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Willibrord, aus der Batavia Sacra
, Antwerpen,
1715 ![]()
Willibrords Vater Willigis, später selbst Mönch, gab ihn schon als Kind ins Kloster nach Ripon, wo er von Wilfrith erzogen wurde. 678 begab er sich in die Abtei von Rathmelsigi - dem heutigen Mellifont - in Irland; nach zwölf Jahren als Klosterschüler bei Egbert wurde er mit 30 Jahren zum Priester geweiht und 690 mit einer von ihm engeführten Schar von zwölf Gefährten - darunter Suitbert und die beiden Ewald, nach Friesland gesandt, wo er nach der Beauftragung durch Pippin dem Mittleren, der die Friesen urückdrängen wollte, mit der Mission begann.
Entgegen der Praxis vieler anderer Missionare ging Willibrord systematisch und planmäßig an die Arbeit. Er band seine Arbeit eng an Rom an: 692 reiste er zu Papst Sergius I., um Zustimmung für seine Mission zu erhalten. Während eines zweiten Besuchs in Rom 695 erfolgte seine Ernennung zum Erzbischof der Friesen auf Reisen, zugleich bekam er den kirchlichen Namen Clemens verliehen. Erstmals gab es nun mit ihm auf dem Kontinent statt eines kollegialen Metropoliten einen päpstlich autorisierten Erzbischof. Willibrord/Clemens schuf Verbindungen zwischen dem Papst und dem karolingischen Königshaus; staatlicher Schutz und zugleich päpstliche Vollmacht wurde richtungweisend für die gesamte spätere Mission der Angelsachsen und dann besonders für Bonifatius; der Arbeit von Willibrord verlieh dies Stabilität und Dauer.
Matthäus, Titelseite des
Matthäus-Evangelium im Willibrord-Evangeliar, um 800 wohl in Iona
oder Lindisfarne
entstanden, heute in der Bibliothèque Nationale de France in Paris
![]()
Schnell bekehrten sich einige Adelsfamilien, darunter die Vorfahren von Liudger von Münster. Willibrord richtete seine Gemeinde in Trajectum - dem heutigen Utrecht - ein, von Pippin dem Mittleren erhielt er in der Stadt eine Kathedralkirche, von der aus er seine Mission organisierte. Die Mission hatte große Erfolge, nicht zuletzt Dank der Unterstützung des Adels. 698 schenkte ihm Irmina von Öhren, die Ehefrau eines Pfalzgrafen, Land, auf dem er das Kloster Echternach gründete, als dessen Abt er wirkte. Utrecht mit der großen Kirche, die Willibrord dort bauen ließ, entwickelte sich zu einem Zentrum christlicher Kultur; in Ausübung seines Amtes als erzbischöflicher Oberhirte, was ihm auch Pippin bestätigte, resie er auch zu den Amtmännern z.B. in Würzburg und Arnstadt.
Willibrord wirkte über 40 Jahre unter den Friesen, unterbrochen lediglich während der kurzen Herrschaft des Friesenkönigs Radbod von 716 bis 719, der wieder heidnischen Kult einführen wollte. In dieser Zeit unternahm Willibrord einen der frühesten Versuche, die Dänen zu missionieren. Ab 719 wurde Willibrord tatkräftig vom fränkischen Hausmeier Karl Martell unterstützt; auch Bonifatius, der später Willibrords Werk fortsetzte, war 719 bis 722 als Helfer bei ihm. Kurz vor seinem Tod bestellte Willibrord noch einen Chorbischof für das Bistum Utrecht
Sarkophag für Willibrord in der ihm geweihten Basilika in Echternach
Willibrord war der erste bedeutende angelsächsische Missionar auf dem
Kontinent, der erste, der mit den Pippiniden bzw. Karolingern zusammenarbeitete,
der erste römische
Erzbischof. Er förderte Gelehrsamkeit und Schreibkunst.
Eine Evangelienhandschrift, die im Besitz Willibrords gewesen sein soll, das
Willibrord-Evangeliar
, ist erhalten; sie wurde im Kloster Echternach
aufbewahrt und kam 1802 im Zuge der Säkularisation nach Paris.
Als die sein Werk weiterführende Schüler gelten Liudger,
Willehad von Bremen und Alkuin (Alcuin),
das Verhältnis zu Bonifatius
war dagegen wohl eher spannungsreich. Willibrord wird als erster Erzbischof von
Utrecht
verehrt und trägt den Titel Apostel der Friesen
.
In den Niederlanden wird Willibrords Gedenktag noch heute festlich begangen.
Sein Grab in Echternach
ist seit dem 15. Jahrhundert jedes Jahr am Pfingstdienstag Ziel der
Springprozession
, die 1497 erstmals urkundlich erwähnt wurde und bei der er
vor allem um Heilung von Epilepsie angerufen wird. Schon 1246 hatte Papst
Innozenz IV. einen Ablass verfügt für alle, die an Feiertagen zu Willibrords
Grab pilgern. Willibrord-Brunnen
sollen gegen Hautkrankheiten helfen. Die in
der Utrecher Union
zusammengeschlossenen altkatholischen Kirchen, die in Folge
des 1. Vatikanischen Konzils
entstanden, haben Willibrord zu ihrem Patron erklärt; der altkatholische
Erzbischof von Utrecht
ist Ehrenoberhaupt aller altkatholischen Kirchen und Präsident der
internationalen altkatholischen Bischofskonferenz.
kolorierte Postkarte mit einem Gemälde aus dem Jahr 1553: Willibrord und die
Springprozession, um 1900 ![]()
Kanonisation:
Willibrord wurde schon kurz nach seinem Tod heilig gesprochen.
Patron
von Luxemburg; gegen Epilepsie, Hauterkrankungen und Zuckungen
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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drei vor, zwei zurückwird heute seitlich gesprungen. Stuttgarter Zeitung 29. Mai 1998