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Ökumenisches Heiligenlexikon

Karwoche - Karfreitag

katholisch:
für die ganze Woche: Fest I. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die I. Klasse einem Hochfest.

Gedenktag koptisch für Karfreitag: 23. März
feststehendes Datum

Mit der Karwoche geht Passionszeit zu Ende. Die Karwoche beginnt nach dem Palmsonntag, schließt Gründonnerstag und Karfreitag ein und endet mit dem Karsamstag.

Abendmahl, Kreuzestod und Auferstehung Jesu gehören eng zusammen. Daher feierte man bis zum 4. Jahrhundert in der Osternacht alle drei Ereignisse in der Osternacht, der Nacht zum Ostersonntag, an einem einzigen Tag.; heute feiert man drei Tage von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn ab Gründonnerstag. Augustinus sprach im 5. Jahrhundert vom heiligen Triduum des gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Christus. In der evangelischen Kirche werden in der Karwoche traditionell tägliche Andachten - Passionsandachten - abgehalten.

Juan de Juanes: Abendmahl, 60er-Jahre des 16. Jahrhunderts, Museo del Prado in Madrid
Juan de Juanes: Abendmahl, 60er-Jahre des 16. Jahrhunderts, Museo del Prado in Madrid

Der Gründonnerstag erinnert an das Passahmahl, das Jesus als Abschieds- und Hoffnungsmahl vor seiner Gefangennahme mit seinen Jüngern gefeiert hat (Markusevangelium 14, 22 - 25). Der Name Grün-Donnerstag kann von gronan, weinen (greinen) abgeleitet werden. Damit waren wohl die Tränen der Büßer gemeint, die in der alten Kirche an diesem Tag nach beendeter Buße wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden.

Am Morgen des Gründonnerstags - oder am Tag davor - wird in katholischen Bischofskirchen vom Bischof zusammen mit dem DiözesanklerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. die Chrisammesse, die missa chrismatis zelebriert. In dieser Feier wird für die ganze Diözese das Heilige Chrisam, das bei Tauf- und Firmsalbungen, sowie bei Katechumenen- und Krankensalbungen verwendet wird, für das kommende Jahr geweiht.

Im Gottesdienst am Gründonnerstag wird das Abendmahl gefeiert. Erinnert wird auch an die Geschichte, wie Jesus seinen Jüngern die Füße wusch (Johannesevangelium 13, 1 - 20) und so seine Dienstbarkeit deutlich machte: Jesus hat sich erniedrigt - Füße waschen war Sklavenarbeit - so groß war seine Liebe zu den Menschen, deshalb sollen die Christen ihm in solcher Nächstenliebe nachfolgen. Fußwaschungen sind 694 in Spanien belegt, im 12. Jahrhundert sind sie in der Gründonnerstagmesse in Rom bekannt.

In der katholischen Kirche wird am Ende der Messe am Gründonnertag der Tabernakel geleert und das Allerheiligste - die Elemente zur EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.feier - an einen anderen Ort getragen. Auch der Altar wird abgeräumt, der Tabernakel bleibt nun offen und leer, der Altar schmucklos. Der schmucklose Altar weist darauf hin, dass die kommenden zwei Tage der Trauer und der Besinnung gewidmet sind. Auch Orgel, Altarschellen und Kirchenglocken schweigen nun bis zum Gloria in der Osternacht. Die Volksüberlieferung sagt, die Glocken würden in dieser Zeit nach Rom fliegen, um geweiht zu werden, und erst am Karsamstag zurückkehren. In den Anbetungsstunden - auch als Ölbergstunden bezeichnet - bis Mitternacht zum Karfreitag soll Jesus begleitet werden im Gebet zum Ölberg, wo er in größter Not und Bedrängnis seinen Vater um Hilfe anflehte.

Die katholische Kirche gewährt vollkommenen Ablass für das andächtige Beten des Tantum ergo, der beiden letzten Strophen des Hymnus Pange lingua von Thomas von Aquin (GL 541). Die Koptische Kirche feiert den Gründonnerstag als kleineres Fest, die Syrisch-Orthodoxe Kirche als kleines Herrenfest.

