Gedenktag katholisch: 20. August
gebotener Gedenktag
Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet
Hochfest im Trappisten- und Zisterzienserorden
Gedenktag evangelisch: 20. August (EKD, ELCA)
19. August (LCMS)
Gedenktag anglikanisch: 20. August
Name bedeutet: der Bärenstarke (althochdt.)
Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, in der Kathedrale von Troyes

Bernhard stammte aus einer adligen, begüterten und frommen Familie. Sein Vater Tescelin le Saur stand in Diensten des Herzogs von Burgund. Bernhards Mutter Aleth sah vor seiner Geburt im Traum ein weißes Hündlein mit rotem Rücken und hörte es laut bellen. Der Traum wurde ihr so gedeutet, dass der Sohn, den sie bekommen werde, als großer Prediger Gottes Haus bewachen und seine Stimme laut gegen die Feinde der Kirche erheben werde.
Bernhard besuchte die Schule im Kloster St-Vorles in Châtillon-sur-Seine. Der Tod seiner Mutter um 1105 beschäftigte ihn stark. 1113 trat er zusammen mit 30 wissenschaftlich gebildeten, adligen und idealistischen jungen Leuten, darunter vier seiner fünf leiblichen Brüder, auch sein jüngster Bruder Nivard, in das Reformkloster Cîteaux - dem heutigen St-Nicolas-lès-Cîteaux - ein. Dieses 1098 von Robert von Molesme, Alberich und Stephan Harding gegründete Reformkloster drohte zu seiner Zeit an den strengen Regeln des neuen Zisterzienserordens zugrunde zu gehen. Mit Bernhard und seinen Gefährten kam neues Leben in das Kloster, die Gründung der neuen Klöster La Ferté - heute La Ferté-St-Cyr -, Pontigny und Morimond - im heutigen Fresnoy-en-Bassigny - wurde möglich. 1114 legte Bernhard seine Profess ab, 1115 sandte ihn Abt Stephan mit zwölf Mönchen aus, um das Kloster Clairvaux - im heutigen Longchamp-sur-Aujon - zu gründen, das sich unter seiner Führung zur bedeutendsten Zisterzienserabtei entwickelte.
Bernhard war ein Mann von großer Faszination. Sein Ordensbruder Abt Isaak von Stella schrieb: Allen war er schrecklich
aus Liebe und lieb aus Schrecken
. Bernhard zog Novizen in einem Maße an, dass fast jedes Jahr zwei neue Klöster von
Clairvaux aus errichtet werden mussten; insgesamt
gründete er 68 Klöster, weitere waren ihm unterstellt, so dass 164 Abteien seiner geistlichen Führung unterstanden; bis zu
Bernhards Tod wurden schon 343 neue Gründungen gezählt. 1135 bestimmte Bernhard
Himmerod im Salmtal bei seinem Besuch vor Ort
als Standort für das 14. Zisterzienserkloster und das erste deutsche Kloster,
das direkt von Bernhard von Clairvaux gegründet wurde. Den Mönch Achard
von Clairvaux entsandte Bernhard als Baumeister der Klosteranlage nach Himmerod.
1115 wurde Bernhard durch Bischof Wilhelm von Champeaux in Châlons-sur-Marne - dem heutigen
Châlons-en-Champagne - zum Priester geweiht.
Denken und Methodik der Scholastik prägten ihn, seine große persönliche Ausstrahlung und seine eindrücklichen Predigten
kamen bei den Reisen durch alle Teile Europas zur Geltung. Bernhard wurde 1118 zum Leiter des
Zisterzienserordens. Er erneuerte die Ordensregeln, so dass er zu Recht als
zweiter Gründer
des Ordens gelten kann. Seine Consuetudines
stehen in gewissem Gegensatz zur Regula
des
Benedikt von Nursia: die Benediktiner
gründeten ihre Niederlassungen auf Höhen, Bernhard ordnete sumpfige Täler an mit Wäldern, die gerodet werden mussten. Er
betonte den Wert der körperlichen gegenüber der geistigen Arbeit. Ganz besonders wandte er sich in Briefen und
Kapitelsbeschlüssen gegen jede figürliche Ausgestaltung der Portale, Kapitelle und Kreuzgänge, weil das den Betrachter
vom Gebet ablenke.
