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Ökumenisches Heiligenlexikon

Nikolaus von Myra

syrisch: Soche, Zakka, Zeka (= der Sieger)

Gedenktag katholisch: 6. Dezember
nicht gebotener Gedenktag
Hochfest im Kanton Fribourg und im Dom in Feldkirch
Fest in der Stadt Alicante, im Erzbistum Bari-Bitonto und im übrigen Bistum Lausanne-Genf-Fribourg
Diözesankalender Basel, Chur, St. Gallen, Sitten, Feldkirch
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Ritus: 7. Dezember
Übertragung der Gebeine von Myra nach Bari: 9. Mai
gebotener Gedenktag im Erzbistum Bari-Bitonto: Übertragung der Gebeine: 9. Mai
Übertragung der Gebeine in Paris und in der Kathedrale von Fribourg: 9. Mai
Übertragung der Gebeine nach Venedig: 29. Mai
Übertragung der Gebeine in Salzburg: 9. Juli

Gedenktag evangelisch: 6. Dezember

Gedenktag anglikanisch: 6. Dezember

Gedenktag orthodox: 6. Dezember
Übertragung der Gebeine nach Bari: 9. Mai
Tag der Geburt: 29. Juli
bedacht in der Proskomedie

Gedenktag armenisch: 6. Dezember
liturgische Feier am Samstag vor dem 1. Adventssonntag und am Samstag nach dem 2. Adventssonntag

Gedenktag koptisch: 6. Dezember
Weihe seines Altars, des ersten Altares der Jakobiten in Ägypten: 10. April

Gedenktag syrisch-orthodox: 6. Dezember

Name bedeutet: der Sieger über das/aus dem Volk (griech.)

Metropolit von Myra, Wundertäter
* um 280/286 in Patara (?), heute Ruinen bei Kalkan in der Türkei
† zwischen 345 und 351 in Myra, heute Demre in der Türkei


Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion - heute untergegangener Ort, Namensgeber eines katholischen Titularbistums - nahe seiner Heimatstadt eingesetzt. Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme: so bewahrte er mehrere junge Frauen aus seiner Nachbarschaft in seiner Heimatstadt Patara, indem er heimlich Geld durchs Fenster - oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken - warf, so für eine ausreichende Mitgift sorgte und verhinderte, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste; deshalb gilt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder; eine sehr alte Fassung der Legende behauptet, er habe das Geld seinen Eltern gestohlen, was an eine spätere Legende von Franziskus erinnert.

Wiederaufgebautes Stadttor in Patara, erbaut zu Ehren des Statthalters Mettius Modestus, der um 100 die damalige Hauptstadt von Lykien regierte
Wiederaufgebautes Stadttor in Patara, erbaut zu Ehren des Statthalters Mettius Modestus, er um 100 die damalige Hauptstadt von Lykien regierte

Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land, nach seiner Rückkehr wählte die Gemeinde Myra ihn zum neuen Bischof. Die Legende zeichnet ihn als temperamentvollen Streiter und zugleich als Mann der fähig war, diplomatisch zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Bei einem Aufstand von in Phrygien stationierten germanischen Söldnern begegnete er in Myra hohen Offizieren aus Konstantinopel, bei denen er nachhaltigen Eindruck hinterließ. Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte er wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen. Er rettete Schiffbrüchige, deshalb ist er Patron der Seefahrer. Um ein in Seenot geratenes Schiff zu retten mit drei Pilgern, die von Ephesus - heute Ruinen bei Selçuk - ausfuhren mit für eine christliche Kapelle bestimmtem heiligen Öl, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. * Drei ermordete und von Kannibalen bereits in einem Fass zu Pökelfleisch zubereitete Knaben erweckte er wieder zum Leben; Hintergrund dieser Legende ist wohl das um den Nikolaustag üblich gewesene Schlachten vor Weihnachten. Er zerstörte Tempel der Heidengöttin Diana/Artemis, die in den Küstenorten Lykiens als Patronin der Seefahrer verehrt wurde; ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste - Nikolaus' Gedenktag 6. Dezember ist Dianas Geburtstag. Während der bald schon einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert.

