Gedenktag katholisch: 11. Juli
gebotener Gedenktag
Fest in Europa
Hochfest im Benediktiner-, Trappisten- und Zisterzienserorden
Todestag: 21. März - Benediktiner- und Zisterzienserorden,
gebotener Gedenktag im Trappistenorden
Widmung des Klosters Montecassino: 1. Oktober
Gedenktag evangelisch: 11. Juli
Gedenktag anglikanisch: 11. Juli
Gedenktag orthodox: 14. März
Gedenktag armenisch: 21. März
Name bedeutet: der Gesegnete (latein.)
Fra Angelico: Benedikt. Detail der Kreuzigungsdarstellung (1441 -
42), Fresko im Konvent von San Marco in Florenz

Benedikt wurde mit seiner Zwillingsschwester Scholastika als Sohn einer vornehmen Familie geboren und schon als Knabe mit seiner Amme nach Rom zur Ausbildung geschickt, wo er auch studierte. Aus der an Legenden reichen Lebensbeschreibung von Gregor I. stammt die Erzählung, dass der Amme das Mehlsieb zerbrach, als sie ihm in eine Stätte innerer Besinnung gefolgt war; sein Gebet trug dazu bei, dass sie es wieder zusammensetzen konnte.
Entsetzt vom Leben in der Stadt, das von Verfall gekennzeichnet war - der Kaiserhof war bereits nach
Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul -
umgezogen, kirchlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell und auch moralisch lag
Rom darnieder - schloss Benedikt sich einer
asketischen Gemeinschaft in Effide - dem heutigen
Affile - in den Sabiner Bergen nahe Rom an, dann
zog er sich in eine unbewohnte Gegend im Aniotal nahe
Subiaco zurück. Hier lebte er drei Jahre völlig
einsam in einer Höhle, die später Heilige Grotte
genannt wurde. Täglich ließ ihm der Mönch Romanus aus einem
benachbarten Kloster in Vicovaro an einem Seil
ein Brot herab, eine Glocke am Seil gab dazu das Zeichen. Auf diese warf der Teufel eines Tages einen Stein, worauf sie
zerbrach. Benedikt bestand auch die weiteren Versuchungen und Plagen des Bösen, der ihm als schwarzer Vogel und als schöne
Jungfrau erschien, indem er sich in Dornen wälzte.
Kloster zur Heiligen Grotte oberhalb Subiaco
Benedikts Ruf als Heiliger wuchs, viele Menschen kamen, um ihn zu sehen. Die Mönche von Vicovaro luden ihn ein und wählten ihn zum Abt ihrer Gemeinschaft. Als sich die Mönche nicht mit seinen Regeln einverstanden erklärten, versuchten sie ihn der Überlieferung nach zu vergiften. Doch das Gift entwich demnach als Schlange aus dem Kelch, den sie ihm reichten, und das Gefäß zerbrach, als er das Kreuzzeichen darüber machte.
Benedetto verließ die Gruppe und kehrte als Vorsteher einer Eremitengemeinschaft von Schülern, die sich ihm anschlossen, nach Subiaco zurück. Er führte eine Ordnung nach den Vorschriften von Pachomius ein: in rund einem Dutzend kleiner Klöster lebten je zwölf Mönche - die Monasteri di S. Benedetto und di S. Scholastica gibt es noch heute. Wieder, so berichtet die Überlieferung, sollte er durch vergiftetes Brot beseitigt werden, aber sein Rabe trug es fort. Nach einem Besuch bei seiner Schwester Scholastika schaute er ihren Tod und, wie ihre Seele als Taube gen Himmel fliegt.
Mit einigen der Mönche zog er - der Überlieferung nach im Jahr 529 - fort aus
Subiaco und fand auf einem Berg über Casinum,
auf dem noch eine heidnische Kultstätte bestand - dem heutigen Montecassino
-, neue Unterkunft. Sein Ruf und die Unsicherheit in den Tälern infolge durchziehender Barbarenhorden brachte der
Gemeinschaft großen Zulauf. An der Stelle des heidnischen Tempels erbaute er eine
Martin geweihte Kirche, auf der Bergspitze ein
Johannes geweihtes Oratorium. Er verfasste
nun - um 540 - seine berühmte, bis heutige gültige Regula Benedicti
, die grundlegende Regel aller sich von da aus
über das ganze Abendland ausbreitenden Klöster des Benediktinerordens mit dem
Wahlspruch Ora et labora
, bete und arbeite
. Sie macht auch seine persönlichen Wesenszüge kenntlich: Streben
nach Ordnung, Gottes- und Nächstenliebe, Bereitsein zu Nachsicht mit den Schwachen und pastorale Sorge. Der Überlieferung
zufolge besuchte ihn 542 oder 546 Gotenkönig Totila, dem er seinen Tod vorausgesagt habe; Totila fiel tatsächlich 552 bei
Tagina - dem heutigen Gualdo Tadino. Benedikts
Gebet bewirkte, dass Bruder Maurus trockenen Fußes über Wasser gehen
konnte, um den ertrinkenden Placidus zu retten.
