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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johann Christoph Blumhardt

Gedenktag evangelisch: 24. Februar

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
C: der Christusträger (griech.)

Pfarrer
* 16. Juli 1805 in Stuttgart in Baden-Württemberg
† 25. Februar 1880 in Bad Boll in Baden-Württemberg


Johann Christoph Blumhardt
Johann Christoph Blumhardt

Die Eltern von Johann Christoph lebten in bescheidenen Verhältnissen - der Vater war Bäcker - und in den Traditionen des württembergischen Pietismus; sie ermöglichten ihrem Sohn aber den Besuch des Gymnasiums. Dank eines Stipendiums konnte er ab 1820 im Seminar in Schöntal bei Heilbronn seine Ausbildung fortsetzen, dann im Stift in Tübingen Theologie studieren; von großer Wichtigkeit wurde die Freundschaft mit dem Studienkollegen Eduard Mörike. Aus den Erfahrungen einer erlebten Hilfe durch Gott entwickelte Blumhardt sein herzliches, warmes Wesen, das später so vielen Menschen eindrücklich wurde. Nach dem Studium versah er verschiedene Pfarrstellen; 1830 wurde er von seinem Großonkel als Lehrer ans Missionshaus in Basel gerufen, wo ihm eine große Weite des Denkens und Welterlebens eröffnet wurde.

Berühmt wurde Blumhardt an seiner ersten ständigen Pfarrstelle in Möttlingen bei Calw, die er 1838 als Nachfolger von Christian Gottlob Barth antrat. Er mühte sich um seine Gläubigen, hatte dabei aber mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine zeitgenössische Chronik berichtet von sichtbarlichem Leichtsinn und Gleichgültigkeit unter den Dorfbewohnern. Bald schon kamen die Besucher seiner Gottesdienste auch aus der weiteren Umgebung. In dieser Situation wurde Johann Christoph 1842 mit der Krankheit eines Gemeindeglieds konfrontiert: Eine junge Frau litt unter Krämpfen, Blutungen und unerklärlichen Geistererscheinungen und wandte sich Hilfe suchend an ihren Pfarrer.

Damit begann die Geschichte der Krankenheilung von Gottliebin Dittus, die Blumhardt genau dokumentiert hat. In dem Bericht ist von unerklärlichen Stimmen, Krämpfen und sogar von Drahtstücken und Stricknadeln die Rede, die aus dem Körper der Kranken heraustraten, ohne dass eine Wunde vorhanden war. Der betende Seelsorger schaffte, dass seine beharrlichen Bitten - oft Schreie in großer Not - nicht ohne Antwort blieben. Was sich gegen die Kranke richtete, die satanischen Mächte, konnte überwunden werden. Vier Jahre lang währte die Leidenszeit der Frau, bis Ende 1843 der laute Ruf Jesus ist Sieger durch das Dorf drang, so Zeugenaussagen: Gottliebin Dittus war geheilt. Ab 1844 leitete sie den Möttlinger Kindergarten, später die Hauswirtschaft in Bad Boll. Im Ort führten diese Ereignisse zu einer Buß- und Erweckungsbewegung.

Haus der Gottliebin Dittus in Möttlingen, heute Museum
Haus der Gottliebin Dittus in Möttlingen, heute Museum

Der Ruf des Heilungswunders in dem kleinen Schwarzwalddorf verbreitet sich bald weit ins Land hinaus. Kollegen neideten Blumhardt seine große Popularität, ermahnten ihn, an der Demut zu halten, zeigten ihn schließlich bei der Kirchenleitung in Stuttgart an. Das Konsistorium verhörte ihn und erteilte ihm einen Verweis. Begründung: Bei seinen zahlreichen Nebengottesdiensten habe er sich nicht an die vorgeschriebenen Zeiten und an die Grenzen seiner Gemeinde gehalten. Tatsächlich strömten Menschen aus fast ganz Europa in die Kirche nach Möttlingen, um den berühmten Pfarrer zu hören; Blumhardt predigte jeden Sonntag drei Mal, damit die herbei geströmten Menschen ihn alle hören konnten. Ab 1850 stellen sich Heilungen auch in der Ferne ein; oft genügte es, wenn Blumhardt schriftlich seine Fürbitte zusagte.

Glaubensheilung war für Blumhardt immer Gottes Geschenk, für Menschen unverfügbar und auch nicht durch Beten erzwingbar: Gott hat das letzte Wort. Die Grundlage von Blumhardts Wirken war seine Hoffnung auf eine neue Geistausgießung im Reich Gottes und Christi baldige Wiederkunft. Diese in Blumhardt höchst lebendige Sehnsucht und Ungeduld wurde durch die erfahrenen Heilungen nicht gemildert, sondern noch verstärkt. Blumhardt engagierte sich auch auf sozialem Gebiet. Er richtete in Möttlingen eine Leihkasse ein. Den Betrag konnten die Schuldner in Naturalien zurückbezahlen: die Männer sammelten Tannenzapfen, die Frauen konnten spinnen. Wer sich eine eigene Kuh anschaffen wollte, konnte bei einer Viehkasse Geld aufnehmen. Eine Strick- und Nähschule und ein Kindergarten wurden auf Betreiben Blumhardts in Möttlingen eingerichtet.

Kurhaus in Bad Boll
Kurhaus in Bad Boll

1852 kaufte Blumhardt mit Hilfe von Freunden das königliche Bad in Bad Boll, um dort ein Seelsorge- und Heilungszentrum aufzubauen. Die mittlerweile versöhnlich gestimmte Kirchenleitung in Stuttgart richtete ihm eine besondere Pfarrstelle für seine Hausgemeinde ein. Auch in Bad Boll blieb Blumhardt ein gefragter Mann, aus ganz Europa kamen die Besucher zu ihm. Daneben unternahm er Vortragsreisen, veröffentlichte Andachten und Predigten und führte eine umfangreiche Korrespondenz. Von seinen Liederdichtungen findet sich im Evangelischen Gesangbuch heute das Lied EG 375.

Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Christoph Friedrich die Leitung von Bad Boll. Im ehemaligen Wohnhaus der Gottliebin Dittus in Möttlingen wurde eine Ausstellung eingerichtet, die ihr Leben, ihre Krankheit und die Heilung durch Blumhardt behandelt.

Seit 1955 ist die Kirche in Möttlingen nach Blumhardt benannt.

 Dieter Ising verfasste die wohl maßgebende Biografie Johann Christoph Blumhardt. Leben und Werk werden anschaulich dargestellt aufgrund vieler Quellen, Fotos und viele anderen Dokumenten. Die Deutung und Interpretation der Ereignisse zeigt, dass hier keine esoterischen Machenschaften am Werk waren.
Leicht zu lesen ist Friedrich Zündels eher erbauliches Buch Johann Christoph Blumhardt - Jesus ist Sieger

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Das Haus der Gottliebin Dittus in Möttlingen ist heute Museum, das Leben und Krankheit von Gottliebin Dittus sowie ihre Heilung durch die Gebete Blumhardts behandelt, dazu Leben und Werk sowie Nachwirkungen des Pfarrers und Schriftstellers darstellt. Es ist sonntags von 14.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten. (2014)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.09.2015
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• http://www.elk-wue.de/cms/kirchefuersie/gedenktage/johannchrblumhardt/