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Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, in der Kathedrale von Troyes
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Bernhard stammte aus einer adligen und frommen Familie. Sein Vater Tescelin stand in Diensten des Herzogs von Burgund. Bernhards Mutter Aleth sah vor seiner Geburt im Traum ein weißes Hündlein mit rotem Rücken und hörte es laut bellen. Der Traum wurde ihr so gedeutet, dass der Sohn, den sie bekommen werde, als großer Prediger Gottes Haus bewachen und seine Stimme laut gegen die Feinde der Kirche erheben werde.
Bernhard besuchte die Schule im Kloster St-Vorles in Châtillon-sur-Seine. Der Tod seiner Mutter um 1106 beschäftigte ihn stark. 1113 trat er zusammen mit 30 wissenschaftlich gebildeten, adligen und idealistischen jungen Leuten, darunter vier seiner fünf leiblichen Brüder, auch sein jüngster Bruder Nivard, in das Reformkloster Cîteaux - dem heutigen St-Nicolas-lès-Cîteaux - ein. Dieses 1098 von Robert von Molesme, Alberich und Stephan Harding gegründete Reformkloster drohte zu seiner Zeit an den strengen Regeln des neuen Zisterzienserordens zugrunde zu gehen. Mit Bernhard kam neues Leben in das Kloster. 1114 legte er seine Profess ab, 1115 sandte ihn Abt Stephan mit zwölf Mönchen aus, um das Kloster Clairvaux - im heutigen Ortsteil Outre-Aube in Longchamp-sur-Aujon - zu gründen, das sich unter seiner Führung zur bedeutendsten Zisterzienserabtei entwickelte.
Bernhard war ein Mann von großer Faszination. Sein Ordensbruder Abt Isaak
von Stella schrieb: Allen war er schrecklich aus Liebe und lieb aus Schrecken
.
Bernhard zog Novizen in
einem Maße an, dass fast jedes Jahr zwei neue Klöster von Clairvaux aus
errichtet werden mussten; insgesamt gründete er weitere 68 Klöster, weitere
waren ihm unterstellt, so dass 164 Abteien seiner geistlichen Führung
unterstanden; bis zu Bernhards Tod wurden schon 343 neue Gründungen gezählt.
1115 wurde Bernhard durch Bischof Wilhelm von Champeaux in Châlons-sur-Marne -
dem heutigen heute Châlons-en-Champagne
- zum Priester geweiht. Denken und Methodik der Scholastik prägten ihn, seine
große persönliche Ausstrahlung und seine eindrücklichen Predigten kamen bei den
Reisen durch alle Teile Europas zur Geltung. Bernhard wurde 1118 zum Leiter des
Zisterzienserordens. Er restaurierte
die Ordensregeln, so dass er zu Recht als zweiter Gründer
des Ordens gelten
kann. Seine Consuetudines
stehen in gewissem Gegensatz zur Regula
des
Benedikt von Nursia: die Benediktiner
gründeten ihre Niederlassungen auf Höhen, Bernhard ordnete sumpfige Täler an mit
Wäldern, die gerodet werden mussten. Er betonte den Wert der körperlichen
gegenüber der geistigen Arbeit. Ganz besonders wandte er sich in Briefen und
Kapitelsbeschlüssen gegen jede figürliche Ausgestaltung der Portale, Kapitelle
und Kreuzgänge, weil das den Betrachter vom Gebet ablenke.
Brevier des Martin von Aragon, 14. Jahrhundert, in der Bibliothèque Nationale de
France in Paris
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In den Ordensrivalitäten zwischen den Zisterziensern
und den Anhängern der Reformen von Cluny
verfasste Bernhard 1124 die Apologie
. Regularkanoniker,
Prämonstratenser, Gilbertiner und
Kartäuser wandten sich an ihn, um für
ihre Orden Ratschläge zu erbitten; er wirkte klärend über die Frage des
Übertritts von einem Orden in einen anderen. Nach dem Konzil von Troyes
verfasste er 1128 eine kleine Schrift zum Lob des Templerordens:
Ad milites Templi de laude nove militie
; sie umreißt die theologischen
Grundsätze des gerechten Krieges und rechtfertigt das Handeln des Ordens, dessen
kirchliche Anerkennung nun erfolgte, weshalb Bernhard auch die Gründung dieses
Ordens zugeschrieben wird.
