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Ökumenisches Heiligenlexikon

Christoph Friedrich Blumhardt

Beiname: der Jüngere

Gedenktag evangelisch: 2. August

Name bedeutet: C: der Christusträger (griechisch)
F: der Friedensreiche (althochdt.)

Pfarrer, Politiker
* 1. Juni 1842 in Möttlingen bei Calw in Baden-Württemberg
† 2. August 1919 in Jebenhausen bei Göppingen in Baden-Württemberg


Christoph Friedrich Blumhardt war der Sohn von Johann Christoph Blumhardt und wird zur Vermeidung von Verwechslungen der Jüngere genannt. Er studierte ab 1862 im Stift in Tübingen Theologie und wurde 1866 Vikar in der badischen Landeskirche. Sein Vater rief ihn Ende 1869 ins Kurhaus nach Bad Boll, wo er 10 Jahre lang an dessen Seite als Gehilfe und Sekretär wirkte. Christoph Blumhardts Predigten waren vollmächtig und wurden immer wieder durch deutliche Zeichen bekräftigt. Er fühlte das Reich Gottes auf Erden nahe herbeikommen und sah als eine der Voraussetzungen hierfür in der Tradition des väterlichen Pietismus die Überwindung der von Sünde geprägten Welt; immer wichtiger wurde ihm dabei die Neuordnung der menschlichen Verhältnisse angesichts der Auswirkungen der kapitalistisch geprägten Wirtschaft: er sei mit Püffen und Stößen von Gott auf die soziale Frage hingewiesen worden. Christliche und diakonische Initiativen, die an den die Not verursachenden Verhätnissen nichts ändern, wie sie z. B. Adolf Stoecker vorantrieb, beurteilte Blumhardt abschätzig als Seligkeits-Christentum. Heftig kritisierte er zudem die Politik der Stärke von Kaiser Wilhelm II. und der anderen europäischen Mächte als Nationenhumbug.

1894 verzichtete Blumhardt auf seine Rechte als Pfarrer und arbeitete weiter am Ausbau und der Modernisierung des Kurhauses in Bad Boll. Die Einführung einer rein vegetarischen Ernährung musste er wegen der Proteste der Gäste nach einem Jahr zurücknehmen. Er unterstützte die Friedensbewegung, die 1895 zur Haager Friedenskonferenz führte und wandte sich gegen jeden Pariotismus und Nationalismus.

In seiner Andacht am 6. Januar 1898 sagte Blumhardt:
Es brennt auch in Europa ein Licht, man kann es nicht mehr ertragen, wenn reiche Leute Arme schinden. Heute müssen die Menschen zittern, wo eine Rohheit aufkommt. Das ist auch ein Licht. Es schlägt gewaltig an unsere Herzen: Seid Menschen!

Und in der Andacht am 1. September 1895:
Und wir in Europa merken nicht, dass diese ganze Geschichte des Völker-Zerfleischens ein Unsinn ist, dass ein Wahnsinn mit uns spielt.

Nach der Andacht am 25. Oktober 1900:
Jesus ist der einzige, der die Einheitsidee brachte, und die finden wir wieder im Sozialismus (Einheit der Menschen).

In der Andacht am 6. Juni 1915:
Ein Krieg ist Sünde, ist nicht von Gott. Und so leben sie (die Soldaten) in der Sünde und auch im Tode.

1899 bekannte Blumhardt sich als Jünger Jesu zum Sozialismus und nannte sich einen Bundesgenossen der Arbeiter. Nach vielen daraufhin erfolgten Schmähungen, mit denen die kirchlichen und politischen Kreise und Zeitungen ihn überhäuften, erklärte er - da er nicht widerrufen wollte - seinen Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei. 1900 wurde er als deren Vertreter in den Württembergischen Landtag in Stuttgart gewählt, wo er bis 1906 Abgeordneter war. Er setzte sich ein gegen die Erhebung von Zöllen, für dezentrale Wirtschaft, für genossenschaftliche Unternehmen, für eine Begrenzung von Eigentumsrechten und für eine naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtete Volksschul-Bildung. Nachdem der Parteitag der SPD 1903 in Dresden die Positionen von Eduard Bernstein, der nun im Rahmen der bestehenden kapitalistischen Produktionsweise Verbesserungen für die Arbeiter durch Sozialreformen erreichen wollte, als revisionistisch abgelehnt hatte und am Ziel der revolutionären Abschaffung der Klassengesellschaft festhielt, wandte sich Blumhardt zunehmend von der Sozialdemokratie ab.

Villa Wieseneck in Jebenhausen
Villa Wieseneck in Jebenhausen

Auf Reisen ins Heilige Land im Jahr 1906 und nach Ägypten im Jahr 1910 erkrankte Blumhardt. Zunehmend erkannte er, dass der Sozialismus eine weltliche Sache sei und nicht die von ihm erstrebte gottgewirkte Gemeinschaft war. 1907 zog er mit seiner Lebensgefährtin Anna von Sprewitz in die Villa Wieseneck nach Jebenhausen und eröffnete dort ein Heim für Arbeiterkinder. 1913 legte er die Leitung des Kurhauses in Bad Boll in die Hände eines Freundeskreises. Den 1914 begonnen Krieg verurteilte er als Sünde; in ihm komme das Weltböse zum Ausdruck, damit es von oben überwunden werde: Es ist ein Glück, dass diese Sünde eines Krieges gleich ihr Urteil in sich hat. Menschliche Strebungen nach Besserung der Verhältnisse betrachtete er nun kritisch: Was ist der rechte Weg? Einfach der, dass wir auf das Regiment Gottes trauen, nicht auf Menschen, auch nicht auf die Waffengewalt der Menschen. Nichts von alledem!

Im Kurhauses in Bad Boll predigte Blumhardt noch bis zum Sommer 1917, als er - nach einem ersten an Weihnachten 1916 - einen zweiten Schaganfall erlitt und zum Pflegefall wurde. Noch zu Lebzeiten stiftete Blumhardt der Gemeinde Jebenhausen einen großen Betrag zur Weiterführung des Kinderhauses neben seiner Villa Wieseneck. Die Grundschule des Ortes ist deshalb heute nach ihm benannt.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 08.10.2019

Quellen:

• http://www.goeppingen.de/,Lde/start/Unsere+Stadt/Stiftung+Wieseneck+wird+100+Jahre+alt.html
• Jörg Hübner: Christoph Blumhardt - eine biografische Skizze. In: Deutsches Pfarrerblatt 7/2019

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.