Hans Baldung Grien: Kopf des Johannes, 1516, in der National Gallery of Art in
Washington

Johannes war nach der Erzählung im Lukasevangelium (1, 5 -25) der Sohn der Elisabeth und des Zacharias; er wurde der Überlieferung nach ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Der schon alte Priester Zacharias, dessen Ehe lange kinderlos war, opferte im Tempel und erhielt durch den Erzengel Gabriel die Verheißung, dass ihm ein Sohn geboren werde. Zacharias zweifelte, bat um ein Zeichen und wurde vom Engel mit Stummheit geschlagen. Die dann tatsächlich in hohem Alter schwanger gewordene Elisabeth wurde in der Schwangerschaft von Maria besucht, die bei ihr blieb bis zur Geburt des Johannes. Elisabeth, nach der Geburt über die Namensgebung befragt, wusste aus ihrer Eingebung, dass der Knabe entgegen der Familientradition Johannes heißen sollte; gleichzeitig schrieb Zacharias den Namen auf eine Wachstafel, erhielt nun seine Sprache zurück (Lukasevangelium 1, 39 - 66) und brach in den im Lukasevangelium überlieferten Lobgesang aus (1, 67 - 79).
Leonardo da Vinci: Johannes, 1513 - 16, Musée du Louvre in Paris

Johannes ging als Erwachsener dann zunächst in die Wüste (Lukasevangelium 1,
80) * und trat dann erstmals um das Jahr 28 öffentlich als
Bußprediger auf (Lukasevangelium 3, 1); darüber berichtet auch der römische
Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Er lebte als Asket in der Wüste, trug
ein Gewand aus Kamelhaaren und einen lederenen Gürtel um seine Höften, und er
aß Heuschrecken und wilden Honig
(Markusevangelium 1, 6), was an Elija
erinnert. Er verkündete am Jordan
das Kommen des von den Juden ersehnten Messias, vollzog zur Vorbereitung
hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden
Weltgericht und versammelte eine Schar von Anhängern um sich. Dabei wurde
er vom Fürsten Herodes bespitzelt, vorbeugend von Soldaten umgeben und von
den PharisäernDie Pharisäer (hebr. für „die Abgesonderten”) waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung.
Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt.
Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren.
Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen.
zur Rede gestellt, ob er der Messias sei (Lukasevangelium 3, 1 - 20).
Die christliche Kirche sieht in Johannes den letzten großen Propheten der biblischen
Tradition und Vorläufer
von Jesus.
Dabei haben die Evangelien auf die Botschaft des Propheten Maleachi
Bezug genommen, wonach Gott einen Boten
schicken wird, der den Weg
freiräumen
soll mit seiner Gerichtsbotschaft, die zur Läuterung dient (3,
1 - 4).
Johannes taufte Jesus im
Jordan,
wahrscheinlich an der heute Qasr
el Jahud genannten Stelle bei Bethanien - dem heutigen al-Eizariya
auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres (Johannesevangelium 1, 28).
** Schon Johannes erkannte die besondere Stellung Jesu
(Matthäusevangelium 3, 14), bei der Taufe wurde dann die besondere Sendung
Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal öffentlich offenbar, als eine
Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich
Wohlgefallen.
(Lukasevangelium 3, 22)
Dietrich Bouts, der Jüngere: Johannes in der Landschaft, um 1470, Alte
Pinakothek in München

Von König Herodes Antipas wurde Johannes dann gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch äußern durfte, Johannes' Haupt zu fordern. Er wurde enthauptet, Salome brachte ihrer Mutter den Kopf auf einer Schale (Markusevangelium 6, 14 - 29). Auch Flavius Josephus berichtete von Johannes' Tötung durch Herodes Antipas auf der Bergfeste Machärus im Rahmen seiner Darstellung des Niedergangs des Herrschers. ***
Nach syrischen Legenden begruben Andreas und Johannes den Leichnam in Samaria - dem heutigen Shomron /as-Samarah -, dieses Grab wurde von Hieronymus bestätigt. Im 4. Jahrhundert wurde dort eine Kirche errichtet, deren Reste 1931 ausgegraben wurden. Die Städte Konstantinopel - das heutige Ístanbul -, Damaskus und Emesa - das heutige Hims in Syrien - behaupteten, das Haupt des Johannes zu besitzen; Überlieferungen berichten die Verbrennung der Gebeine durch die Ungläubigen in Sebaste - dem heutigen Sivas in der Türkei -, wobei aber einige Reliquien gerettet werden konnten. Reliquien werden auch im Kloster Abu Makar in Ägypten verwahrt.
