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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johanniterorden


Der Johanniterorden - vollständig Ordo militiae S. Johannis Baptistae hospitalis Hierosolimitani - entwickelte sich aus einem vor Beginn des ersten Kreuzzugs in Jerusalem erbauten Hospital, dem sich Kreuzfahrer zugesellten, um Verwundete und Pilger zu pflegen. So entstand kurz vor der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099 die Bruderschaft vom Hl. Johannes dem Täufer, deren erster Vorsteher der normannische Frater == Gérard war, weshalb die Johanniter eine Zeit lang auch Hospitalier oder Hospitalsritter hießen. 1113 verlieh Papst Paschalis II. der Gründung des Lateinischen Königreiches von Jerusalem, die der Ordensentstehung vorausging, Privilegien. Aus der Bruderschaft wurde ein Orden, dem der zweite Ordensobere, Raymund de Puy, eine Regel mit augustinischen und benediktinischen Elementen gab; diese Regel wurden 1137 von Papst Benedikt IX. bestätigt, ihre Endfassung 1153 von Papst Eugen III. approbiert. Es gab Priester und Ritterbrüder - 1144 ist der erste Ritterbruder bezeugt -, daneben Halb- und Laienbrüder sowie einige Frauen. 1154 anerkannte Papst Anastasius IV. den Orden.

Die Brüder gelobten Armut, Gehorsam und Keuschheit, sie schworen, Jerusalem gegen die Muslime zu verteidigen und gaben das Versprechen ab, für Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum, Schutz des Glaubens und Unterstützung der Bedürftigen, einzustehen. Christi Feinde zu dämpfen, zu lindern Krankheit und Not - das ist der Johanniter uralt Aufgebot. Herbergen mit Krankenstationen entstanden dann entlang der Pilgerwege und Kreuzfahrerrouten von Europa zum Heiligen Land. Gérard, das erste Oberhaupt, erhielt den Titel eines Rektors, die späteren Führer nannte man Großmeister. Um 1180 wurden die ersten Ordensritter, die aus adligem Geschlecht stammten, bewaffnet. Neben die caritativen Aufgaben traten militärische, es kam zu einer Symbiose von Kutte und Rüstung, von Mönchtum und Rittertum. 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem, die Johanniter zogen sich nach Akko sowie auf die Kreuzfahrerburgen Krak des Chevaliers und Margat in Syrien zurück.

Nach der Schlacht von Akko war 1291 auch die letzte Kreuzfahrerbastion gefallen, die Johanniter verließen das Heilige Land und erobert nach einem Zwischenaufenthalt auf Zypern 1309 die zu Byzanz gehörende Insel Rhodos. Dort errichtete der Orden sein Hauptquartier, schuf einen souveränen Territorialstaat mit dem Großmeister als Oberhaupt. Eine vorbildliche medizinische Versorgung wurde eingerichtet, eine gewaltige Festung und eine mächtige Flotte aufgebaut, die Johanniter wachten mit ihren Schiffen darüber, dass Muslime nicht in den östlichen Mittelmeerraum vordrangen. 1312 gingen auch die Besitztümer der Templer auf die Johanniter über, die nun zumeist unter der Bezeichnung Rhodiner auftraten und nationale Unterabteilungen, so genannte Zungen bildeten.

René Berthon: Der 44. Großmeister des Ordens, Philippe de Villiers de l'Isle-Adam, übernimmt 1530 die Insel Malta, um 1800, im Musée National in Versailles

René Berthon: Der 44. Großmeister des Ordens, Philippe de Villiers de l'Isle-Adam, übernimmt 1530 die Insel Malta, um 1800, im Musée National in Versailles

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Als der osmanische Herrscher Süleiman I. der Prächtige 1522 die Insel Rhodos eroberte, waren die Ritter heimatlos, bis Kaiser Karl V. sie 1530 mit der Insel Malta belehnte. Nun nannten sich diese Ordensmitglieder Malteserritter. Der katholische Malteserorden verlor 1815 im Wiener Kongress allen Besitz. 1834 wurde seine Zentrale nach Rom verlegt, wo der Großmeister des souveränen Johanniterordens bis heute seinen Sitz hat, wobei erst Papst Leo XIII. 1879 die Großmeisterwürde wieder herstellte.

Seit 1153 waren auch in Deutschland die ersten Kommenden des Johanniterordens entstanden; es folgten ab 1192 Spitäler, u. a. in Freiburg im Breisgau, wo sich 1248 auch das spätere Großpriorat Deutschland etablierte, bis es 1428 ins benachbarte Heitersheim verlagert wurde. Durch Errichtung von Kommenden und Hospitälern an den großen Handelsstraßen und Übernahme militärischer Dienst erwarb der Orden große wirtschaftliche Bedeutung und politischen Einfluss.

ehemaliges Großpriorat in Heitersheim, seit 1272 Johanniterkloster, 1805 säkularisiert, seit 1893 Kloster der Vinzentinerinnen, heute mit Altenheim und Fachschulen

ehemaliges Großpriorat in Heitersheim, seit 1272 Johanniterkloster, 1805 säkularisiert, seit 1893 Kloster der Vinzentinerinnen, heute mit Altenheim und Fachschulen

