|
|
Der Gedenktag ist der Tag, an dem Christen ihrer besonderen Beziehung zu Israel gedenken durch Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 586 v. Chr. und durch die Römer im Jahr 70.
Den Namen hat der Sonntag erst seit einigen Jahren. Zuvor nannte man ihn
Gedenktag der Zerstörung des Tempels in Jerusalem
.
Der Tag liegt in zeitlicher Nähe zu dem jüdischen Trauer- und Fastentag, dessen Anlass die Zerstörung der
beiden Tempel und das Gedenken an weitere Verfolgungen und Demütigungen ist: dem
jüdischen Trauertag Tisha be Aw am 9. Aw *. An diesem Tag
sind der Überlieferung nach beide Tempel zerstört worden; Israel gedenkt und
fastet an diesem Tag. Natürlich ist die Zerstörung des Tempels für das
Gottesvolk ein Zeichen des Gerichts, aber eben nicht in besonderer Weise am Volk
Israel; dass das jüdische Volk weiterhin Bestand hat, ist ein deutliches Zeichen
dafür, dass Gott zu seinem Volk steht.
Der christliche Gedenktag deutete die Zerstörung Jerusalems bzw. der Tempel oft als Strafe Gottes über sein Volk für die Kreuzigung Jesu. Aber nach Paulus ist und bleibt Israel Gottes geliebtes Volk (Römerbrief 9 - 11). Gott und sein Volk Israel können von Christen nicht auseinander gerissen werden. Im Gegenteil: wenn Menschen in eine Beziehung zu Gott treten, dann treten sie immer auch in eine Beziehung mit seinem Volk Israel ein. Gerade deshalb aber haben auch Christen an diesem Tag Grund zur Trauer und Anlass zur Besinnung auf ihre Verantwortung.
Plünderung Jerusalems.
Darstellung auf dem Titusbogen in Rom,
erbaut nach 81 
Der historische Hintergrund des Gedenktages ist die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70. Der Hass gegen die römischen Besatzer war in Israel immer stärker geworden; als dann Statthalter Florus im Mai des Jahres 66 aus dem Tempelschatz 17 Talente (entsprechend etwa 8,5 Tonnen) Gold nehmen ließ, wurde die Empörung noch größer. Den folgenden Aufstand sollte im Auftrag von Kaiser Nero sein tüchtigster Feldherr, Vespasian, niederwerfen, was ihm 67 in ganz Galiläa, aber noch nicht in Jerusalem, gelang. Wirren in Rom vereitelten zunächst die Fortführung der Unterdrückungsmaßnahmen. Dann übergab Vespasian seinem Sohn Titus den Auftrag; der belagerte die Stadt Jerusalem zu Beginn des Jahres 70 und versuchte, sie zu stürmen; im Juli wurde nach langer Belagerung die Burg Antonia eingenommen. Nun ließ Titus den Tempel in Brand stecken und im September 70 war Jerusalem ganz besetzt und durch die Soldaten geplündert.
* Der 9. Aw des jüdischen Kalenders fällt 2011 auf den 9. August, 2012 auf den 28. Juli, 2013 auf den 16. Juli, 2014 auf den 5. August, 2015 auf den 25. Juli, 2016 auf den 13. August. Wir haben für Sie ein kleines Freeware-Programm zur Berechnung des jüdischen Kalenders bis ins Jahr 2200 von Russ Hersch.
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||