In Ein
Kerem, das Johannes' Geburtsort gewesen sei, steht am angeblichen Platz
seiner Geburt die Kirche des Heiligen Johannes
und am Ort der vorherigen
Begegnung mit seiner Mutter
die Kirche der Heimsuchung
. Qumran
am Toten Meer, berühmt durch die dort aufgefundenen Schriftrollen, das Kloster
der jüdischen Sekte der Essener, war der Ort, von dem aus Johannes wohl sein
Wirken begann. Unweit, wenige Kilometer nördlich vom Zufluss des Jordans ins
Tote Meer wird an der Qasr
el Jahud genannten Stelle der Ort gezeigt, an der Johannes gepredigt und getauft habe und wo demnach
auch die Taufe Jesu erfolgte.
In der Legenda Aurea wird
Johannes auch als Engel bezeichnet, nach Maleachi 3, 1: Siehe, ich sende meinen
Boten, und er wird den Weg freiräumen vor mir.
In der östlichen Tradition
wird Johannes deshalb meist mit großen Flügeln dargestellt. Als Mittler im
Jüngsten Gericht ist sein Platz traditionell zur Linken Christi.
Erstes Zeugnis einer Verehrung Johannes ist eine ägyptische Handschrift aus der Mitte des 4. Jahrhunderts, wo Johannes in Zusammenhang mit Epiphanias genannt ist - bis heute wird v.a. im Osten der Taufe Christi im Zusammenhang mit der Epiphanie gedacht. Gregor von Tours erwähnte für Gallien ein Johannes-Fest nach Epiphanias.
Das Datum seines Gedenktages wurde entsprechend der Angaben des
Lukasevangeliums (1, 26. 38) im Westen vom liturgischen Datum der
Geburt Jesu
her errechnet: drei Monate nach Mariä
Verkündigung und sechs Monate vor Weihnachten. So ergab sich das (antike) Datum
der Sommersonnenwende, der 24. Juni als längster Tag des Jahres und altes keltisches
Sonnenwendfest - Tag des Sieges der Sonne und des Lichtes über Dunkelheit und Tod;
dies war begründet auch in Johnnes' Hinweis auf Jesus:
Jener muss größer werden, ich aber geringer.
(Johannesevangelium 3, 30)
Der Termin ist erstmals in einem afrikanischen Schriftstück Ende des 4.
Jahrhunderts, dann durch Augustinus
für Afrika bezeugt und mit der Sonnwende in Verbindung gebracht. Gregor
von Tours kannte für Gallien einen Tauftermin an einem Fest zum Gedenken
an Johannes' Leiden, wobei der 24. Juni oder der 29. August gemeint sein
können.
Im Mittelalter wurden die Johannes-Feste als Sommerweihnachten
begangen mit einer Mitternachtsmesse und der Gestaltung einer Vorbereitungszeit
entsprechend der Adventszeit. Damals
wurde auch in manchen Gegenden im Westen noch das Fest seiner Empfängnis
am 24. September begangen, das heute am 23. September nur noch in den Ostkirchen
gefeiert wird; im Westen wurde es nach dem Konzil
von Trient endgültig abgeschafft. Auch der Gedenktag
der Enthauptung am 29. August hat im Osten seinen Ursprung, wurde im
7. Jahrhundert in Gallien eingeführt und dann für Rom
übernommen. Die Ostkirchen feiern außerdem verschieden Gedenktage zu Ehren
von Reliquien.
