Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes
orthodoxer Beiname: der Theologe

Gedenktag katholisch: 27. Dezember
     Fest
     bedacht im Eucharistischen Hochgebet I,
     im Ambrosianischen Hochgebet I
     und im spanisch-mozarabischen Hochgebet
     in Russland: 8. Mai
Gedenktag evangelisch: 27. Dezember
Gedenktag anglikanisch: 27. Dezember
Gedenktag orthodox: 8. Mai
     Synaxe (Versammlung) in Diakonissa: 15. Februar
     Übertragung der Gebeine und Kleider: 20. Juni
     Niederlegung der Gebeine: 26. September
Gedenktag armenisch: 9. April
                                               7. Juli, 20. Oktober
                                               25. Dezember, 29. Dezember
     Todestag: 26. September
     Tag, an dem sein Grab Manna hervorbrachte: 8. Mai
Gedenktag koptisch: 11. Mai
                                           30. Dezember
     liturgische Feier am 5. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag
     Weihe der Kirche in Rom und
       Überführung seiner Gebeine dorthin: 15. Januar
Gedenktag malabrisch: 27. Dezember
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Apostel, Evangelist
* in Betsaida, heute El Aradsch bei Mahjar in Syrien
† um 101 (?) in Ephesus, heute Ruinen bei Selçuk in der Türkei (?)


Kartenskizze

Kartenskizze

Kartenskizze


Kartenskizze

Johannes war der Sohn des Zebedäus und der Salome, Bruder von Jakobus dem älteren, von Beruf Fischer mit einem energischen, ja aufbrausenden Charakter, der ihm den Beinamen Donnersohn einbrachte (Markus­evangelium 3, 17). Vor seiner Berufung zum Apostel war er Anhänger Johannes des Täufers und wurde dann Jesu Lieblingsjünger (Johannes­evangelium 19, 26).

Die Überlieferung setzt den Jünger Johannes gleich mit dem Evangelisten Johannes, der wohl in Ephesus - den heutigen Ruinen bei Selçuk - wirkte, wo im Kreise seiner Schüler das Johannes­evangelium und die drei Johannesbriefe entstanden. Die Forschung kann Johannes, den Verfasser des Evangeliums und Johannes, den Verfasser der Apokalypse, nicht als den Jünger, den der Herr liebhatte anerkennen und unterscheidet auch den Autor der Apokalypse von dem, der sich selbst als Verfasser des Evangeliums nennt (Johannes­evangelium 21, 24).

Ausführlich erzählt die Legenda Aurea von Johannes' Wirksamkeit in Kleinasien, wo er im Artemis-Tempel in Ephesus - den heutigen Ruinen bei Selçuk - nicht opfern wollte. Aristodemus, der Oberpriester des Tempels, wollte nach Unruhen - die Goldschmiede fürchteten Verluste beim Verkauf ihrer Diana-Amulette - Johannes veranlassen, doch zu opfern, andernfalls müsse er das Gift zu trinken, an dem zwei Verbrecher vor seinen Augen schon gestorben waren. Johannes schlug das Kreuz über dem Kelch, das Gift entwich als Schlange, er trank ohne zu sterben, warf seinen Mantel auf die Verbrecher und diese erwachten zum Leben, worauf Aristodemus sich bekehrte.

Holzschnitt von Albrecht Dürer: Johannes in den Wolken, umgeben von 24 Ältesten, 1497 - 98, Staatliche Kunsthalle in Karlsruhe

Holzschnitt von Albrecht Dürer: Johannes in den Wolken, umgeben von 24 Ältesten, 1497 - 98, Staatliche Kunsthalle in Karlsruhe   

Johannes wurde dann nach den legendarischen Berichten im Jahr 95 - es war die Zeit der Domitianischen Verfolgung - doch noch ergriffen und nach Rom gebracht. An der Porta Latina soll er das Martyrium im Ölkessel erlitten haben, aber das Öl verwandelte sich in ein erfrischendes Bad, er entstieg unversehrt und wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er demnach das Buch der Offenbarung schrieb. Nach dem Tod Domitians konnte er nach Ephesus - den heutigen Ruinen bei Selçuk - zurückkehren, wo er mit großen Ehren empfangen wurde und sein Evangelium schrieb. Er erweckte die ihm entgegen getragene, soeben verstorbenen == Drusiana. Nach seiner letzten Predigt unter dem Motto Kindlein, liebet euch untereinander stieg Johannes vor aller Augen in das neben dem Altar vorbereitete Grab und starb in großer Lichterscheinung; noch aus dem Grab segnete er seine Diakone.

Hieronymus Bosch (um 1450 - 1516): Johannes auf Patmos, Gemäldegalerie in Berlin

Hieronymus Bosch (um 1450 - 1516): Johannes auf Patmos, Gemäldegalerie in Berlin   

Wegen seiner hohen Theologie, wird er mit einem Adler dargestellt. Die Schlange im Kelch deutet auf den Versuch, Johannes zu vergiften. Als Begräbnisort wird der Burghügel von Ephesus - den heutigen Ruinen bei Selçuk - genannt. Auf der Insel Patmos wird die Apokalypse-Grotte am Hügel zwischen dem Johannes-Kloster und dem Ort Patmos gezeigt, wo er angeblich das letzte Buch des Neuen Testaments verfasste. Das große nach ihm benannte Kloster wurde 1088 gegründet, die meisten Teile stammen jedoch aus dem 17. Jahrhundert. Es birgt Reliquien, seltene Handschriften, Kirchenschätze und Ikonen von unschätzbarem Wert.

Am Johannestag wird der nach ihm benannte Wein, die Johannesminne, geweiht; ihn reicht der Priester der Gemeinde, die mit ihm die Liebe Johannes' kosten darf und damit vor Krankheiten und Gefahren geschützt wird.

Attribute: Adler, Kelch mit Schlange, Ölkessel
Patron der Bildhauer, Maler, Buchdrucker, Papierfabrikanten, Papiermacher, Buchbinder, Buchhändler, Schriftsteller, Schreiber, Beamten, Notare, Theologen, Winzer, Metzger, Sattler, Glaser, Spiegelmacher, Graveure, Kerzenzieher und Korbmacher; der Freundschaft; bei Brandwunden; für gute Ernte; gegen Hagel, Vergiftungen, Brandwunden, Fußleiden und Epilepsie
Bauernregel: Hat der Evangelist Johannes Eis, / dann macht es auch der Täufer heiß.

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Evangelium
Catholic Encyclopedia: Briefe

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon

Veit Stoss (um 1445 - 1533): Johannes, Statue auf dem Hochaltar der Marienkirche in Krakau

Veit Stoß (um 1445 - 1533): Statue auf dem Hochaltar der Marienkirche in Krakau   





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.bauernregeln.net/dezember.html



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