Brevier des Martin von Aragon, 14. Jahrhundert, in der Bibliothèque Nationale de
France in Paris 
In den Ordensrivalitäten zwischen den Zisterziensern und den Anhängern der
Reformen von ClunyDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden.
verfasste Bernhard 1124 die Apologie
. Regularkanoniker,
Prämonstratenser, Gilbertiner und
Kartäuser wandten sich an ihn, um für ihre Orden Ratschläge zu erbitten; er wirkte
klärend über die Frage des Übertritts von einem Orden in einen anderen. Nach dem Konzil von
Troyes verfasste er 1128 eine kleine Schrift
zum Lob des Templerordens: Ad milites Templi de laude nove militie
; sie umreißt
die theologischen Grundsätze des gerechten Krieges und rechtfertigt das Handeln des Ordens, dessen kirchliche Anerkennung
nun erfolgte, weshalb Bernhard auch die Gründung dieses Ordens zugeschrieben wird.
Frucht seiner Ideen sind zwei noch heute aktuelle Werke Bernhards: De gradibus humilitatis et superbiae
, Von
Niedrigkeit und Hochmut
und De diligendo Deo
, Von der Liebe zu Gott
, erschienen 1127. In ihnen zeigen sich
Bernhards Wesenszüge: sanft und radikal, zerbrechlich und stark, aktiv und kontemplativ zugleich, mystisch begabt und mit
hohen spirituellen Gaben der Prophetie und Wundertaten ausgestattet, oft auch unversöhnlich, aber empfänglich für
Freundschaft. Er verfasste Kommentare zur Bibel, so der unvollendete Kommentar zum Hohelied, und Hymnen, die zum Teil noch
heute gesungen werden.
Seine Treue zum Papsttum gab Bernhard auch die Kraft und den Mut zu sehr scharfer Kritik an den Päpsten. Er geißelte
ihre weltliche Macht und ihr profanes Gehabe, mit dem sie sich eher als Nachfolger
Konstantins erwiesen denn als Nachfolger
Christi. Im Kampf um die Rechtmäßigkeit des Papsttums zwischen Papst
Innozenz II. und Gegenpapst Anaklet II. nach dem Schisma von 1130 trug Bernhard maßgeblich zum Erfolg des ersteren bei,
für den er in ganz Europas Werbung gemacht und Unterstützung organisiert hatte. 1135 nahm er am Konzil in
Pisa teil, 1137 reiste er durch Italien. 1144
und 1145 rief er die aufständischen Römer auf zum Gehorsam gegenüber den Päpsten Lucius und
Eugen III. - einem ehemaligen Schüler in
Clairvaux. Eugen III. widmete er 1148 sein Werk
De consideratione
, Betrachtungen
.
Bernhard war berühmt für seine große Predigtbegabung, die er - im Auftrag von Papst
Eugen III. - nicht zuletzt in den Dienst der Anwerbung für die
Kreuzzüge einsetzte; er entfachte in ganz Europa einen Rausch der Begeisterung für die
Kreuzzüge. Bernhard reiste nach Nordfrankreich,
Flandern und ins Rheinland, überall zogen
Wundertaten und die redegewandten Predigten Bernhards zahlreiche Zuhörer und Pilger an. 1146 rief er in
Vézelay zum
2. Kreuzzug auf, diese Predigt von Vézelay
löste in ganz
Frankreich Begeisterung aus; selbst König Ludwig VII. zeigte sich - neben Mitstreitern aus Frankreich, Flandern und
Deutschland - zum Aufbruch entschlossen. Das ritterliche Ideal der Kreuzzüge sah das Sterben für den himmlischen Herrn als
besonderes Verdienst; so formulierte Bernhard: Ein Ritter Christi tötet
mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus.
Die
schrecklichen Folgen solcher Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die mittelalterlichen
jüdischen Gemeinden. Der Misserfolg des Kreuzzugs traf Bernhard schwer; seine erneute Kreuzzugsinitiative 1150 blieb
erfolglos.
Kompromisslos bekämpfte Bernhard die Katharer, 1145 unternahm er mit einem
Kardinallegaten eine Predigtreise, um ihnen im
Languedoc entgegenzutreten; ebenso
bekämpfte er die Reformation des Petrus Waldus sowie die von
Pierre Abelard - einem französischen Denker - vertretene rationalistische Philosophie, dessen Lehrsätze er 1140 durch das
Konzil von Sens verurteilen ließ. Sein
entschiedenes Eingreifen in die großen Kontroversen in der Kirche - so in der Frage der Gültigkeit von Papst- und
Bischofswahlen oder den Fragen der Bekämpfung von Häresien - machten ihn bei den Zeitgenossen und in der Tradition zum
führenden Verteidiger der Kirche und des päpstlichen Vorranges. Bernhard beharrte auf dem Vorrang des Glaubens im Umgang
mit dem Dogma, dabei zeigt sich ein gewisses Misstrauen gegenüber intellektuellem Erkenntnisstreben; er billigte
intellektuelles Denken nur, soweit es zu Gebet und Kontemplation hinführt. Die um 1151 verfasste Vita S. Malachie
ist die Biographie von Malachias von Armagh, der 1148 in
Clairvaux starb.
