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Giotto di Bondone: Stephanus, 1320 - 25, im Museo Horne in Florenz
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Stephanus war der erste von sieben Diakonen der urchristlichen Gemeinde in
Jerusalem;
diese Diakone waren von den Aposteln durch Handauflegung geweiht worden, nachdem
in der Gemeinde ein Konflikt zwischen Mitgliedern mit griechischem Hintergrund
und solchen mit traditionell jüdischem aufgetreten war um die Frage der
Versorgung von Witwen. Diakone waren nun zugleich für die Glaubensverkündigung
zuständig wie auch für die sozialen Belange der Gemeinde und hatten den Rang von
Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutsamkeit nahe an die Apostel heranreichten
(Apostelgeschichte 6, 1 - 7). Stephanus war ein Mann voll Gande und Kraft, tat
große Wunder und Zeichen unter dem Volke
(Apostelgeschichte 6, 8).
Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den hellenistischen Juden in
Jerusalem
in Konflikt. Sie brachten ihn unter dem Vorwurf der Reden wider die heiligen
Stätten und das Gesetz
mit falschen Zeugen vor den Hohen Rat (Apostelgeschichte
6, 9 - 15). Er durfte seine Verteidigungsrede, in der er seinen christlichen
Glauben bekannte und den Vorwurf des Prophetenmordes und der Nichtbeachtung der
durch == Mose überbrachten Gebote erhob, nicht zu Ende führen. Die Richter sahen
sein Antlitz wie das eines Engels strahlen, hielten sich aber die Ohren zu vor
seiner flammenden Verteidigungsrede, mit der er sein Bekenntnis ablegte. Die in
Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass
Stephanus noch vor Paulus den
universellen Anspruch des Christentums verkündete.
Fra Angelico: Stephanus
wird von Petrus zum Diakon geweiht
Fresko (Ausschnitt), 1447 - 49, in der Cappella Niccolina des Papstpalastes im Vatikan
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Stephanus wurde am Ende seiner Rede die Vision zuteil, wie Jesus
zur Rechten Gottes
steht; als er dies mitteilte, wurde er als Gotteslästerer
empört umringt und von der aufgebrachten Menge vor den Stadttoren - nach der
Überlieferung beim Damaskus-Tor - gesteinigt. Er sah den Himmel offen, kniete im
Gebet nieder, vergab seinen Peinigern und starb (Apostelgeschichte 7, 54 - 60).
Saulus von Tarsus,
der spätere Paulus, stimmte nach
eigenem Bekunden der Hinrichtung zu und bewachte die Kleider der Zeugen, die
gegen Stephanus ausgesagt hatten (Apostelgeschichte 22, 20). Stephanus'
Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem
(Apostelgeschichte 8, 1 - 3).
Von Nikodemus und Gamaliel wurde Stephanus der Überlieferung nach in einem neuen Grab des Ackers von Gamaliel begraben. Der Auffindungsbericht der Erhebung seiner Gebeine aus dem Jahr 415 bildete die Grundlage für die Legende, wie der Priester Lucianus zur Zeit des Kaisers Honorius dreimal Gamaliel als würdiger Greis im weißen, goldgestickten Gewand erschien; er forderte ihn auf, die Gebeine aus den verwahrlosten Gräbern in Kaphar-Gamala - wohl beim heutigen Kloster Beit-Gemal nahe Jerusalem - zu überführen, die an vier Körben zu erkennen seien: an einem goldenen Korb mit roten Rosen das Grab des Stephanus, an zwei weiteren goldenen Körben mit weißen Rosen die Gräber des Nikodemus und des Gamaliel, an einem silbernen Korb mit Safran schließlich das Grab von Gamaliels Sohn. Lucianus und die Bischöfe von Jerusalem fanden die Gräber und bestatteten Stephanus in der Zionskirche von Jerusalem.
Bernardo Daddi: Das Martyrium des Stephanus, Fresko, 1324, in der Kirche Santa
Croce in Florenz
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Tatsächlich lagen Stephanus' Gebeine in der Jerusalemer Zionskirche; Bischof Juvenal überführte sie 439 in die neue Stephanuskirche am Platz seines Martyriums. Kaiserin Eudokia ließ bald darauf an dieser Stelle eine geräumige Basilika bauen, sie wurde 484 geweiht, aber 614 von den Persern zerstört. Legenden erzählen, wie ein Senator aus Konstantinopel in Jerusalem starb und anordnete, neben Stephanus begraben zu werden, dem er eine Kapelle hatte bauen lassen. Als nun dessen Frau nach Konstantinopel zurückkehren und den Sarg ihres Mannes mitnehmen wollte, verwechselte sie ihn mit dem des Stephanus. Auf dem Schiff hörte man erst der Engel Gesang, dann aber das Wüten der Dämonen, die dem Schiff mit Untergang drohten, aber vom Erzengel Michael in den Abgrund gedrängt wurden. Der Sarg des Stephanus wurde in Konstantinopel in einer Kirche beigesetzt.
