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Ökumenisches Heiligenlexikon

Bonifatius

Taufname: Wynfreth
deutsch: Winfried

Gedenktag katholisch: 5. Juni
gebotener Gedenktag
Hochfest im Bistum Fulda
Fest im deutschen Sprachgebiet und in Groningen in den Niederlanden
gebotener Gedenktag im Bistum Salzburg
Regionalkalender England
Diözesankalender Berlin, Eichstätt, Erfurt, Dresden-Meißen, Görlitz, Hamburg, Mainz, München-Freising und Osnabrück
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

in Deutschland: Fest II. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die II. Klasse einem Fest.
Die Feste II. Klasse werden auch in den geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) gefeiert und verdrängen die Tagesliturgie.

im Dom in Fulda: nicht gebotener Gedenktag: Übertragung der Reliquien: 9. Juli
im Bistum Fulda: nicht gebotener Gedenktag: Tag der Bischofsweihe: 1. Dezember

Gedenktag evangelisch: 5. Juni

Gedenktag anglikanisch: 5. Juni

Name bedeutet: B: der Wohltäter (latein.)
W: Freund des Friedens (althochdt.)

Glaubensbote in Deutschland, Bischof von Mainz, Märtyrer
* um 672 in Crediton (?) in der Grafschaft Devonshire in England
† 5. Juni 754 (oder 755) bei Dokkum in den Niederlanden

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Wynfreth war Sohn einer vornehmen Familie, er wurde in einem Kloster in Exeter ausgebildet, kam dann nach Nhutscelle - dem heutigen Nursling -, wo er das Gelübde als Mönch der Benediktiner ablegte. Mit 30 Jahren wurde Wynfreth Priester und zunächst Lehrer für Grammatik und Dichtung; er verfasste Bibelauslegungen, die erste englische Grammatik der lateinischen Sprache und viele Gedichte. Die englische Kirche war an Rom orientiert, die iro-schottische Kirche achtete eher auf Unabhängigkeit und Eigenständigkeit; diese Bindung an Rom, dazu strenge Mönchszucht und tiefe Bibelfrömmigkeit formten Wynfreth. 716 begann er eine Missionstätigkeit in Friesland, kehrte aber schon Ende des Jahres erfolglos in sein Kloster zurück, denn die trockenen Gefilde waren noch nicht vom himmlischen Tau erfrischt, wie sein Biograph nach 1. Mose 2, 5 urteilte. Als der Abt seines Klosters 717 starb, wurde Wynfreth sein Nachfolger.

Bischof Daniel von Winchester sandte Wynfreth im Herbst 718 nach Rom, wo er von Papst Gregor II. beauftragt wurde, als Heidenapostel den deutschen Völkern das Evangelium zu verkünden; der Tag der Weihe war der 15. Mai 719; Wynfreth erhielt den Namen des Heiligen des Vortages, Bonifatius. Er reiste dann zunächst nach Bayern, dann nach Thüringen und schließlich zu Willibrord nach Friesland. Von ihm lernte er vor allem die Einbeziehung des politischen Umfeldes in seine Planungen, aber auch die Verankerung seiner Arbeit in Rom.

Miniatur: Die wohl früheste Darstellung des Bonifatius, 10. Jahrhundert, im 'Fuldaer Sacramentarium', heute in Udine in Italien

Miniatur: Die wohl früheste Darstellung des Bonifatius, 10. Jahrhundert, im Fuldaer Sacramentarium, heute in Udine in Italien

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721 trennte Bonifatius sich von Willibrord und begann seine Mission in Hessen und Thüringen. 722 rief ihn der Papst nach Rom, weihte ihn zum Missionsbischof, beauftragte ihn, die Kirche in Germanien zu ordnen, insbesondere die arianischen und iroschottischen Gemeinden in die römische Kirche einzugliedern, und stattete ihn mit Empfehlungsschreiben an Karl Martell, den fränkischen Hausmeier Austrasiens, sowie an alle Fürsten und Bischöfe aus. Als Bonifatius im folgenden Jahr nach Hessen zurückkehrte, zerstörte er heidnische Heiligtümer und gründete zahlreiche Kirchen und Klöster, so Ohrdruf und Fritzlar sowie in Mainfranken Tauberbischofsheim, Kitzingen, Neustadt und Ochsenfurt. Verbreitet ist die Erzählung, wie Bonifatius in Geismar - heute Stadtteil von Fritzlar in Hessen - die dem germanischen Kriegsgott Thor (Donar) geweihte Eiche fällte und mit dem sich in vier gleich große Teile spaltenden Holz eine dem Petrus geweihte Kapelle baute, aus der das Kloster Fritzlar wurde. In Hessen legte er das organisatorische Fundament für die ganze deutsche Kirche. Als Anerkennung für seine Dienste ernannte Papst Gregor III. ihn 732 zum Erzbischof und päpstlichen Vikar des Ostteiles des Frankenreiches und erteilte ihm die Erlaubnis, Bischofssitze einzurichten.