Sein ganzes Leben lang begleitete Bernhard die Sehnsucht nach seinem klösterlichen Ideal, seine Biografie führte ihn
selbst aber auf andere Wege. Seine Erfahrungen als Abt haben auch seinen Traktat De precepto et dispensatione
,
Von Führung und Verteilung
geprägt. Aus der großen Fülle der Legenden strahlt das Bild seiner nicht nachlassenden
asketischen Bemühung um Geduld, Überwindung von Versuchungen, innerlichster Gebetsübung. Er selbst beschrieb sich als
Chimäre, die dauernd mit weltlichen Dingen beschäftigt war, ohne Laie zu sein, und ständig entscheidend in die Geschicke
der Kirche verwickelt war, ohne je Kirchenlenker gewesen zu sein. Als ungekrönter Papst und Kaiser des Jahrhunderts
lenkte er die Geschichte, seine Zeit nennt man deshalb auch das Bernhardinische Zeitalter
. Erzvater des
europäischen Gefühls
nannte ihn der Historiker Friedrich Heer ob seines weiten Horizonts, ein religiöses Genie
der protestantische Kirchengeschichtler Adolf von Harnack. Als Doctor mellifluus
, honigfließenden Lehrer
bezeichneten ihn Zeitgenossen ob seiner herausragenden Begabung zur Predigt. Dreimal lehnte er die ihm angetragene
Bischofswürde ab.
In seinen theologischen Schriften behandelte Bernhard die wichtigsten Themen der Dogmatik und entfaltete seine asketischen Lehren. Ausgangspunkt ist für ihn der sündige, Gott suchende Mensch, dessen Bekehrung ihm zum Heil dient. Bernhards Denken beeinflusste Bonaventura, den italienischen Dichter Dante Alighieri und die Devotia moderna. Unter seinem Namen wurden eine Vielzahl unechter Schriften anderer Zisterzienser publiziert.
Bernhard starb in Clairvaux und wurde in Cluny begraben. Bei seinem Tod gehörten 344 Klöster in ganz Europa zum Zisterzienserorden, darunter 166, die Clairvaux unterstanden.
Das Kloster Clairvaux wurde in der Französischen Revolution aufgehoben und dient seitdem als Gefängnis, heute können die übrig gebliebenen Reste besucht werden. Im Domschatz in Troyes wird seit 1813 das Haupt von Bernhard aufbewahrt.
Bernhard gilt als Marienverehrer. Der gegenseitigen Begrüßung des Bernhard und
der Gottesmutter, wovon es mehrere Legenden gibt, ist ein eigener Gedenktag am 18. Oktober gewidmet. Deshab wird
Bernhard oft dargestellt mit Maria, die Jesus die Brust gibt; oder die
Madonna erscheint ihm mit Engeln, die seine ergänzenden Worte zum Hymnus Salve
Regina
singen oder ihm aus ihrer Brust Milch zuspritzen. Alle
Zisterzienserkirchen sind deshalb der Gottesmutter geweiht. Der Bienenkorb
symbolisiert seine überzeugende Beredsamkeit. Noch heute bekannt sind seine Hymnen, darunter das von
Paul Gerhard deutsch bearbeitete Lied O Haupt voll Blut und Wunden
(GL 179 / EG 85).
Pietro Perugino: Die Vision des Bernhard, 1493, Alte Pinakothek in
München

Kanonisation:
Bald nach Bernhards Tod setzten die Bemühungen um seine Kanonisation ein. 1174 wurde er von Papst
Alexander III. heiliggesprochen, 1830 erfolgte die Ernennung zum
Kirchenlehrer durch Papst Pius VIII.
Attribute:
mit Totenschädel und Hund, mit Maria mit (gefesseltem) Teufel, Regelbuch, Bienenkorb
Patron
von Burgund,
Ligurien,
Gibralatar,
Genua und
Stein am Kocher; der Imker, Wachszieher und
Barkeeper; der Bienen; gegen Besessenheit, Kinderkrankheiten, Besessenheit (Dämonie) und Tierseuchen; bei Gewitter und
Unwetter; in der Todesstunde
Bauernregel:
Wie der St. Bernhard ist, / man auch den September misst.
Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III.: Betrachtungen
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Die Website über Petrus Abaelard
informiert ausführlich über Bernhard und
stellt eine ganze Reihe von Dokumenten von
Bernhard zur Verfügung.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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