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Ökumenisches Heiligenlexikon

Benedikt von Nursia

italienischer Name: Benedetto

Gedenktag katholisch: 11. Juli
gebotener Gedenktag
Hochfest im Benediktiner-, Trappisten- und Zisterzienserorden
Fest in Europa
gebotener Gedenktag im Trappistenorden und bei den Arnsteiner Patres
nicht gebotener Gedenktag im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Ritus
Diözesankalender von Bologna
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

im Benediktiner- und Zisterzienserorden; Todestag: 21. März
Widmung des Klosters Montecassino: 1. Oktober

Gedenktag evangelisch: 11. Juli

Gedenktag anglikanisch: 11. Juli

Gedenktag orthodox: 14. März

Gedenktag armenisch: 21. März

Name bedeutet: der Gesegnete (latein.)

Einsiedler, Ordensgründer, Abt auf dem Montecassino
Vater des abendländischen Mönchtums

* um 480 in Nursia, heute Norcia in Umbrien in Italien
† 21. März 547 (oder gegen 560 [?]) im Kloster Montecassino in Italien


Benedikt wurde mit seiner Zwillingsschwester Scholastika als Sohn einer vornehmen Familie geboren und schon als Knabe mit seiner Amme nach Rom zur Ausbildung geschickt, wo er auch studierte. Aus der an Legenden reichen Lebensbeschreibung von Gregor I. stammt die Erzählung, dass der Amme das Mehlsieb zerbrach, als sie ihm in eine Stätte innerer Besinnung gefolgt war; sein Gebet trug dazu bei, dass sie es wieder zusammensetzen konnte.

Entsetzt vom Leben in der Stadt, das von Verfall gekennzeichnet war - der Kaiserhof war bereits nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - umgezogen, kirchlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell und auch moralisch lag Rom darnieder - schloss Benedikt sich einer asketischen Gemeinschaft in Effide - dem heutigen Affile - in den Sabiner Bergen nahe Rom an, dann zog er sich in eine unbewohnte Gegend im Aniotal nahe Subiaco zurück. Hier lebte er drei Jahre völlig einsam in einer Höhle, die später Heilige Grotte genannt wurde. Täglich ließ ihm der Mönch Romanus aus einem benachbarten Kloster in Vicovaro an einem Seil ein Brot herab, eine Glocke am Seil gab dazu das Zeichen. Auf diese warf der Teufel eines Tages einen Stein, worauf sie zerbrach. Benedikt bestand auch die weiteren Versuchungen und Plagen des Bösen, der ihm als schwarzer Vogel und als schöne Jungfrau erschien, indem er sich in Dornen wälzte.

Benedikts Ruf als Heiliger wuchs, viele Menschen kamen, um ihn zu sehen. Die Mönche von Vicovaro luden ihn ein und wählten ihn zum Abt ihrer Gemeinschaft. Als sich die Mönche nicht mit seinen Regeln einverstanden erklärten, versuchten sie ihn der Überlieferung nach zu vergiften. Doch das Gift entwich demnach als Schlange aus dem Kelch, den sie ihm reichten, und das Gefäß zerbrach, als er das Kreuzzeichen darüber machte.

Benedetto verließ die Gruppe und kehrte als Vorsteher einer Eremitengemeinschaft von Schülern, die sich ihm anschlossen, nach Subiaco zurück. Er führte eine Ordnung nach den Vorschriften von Pachomius ein: in rund einem Dutzend kleiner Klöster lebten je zwölf Mönche - die Monasteri di S. Benedetto und di S. Scholastica gibt es noch heute. Wieder, so berichtet die Überlieferung, sollte er durch vergiftetes Brot beseitigt werden, aber sein Rabe trug es fort. Nach einem Besuch bei seiner Schwester Scholastika schaute er ihren Tod und, wie ihre Seele als Taube gen Himmel fliegt.

Kloster Montecassino
Kloster Montecassino

Mit einigen der Mönche zog er - der Überlieferung nach im Jahr 529 - fort aus Subiaco und fand auf einem Berg über Casinum, auf dem noch eine heidnische Kultstätte bestand - dem heutigen Montecassino -, neue Unterkunft. Sein Ruf und die Unsicherheit in den Tälern infolge durchziehender Barbarenhorden brachte der Gemeinschaft großen Zulauf. An der Stelle des heidnischen Tempels erbaute er eine Martin geweihte Kirche, auf der Bergspitze ein Johannes geweihtes Oratorium. Er verfasste nun - um 540 - seine berühmte, bis heutige gültige Regula Benedicti, die grundlegende Regel aller sich von da aus über das ganze Abendland ausbreitenden Klöster des Benediktinerordens mit dem Wahlspruch Ora et labora, bete und arbeite. Sie macht auch seine persönlichen Wesenszüge kenntlich: Streben nach Ordnung, Gottes- und Nächstenliebe, Bereitsein zu Nachsicht mit den Schwachen und pastorale Sorge. Der Überlieferung zufolge besuchte ihn 542 oder 546 Gotenkönig Totila, dem er seinen Tod vorausgesagt habe; Totila fiel tatsächlich 552 bei Tagina - dem heutigen Gualdo Tadino. Benedikts Gebet bewirkte, dass Bruder Maurus trockenen Fußes über Wasser gehen konnte, um den ertrinkenden Placidus zu retten.