Frucht seiner Ideen sind zwei noch heute aktuelle Werke Bernhards: De
gradibus humilitatis et superbiae
, Von Niedrigkeit und Hochmut
und De
diligendo Deo
, Von der Liebe zu Gott
, erschienen 1127. In ihnen zeigen sich
Bernhards Wesenszüge: sanft und radikal, zerbrechlich und stark, aktiv und
kontemplativ zugleich, mystisch begabt und mit hohen spirituellen Gaben der
Prophetie und Wundertaten ausgestattet, oft auch unversöhnlich, aber empfänglich
für Freundschaft. Er verfasste Kommentare zur Bibel, so der unvollendete
Kommentar zum Hohelied, und Hymnen, die zum Teil noch heute gesungen werden.
Seine Treue zum Papsttum gab Bernhard auch die Kraft und den Mut zu sehr
scharfer Kritik an den Päpsten. Er geißelte ihre weltliche Macht und ihr
profanes Gehabe, mit dem sie sich eher als Nachfolger Konstantins
erwiesen denn als Nachfolger Christi.
Im Kampf um die Rechtmäßigkeit des Papsttums zwischen Papst Innozenz II. und
Gegenpapst Anaklet II. trug Bernhard maßgeblich zum Erfolg des ersteren bei, für
den er in ganz Europas Werbung gemacht und Unterstützung organisiert hatte. 1144
und 1145 rief er die aufständischen Römer auf, zum Gehorsam gegenüber den
Päpsten Lucius und Eugen III. -
einen ehemaligen Schüler in Clairvaux - zurückzukehren. Eugen III. widmete er
1148 sein Werk De consideratione
, Betrachtungen
.
Bernhard war berühmt für seine große Predigtbegabung, die er - im Auftrag von
Papst Eugen III. - nicht zuletzt in
den Dienst der Anwerbung für die Kreuzzüge
einsetzte; er entfachte in ganz Europa einen Rausch der Begeisterung für die
Kreuzzüge. Bernhard reiste nach Nordfrankreich, Flandern
und ins Rheinland, überall zogen Wundertaten und die redegewandten Predigten
Bernhards zahlreiche Zuhörer und Pilger an. 1146 rief er in Vézeley zum 2.
Kreuzzug auf, diese Predigt von Vézelay
löste in ganz Frankreich Begeisterung aus; selbst König Ludwig VII. zeigte sich -
neben Mitstreitern aus Frankreich, Flandern und Deutschland - zum Aufbruch entschlossen.
Das ritterliche Ideal der Kreuzzüge sah das Sterben für den himmlischen Herrn als
besonderes Verdienst; so formulierte Bernhard: Ein Ritter Christi
tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich
selber; wenn er tötet, nützt er Christus.
Die schrecklichen Folgen solcher
Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die
mittelalterlichen jüdischen Gemeinden. Der Misserfolg des Kreuzzugs traf
Bernhard schwer; seine erneute Kreuzzugsinitiative 1150 blieb erfolglos.
Kompromisslos bekämpfte Bernhard die Katharer,
1145 unternahm er mit einem Kardinallegaten eine Predigtreise, um ihnen im
Languedoc entgegenzutreten; ebenso bekämpfte er die Reformation des Petrus
Waldus und die von Pierre Abelard, einem französischen Denker, vertretene
rationalistische Philosophie, dessen Lehrsätze er 1140 durch das Konzil von Sens
verurteilen ließ. Sein entschiedenes Eingreifen in die großen Kontroversen in
der Kirche - so in der Frage der Gültigkeit von Papst- und Bischofswahlen oder
den Fragen der Bekämpfung von Häresien - machten ihn bei den Zeitgenossen und in der
Tradition zum führenden Verteidiger der Kirche und des päpstlichen Vorranges.