Benedikts Klosterregel stellt in den Mittelpunkt: das Leben in der Gemeinschaft und körperliche Arbeit. Diese Regel hat
das gesamte abendländische Klosterleben organisiert und belebt. Den Mönchen ist jeglicher Besitz untersagt, die Mahlzeiten
werden gemeinsam eingenommen, unnötige Gespräche vermieden. Gebet und Arbeit - ora et labora
, dazu der Gehorsam: das
waren und das sind bis heute im von ihm gegründeten Benediktinerorden die tragenden
Säulen des Zusammenlebens. Durch die Verbindung von meditativem, kontemplativem Anliegen mit aktiven, produktiven Elementen
hat Benedetto eine der abendländischen Mentalität gemäße Form mönchischer Frömmigkeit gefunden.
Benedikt als Gesetzgeber für den Orden. Federzeichnung aus dem
Ottobeurer Codex der
Benediktiner aus dem 12. Jahrhundert, heute in der Württembergischen
Landesbibliothek in Stuttgart 
Benedikts Ordensregeln waren auch eine Antwort auf die sich auflösende spätantike Gesellschaft: in die Unruhe und
Auflösungstendenzen jener Zeit brachte er ein Prinzip ein, das dem Zeitgeist widersprach und das gerade deshalb dauerhaft
wurde: die Beständigkeit, ein Innehalten in der Zeit der Völkerwanderungen. Dazu kam, dass in den Klöstern alle Menschen
aufgenommen wurden und als gleich galten; der Unterschied zwischen zivilisierten
Römern und barbarischen
Germanen war aufgehoben. Benedikt war Pragmatiker, aber seine Regel wurde zum Modell einer zukünftigen Gesellschaft:
nachdem nicht nur die Römer und Griechen, sondern auch die Germanen getauft waren, sollten die Menschen brüderlich
miteinander umgehen und zusammen leben - und das Kloster dafür das Modell sein.
Einen großen Teil seiner Zeit widmete Benedetto den Nöten der einheimischen Bevölkerung, er verteilte Almosen und Nahrung an die Armen. Heilungen und Totenerweckungen werden berichtet. Benedikt starb der Überlieferung nach am Gründonnerstag 547 während eines Gebets am Altar der Kirche im Kloster Montecassino, stehend und mit erhobenen Armen; seine Brüder sahen, wie er von Engeln auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße gen Himmel getragen wurde. Nach neuerer Forschung starb er um das Jahr 560.
589 gab es in Rom das erste Benediktinerkloster beim Lateranspalast, 590 wurde mit Gregor dem Großen erstmals ein Benediktiner Papst. Im 6. Jahrhundert missionierten Benediktiner in England, im 7. Jahrhundert kam ihre Klosterregel nach Frankreich. Benedikts Verehrung ist erstmals im 7. Jahrhundert bei Willibrord nachweisbar.
Benedikt wurde auf dem Montecassino bestattet. Aus dem schon von den Langobarden zerstörten Kloster wurden Benedikts Gebeine - angeblich am 11. Juli 673 (oder 703) - in die Benediktinerabtei Fleury - dem heutigen St-Benoît-sur-Loire - bei Orléans gebracht, wo sie noch heute verehrt werden; diese alte Tradition dürfte nicht haltbar sein, vieles spricht dafür, dass beim Reliquiendiebstahl nicht die echten Gebeine mitgenommen wurden. Reliquien liegen auch in Einsiedeln, Benediktbeuren und Metten in Niederbayern. Benediktbeuren wurde ein wichtiger Wallfahrtsort und ein Zentrum der Verehrung des Ordensgründers.
In Norcia wurde Benedikt ein Santuario errichtet, in der Krypta wird das umgebaute Haus gezeigt, in dem Benedikt der Überlieferung nach geboren wurde. Im Frühjahr 1944 kamen bei Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und den auf Rom vorrückenden Alliierten im Lauf von vier Monaten mehr als 70.000 Soldaten ums Leben; nach der dritten Zerstörung des Montecassino durch das Bombardement durch die Alliierten soll 1950 das Doppelgrab von Benedikt und seiner Schwester Scholastika unter dem Hochaltar wieder entdeckt worden sein. Ab 1944 wurde das völlig zerstörte Kloster wieder aufgebaut, nachdem ein Offizier der deutschen Wehrmacht noch vor dem Bombardement Pläne und die wertvollsten Kunstschätze der Abtei in Sicherheit nach Rom in den Vatikan gebracht hatte.
Aretino Spinello: Geschichten aus der Legende von Benedikt. Fresko in der Kirche S. Miniato al Monte in
Florenz, 1387 
Benedikt wird als Vater des abendländischen Mönchtums
bezeichnet und trägt Titel wie der letzte Römer
,
Vater des Abendlandes
, Vater Europas
. 1964 wurde er von Papst Paul VI. zum Patron Europas ernannt.