Il Perugino (Pietro Vanucci): Taufe Christi, 1610,
in der Kathedrale
in Città della Pieve ![]()
Neben Jesus und Maria ist Johannes der einzige, dessen Geburtstag gefeiert wird, woran seine besondere heilsgeschichtliche Bedeutung deutlich wird. Der Hymnus des Studengebets in der katholischen Liturgie geht wohl auf Paulus den Diakon zurück. Im Hochgebet I führt Johannes nach Maria die Liste der Heiligen an. Besonders in der Adventszeit spielt Johannes als Vorbereiter Christi eine große Rolle.
Seit dem 4. Jahrhundert wurden viele Kirchen Johannes geweiht, insbesondere Taufkirchen und -kapellen, allen voran die Basilika S. Giovanni in Laterano am damaligen Sitz des Papstes.
Das Brauchtum am Johannestag ist weniger aus seiner Person als aus dem
Datum geboren: Johannes- oder Sonnwendfeuer werden weithin an diesem Tag abgebrannt;
oft auch mit Tanz um das Johannisfeuer. Das vor allem auf Bergen stattfindende
Feuer ist ein altes Symbol für die Sonne und damit für Christus.
Seit dem 10. Jahrhundert war es üblich, dazu geweihten Wein zu trinken. Dem
Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer böse Dämonen und Hagelschäden
abwehren. Das Johannisfeuer findet man fast über ganz Europa; die südlichste
Sonnenwendfeier mit Johannisfeuer war lange Zeit in Alicante,
heute ist sie in Torrevieja
in Spanien. Mancherorts werden Brunnen und Quellen besonders geschmückt. Ein
Feuersegen
findet sich im deutschen Benediktionale der katholischen Kirche.
Dem Johanniskraut, das um diese Jahreszeit blüht, schrieb man Abwehreigenschaften
gegen Geister und Teufel zu. Die Johannisbeere hat ihren Namen, weil sie um
diesen Tag ihre Reife erreicht; auch die Schwärme der Johanniskäfer
,
der Glühwürmchen, entfalten ihre Leuchtkraft in der Zeit um die Johannisnacht.
Traditionell werden auch Rhabarber und Spargel bis zu diesem Tag geerntet.
Daneben wird in der katholischen Kirche
• am 24. Februar bzw. 11. März der Tag der Auffindung seines Kopfes,
• am 29. August der Gedenktag
der Enthauptung begangen.
• am 24. September wurde bis zum Konzil
von Trient der Gedenktag der Empfängnis durch Elisabeth
gefeiert;
• in Amiens
wird auch der 17. Dezember als Tag der Ankunft seines Gesichtes gefeiert.
In der Orthodoxen Kirche wird
• am 7. Januar der Gedenktag
der Übertragung der Hand des Johannes nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul
-,
• ebenfalls am 24. Februar der Gedenktag der ersten Auffindung seines Kopfes im 4.
Jahrhundert und der zweiten Auffindung des Kopfes im Jahr 452,
• am 25. Mai der Gedenktag der dritten Auffindung seines Kopfes um das Jahr 850,
• am 29. August der Gedenktag
der Enthauptung und
• am 23. September das Fest seiner Empfängnis durch Elisabeth
begangen.
In der Armenischen
Kirche sind
• 11. August - eingeführt durch Gregor
den Erleuchter und 29. Oktober weitere Gedenktage; außerdem wird
• am 7. Januar Johannes als Zeuge der Epiphanie gefeiert,
• am 24. Februar der Auffindung seines Kopfes gedacht; die liturgische Feier
dieses Tages ist am 3. Donnerstag nach dem Assumptionssonntag
• am 24. Juni der Geburtstag bei den Franken - d.h. den lateinischen Christen - und bei den
Griechen - d.h. den orthodoxen Christen - mitbedacht,
• am 29. August der Gedenktag
der Enthauptung begangen,
• am 23. September und am 10. Oktober die Empfängnis durch Elisabeth
gefeiert und
• am 16. Oktober der Übertragung der Reliquien
von Cäsarea
nach Armenien gedacht; die liturgische Feier dieses Tages ist am 2. Donnerstag nach
Pfingsten.