Nikolaus (links) mit weiteren Bischöfen, 11. Jahrhundert, in der Kirche des Klosters in Gümüsler bei Niğde
Nikolaus (links) mit weiteren Bischöfen, 11. Jahrhundert, in der Kirche des Klosters in Gümüsler bei Niğde

325 nahm Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Überliefert ist, wie er kämpferisch gegen die falsche Lehre des Arianismus vorging; die Legende erzählt, dass er deren Verfechter Arius während des Konzils geohrfeigt habe. Auch mit seinem Freund Bischof Theognis von Nicäa - dem heutigen Íznik -, der den Auffassungen des Arius zuneigte, führte Nikolaus heftige Diskussionen; schlussendlich gehörte Theognis zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses von Nicäa. Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen, zitiert später Andreas von Kreta den Vermittler Nikolaus.

Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Gesicherte historische Nachrichten über das Leben und Wirken von Nikolaus gibt es nicht. In der Überlieferung vermischten sich Nachrichten über einen Abt Nikolaus von Sion nahe Myra und solche über den Bischof Nikolaus aus dem nahen Pinara bei Minare nahe Fethiye.

Der Kult um Nikolaus entwickelte sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Kaiser Justinian weihte ihm Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul. Der Kult verbreitete sich auch in Griechenland, wo er als Hyperhagios, Überheiliger, verehrt wird, und kam dann in die slawischen Länder. Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der Verehrung unmittelbar nach Maria. Nikolaus wurde einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen legendären Erzählungen, die vor allem seine menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen. Sein aufgebrochener, leerer Sarkophag wird noch heute in der wieder hergestellten Nikolaus-Basilika in Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.

Aleksa Petrov: Russische Ikone, 1294
Aleksa Petrov: Russische Ikone, 1294

In Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein, er verbreitete sich dann zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa. Schon Friesen-Missionar Liudger baute der Überlieferung nach die erste deutsche Nikolauskapelle im münsterländischen Billerbeck. 972 brachte Kaiserin Theophanu anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. Reliquien aus Byzanz mit; sie befinden sich seit 1058 in der Nikolaus geweihten Kapelle am südlichen Seitenschiff des Domes in Worms. Um 980 entstand in Deutschland die erste Nikolauskirche im Kloster Brauweiler. Im April 1087 wurden die Gebeine von Nikolaus, dem Patron der Seefahrer, von Abenteurern aus der Hafenstadt Bari, die auf drei Schiffen anreisten, aus dem Marmorgrab der Nikolaus-Basilika in Myra entwendet und in ihre Heimatstadt entführt. Dort errichtete man auf den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes die monumentale Basilika S. Nicola, die Papst Urban II. 1098 weihte; als Translationstag gilt der 8. Mai, der in Bari mit einem großen Unzug begangen wird. 1090 brachte der Kreuzzugsteilnehmer Aubert de Varangéville aus Bari ein Fingerglied der Segenshand des Heiligen nach Port - dem heutigen St-Nicolas-de-Port - in Lothringen, wo 1093 eine erste Kirche errichtet wurde; sie wurde ein bedeutendes Wallfahrtsziel. Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert wurden diesseits der Alpen mehr als 2200 Kirchen nach Nikolaus benannt.

Tintoretto (1518 - 1594), im Kunsthistorischen Museum in Wien
Tintoretto (1518 - 1594), im Kunsthistorischen Museum in Wien

Nikolaus ist Patron auch der Pfandleiher und Bankiers aufgrund der Legende um das Geld, das ein Christ höher stellte als sein Versprechen: Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, beim heiligen Nikolaus versprochen, das Geld pünktlich zurückzugeben. Aber er tat es dann nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung zum Schwur kam, benutzte er einen Trick: er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei halten könne; dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann den Stab wieder und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Zur Strafe kam der Christ danach unter einen Wagen und starb; der Jude aber zeigte sich großzügig: er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke, was dann auch geschah, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.

Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des Bischofsspieles in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag - zuerst am Tag der Unschuldigen Kindlein, dann am Nikolaustag - als Bischof fungieren durfte; in der Schule des Klosters Montserrat wird dieser Brauch bis heute gepflegt. Daraus entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt.

Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Ansatzpunkte für das Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden. Als Gegenpol zum gütigen Nikolaus, der die Kinder beschenkt, bekam er in verschiedenen Ländern seit dem 17. Jahrhundert Begleiter zur Seite gestellt: in Deutschland Knecht Ruprecht, in Frankreich Père Fouettard, in der Schweiz Schmutzli, in Österreich und Bayern Krampus, der mit Bocksfuß, Teufelsfratze und Kettenrasseln die weniger Braven einschüchtern soll, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den Zwarte Piet, der einen gezähmten Teufel darstellen soll. In der Gegend um Berchtesgaden sind noch wildere Erscheinungsformen als Volksbrauch geläufig: die mit Stroh verkleideten Perchten oder Buttnmandl. Am 6. Dezember wurde nach früherer Perikopenordnung das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäusevangelium 25, 14 - 23) erzählt: Drei Knechten wird jeweils Geld anvertraut; jeder muss Rechenschaft ablegen, was er mit dem Geld gemacht hat. Der bekannte Brauch der Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav und fromm gewesen seien, geht auf diese Praxis zurück. Ursprünglich war der Nikolaustag - nicht Weihnachten - der Tag der großen Bescherung mit Geschenken; in einigen Ländern ist er dies heute noch.

Russische Ikone, Mitte des 13. Jahrhunderts
Russische Ikone, Mitte des 13. Jahrhunderts

Schiffchensetzen nennt man den seit dem 15. Jahrhundert bekannten Brauch, bei dem Nikolausschiffe aus Papier gebastelt werden, in die Nikolaus seine Gaben legen soll - Hintergrund für diesen Brauch dürfte sein Patronat für Schiffer sein - auch heute noch findet sich auf vielen Handelsschiffen ein Bildnis von Nikolaus. Das Nikolausschiffchen wurden später durch Stiefel, Schuhe oder Strümpfe abgelöst, die am Nikolausabend von den Kindern vor die Tür gestellt werden und die über Nacht von ihm mit Süßigkeiten gefüllt werden; dieser Brauch basiert auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts von Bischof Nikolaus beschenkt wurden.

Als kyndisch Ding lehnte Martin Luther die Legende um Nikolaus in einer Predigt zum Nikolausfest 1527 ab. Doch trotz seiner Widerstände gegen den katholischen Kult ließ Luther Nikolaus als Gabenbringer noch einige Zeit neben dem von ihm bevorzugten Christkind in seiner Familie gewähren: in einer Haushaltsrechnung aus dem Jahr 1535 sind Ausgaben für 135 Nikolausgeschenke an die von Luther und seiner Frau Katharina betreuten Kinder sowie Jahrmarktsgeschenke für das Gesinde aufgeführt. So konsequent, wie Luther den Nikolausbrauch am 6. Dezember bekämpfte, versuchte er, das Beschenken durch das Christkind am 25. Dezember zu beleben, seitdem wurde die Bescherung in vielen - auch in katholischen - Ländern auf Weihnachten verlegt.

Der Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Gewand, der den Kindern am Heiligen Abend die Geschenke überreicht, geht auf den niederländischen Sinterklaas zurück, dessen Tradition holländische Auswanderer nach Nordamerika mitbrachten, wo er als Santa Claus bedeutsam wurde. Der Karikaturist Thomas Nast zeichnete ihn erstmals im Jahr 1862 für Harper's Weekly als eine kleine Elfe, die im Amerikanischen Bürgerkrieg die in der Union verbliebenen Nordstaaten unterstützt; in den folgenden 30 Jahren benützte Nast seine Figur immer wieder, nach 1880 erhielt sie auch den roten Mantel. In den 1920er-Jahren verwendete die Firma Coca Cola Santa Claus im Stil von Nasts Figur und in ihren Firmenfarben für Anzeigen. Das heute gewohnte Bild des beleibten, freundlichen Nikolaus wurde spätestens 1915 von der US-amerikanischen Mineralwasserfirma White Rock zu Werbezwecken erfunden. Für die weltweite Verbreitung dieses heute gewohnten Bildes des Nikolaus sorgte dann wieder Coca Cola ab 1931.

Nikolaus von Coca-Cola-Zeichner Haddon Sundblom nach dem Vorbild von Cola-Verkäufer Lou Prentice, 1939
Nikolaus von Coca-Cola-Zeichner Haddon Sundblom, nach dem Vorbild von Cola-Verkäufer Lou Prentice, 1939 The Coca-Cola Company

In Bari wurde neben Kirchen und einem Platz auch das moderne Fußballstadion nach Nikolaus benannt. Das Bild des Weihnachtsmanns, der mit einem von Rentieren gezogenen Schlitten um die Welt fliegt und seine Geschenke verteilt, geht angeblich zurück auf ein 1823 anonym veröffentlichtes Gedicht mit dem Titel The Night before Christmas.

