit Sanctorum Communio, Gemeinschaft der Heiligen, 1927 ab. Es folgte ein Vikariat in Barcelona während des Jahres 1928, dann ab 1929 die Assistentenzeit in Berlin. 1930 legte Bonhoeffer sein zweites theologisches Examen ab, wenige Tage später folgte die Habilitation mit der Schrift Akt und Sein, anschließend ein einjähriger Studienaufenthalt am Union Theological Seminar in New York.

Studienhaus der akademischen Verbindung „Igel” in Tübingen
Studienhaus der akademischen Verbindung Igel in Tübingen

Von August 1931 bis Sommer 1933 lehrte er als Privatdozent an der Berliner Universität. In jener Zeit habe er die Bergpredigt (Matthäusevangelium 5 - 7) mit ihrer klaren Verpflichtung zu Frieden und Gerechtigkeit entdeckt wie nie zuvor. Seine internationalen Kontakte führten 1931 zu seiner Teilnahme an der Konferenz des Weltbundes christlicher Studenten in Cambridge, wo er zum Jugendsekretär gewählt wurde. Neben der Lehrtätigkeit an der Universität erteilte er Konfirmanden-Unterricht in der Berliner Zionsgemeinde am Prenzlauer Berg; 1932 erwarb er eine Baracke, um für seine Studenten wie für die Konfirmanden Wochenendfreizeiten durchzuführen. 1933 nahm er wieder an verschiedenen internationalen kirchlichen Konferenzen teil. Wichtigste literarische Hinterlassenschaft aus dieser Zeit ist die von ihm selbst veröffentlichte Vorlesung über 1. Mose 1 - 3 unter dem Titel Schöpfung und Fall.

Bonhoeffer in einem (Brief an Renate und Eberhard Bethge aus dem Gefängnis Berlin-Tegel an Heiligabend 1943

Zunächst: es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch garnicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie garnicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt, und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft miteinander – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren. Ferner: Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht mehr wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Im Februar 1933, wenige Tage nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, hielt Bonhoeffer im Radio einen Vortrag über den Führer-Begriff, der von der Sendeleitung abgebrochen wurde. Im Sommer 1933 gab er seine Lehrtätigkeit auf, um sich ganz der Arbeit als Pfarrer in einer Gemeinde zu widmen. Im August gab er ein Flugblatt heraus, das sich kritisch mit dem Arierparagraphen in der Kirche beschäftigte, und im September war er wesentlich an der Gründung des Pfarrernotbundes beteiligt, der in den folgenden Monaten mehr als 7000 Pfarrer als Gegenbewegung gegen die Deutschen Christen und die Einführung des Arierparagraphen in der Kirche sammelte. Von Oktober 1933 bis April 1935 war er in der deutschen Gemeinde in London tätig; von hier aus pflegte er ökumenische Kontakte und informierte über die Vorgänge in Deutschland nach der Machtübernahme der Nazis. Besondere Aufmerksamkeit erregte er 1934 als Teilnehmer an der ökumenischen Konferenz in Fanø mit seiner Rede Kirche und Völkerwelt. 1935 kehrte er auf Bitten der Bekennenden Kirche nach Deutschland zurück und übernahm die Leitung des Predigerseminars der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg in Finkenwalde - dem heutigen Stadtteil Zdroje in Stettin/Szczecin. Gemeinsames Leben und spirituelle Erfahrungen in einer tragenden Gemeinschaft waren ihm für die Ausbildung der späteren Pfarrer entscheidend wichtig.

Bonhoeffer setzte sich nachdrücklich für die Geltung der Barmer Erklärung und der daraus resultierenden Einrichtung neuer kirchenleitender Gremien ein. Gleichzeitig bemühte er sich um Anerkennung der Bekennenden Kirche durch die Ökumene, d. h. die Kirchen im Ausland, und den gleichzeitigen Abbruch von deren Beziehungen zu der von den Nazis gelenkten Reichskirche; dies hatte aber nur teilweise Erfolg. Die Bekennende Kirche beauftragte Bonhoeffer 1935 mit der Einrichtung eines Bruderhauses für die Pfarrer und Mitstreiter. 1936 hielt er sein letztes Kolleg an der Berliner Fakultät zur Auslegung der Bergpredigt mit dem Titel Nachfolge - 1937 als Buch erschienen, im August desselben Jahres wurde ihm die Lehrbefugnis entzogen. Auch das Predigerseminar musste schließen, es wurde illegal in Hinterpommern weitergeführt.