Attribute:
Fellgewand, Spruchband Ecce Agnus Dei
, Lamm, Kreuzstab, Taufschale,
Kopf auf Teller
Patron
von Jordanien, Malta, Burgund,
und der Provence,
von Florenz,
Amiens
und Québec;
der Schneider, Weber, Gerber, Kürschner, Färber, Sattler, Gastwirte, Winzer,
Fassbinder, Zimmerleute, Architekten, Maurer, Steinmetze, Restauratoren,
Schornsteinfeger, Schmiede, Hirten, Bauern, Sänger, Tänzer, Musiker,
Kinoinhaber; der Lämmer, Schafe und Haustiere; der Weinstöcke; gegen
Alkoholismus, Kopfschmerzen, Schwindel, Angstzustände, Fallsucht,
Epilepsie, Krämpfe, Heiserkeit, Kinderkrankheiten, Tanzwut, Furcht
und Hagel; des Bistums Gurk-Klagenfurt
Ruinen der Kreuzfahrerkirche in Samaria - dem heutigen Shomron / as-Samarah
- aus dem 12. Jahrhundert und Grabkapelle des Johannes, hinten das Minarett der
Johannesmoschee aus dem ehemaligen Chor der Kirche. Von der byzantinischen
Grabkirche für Johannes aus dem 4. Jahrhundert sind nur noch wenige Steine an
der (auf dem Bild nicht sichtbaren) Nordmauer erhalten. 
Bauernregeln:
Vor dem Johannistag / man Gerst und Hafer nicht loben mag.
Vor Johanni bitt' um Regen, / hernach kommt er ungelegen.
Bis zu Johanni kann's mal regnen, / danach kommt er ungelegen.
Regnet's am Johannistag, / regnet es noch vierzehn Tag.
Regen am Johannistag, / nasse Ernt' man erwarten mag.
Sankt Johannis Regengüsse, / verderben uns die besten Nüsse.
Johanni trocken und warm, / macht den Bauern nicht arm.
Wie's Wetter am Johanni war, / so bleibt's wohl 40 Tage gar.
Wenn die Johanniswürmer glänzen, / darfst Du richten Deine Sensen.
Glüh'n Johanniswürmchen helle, / schöner Juni ist zur Stelle.
Der Kuckuck kündet teure Zeit, / wenn er nach Johanni schreit.
Vor dem Johannistag, / keine Gerste man loben mag.
An Sankt Johanni Abend, leg die Zwiebel in ihr kühles Beet.
Am Sankt Johannistag hat der Teufel keine Macht.
* Die These, Johannes habe sich dabei in Qumran bei den Essenern aufgehalten, hat einen Anhaltspunkt beim Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der über entsprechende Praktiken dort berichtet, lässt sich aber nicht beweisen.
** Als Ort der Taufen nennt das Johannesevangelium
(3, 23) auch Änon
bei Salim. Das Lukasevangelium (3, 3) berichtet, dass Johannes durch die ganze
Gegend am Jordan
zog, was die doppelte Angabe bei Johannes erklären kann.
*** Während nach den Evangelien Johannes' Hinrichtung
jedenfalls vor Jesu' Kreuzigung, also wohl vor 30,
sicher vor 34 stattfand, weist die Schilderung des Josephus im Rahmen der Niederlage
des Herodes gegen Aretas IV. eher ins Jahr 36. Dann hätten die Evangelien den
Gedanken, Johannes als Vorläfer
Christi auch im Tod zu schildern, vor
die historische Genauigkeit gesetzt.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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