Ökumenisches Heiligenlexikon

Clemens I.
auch: Klemens, Clemens Romanus

Gedenktag katholisch: 23. November
     nicht gebotener Gedenktag
     bedacht im EucharistischenDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I
     und im AmbrosianischenDie Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v.a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I
Gedenktag evangelisch: 23. November
Gedenktag anglikanisch: 23. November
Gedenktag orthodox: 24. November
                                     4. Januar, 22. April
                                     10. September, 25. November
Gedenktag armenisch: 24. November
Gedenktag koptisch: 25. November
     Tag, an dem sein Körper aus dem Meer aufstieg,
       d.h. Auffindung seines Leichnams: 31. Januar
Name bedeutet: der Sanftmütige (latein.)
römischer Gemeindevorsteher, Märtyrer (?), Apostolischer Vater
* um 50 in Rom
† 97 (oder 101) in Rom (?) oder in Chersones, heute Ruinen bei Sewastopol auf der Halbinsel Krim in der Ukraine (?)
Kartenskizze

Clemens war Irenaeus zufolge der dritte, nach Augustinus und der zweite Nachfolger von Petrus als Gemeindevorsteher von Rom, der auch Paulus noch persönlich kannte.

Nach der Überlieferung suchte Clemens als junger Gelehrter bei den Philosophen einen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele; er fand ihn im Hören auf eine Predigt des Apostels Barnabas, die ihn bekehrte. Er wurde von Barnabas getauft und zu Petrus geführt, erfuhr von diesem die Bestätigung der Unsterblichkeit und wurde von ihm zum Nachfolger als römischer Gemeindevorsteher bestimmt. Nach dem Tod von Petrus wollte er diese Wahl nicht annehmen, überließ erst Linus, dann Anenkletos das Amt, wurde aber um das Jahr 88 gedrängt, das Amt zu übernehmen, das er bis 97 innehatte, wie es die frühen Papst-Verzeichnisse angeben. Sein Tod als Märtyrer ist Legende.

Clemens gilt als Verfasser der beiden Clemensbriefe, dessen erster sich an die Gemeinde in Korinth wendet, dessen zweiter eine Art ausführliche Predigt ist. Der Ausbruch der Dispute innerhalb der Kirche von Korinth, wo einige Kirchenälteste ihres Amtes enthoben wurden, zwang Clemens einzugreifen. Bis ins 4. Jahrhundert galten die Clemensbriefe allgemein als kanonisches Buch der Bibel, bis heute werden sie als Zeugnis für die frühe zentrale Stelle des Bischofs von Rom betrachtet. Die Briefe sind eine wichtige Informationsquelle über das Leben, die Lehre und Organisation der frühen christlichen Kirche und begründen Clemens' Aufnahme in die Reihe der Apostolischen Väter. Sie zeugen von Clemens als friedensfördernden, im Namen der Kirche von Rom mit Autorität sprechenden Christen. Der 1. Clemensbrief stammt tatsächlich von Clemens und wurde um 96 verfasst; der 2. Clemens- und andere ihm zugeschriebene Briefe stammen von anderen Verfassern.

Einer der Sinnsprüche von Clemens lautet: Der Herr selbst, als ihn einer fragte, wann sein Königreich komme, sagte: 'Wenn zwei eins sind und das Äußere wie das Inwendige, und der Mann mit dem Weibe, weder Mann noch Weib'.

Origines (Adamantios) identifizierte Clemens mit dem im Philipperbrief 4, 3 genannten Clemens und nennt ihn somit Mitarbeiter von Paulus, von diesem - zusammen mit weiteren - gerühmt: Sie haben mit mir gekämpft für das Evangelium ..., deren Namen im Buch des Lebens stehen; Hieronymus übernahm diese Gleichsetzung. Die Clemens fälschlicherweise zugeschriebenen Clementinen rücken ihn in die Verwandtschaft des Kaiserhauses, gelegentlich wurde deshalb - falsch - spekuliert, er könne mit dem Konsul Titus Flavius Clemens identifiziert werden.

