Ökumenisches Heiligenlexikon

Pfingsten

Gedenktag koptisch: 13. Mai
Gothische Miniatur aus dem Ingeborg Psalter: Christus sendet den Geist in Form einer Taube aus über Maria und die zwölf Apostel, vor 1210, Musée Condé in Chantilly

Gothische Miniatur aus dem Ingeborg Psalter: Christus sendet den Geist in Form einer Taube aus über Maria und die zwölf Apostel, vor 1210, Musée Condé in Chantilly   

Das Pfingstfest ist 50 Tage nach dem Osterfest. Diese Zeitspanne wurde aus der jüdischen Tradition übernommen, das Fest war dort zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel (2. Mose 23, 16); später als Wochenfest bezeichnet (2. Mose 34, 22): immer stärker trat als Inhalt das Danksagen für die Gesetzgebung am Sinai (2. Mose 19 - 24) in den Mittelpunkt. Das Passahfest war in der Erinnerung an den Auszug aus Ägypten die Feier der Unabhänigkeit des Volkes Israel, das Wochenfest wurde immer mehr das Dankfest für die Verkündung der Thora, der Verfassung des Volkes vor Gott. Wohl erst im Jahrhundert vor Christi Geburt wurde es 50 Tage (daher der Name: griechisch Pentekoste, der 50. Tag) nach dem Passah-Fest angeordnet.

Pfingsten in der Kirche ist das Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam, als diese in Jerusalem versammelt waren (Apostel­geschichte 2). Lukas gebrauchte die Erzählelemente der Ereignisse am Sinai für seine Schilderung des Geschehens am Pfingsttage und wollte so deutlich machen: was am Sinai für das jüdische Volk geschah, das wiederholte sich Pfingsten für alle Völker: eine neue Gesetzgebung, das Gesetz der Liebe für das neue Israel, die Kirche. Auch die Sprachverwirrung, die beim Turmbau zu Babel erfolgt war (1. Mose 11, 1 - 9), wurde nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden, Verständigung wurde neu möglich unter Menschen und zwischen Mensch und Gott (Apostel­geschichte 2, 6).

Heftige theologische Auseinander­setzun­gen gab es zwischen der Kirche im Westen und den orthodoxen Kirchen um die Frage, ob der Pfingstgeist nur von Gott, dem Vater, oder auch von seinem Sohn - Filioque - ausgeht; bis heute unterscheiden sich die Auffassungen; im Westen wird die Ausgießung des Heiligen Geistes auch als Werk Christi verstanden und gilt Pfingsten deshalb auch als Herrenfest. Pfingsten bildet im Kirchenjahr den Abschluss des Osterfestkreises.

Die orthodoxe Kirche feiert am Pfingstsonntag die Dreifaltigkeit, ledig­lich der Pfingstmontag ist mehr dem Heiligen Geist gewidmet. Die Koptische Kirche feiert neben dem vom Ostertermin abhängigen Pfingst­fest die Herabkunft des Heiligen Geistes jedes Jahr auch am 13. Mai.

Im 6. Jahrhundert wurde eine Taube zum Symbol des Heiligen Geistes und damit auch für Pfingsten. Im Mittelalter wurde der Heilige Geist auch in menschlicher Gestalt dargestellt, Papst Urban VIII. untersagte im 17. Jahr­hundert solche Darstellungen.

Von den alten Pfingstbräuchen haben sich lediglich noch Flur-Umritte und Wettersegen erhalten, gelegentlich werden Pfingstfeuer entzündet. In Vergessenheit geraten ist der mittelalterliche Brauch des Heiligen Geist Schwingens: dabei wurde eine hölzerene Taube durch eine Öffnung der Kirchendecke herabgelassen und in Schwingung versetzt. Verbreitet war auch das Freilassen lebendiger Tauben, die während des Pfingst­gottesdienstes den Kirchenraum durchflogen.

Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen Teilablass, der an einer öffentlich abgehaltenen Gebetsnovene zur Vorbereitung auf das Pfingstfest teilnimmt. Dem, der den Hymnus Veni, Creator Spiritus andächtig betet, wird ebenfalls Teilablass gewährt; wird dieser Hymnaus an Pfingsten oder am Neujahrstag öffentlich (gemeinsam) gebetet, wird ein vollkommener Ablass gewährt.

Veni, Creator Spiritus,
mentes tuorum visita,
imple superna gratia,
quae tu creasti, pectora.

Qui diceris Paraclitus,
altissimi donum Dei,
fons vivus, ignis, caritas
et spiritalis unctio.

Tu, septiformis munere,
dig[i]tus paternae dexterae,  
Tu rite promissum Patris,
sermone ditans guttura.

Accende lumen sensibus;
infund[e] amorem cordibus;
infirma nostri corporis
virtute firmans perpeti.

Hostem repellas longius,
pacemque dones protinus:
ductore sic te praevio
vitemus omne noxium.

Per Te sciamus da Patrem,
noscamus atque Filium;
Tequ[e] utriusque Spiritum
credamus omni tempore.

Deo Patri sit gloria
et Filio, qu[i] a mortuis
surrexit, ac Paraclito
in saeculorum saecula.
Komm, Schöpfer Geist,
die Gesinnungen der Deinen besuche;
erfülle mit oberer Gnade
die Herzen, die Du geschaffen hast!

Der Du der Beistand genannt wirst,
des höchsten Gottes Geschenk,
lebendige Quelle, Feuer, Liebe
und geistliche Salbung.

Du Siebengestaltiger im Amt,
Finger der väterlichen Rechten,
Du nach heiligem Brauch Versprochenes des Vaters,
mit Rede bereichernd die Kehlen.

Zünd' an das Licht den Sinnen,
gieß' ein die Liebe den Herzen,
das Schwache unseres Leibes
stärkend durch ununterbrochene Tugend!

Mögest den Feind weiter zurückstoßen
und den Frieden sofort schenken!
Mit Dir so als vorausgehendem Lotsen
mögen wir alles Schädliche meiden!

Gib, dass wir durch Dich den Vater verstehen
und auch den Sohn erkennen
und an Dich, beider Geist,
zu jeder Zeit glauben!

Gott, dem Vater, sei Ehre
und dem Sohn, der von den Toten
auferstanden ist, und auch dem Beistand
in die Zeitalter der Zeitalter!

Übersetzt von Martin Bachmaier. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsthymnus

Die Woche nach der Pfingstwoche beginnt mit dem Festtag Trinitatis.

Bauernregeln: Wenn es zu Pfingsten regnet, regnet es sieben Sonntage hintereinander.
Nasse Pfingsten, fette Weihnachten.
Pfingstregen / gibt Weinsegen.
Reife Erdbeeren um Pfingsten bringen ein gutes Weinjahr.
Zu Pfingsten / gilt das Korn am mindsten.





Quellen:

• http://www.bauernregeln.net/feiertage.html
• Handbuch der Ablässe, Normen und Bewilligungen. Deutsche Ausgabe des Enchiridion Indulgentiarum, Rosenkranz-Verlag, München 1971



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