Benedikts Klosterregel stellt in den Mittelpunkt: das Leben in der Gemeinschaft und körperliche Arbeit. Diese Regel hat das gesamte abendländische Klosterleben organisiert und belebt. Den Mönchen ist jeglicher Besitz untersagt, die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, unnötige Gespräche vermieden. Gebet und Arbeit - ora et labora, dazu der Gehorsam: das waren und das sind bis heute im von ihm gegründeten Benediktinerorden die tragenden Säulen des Zusammenlebens. Durch die Verbindung von meditativem, kontemplativem Anliegen mit aktiven, produktiven Elementen hat Benedetto eine der abendländischen Mentalität gemäße Form mönchischer Frömmigkeit gefunden.

Benedikt als Gesetzgeber für den Orden. Federzeichnung aus dem Ottobeurer Codex der Benediktiner aus dem 12. Jahrhundert, heute in der Württembergischen Landesbibliothek
Benedikt als Gesetzgeber für den Orden. Federzeichnung aus dem Ottobeurer Codex der Benediktiner aus dem 12. Jahrhundert, heute in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart

Benedikts Ordensregeln waren auch eine Antwort auf die sich auflösende spätantike Gesellschaft: in die Unruhe und Auflösungstendenzen jener Zeit brachte er ein Prinzip ein, das dem Zeitgeist widersprach und das gerade deshalb dauerhaft wurde: die Beständigkeit, ein Innehalten in der Zeit der Völkerwanderungen. Dazu kam, dass in den Klöstern alle Menschen aufgenommen wurden und als gleich galten; der Unterschied zwischen zivilisierten Römern und barbarischen Germanen war aufgehoben. Benedikt war Pragmatiker, aber seine Regel wurde zum Modell einer zukünftigen Gesellschaft: nachdem nicht nur die Römer und Griechen, sondern auch die Germanen getauft waren, sollten die Menschen brüderlich miteinander umgehen und zusammen leben - und das Kloster dafür das Modell sein.

Einen großen Teil seiner Zeit widmete Benedetto den Nöten der einheimischen Bevölkerung, er verteilte Almosen und Nahrung an die Armen. Heilungen und Totenerweckungen werden berichtet. Benedikt starb der Überlieferung nach am Gründonnerstag 547 während eines Gebets am Altar der Kirche im Kloster Montecassino, stehend und mit erhobenen Armen; seine Brüder sahen, wie er von Engeln auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße gen Himmel getragen wurde. Nach neuerer Forschung starb er um das Jahr 560.

589 gab es in Rom das erste Benediktinerkloster beim Lateranspalast, 590 wurde mit Gregor dem Großen erstmals ein Benediktiner Papst. Im 6. Jahrhundert missionierten Benediktiner in England, im 7. Jahrhundert kam ihre Klosterregel nach Frankreich. Benedikts Verehrung ist erstmals im 7. Jahrhundert bei Willibrord nachweisbar.

Benedikt wurde auf dem Montecassino bestattet. Aus dem schon von den Langobarden zerstörten Kloster wurden Benedikts Gebeine - angeblich am 11. Juli 673 (oder 703) - in die Benediktinerabtei Fleury - das heutigen St-Benoît-sur-Loire - bei Orléans gebracht, wo sie noch heute verehrt werden; diese alte Tradition dürfte nicht haltbar sein, vieles spricht dafür, dass beim Reliquiendiebstahl nicht die echten Gebeine mitgenommen wurden; der Tag wurde zum Datums des Gedenktages für Benedikt. Reliquien liegen auch in Einsiedeln, Benediktbeuren und Metten in Niederbayern. Benediktbeuren wurde ein wichtiger Wallfahrtsort und ein Zentrum der Verehrung des Ordensgründers.

In Norcia wurde Benedikt ein Santuario errichtet, in der Krypta wird das umgebaute Haus gezeigt, in dem Benedikt der Überlieferung nach geboren wurde. Im Frühjahr 1944 kamen bei Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und den auf Rom vorrückenden Alliierten im Lauf von vier Monaten mehr als 70.000 Soldaten ums Leben; nach der dritten Zerstörung des Montecassino durch das Bombardement durch die Alliierten soll 1950 das Doppelgrab von Benedikt und seiner Schwester Scholastika unter dem Hochaltar wieder entdeckt worden sein. Ab 1944 wurde das völlig zerstörte Kloster wieder aufgebaut, nachdem ein Offizier der deutschen Wehrmacht noch vor dem Bombardement Pläne und die wertvollsten Kunstschätze der Abtei in Sicherheit nach Rom in den Vatikan gebracht hatte; bei deren Weihe durch Papst Paul VI. 1964 erhob dieser Benedikt zum Patron Europas.