Priesterstein mit der ältesten bekannten Darstellung von Bonifatius, 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts, im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum in Mainz

Priesterstein mit der ältesten bekannten Darstellung von Bonifatius, 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts, im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum in Mainz

Auf seiner dritten Reise nach Rom 737/738 erlangte Bonifatius die Funktion eines päpstlichen Gesandten. Nun begann er seine Missionstätigkeit auch in Bayern und Sachsen, unter anderen reorganisierte er 739 die Bistümer Salzburg, Passau, Regensburg und Freising - in der Überlieferung wird er oft sogar als deren Gründer bezeichnet. Dank der tätigen Unterstützung des Hausmeiers Karlmann vermochte er die Bistümer Würzburg, Büraburg - beim heutigen Fritzlar-Ungedanken - und Erfurt einzurichten. Durch seine Verbindungen, einerseits nach Rom, andererseits zu den Karolingern, gehörte er zu jenen, die mithalfen, das Papsttum aus seinen byzantinischen Bindungen zu lösen und enger in die Entwicklung in Mitteleuropa einzubinden. 744 gründete er sein Lieblingskloster Fulda, 747 wurde er Bischof von Mainz - die Erhebung zum Erzbistum erreichte erst Bonifatius' Nachfolger Lullus.

Nach dem Concilium Germanicum vom April 742, der ersten SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. im Teilreich von Karlmann, folgte in seinem Gebiet im März 743 die Synode in Estinnes und im März 744 die Synode in Soissons im Teilreich von Pippin dem Jüngeren. Im Frühjahr 745 fand - wahrscheinlich in Mainz - eine Gesamtfränkische Synode unter Vorsitz der beiden Hausmeier statt. Diese Synoden legten die grundlegenden Vorschriften kirchlicher Zucht und christlichen Lebens fest: die Stellung und die Pflichten des Bischofs, Standesethos und Verhalten des Klerus, Regelung der Beanspruchung kirchlicher Güter zur Sicherung der Herrschaft der Karolinger, die Abkehr von heidnischen Bräuchen oder Fragen des kirchlichen Eherechts.

Lebensbeschreibungen berichten von Bonifatius' Beziehungen zu Karl Martell und dessen Sohn Karlmann. Als Karlmann Ende des Jahres 747 abdankte und Mönch in Italien wurde, wurde Karl Martells anderer Sohn, Pippin der Jüngere (der Kleine), 751 König im Frankenreich; damit schwand Bonifatius' Einfluss. Die sich formierende Opposition gab die traditionellen Bischofsstühle nicht frei. Bonifatius wirkte trotz der Widerstände des Adels weiter, versammelte gelehrte Medizinmeister aus Hibernia (Irland) für das von Krankheiten geplagte Volk um sich. Als seine besonderen Mitarbeiter werden Burkhard, Willibald, Wunibald, Sturmius, Lullus, Megingaud, Wigbert und Gregor sowie die Frauen Lioba und Walburga genannt. Mit Genehmigung durch Pippin setzte er Mitarbeiter als Bischöfe ein: 741 in Würzburg, Büraburg, 742 in Erfurt und 745 in Eichstätt, ein. Mit ihnen bewirkte er die kirchliche Organisation, auf der Karl der Große dann die staatliche aufbauen konnte.

Das Bündnis zwischen den Karolingern und Bonifatius musste sich aufgrund der Widerstände des Adels gegen Bonifatius lockern, weil Pippin III. seine Herrschaft ausweiten und zum Königtum steigern wollte. Bonifatius konnte im März 747 noch an einer SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Austrasien teilnehmen. 748 berief Pippin III. selbst ein Konzil ein, das jedoch nicht stattfand; er wandte sich nun auch in kirchenrechtlichen Fragen direkt an den Papst, der Bonifatius von seiner Antwort nur noch unterrichtete. Bonifatius war beiseite geschoben; doch sein Werk hatte Wurzeln geschlagen, die karolingischen Herrscher führten sein Reformwerk weiter, Pippin III. knüpfte den weltgeschichtlich bedeutsamen Bund mit dem Papsttum.

Bonifatius konnte jetzt nicht einmal in dem ihm als Bischofssitz angewiesenen Mainz sicher sein, dass er dort einen seiner Schüler als Nachfolger einsetzen kann. 751 entzog er deshalb sein Kloster Fulda mit Hilfe eines päpstlichen Privilegs der Organisation der fränkischen Kirche. Pippin III. verbündete sich dann direkt mit Papst Stephan II. (III.), der ihn 754 * als König salbte, und entmachtete Karlmann.