Am Gründonnerstag wurde gepflanzt und ausgesät, was grünen sollte. Die aan diesem Tag gesäten Krauter und Pflanzen gelten als widerstandfähig; die Heilkräuter, die an diesem Tag gesetzt oder gesät werden, sollen eine starke Heilkraft haben. In vielen Regionen fanden und finden Umzüge mit Ratschen und Klappern statt, deren Lärm die in der Karwoche schweigenden - nach Rom geflogenen - Kirchenglocken ersetzt, aber wohl auch Dämonen und böse Geister vertreiben sollte. Der Gründonnerstag war früher Zahltag für Zinsen und Schulden; die Gläubiger beglichen ihre Schulden oft mit Hasen und Eiern. In Palma di Mallorca finden auf der Plaça Major in Verges die Passionsspiele statt: Männer tanzen als Skelette verkleidet, dann bewegt sich der Totentanz als Prozession durch die Gassen. In Schweden ziehen Mädchen und Jungen mit Kopftüchern und mit langen Röcken als Påskäring, Osterweiber, verkleidet von Haus zu Haus, hinterlassen Osterbriefe und erhoffen sich Süßigkeiten oder Geld.

Andrea del Castagno: Jesus am Kreuz, um 1450, National Gallery in London
Andrea del Castagno: Jesus am Kreuz, um 1450, National Gallery in London

Der Karfreitag steht im Zeichen des Leidens, er vergegenwärtigt den Kreuzestod Jesu. Im Namen steckt das althochdeutsche kara, chara, Trauer, Wehklage. An diesem wie auch am folgenden Tag findet in katholischen Kirchen keine Messe statt, stattdessen kommen - traditionell um 15 Uhr, zur Todesstunde Christi, die Gläubigen zusammen, um in einem einfachen Wortgottesdienst des Leidens und Sterbens Jesu zu gedenken.

In Österreich hat sich das Brauchtum des Heiligen Grabes etabliert. Dabei wird der tote Jesus im Anschluss an die Karfreitagsliturgie in einer feierlichen Prozession in sein Grab gelegt. In Italien gibt es vielen Orten eine Prozession, bei der das Kirchenkreuz durch die Straßen getragen wird. Die dunkel gekleideten Teilnehmer schreiten langsam durch die Gassen, die Straßenlaternen sind ausgeschaltet, überall brennen Kerzen. Menschen und Kirchenglocken schweigen. In Irland wird bei vielen Menschen bis zum Mittag nichts gegessen; traditionell geht man an diesem Tag nur barfuß auf die Straße, es wird kein Tier geschlachtet, kein Holz verbrannt oder verarbeitet, kein Nagel eingeschlagen.

Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen vollkommenen Ablass, der die Karfreitags-Liturgie andächtig mitfeiert und dabei an der feierlichen Kreuzverehrung teilnimmt.

Albrecht Altdorfer: Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, 1515 - 1516, Gemäldegalerie in Kassel
Albrecht Altdorfer: Christus am Kreuz mit Maria (links) und Johannes, 1515 - 1516, Gemäldegalerie in Kassel

Die Kreuzwegandacht wird - v. a. in katholischen Kirchen - in der ganzen 40-tägigen Passionszeit abgehalten, besonders feierlich am Karfreitag. In Jerusalem feierte man schon im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche, indem man den Weg Jesu nachging. Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten sind seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Noch 1590 gab es dabei zwölf Stationen, 1625 fügte der spanische Franziskaner Antonio Daza zwei weitere hinzu, so dass heute die nachfolgenden 14 Stationen üblich sind. Von Beginn des 18. Jahrhunderts an wurden Kirchenwände mit Kreuzwegbildern behängt, auf heiligen Stätten entstanden Wallfahrtskirchen und Wallfahrtswege. Die Anleitung zum Beten des Kreuzweges, welche bis heute katholische Norm ist, erstellte Mitte des 18. Jahrhunderts der Franziskaner Leonhard von Porto Maurizio.