Auch in liberalen islamischen Familien beschenkt Noel Baba die Kleinen. In der Türkei ist Noel Baba für eher weltlich eingestellte Familien das Symbol, sich am Silvesterabend zu beschenken und den Übergang ins neue Jahr zu feiern; in großen Kaufhäusern verteilen dann als Noel Baba verkleidete Angestellte Süßigkeiten an die Kunden.

Nikolaus-Grab in Demre
Nikolaus-Grab in Demre

Die frühmittelalterliche Nikolaus-Basilika in Myra - dem heutigen Demre - enthält das leere Grab von Nikolaus. Die früheste Kirche über dem Bischofsgrab in Myra wurde Mitte des 5. Jahrhunderts errichtet, die ältesten Teile des jetzigen Baus stammen aus dem 9./10. Jahrhundert. Russlands Zar Alexander I. ließ im Jahr 1853 die Kirche seines Landespatrons teilweise wiederherstellen, nachdem Überschwemmungen und Erdbeben Myra hatten versinken lassen. Der deutsche Archäologe Jürgen Borchardt trug von 1965 bis 1968 durch seine Arbeiten am Ort viel dazu bei, dass die Basilika mit Bodenmosaiken und die restaurierten Fresken wieder freigelegt wurde. Nach fünf Jahren Unterbrechung konnte der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel am 6. Dezember 2007 dort erstmals wieder einen Gottesdienst zelebrieren.

rekonstruiertes Antlitz
rekonstruiertes Antlitz

Wohl wegen seines Patronats für - eigentlich unschuldige - Gefangene haben wohl auch Diebe Nikolaus zu ihrem Patron erkoren. In Rom war die Kirche San Nicola in Carcere eine Gefängniskirche, die das päpstliche Privileg hatte, jedes Jahr zum Nikolausfest einen zum Tode Verurteilten zu begnadigen.

In Fribourg in der Schweiz findet am 1. Samstag des Dezembers jedes Jahr das Nikolaus-Fest statt; Nikolaus ist Schutzpatron der Stadt, die Kathedrale birgt Reliquien und ist nach ihm benannt. 2009 kamen Teile dieser Reliquien nach Wolgograd in Russland.

Russische Wissenschaftler haben 2014 das Gesicht des Heiligen anhand seiner Reliquien aus Bari rekonstruiert, seine Größe mit 1,67 Meter festgestellt und herausgefunden, dass er kein Fleisch gegessen hat. Eine innere Quetschung der Schädelhöhle sei wohl durch das lange Ausgesetztsein in der Kälte und Feuchtigkeit des Gefängnisses hervorgerufen worden.

Attribute: Bischof, drei Goldkugeln, drei Brote, drei Äpfel, drei Steine, Pökelfass mit drei Knaben, Schiffe, Steuerrad, Anker

Patron von Russland, Lothringen; von Amsterdam, Kanton und Stadt Fribourg in der Schweiz, Meran, Bari und New York; der Kinder, der Schüler, Mädchen, Jungfrauen, Frauen mit Kinderwunsch, Gebärenden und alten Menschen, der Ministranten, Feuerwehr, der Pilger und Reisenden; der Sinti und Roma, der Gefangenen, Diebe und Verbrecher, der Eigentümer und Bettler; der Seeleute, Schiffer, Fischer, Flößer, Schiffsbauer, Matrosen und Fährleute, der Kaufleute, Bankiers, Pfandleiher; der Richter, Rechtsanwälte und Notare, der Apotheker, Bauern, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und -händler, Schneider, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Knopfmacher, Brückenbauer, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Kerzenzieher; für glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen Wassergefahren, Seenot und Diebe; (zweiter) Patron des Bistums Lausanne-Genf-Fribourg und des Bistums Bari-Bitonto
Bauernregeln: Regnet es an Nikolaus/wird der Winter streng, ein Graus.
Trockener St. Nikolaus,/milder Winter rund um's Haus.
Fließt zu Nikolaus noch Birkensaft,/dann kriegt der Winter keine Kraft.
St. Nikolaus/spült die Ufer aus.

* Myra - das heutige Demre - lag damals direkt am Meer. Der Schlamm des Demre-Flusses, der die Gegend seit Menschengedenken fruchtbar macht, bedeckte aber nach und nach die Ansiedlung und verschob die Küstenlinie um Kilometer nach Süden.