Bernhard beharrte auf dem Vorrang des Glaubens im Umgang mit dem Dogma, dabei
zeigt sich ein gewisses Misstrauen gegenüber intellektuellem Erkenntnisstreben;
er billigte intellektuelles Denken nur, soweit es zu Gebet und Kontemplation
hinführt. Die um 1151 verfasste Vita S. Malachie
ist die Biographie von
Malachias von Armagh,
der 1148 in Clairvaux starb.
Sein ganzes Leben lang begleitete Bernhard die Sehnsucht nach seinem
klösterlichen Ideal, seine Biografie führte ihn selbst aber auf andere Wege.
Seine Erfahrungen als Abt haben auch seinen Traktat De precepto et
dispensatione
, Von Führung und Verteilung
geprägt. Aus der großen Fülle der
Legenden strahlt das Bild seiner nicht nachlassenden asketischen Bemühung um
Geduld, Überwindung von Versuchungen, innerlichster Gebetsübung. Er selbst
beschrieb sich als Chimäre, die dauernd mit weltlichen Dingen beschäftigt war,
ohne Laie zu sein, und ständig entscheidend in die Geschicke der Kirche
verwickelt war, ohne je Kirchenlenker gewesen zu sein. Als ungekrönter Papst
und Kaiser des Jahrhunderts
lenkte er die Geschichte, seine Zeit nennt man
deshalb auch das Bernhardinische Zeitalter
. Erzvater des europäischen Gefühls
nannte ihn der Historiker Friedrich Heer ob seines weiten Horizonts, ein
religiöses Genie
der protestantische Kirchengeschichtler Adolf von Harnack.
Als Doctor mellifluus
, honigfließenden Lehrer
bezeichneten ihn Zeitgenossen
ob seiner herausragenden Begabung zur Predigt. Dreimal lehnte er die ihm
angebotene Bischofswürde ab.
Bernhard starb in Clairvaux und wurde in Cluny begraben. Bei seinem Tod gehörten 344 Klöster in ganz Europa zum Zisterzienserorden, darunter 166, die Clairvaux unterstanden.
Das Kloster Clairvaux wurde in der Französischen Revolution aufgehoben und diente dann als Gefängnis, heute können die übrig gebliebenen Reste besucht werden. Im Domschatz in Troyes wird seit 1813 das Haupt von Bernhard aufbewahrt.
Bernhard gilt als Marienverehrer. Der
gegenseitigen Begrüßung des Bernhard und der Gottesmutter, wovon es mehrere
Legenden gibt, ist ein eigener Gedenktag am 18. Oktober gewidmet. Deshab
wird Bernhard oft dargestellt mit Maria,
die Jesus die Brust gibt; oder
die Madonna erscheint ihm mit Engeln, die seine ergänzenden Worte zum Hymnus
Salve Regina
singen oder ihm aus ihrer Brust Milch zuspritzen. Alle
Zisterzienserkirchen sind deshalb der
Gottesmutter geweiht. Der Bienenkorb symbolisiert seine überzeugende
Beredsamkeit. Noch heute bekannt sind seine Hymnen, darunter das von Paul
Gerhard deutsch bearbeitete Lied O Haupt voll Blut und Wunden
(GL 179 / EG
85).
Pietro Perugino: Die Vision des Bernhard, 1493, Alte Pinakothek in München
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Kanonisation:
1174 wurde Bernhard von Papst Alexander
III. heilig gesprochen, 1830 erfolgte die Ernennung zum Kirchenlehrer
durch Papst Pius VIII.
Attribute:
mit Totenschädel und Hund, Regelbuch, Bienenkorb
Patron
von Burgund,
Ligurien,
Gibralatar,
Genua
und Stein
am Kocher; der Imker, Wachszieher und Barkeeper; der Bienen; gegen Besessenheit,
Kinderkrankheiten, Besessenheit (Dämonie) und Tierseuchen; bei Gewitter und
Unwetter; in der Todesstunde
Bauernregel:
Wie der St. Bernhard ist, / man auch den September misst.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Die
Website über Petrus Abaelard informiert ausführlich über
Bernhard und stellt eine ganze Reihe von Dokumenten
von Bernhard zur Verfügung.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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