Kaiser Trajan verbannte Clemens der Legende aus dem 4. Jahrhundert nach mit vielen anderen Christen zur Zwangsarbeit in die Marmorsteinbrüche von Chersones - heute Ruinen bei Sewastopol auf der Halbinsel Krim -, wo alle schwer an Wassermangel litten. Clemens vereinte sich mit allen Christen zum inständigen Gebet, schaute ein Lamm, das mit dem rechten Fuß scharrte, grub an diesem Ort - es sprudelte eine Quelle. Zahlreiche Menschen ließen sich daraufhin taufen. Davon unterrichtet, ließ Trajan ihn mit einem Anker am Hals ins Meer stürzen und seine Mitchristen töten. Lange Zeit erschien am Jahrestag von Clemens' Tod sein Sarg in marmornem Tempel aus dem Wasser.

Die Kirche S. Clemente in Rom steht der Überlieferung nach an der Stelle des Elternhauses von Clemens. Ausgrabungen haben erwiesen, dass nach 64 das Gebäude an diesem Ort als Werkstatt errichtet und im 3. Jahrhundert als Mithrasheiligtum benutzt wurde; die Zweckbestimmung nach einem weiteren Umbaus im selben Jahrhundert blieb unklar, eine kirchliche Verwendung deshalb möglich. Eine dort gefundene Inschrift war einem namenlosen Märtyrer geweiht, was wohl Anlass zur Märtyrerlegende des Clemens wurde. 499 waren zwei Priester der nun nach Clemens benannten Kirche auf der römischen SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. von 499 anwesend, spätestens 595 trug sie die Bezeichnung San Clemente. Der Priester Mercuirius errichtete dort zur Zeit von Papst Hormisdas einen Altar und nach seiner Wahl zum Papst Johannes II. 533 Chorschranken, die noch erhalten sind.

Cyrillus von Saloniki und Methodius von Mähren haben 867 die angeblichen Gebeine von Clemens in Chersones gefunden und in die ihm geweihte Kirche S. Clemente nach Rom übertragen. Die Reliquienübertragung führte zur Niederschrift der lateinischen Cyrillus- und Methodius-Legende und zur Gestaltung des Cyrill gewidmeten Freskenzyklus in der Unterkirche von S. Clemente *; als Cyrill kurz darauf in Rom starb, wurde er in der Kirche neben ihrem Eingang bestattet. Clemens' Reliquien werden heute im Hochaltar der 1108 erbauten Oberkirche aufbewahrt.

Brevier des Martin von Aragon: Clemens' Martyrium

Brevier des Martin von Aragon: Clemens' Martyrium   

Attribute: Lamm, Brunnen, Anker
Patron von Sevilla, Århus und Compiègne; der Halbinsel Krim; der Seeleute, Hutmacher, Bergleute, Steinmetze, Marmorarbeiter, (in der Steiermark:) der Holzfäller; der Kinder; bei Sturm und Gewitter; gegen Wassergefahren und Kinderkrankheiten
Bauernregeln: Dem heil'gen Clemens traue nicht, / denn selten zeigt er mild's Gesicht.
St. Clemens uns den Winter bringt, / St. Petri Stuhl der Frühling winkt, / den Sommer bringt uns St. Urban, / der Herbst fängt um Bartholomäi an.

* Die Unterkirche wurde im 11. / 12. Jahrhundert durch die heutige darüberstehende Kirche S. Clemente ersetzt, die Fresken wurden in den Neubau übertragen.

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Catholic Encyclopedia

Den 1. Brief von Clemens an die Korinther auf Deutsch gibt es ebenso wie den 2. Brief von Clemens an die Korinther auf Deutsch in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.





Quellen:
• Adolf v. Harnack: Die Mission und Ausbreitung des Christentums. J. C. Hinrich, Leipzig 1924
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1976
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990


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