Myra und die Nikolaus-Basilika in Demre


Martyrologium Romanum Flori-Legium

Legenda Aurea: Nikolaus

Catholic Encyclopedia

Literatur zu Nikolaus von Myra

Das Erzbistum Köln hat eine sehr interessante Internetseite mit Geschichten, Legenden, Texten zum Brauchtum, Bildern, Liedern und einem umfangreichen Lexikon ins Netz gestellt.

Über Die Anfänge der Nikolaus-Verehrung im Westen berichtet der Autor und Historiker Michael Hesemann auf seiner Homepage.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Web 3.0 - Leserkommentare:

Die von Frau Scheefeldt erwähnten Kirschzweige gehören eigentlich zum Barbaratag am 4. Dezember!

Christoph Rütten über E-Mail, 1. Dezember 2010

Ich bin Mama von 2 Kindern und kannte, als Protestantin, nur die halbe Legende von St. Nikolaus.
Ich bin eine Nachfahrin von einer alten schwäbischen Familie, die vor 400 Jahren nach Bromberg ausgewandert ist. Bei meiner Großmutter war es Brauch, dass am 6. Dezember Kirsch- und Apfelzweige geschnitten wurden. * Die wurden dann in die Stube gestellt und blühten dann am 24. Dezember. Das verhieß der Familie für das kommende Jahr Glück und Freude. Ein einziges Mal hat dies, laut der Überlieferung nicht geklappt. Das war im Jahre 1938. 1939 verschwand mein Großvater bei dem Prognom in Bromberg und ist seitdem verschollen.
Um die Frage zu beantworten, was der Konzern Coca Cola, mit Santa zu tun hat, kann ich aber auch noch etwas beisteuern. Auch wenn ich die erregte E-mail von Frau Martin nicht ganz nachvollziehen kann. Zum Beispiel kann ich Ihnen berichten, dass sich Coca Cola um 1900 einfach nur volksnah und salonfähig machen wollte nach dem Motto: Cola kann man bei jeder Gelegenheit konsumieren. Und sie hatte doch Erfolg, wurde diese Werbekampagne doch erst in den späten 40er-Jahren eingestellt. Durch den Kriegseintritt der USA kam die Werbung dann auch nach Europa. Das von Ihnen abgebildete Werbematerial zeigt einen pensionierten Mitarbeiter der Firma.
Ich habe einige Zeit in Holland gelebt. Deshalb habe ich auch noch einen wunderschönen Brauch kennen gelernt, von dem ich Ihnen noch berichten möchte. In Holland kommt Santa Klaas nämlich nicht auf einem Esel, sondern auf einem Schiff, wo er von den Kindern sehnsüchtig erwartet wird. Dann reitet Santa auf einem Pferd (meistens ein weißer Schimmel) auf den Marktplatz. Und Kinder, die am 6. Dezember geboren werden, bekommen eine Kette mit einem Anhänger, der Sankt Nikolaus zeigt. Damit stellte man das Kind unter dessen Schutz. Die Kette gilt als Glücksbringer.

Martina Scheefeldt aus Celle über E-Mail, 2. Dezember 2009

Was hat ausgerechnet in einem ökumenischen, also christlichen Lexikon der Coca-Cola-Weihnachtsmann zu suchen???

Brigitte Martin über E-Mail, 2. Dezember 2009



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 17.12.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/n/kaln033.htm
• Sonntag Aktuell 48/97
• http://www.lifedate.de/modules/news/article.php?storyid=2534
• http://www.nikolaus-von-myra.de/lexikon/nikolaus_patron.html
• http://www.anatolienmagazin.de/?page_id=382
• http://www1.spiegel.de/active/quiztool/fcgi/quiztool.fcgi?id=29239&a=32&aa=2
• http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=250370
• http://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Nicolas-de-Port
• http://www.unifr.ch/iso/iso100101de.htm
• http://www.worms.de/deutsch/tourismus/sehenswuerdigkeiten/Nikolauskapelle.php
• http://amroemsten.blogspot.com/2010/01/mini-bischof.html
• http://www.thecoca-colacompany.com/heritage/cokelore_santa.html
• http://www.whiterocking.org/santa.html
• http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1289550890736&openMenu=1013016724285&calledPageId=1013016724285&listid=1018881578312
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998
• http://www.orthodoxeeinheit.de/heilige-und-gerontes-zeugnisse/wissenschaftler-rekonstruieren-die-gestalt-des-heiligen-nikolaos/