Am Ende seines Lebens machte Bonifatius sich 753 noch einmal mit einigen Gefährten, darunter Adalar, Eoban, Hildebrand und == Ferdinand, zur Friesenmission auf. Als er bei Dokkum in Westfriesland am Pfingstfest 754 (oder 755) eine große Tauffeier abhalten wollte, wurde er von beutegierigen Räubern überfallen und samt seinen Begleitern und über 50 weiteren Gefährten erschlagen.

Johann Neudecker der Jüngere: Bonifatius' Grab, 1710, im Dom in Fulda

Johann Neudecker der Jüngere: Bonifatius' Grab, 1710, im Dom in Fulda

Bonifatius' Leichnam - zunächst in Utrecht aufbewahrt -, wurde dann nach Mainz gebracht, schließlich von Lullus - dem Wunsch des Toten entsprechend - nach Fulda übertragen, die Grabstätte wurde zu einem berühmten Wallfahrtsort. Bonifatius band die fränkische Kirche an die römischen Normen; als Organisator wurde er einer der Baumeister des Abendlandes; als Missionar schloss er lediglich noch eine Lücke im Grenzgebiet Hessen/Thüringen. Sein Ehrenname Apostel der Deutschen bezeichnet deshalb weniger den Missionar als den Organistor Bonifatius.

Die jährliche Wallfahrt zum Fuldaer Dom bewahrt dem Gründervater des Klosters, der Keimzelle der späteren Stadt Fulda, ein ehrendes Andenken. 1867 kamen die deutschen katholischen Bischöfe hier zum ersten Mal zu einer Konferenz zusammen, bis heute findet die Konferenz jedes Jahr im Herbst in Fulda statt; beim feierlichen Schlussgottesdienst im Dom werden die Bischöfe dann jeweils einzeln mit der Bonifatius-Reliquie gesegnet. Das bisher in den deutschen Diözesen unterschiedlich begangene Gedächtnis des Bonifatius ist 2005 einheitlich für alle deutschen Diözesen in den Rang eines Festes erhoben worden.

Kanonisation: Papst Pius IX. genehmigte 1855 die Verehrung von Bonifatius.
Attribute: Eiche und Axt, Fuchs, Rabe, Peitsche, Schwert
Patron von England und Thüringen; der Bierbrauer, Feilenmacher und Schneider; der Bistümer Fulda, Erfurt und Groningen in den Niederlanden; Mitpatron des Bistums Haarlem in den Niederlanden

* Pippin wurde am 24. Juli 754 - also wohl nach Bonifatius' Tod - durch Papst Stephan II. gesalbt.

Eine fundierte Quelle ist das Werk von Dr. Heinrich Wagner: Bonifatiusstudien, Schöningh, Würzburg 2003.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Eine Webseite über Bonifatius hat Dirk Neumann gestaltet. Sie bietet ausführliche Informationen über Bonifatius und die Zeitgeschichte, Informationen über Fulda und Wallfahrten zu Bonifatius-Orten sowie eine Liste aller Bonifatius-Pfarreien.

Detaillierte Fakten über den Apostel der Deutschen hat Klaus Weyer auf seiner Homepage zusammengestellt, dazu eine Übersicht über wichtige Lebensgeschichten und außerdem eine Aufstellung mit Inhaltsangabe der Briefe des Bonifatius.

Schriften von Bonifatius und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Web 3.0 - Leserkommentare:

Heute melde ich mich deshalb wieder einmal, weil ich auf allen Internetseiten zur Thüringenmission des Bonifatius nirgends - auch nicht in Ihrem Heiligenlexikon - zu den 5 virii magnifici Asulfo, Godolavo, Gundhareo und Alvoldo des 19. Bonifatiusbriefes vom 1.Dezember 722 etwas fand. Papst Gregor II. hatte diese wohl bedeutenden Thüringer Grundherren dem Bonifatius als diejenigen empfohlen, die dessen Missionswerk helfend begleiten konnten. Leider taucht jenes Schreiben in keiner Bonifatiusdarstellung auf.
Das Gebiet um den St.Georgsberg, dem Kandelaber, Catterfeld, Asolverod u.a. bildete einen der Kernräume früher Thüriunger Geschichte und stand im frühen 8.Jahrhundert wie im 11./12.Jahrhundert im Brennpunkt konkurrierender Interessen.

Roland Scharff über E-Mail, 21. März 2014




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 00.00.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.estinnes.be/index.php?option=com_content&task=view&id=27&Itemid=31
• Joachim Donsbach, E-Mails vom 4. und 9. Juni 2008
• Klaus Weyer, E-Mail vom 5. Januar 2010