Schon Irenäus von Lyon und Tertullian erwähnen Stephanus' Martyrium, Augustinus preist seine Kraft, den Mördern zu vergeben. Stephanus wurde im Osten ab dem 4. Jahrhundert, im Westen seit dem 6. Jahrhundert verehrt. Reliquien kamen nach Menorca, Augustinus berichtete von Wundern an Reliquien in Afrika und in Ancona. Eine Hand gelangte 428 nach Byzanz, Pulcheria ließ dafür eine Kapelle innerhalb des Palastes bauen. Die Legenden erzählen, wie Eudoxia, die Tochter des Kaisers Theodosius, schwer von Dämonen besessen wurde, die ihr andeuteten, nur Stephanus könne sie heilen. Ihr Vater ließ Eudoxia nach Konstantinopel kommen, dort forderte der böse Geist die Überführung der Gebeine des Stephanus nach Rom, was 425 ausgeführt wurde, worauf ihre Heilung erfolgte.
Durch Galla Placidia kam der Kult nach Ravenna und Rimini, unter Bischof Martinian um 431 nach Mailand, dann nach Bologna und Verona. In Rom wurde die erste Stephanus-Kirche, S. Stefano Rotondo, Mitte des 5. Jahrhunderts erbaut und dann von Papst Simplicius geweiht. Papst Pelagius II. ließ um 585 Stephanus' Gebeine aus Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - nach Rom bringen und in der Krypta von S. Lorenzo fuori le Mura neben dem Leichnam von Laurentius bestatten, worauf dessen Leichnam zur Seite gerückt sei, um seinem Vorbild Stephanus Platz zu machen. Ein Mosaik der unter Papst Pelagius II. erweiterten Kirche stellt Stephanus mit Pelagius, Laurentius mit Hippolytus dar. Stephanus und Laurentius gelten als die Stadtpatrone von Rom, seitdem wurden die beiden Erzdiakone und Erzmärtyrer häufig zusammen dargestellt. Sie gehörten zu den im Mittelalter am meisten verehrten Märtyrern.
Donatello: Stephanus und Laurentius,
1428 - 35, Terracotta-Relief in der Alten Sakristei von San Lorenzo in Florenz
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In Gallien ist die Kathedrale von Arles aus dem Jahr 449 ein erster Beleg der Verehrung; Gregor von Tours berichtete von Wundern, Stephanus wurde Patron von 21 Kathedralen in Gallien. 980 kamen aus Metz Kleidungsteile nach Halberstadt. Die Stadt Mainz kam gegen Ende des ersten Jahrtausends von Straßburg aus in den Besitz von Reliquien; Erzbischof Willigis gründete das St. Stephansstift auf dem höchsten Punkt der Stadt. Die Verehrung breitete sich rasch weiter aus. Von Passau aus ging sie nach Osten und die Donau entlang, wovon der Stephansdom in Wien und der Stephanuskult in Ungarn Zeugnis ablegen. Im Mittelalter förderten besonders die deutschen sowie die ungarischen Könige und Kaiser seinen Kult.
Der Stephanus-Tag wurde schon seit der Einführung des Weihnachtsfestes als Fest am Tag nach dem Fest der Geburt Jesu begangen, wodurch die Freude über die Geburt und die Trauer über die Bedrohtheit des Lebens ganz nahe zusammen gesehen wurden. Möglicherweise durch Verdrängung eines heidnischen Winterfestes wurde Stephanus Patron der Pferde und des Gedeihens in Feld und Haus. Pferde werden in seinem Namen gesegnet; am Stephanstag wechselten Pferdeknechte und Kutscher ihren Arbeitgeber. Am Stephanus-Tag wurde in den Kirchen ein Kelch mit Rotwein, in dem ein Stein versenkt war, gesegnet; der Rotwein erinnerte an das vergossene Blut, der Stein an die Art des Martyriums; dieser gesegnete Wein wurde dann bei vielen Krankheiten als Heilmittel verwendet, er trägt die weinrechtlich offizielle Bezeichnung "Stefaniwein" oder "Stefanilese". An Arme wurde am Stephanstag Brot ausgeteilt, womit die ursprüngliche Tätigkeit der Diakone nachvollzogen wurde. Kinder zogen singend von Haus zu Haus und baten um Gaben, dieser Brauch ist dann auf Epiphanias übergegangen. Das früher reiche Brauchtum ist heute weitgehend vergessen.
Seit 2003 ruft die Deutsche Bischofskonferenz der Katholiken dazu auf, den
Tag als Fürbittetag für Verfolgte Christen heute
zu begehen.
Attribute:
als Diakon, Steine
Patron
von Rom
und Beckum
im Münsterland; der Pferde, Pferdeknechte, Kutscher, Steinhauer, Maurer,
Zimmerleute, Weber, Schneider, Böttcher und Küfer; gegen Besessenheit,
Steinleiden, Seitenstechen und Kopfweh; für einen guten Tod; des Bistums Wien
Bauernregeln:
Bringt St. Stephan Wind, / die Winzer nicht fröhlich sind.
Windstill muss St. Stephan sein, / soll der Nächste Wein gedeih'n.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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