Im Vorwort der Nachfolge unternimmt Bonhoeffer den Versuch einer Zeitansage: Es scheint heute so schwer zu sein, den schmalen Weg der kirchlichen Entscheidung in aller Gewissheit zu gehen und doch in der ganzen Weite der Christusliebe zu allen Menschen, der Geduld, der Barmherzigkeit, Liebe Gottes mit den Schwachen und Gottlosen zu bleiben; und doch muss beides beieinander sein, sonst gehen wir Menschenwege. Gott schenke uns in allem Ernst des Nachfolgens die Freude, in allem Nein zur Sünde das ja zum Sünder, in aller Abwehr der Feinde das überwindende und gewinnende Wort des Evangeliums. Der Maßstab für die Kirche war ihm die Nachfolge als gelebtes Zeugnis in der Welt und für die Welt: Rechtes geheiligtes Leben in der Gemeinde Gottes unterscheidet sich von jeder frommen Nachäffung dadurch, dass es den Menschen zugleich zu Zeugnis an die Welt führt. Das bedeutet, dass Kirche nur dann Kirche ist, wenn sie für andere da ist.

Im Februar 1938 konnte Bonhoeffer zum letzten Mal an einer ökumenischen Konferenz - in London - teilnehmen, im September wurde sein Predigerseminar von der Geheimen Staatspolizei geschlossen, im November wurden 27 ehemalige Seminaristen in Haft genommen. Anfang 1938 wurde Bonhoeffer aus Berlin ausgewiesen, er knüpfte erste Kontakte zu den Widerständlern Sack, Oster, Canaris und Beck. Bonhoeffers Schwester und ihre Familie emigrierten nach England, er selbst beteiligte sich während der Sudetenkrise an Umsturzplänen. Die wichtigsten Schriften aus dieser Zeit sind neben einer Reihe von brisanten, stark in das kirchliche Geschehen eingreifenden Vorträgen und Aufsätzen die erwähnte Nachfolge und die Schrift Gemeinsames Leben vom September 1938.

Während einer Amerikareise im Frühsommer 1939 lehnte Bonhoeffer es ab, dort zu bleiben, und kehrte nach Berlin zurück, 1940 wurde ein Rede- und Schreibverbot verhängt. Er schloss sich dem Widerstandskreis um seinen Schwager Hans von Dohnany an, beteiligte sich aktiv und wurde Verbindungsmann der militärischen Abwehr unter Admiral Canaris. Sein spezieller Auftrag war, über seine ökumenischen Verbindungen die Westmächte über Fortgang, Pläne und Möglichkeiten der Widerstandsbewegung zu informieren, sie vom Friedenswillen einer neuen Regierung nach Hitlers Sturz zu überzeugen und sie für diesen Fall zu akzeptablen Waffenstillstandsbedingungen geneigt zu machen. Zu diesem Zweck unternahm er Reisen ins neutrale Ausland, die spektakulärste war das Treffen mit Bischof Bell von Chichester Mitte 1942 in Schweden. In engem Zusammenhang mit dieser Tätigkeit stand die Arbeit an der Schrift Ethik, in der er Grundlagen christlichen Handelns von den Erfahrungen jener Jahre her formulierte. Daneben war er, solange Reise- und Aufenthaltsverbote ihn nicht daran hinderten, als Visitator der Bekennenden Kirche und als theologischer Gutachter für aktuelle Fragen tätig. Im Januar 1943 verlobte sich Bonhoeffer, im April wurde er verhaftet und ins Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel eingeliefert.

Bonhoeffer im Gefängnis
Bonhoeffer im Gefängnis

Dort entstand Bonhoeffers bekanntestes Buch Widerstand und Ergebung, das Briefe aus der Haft enthält und die große, getroste Kraft des ungebrochenen Gefangenen deutlich macht. Ein Fluchtversuch scheiterte 1944, nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 sank auch Bonhoeffers Hoffnung auf eine Wende. Im September bewies ein Aktenfund seine Teilnahme am Widerstand, im Oktober 1944 wurde er in den Gestapo-Bunker in der Albrechstraße in Berlin verlegt, im Februar 1945 ins KZ Buchenwald bei Weimar, von dort aus wegen der herannanhenden Befreiung durch die Amerikaner am 8. April ins KZ Flossenbürg. Hitler persönlich erließ am 5. April 1945 den Befehl zu seiner Ermordung, am 9. April wurde er zusammen mit anderen Widerstandskämpfern im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Im Jahr 2000 veröffentlichte die katholische Kirche ein Märtyrerverzeichnis für den deutschen Sprachraum, in dem auch Bonhoeffer als Nichtkatholik in ökumenischen Gruppen verzeichnet ist.

Dietrich Bonhoeffer: Von guten Mächten

Literatur von und über Dietrich Bonhoeffer

Die Homepage internationale bonhoeffer gesellschaft e.V. - Sektion Deutschland bietet auf ihrer Homepage eine Kurzbiografie, den jeweils neuesten Rundbrief und interessante links.

In der Reihe der EKD-Texte wurden mit dem Titel Vorbild im Glauben Texte und Predigten anlässlich des 100. Geburtstages von Dietrich Bonhoeffer veröffentlicht, die als PDF-Datei online verfügbar sind.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Otto Dudzus: Einführung. In: Bonhoeffer-Auswahl, Bd. 1, Chr. Kaiser Verlag München 1980
• http://uploader.wuerzburg.de/emk-wue/text/dauer/Nachfolge01_Vorwort.htm
• Evang. Gemeindeblatt für Württemberg 5/2006