Aretino Spinello: Geschichten aus der Legende von Benedikt. Fresko in der Kirche S. Miniato al Monte in Florenz, 1387
Aretino Spinello: Geschichten aus der Legende von Benedikt. Fresko in der Kirche S. Miniato al Monte in Florenz, 1387

Benedikt wird als Vater des abendländischen Mönchtums bezeichnet und trägt Titel wie der letzte Römer, Vater des Abendlandes, Vater Europas. 1964 wurde er von Papst Paul VI. zum Patron Europas ernannt.

Wirklich zuverlässige historische Nachrichten über Benedikts Leben und Wirken sind rar; es gibt nur die von Papst Gregor dem Großen verfasste Lebensbeschreibung im Buch II seiner Dialoge. Gregor stellt darin in erzählender Form dar, wie Benedikt seinen Lebensweg in der Nachfolge Christi und unter der Führung der Heiligen Schrift gegangen ist und stellt dabei weniger Benedikt selbst als das Wirken Gottes in seinem Leben in den Mittelpunkt. Neuerdings wurde von Historikern sogar die Existenz Benedikts überhaupt in Frage gestellt: Der Heilige sei eine Art Kunstfigur, an die man sich wie an eine historische Gestalt erinnert, meinte Johannes Fried 2010 - bis 2000 Vorsitzender des deutschen Historikerverbands und einer der führenden Mittelalterhistoriker Deutschlands - in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. Papst Gregors Lebensbeschreibung habe mit einer herkömmlichen Heiligenvita nichts zu tun. Wo historische Ereignisse auftauchen, geschieht dies jenseits aller zeitlichen Logik, erklärte Fried. Die Geschichte sei in der Sprache des Mythos verfasst und eher symbolisch stilisiert.

Als Benediktuspfennig wurde im 18. Jahrhundert in Wien eine Medaille geprägt, die vor der Pest schützen sollte. Schon zuvor war eine solche Medaille als Amulett gegen Krankheit und Gefahr in Österreich und der Schweiz, in Süddeutschland, dem Rheinland und in Böhmen im Gebrauch; auf der Vorderseite ist Benedikt dargestellt, auf der Rückseite das Benediktuskreuz mit dem Benediktussegen, einer Beschwörungsformel gegen den Teufel.

Bis 1810 gab es in Norcia ein Kloster der => Coelestiner, unter Napoleon wurde es aufgelöst. Im Advent des Jahres 2000 ließen sich wieder die ersten Benediktiner in der Geburtsstadt von Benedikt nieder.

Attribute: mit zersprungenem Becher oder Kelch, aus dem eine kleine Schlange entweicht; Regelbuch, Pelikan, Rabe, Dornen, Kugel, Sieb
Patron des Abendlandes und von Europa; der Schulkinder und Lehrer; der Bergleute, Höhlenforscher, Kupferschmiede, der Sterbenden; gegen Pest, Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei
Bauernregeln (für den 21. März): Willst Du Gersten, Erbsen, Zwiebeln dick, / so säe an St. Benedikt.
Auf St. Benedikt achte wohl, / dass man Hafer säen soll.
St. Benedikt / macht die Möhren dick.
Sankt Benedikt / den Garten schmückt.
Der Benedikt leitet deine Hand, / säest du mit ihm die Frucht in's Land.
Soll das Korn gar üppig stehen, / so soll man es an St. Benedikt säen.

Norcia vor den Sibillinischen Bergen Benedikt und Scholastika in Nursia


Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Ordensregeln

Benedikts Mönchsregel auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Papst Gregor der Große verfasste die Vier Bücher der Dialoge über die Wunder der italischen Väter; das zweite Buch beschreibt Leben und Wunder des ehrwürdigen Abtes Benedikt; Sie können es in deutscher Übersetzung online lesen auf den Seiten der deutschen Benediktiner.

Eine sehr schöne Seite über die Geschichte des Klosters Montecassino, über Benedikt, über das Kloster heute und sein Museum sowie hilfreiche touristische Hinweise hat die Abtei Montecassino in deutscher Sprache sowie in Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und auf Lateinisch.

Schriften von Benedikt und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 01.12.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.frauenwoerth.de/Oblaten/body_oblaten.html
• http://www.bauernregeln.net/maerz.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1460313/Wissenschaftler-meint-Den-heiligen-Benedikt-gab-es-nicht.html
• http://www.katholisches.info/?p=10905
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• http://de.radiovaticana.va/news/2014/03/22/vor_siebzig_jahren:_bomben_auf_montecassino/ted-783806