Sound: Melodie zu Macht hoch die Tür
, aus Halle,
1704
Die Adventszeit lässt sich in ihren Anfängen bis ins 5. Jahrhundert und ins Gebiet um Ravenna in Italien zurück verfolgen. Damals wurde der Sonntag vor dem Fest der Geburt Christi der Vorbereitung hierauf gewidmet. In Rom gab es eine Adventsliturgie erstmals im 6. Jahrhundert. Papst Gregor der Große setzte dann erstmals die Zahl der vier Adventsonntage fest. Diese Praxis hat sich aber nicht überall verbreitet, in Mailand feiert man heute noch eine Adventszeit von sechs Wochen. Auch im mozarabischen Kalender in Spanien umfasst die Adventszeit sechs Sonntage, ebenso in der Syrisch-Orthodoxen und anderen Orientalischen Kirchen. In der Orthodoxen Kirche und in der Syrisch-Orthodoxen Kirche beginnt die Fastenzeit zur Vorbereitung auf Weihnachten am 15. November, also knapp sechs Wochen vorher.
Im 13. Jahrhundert war es v. a. der Franziskanerorden, der die römische Praxis verbreitete. Papst Pius V. schrieb dann um 1570 die römische Adventsliturgie endgültig für die gesamte katholische Kirche - ausgenommen Mailand - fest.
Der 1. Adventssonntag ist der viertletzte Sonntag vor dem 25. Dezember, die Adventszeit endet am Weihnachtstag. Von Anfang an hatte die Adventszeit den Charakter einer Buß- und Fastenzeit als Vorbereitung auf das Christfest. Traditionell durfte in der Adventsszeit nicht getanzt und nicht geheiratet werden. Als Beginn des Kirchenjahres wird der 1. Sonntag im Advent seit Mitte des 8. Jahrhunderts gefeiert.
Die vier Adventssonntage haben jeweils ihr Thema und liturgisches
Gepräge:
• Der 1. Adventsonntag thematisiert das Kommen des Herrn
und im Horizont vom Anfang der Geschichte bis zu ihrer Vollendung durch Christus;
in der evangelischen Kirche erinnert er besonders an den Einzug Jesu
in Jerusalem
(Matthäusevangelium 21, 1 - 10).
• Der 2. Adventssonntag dient der Vorbereitung auf den kommenden Erlöser.
• Am 3. Adventssonntag steht Johannes
der Täufer im Mittelpunkt.
• Der 4. Adventsonntag ist in der katholischen Kirche Maria,
der Mutter Gottes, gewidmet, in den protestantischen Kirchen thematisiert er
allgemeiner die nahende Freude der Geburt Christi.
In der Syrisch-Orthodoxen Kirche ist der erste Adventssonntag der Verkündigung an Zacharias gewidmet, der zweite der Verkündigung an Maria, der dritte dem Besuch Marias bei Elisabeth, der vierte der Geburt Johannes des Täufers, der fünfte der Verkündigung an Joseph und der sechste den Vorfahren Jesu.
klassischer Adventskranz
Die Tradition des Adventskranzes ist noch jung, sie geht zurück auf
Johann Hinrich Wichern.
Im Dezember 1838 entzündete er zum ersten Mal im Rauhen Haus
in Hamburg
jeden Tag im Advent eine Kerze, später steckte er die Kerzen dann auf einen Holzkranz. Das
Kerzenlicht symbolisiert Christus als das Licht der Welt
(Johannesevangelium 8,
12). An Weihnachten erhellte dieser Lichterkranz dann feierlich den Saal. Dann
wurden die Wände des Saals mit grünen Zweigen geschmückt, 1860 wurde erstmals
der Holzreifen mit Tannenreisig umwickelt, damit war der Adventskranz wie man
ihn heute kennt geboren. Dieser Brauch wurde rasch von evangelischen Familien
übernommen.
1925 erst hing erstmals solch ein Adventskranz auch in einer katholischen Kirche: in Köln, 1930 auch in München. Inzwischen ist der Brauch weltweit verbreitet. In der katholischen Kirche werden die häuslichen Adventskränze auch in der Kirche geweiht.
Der erste gedruckte Adventskalender erschien 1902 in der Evangelischen
Buchhandlung in Hamburg
in Form einer Weihnachtsuhr, 1904 wurde dem Neuen Tagblatt
in Stuttgart
ein Adventskalender als Präsent beigelegt. 1908 verließ
der erste, wenn auch noch fensterlose, spezielle Adventskalender die Druckpresse:
Gerhard Lang, Pfarrersohn aus Maulbronn
in Württemberg, druckte als Münchner
Weihnachts- Kalender
farbige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen
zweiten, mit Zahlen von 1 bis 24 versehenen Pappkarton geklebt werden konnten.
Um 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt,
wohl im Jahr 1958 gab es den ersten mit Schokolade gefüllten Adventskalender.
Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen Teilablass, der an einer öffentlich abgehaltenen Gebetsnovene zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn teilnimmt.
Eine Adventszeit kennt die Orthodoxe Kirche nicht. Aber 40 Tage vor dem Weihnachtsfest beginnt eine Fastenzeit, während der Milch und tierische Produkte verboten sind: vom 15. November bis einschließlich 24. Dezember bereitet man sich so auf die Geburt von Jesus vor.
Bauernregel:
Ist's in der (ersten!) Adventwoch' kalt, / so dauert die Kält' noch Wochen halt.
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