Lukas Cranach der Ältere: Jesus am Kreuz, 1500 - 1503, Kunsthistorisches Museum in Wien
Lukas Cranach der Ältere: Jesus am Kreuz, 1500 - 1503, Kunsthistorisches Museum in Wien

 1. Jesus wird zum Tode verurteilt
 2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
 3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
 4. Jesus begegnet seiner schmerzensreichen Mutter Maria
 5. Simon von Cyrene wird gezwungen, Jesus das Kreuz tragen zu helfen
 6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
 7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
 8. Jesus redet zu den weinenden Frauen
 9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
10. Jesus wird seiner Kleider beraubt
11. Jesus wird ans Kreuz genagelt
12. Jesus stirbt am Kreuz
13. Jesus liegt in den Armen seiner Mutter Maria
14. Jesus wird begraben


Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen vollkommenen Ablass, der die Kreuzwegandacht verrichtet. Für die Gewinnung des vollkommenen Ablasses gilt:
1. Die Andacht muss an den dafür vorgesehenen Kreuzwegstationen verrichtet werden.
2. Zur Errichtung eines Kreuzweges sind 14 Kreuze erforderlich, denen meist Tafeln oder Bilder beigefügt werden, welche die Leidensstationen von Jerusalem darstellen.
3. Üblicherweise gehört zum Kreuzweg die Lesung von 14 Schriftstellen, auf welche jeweils Gebete folgen. Zum geistlich fruchtbaren Vollzug der Kreuzwegandacht genügt aber auch die Betrachtung des Leidens und Sterbens des Herrn, ohne dass jeweils ausdrücklich die einzelnen Stationsgeheimnisse berücksichtigt werden.
4. Zur Verrichtung der Kreuzwegandacht gehört das Gehen von der einen zur nächsten Station. Wenn beim gemeinsamen (öffentlichen) Vollzug nicht alle Teilnehmer ohne Schwierigkeiten mitgehen können, genügt es, wenn der Vorbeter sich zu den einzelnen Stationen begibt und die übrigen an ihren Plätzen bleiben.
5. Gläubigen, denen der Mitvollzug der Kreuzwegandacht aus einsichtigem Grund nicht möglich ist, können denselben Ablass gewinnen, wenn sie in geistlicher Lesung und Betrachtung des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus wenigstens eine gewisse Zeit (Viertelstunde) verharren.
6. Der Kreuzwegandacht können - im Hinblick auf die Ablassgewährung - auch andere von der kirchlichen Autorität approbierte fromme Übungen entsprechen, die dem Gedächtnis des Leidens und Sterbens unseres Herrn dienen und gleichfalls in 14 Stationen aufgebaut sind.
7. Für die Orientalen, die diese Übung der Kreuzwegandacht nicht kennen, können die Patriarchen zur Gewinnung dieses Ablasses eine andere Frömmigkeitsform zum Gedächtnis an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus bestimmen.

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe Jesu, der letzte Tag der 40-tägigen Fastenzeit und der Tag der Vorbereitung auf den Feiertag der Auferstehung Christi. Am Abend werden Altäre und Kreuze in den katholischen Kirchen von den Fastentüchern befreit, besonders die Kinder freuen sich auf den nächsten Tag, den Ostersonntag.

Bauernregeln: Am Gründonnerstag und Karfreitag Regen, / gibt selten Erntesegen.
Wenn ein Karfreitag Regen war, / folgt trocknes, aber fruchtbares Jahr.
Karfreitag Sonnenschein / bringt uns reiche Ernte ein.
Wenn es an Karfreitag regnet, gibt es den ganzen Sommer über große Trockenheit.
Wie der Wind ist am Karfreitag, wird er sein das ganze Jahr.
Wenn's dem Herrn ins Grab regnet, so gibt's einen trockenen Sommer.
Die Eier, welche die Hühner am Karfreitag legen, sind die stärksten.
Kälber, am Karfreitag geworfen, gedeihen nicht.

Der Münchner Bildhauer Klaus Backmund hat den Leidensweg Christi in der Kirche St. Albertus Magnus in Ottobrunn auf 14 Bronzetafeln dargestellt. Abbildungen und Erläuterungen zu den Stationen finden Sie auf der Homepage der Kirchengemeinde.



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 01.12.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:

• http://www.bauernregeln.net/feiertage.html
• Handbuch der Ablässe, Normen und Bewilligungen. Deutsche Ausgabe des Enchiridion Indulgentiarum, Rosenkranz-Verlag, München 1971
• http://www.theology.de/kirche/kirchenjahr/osterbraeucheeuropaweltweit.php