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Ab 1318 entstand die Balley Brandenburg mit dem späteren Sitz in Sonnenburg bei Eberswalde. Sowohl des Großpriorat Deutschland als auch die Balley Brandenburg konnten ihren Besitz durch Einrichtungen des 1312 aufgelösten Templerordens entscheidend vermehren. Durch den im Jahr 1382 im Kloster Heimbach bei Zeiskam in der Pfalz geschlossenen Vergleich erhielt die Balley innerhalb des Großpriorates weitgehende Autonomie. Um 1540 folgte die Balley dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg und trat zur Lehre Martin Luthers über. Der Orden konnte so seine Eigenständigkeit und seinen Einfluss in den protestantischen Gebieten steigern, der brandenburgische Kurfürst wurde zum Herrenmeister, während der katholische Orden Besitz und Einfluss verlor. Trotz dieses Übertritts gehörte die Balley aber weiterhin zum Großpriorat und damit zum Gesamtorden. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde 1805 das katholische Großpriorat und 1810 durch das preußische Säkularisationsedikt auch die evangelische Balley aufgehoben.

Doch 1852 kam es zur Wiedererrichtung der Balley durch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und acht rechtmäßige Ordensritter, die noch vor der Aufhebung vom damaligen Herrenmeister den Ritterschlag erhalten hatten. Hintergrund war der von Johann Hinrich Wichern und vielen anderen entdeckte diakonische Auftrag der Kirche. 1854 bestätigt der Statthalter des Gesamtordens in Rom die Wiedererrichtung der Balley Brandenburg des Ordens des Hl. Johannes zu Jerusalem und die Wahl des neuen, des 32. Herrenmeisters Prinz Friedrich Karl Alexander von Preußen. Damit wurden für die beiden konfessionsverschiedenen Ordenszweige Ursprung und Auftrag als gemeinsame Klammer erneut deutlich.

Unter Hinweis auf das Ordensvorbild Johannes will der Johanniterorden Jesus Christus den Weg bereiten und zur Buße im Denken und alltäglichen Verhalten anleiten. Das weiße Kreuz im Ordenswappen kennzeichnet das Licht Christi, die vier Kreuzesbalken verweisen auf die Kardinaltugenden Tapferkeit, Gerechtigkeit, Weisheit und Maßhalten; die achte Spitzen des Kreuzes verweisen auf die acht Zungen oder Nationen, denen die Ordensmitglieder ursprünglich angehörten. In der 1964 neu gefassten Ordensregel wird auf die Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt verwiesen; die geistliche Ritterschaft nach Epheserbrief 6, 16f soll durch die alten Traditionen des Ordens und im Geist der Reformation geübt werden. 1961 schloss sich der Johanniterorden mit den Ordenszweigen in den Niederlanden, Schweden und Großbritannien zu einer internationalen Allianz zusammen.

2005 hatte der Orden rund 3600 Mitglieder, die in 18 deutschen und 5 europäischen Kommenden organisiert sind; er ist Mitglied des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in deutschland. Herrenmeister ist seit 2007 Prinz Oskar von Preußen. Der Orden betrieb 1999 16 Krankenhäuser, 36 Senioreneinrichtungen, zehn Tageskliniken und 5 Wohnheime. Außerdem gibt es in Frankreich, Finnland, Österreich, der Schweiz und Ungarn fünf nichtdeutsche Genossenschaften mit je einem regierenden Kommendator an der Spitze. Zum Johanniterordem gehören noch drei selbständige Werke, die von ihm zur Erfüllung besonderer diakonischer und medizinischer Maßnahmen gegründet wurden: die Johanniter-Hilfsgemeinschaft mit 4000 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, die Johanniter-Schwesternschaft mit 550 Krankenschwestern, wovon noch 300 im aktiven Dienst stehen, und die Johanniter-Unfallhilfe mit 1,3 Millionen Mitgliedern, 18.000 ehrenamtlichen und 8600 hauptamtlichen Mitarbeitern im Sanitätsdienst, der stationären und ambulanten Altenbetreuung und der Hospizarbeit sowie in 150 Kindertagesstätten.

Die Homepage der Johanniter bietet in deutscher und englischer Sprache ausführliche Informationen über die Geschichte, die Struktur und Organisation des Ordens heute, auch mit links zu regionalen Gruppen, sowie eingehende Informationen zu den heutigen Aufgaben und Tätigkeitsfeldern.

Im Malteserschloss in Heitersheim gint es ein Museum zur Ordensgeschichte der Johanniter und Malteser; es ist zwischen April und Oktober sonn- und feiertags von 11 Uhr bis 18 Uhr, mittwochs von 13 Uhr bis 18 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei. (2014)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.10.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:

• Walter Fleischmann-Bisten: Der evangelische Johanniterorden. In: Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim 3/2007
• Bernhard Maurer: Kampf und Liebe. In: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 25/1999
• Broschüre Aus Anlaß des 900jährigen Ordensjubiläums, hg. von der Baden-Württembergischen Kommende des Johanniterordens e.V., Stuttgart 1999