Wirklich zuverlässige historische Nachrichten über Benedikts Leben und Wirken sind rar; es gibt nur die von Papst
Gregor dem Großen verfasste Lebensbeschreibung im Buch II seiner
Dialoge
. Gregor stellt darin in erzählender Form dar, wie Benedikt seinen Lebensweg in der Nachfolge
Christi und unter der Führung der Heiligen Schrift gegangen ist und stellt
dabei weniger Benedikt selbst als das Wirken Gottes in seinem Leben in den Mittelpunkt. Neuerdings wurde von Historikern
sogar die Existenz Benedikts überhaupt in Frage gestellt: Der Heilige sei eine Art Kunstfigur, an die man sich wie an
eine historische Gestalt erinnert
, meinte Johannes Fried 2010 - bis 2000 Vorsitzender des deutschen Historikerverbands
und einer der führenden Mittelalterhistoriker Deutschlands - in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit
.
Papst Gregors Lebensbeschreibung habe mit einer herkömmlichen Heiligenvita nichts zu tun. Wo historische Ereignisse
auftauchen, geschieht dies jenseits aller zeitlichen Logik
, erklärte Fried. Die Geschichte sei in der Sprache des
Mythos
verfasst und eher symbolisch stilisiert
.
Benediktusmedaille von Desiderius Lenz, Mönch im Kloster
Beuron, geschaffen zum 1400. Geburtsjubiläum
von Benedikt im Jahr 1880, in Auftrag gegeben von Erzabt Nikolaus d'Orgement vom
Montecassino, heute die am weitesten verbreitete
Fom der Benediktusmedaille.
Eine Benediktusmedaille weist sich aus durch die Buchstaben CSPB - Crux
Sancti Patris Benedicti - das Kreuz des heiligen Vaters Benedikt.
Zwei Beschwörungsformeln im Kreuz drücken den Glauben Benedikts aus: CSSML
- Crux Sacra Sit Mihi Lux - das heilige Kreuz sei mir Licht, und NDSMD - Non
Draco Sit Mihi Dux - nicht der Drache sei mir Führer.
Dazu ein weiteres Verspaar in der Umrandung: VRSNSMV - Vade Retro Satana,
Numquam Suade Mihi Vana - Weiche zurück, Satan, nie rate mir Eitles, und SMQLIVB
- Sunt Mala Quae Libas, Ipse Venena Bibas - Übel ist, was du bietest; trinke
selber das Gift.
Als Benediktuspfennig
wurde im 18. Jahrhundert in
Wien eine Medaille geprägt, die vor der Pest
schützen sollte. Schon zuvor war eine solche Medaille als Amulett gegen Krankheit und Gefahr in Österreich und der Schweiz,
in Süddeutschland, dem Rheinland und in Böhmen
im Gebrauch; auf der Vorderseite ist Benedikt dargestellt, auf der Rückseite das Benediktuskreuz
mit dem
Benediktussegen
, einer Beschwörungsformel gegen den Teufel.
Bis 1810 gab es in Norcia ein Kloster der => Coelestiner, unter Napoleon wurde es aufgelöst. Im Advent des Jahres 2000 ließen sich wieder die ersten Benediktiner in der Geburtsstadt von Benedikt nieder.
Attribute:
mit zersprungenem Becher oder Kelch, aus dem eine kleine Schlange entweicht; Regelbuch, Pelikan, Rabe, Dornen, Kugel, Sieb
Patron
des Abendlandes und von Europa; der Schulkinder und Lehrer; der Bergleute, Höhlenforscher, Kupferschmiede, der Sterbenden;
gegen Pest, Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei
Bauernregeln
(für den 21. März):
Willst Du Gersten, Erbsen, Zwiebeln dick, / so säe an St. Benedikt.
Auf St. Benedikt achte wohl, / dass man Hafer säen soll.
St. Benedikt / macht die Möhren dick.
Sankt Benedikt / den Garten schmückt.
Der Benedikt leitet deine Hand, / säest du mit ihm die Frucht in's Land.
Soll das Korn gar üppig stehen, / so soll man es an St. Benedikt säen.
moderner Bronzeguss: Benedikt mit Schreibfeder und Regelbuch, am Eingang zum
Kloster Montecassino 
Benedikt und Scholastika in Nursia
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Ordensregeln
Benedikts
Mönchsregel auf Deutsch gibt es in der Bibliothek
der Kirchenväter der Université Fribourg.
Papst
Gregor der Große verfasste die Vier Bücher der Dialoge über die
Wunder der italischen Väter
; das zweite Buch beschreibt Leben und Wunder des ehrwürdigen Abtes Benedikt
; Sie
können es
in
deutscher Übersetzung online lesen auf den Seiten der deutschen Benediktiner.
Eine sehr schöne Seite über die
Geschichte des Klosters Montecassino, über Benedikt, über das Kloster heute und sein Museum sowie hilfreiche touristische
Hinweise hat die Abtei Montecassino in deutscher
Sprache sowie in Italienisch, Englisch,
Französisch, Spanisch und auf Lateinisch.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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