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Ökumenisches Heiligenlexikon

Adolf Stoecker

Name bedeutet: edler Wolf (althochdt.)

Pfarrer, Hofprediger, Politiker
* 11. Januar 1832 in Halberstadt in Sachsen-Anhalt
† 7. Februar 1909 in Gries, heute Stadtviertel Gries-San Quirino in Bozen in Italien


Adolf Stoecker, Sohn eines Wachtmeisters, studierte in Halle und Berlin, arbeitete dann ab 1859 fast vier Jahre als Hauslehrer in Kurland - dem heutigen Kurzeme - und ab 1863 als Pfarrer in drei Gemeinden. 1874 berief ihn Kaiser Wilhelm I. als vierten Hofprediger nach Berlin. 1877 wurde er Leiter der drei Jahre zuvor gegründeten Berliner Stadtmission, die den Verfall der Religion aufhalten wollte. Außerdem engagierte er sich im Zentralverein für Sozialreform auf religiöser und konstitutionell-monarchischer Grundlage. In diesen Tätigkeiten kam er in engeren Kontakt zur Arbeiterklasse und warnte die Kirche, den Kontakt zu dieser Bevölkerungsschicht zu verlieren. Er setzte sich für einen christlich geprägten Sozialismus ein und gründete 1878 die christlich-soziale Arbeiterpartei - 1881 in Christlich-Soziale Partei umbenannt -, die mit christlich-monarchischer Sozialpolitik und antisemitischer Agitation die Bindung der Arbeiterschaft zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) lösen wollte. Stoeckers Partei, die von der Kirchenleitung bekämpft wurde, konnte bei den Reichstagswahlen aber keine Erfolge erzielen.

Adolf Stoecker
Adolf Stoecker

Nachdem Stoeckers Versuch, die Arbeiterschaft für seine Partei zu gewinnen, gescheitert war, wandte er sich - nun erfolgreicher - mit antisemitischer Propaganda an den kleinbürgerlichen Mittelstand. Er kämpfte gegen die jüdische Weltherrschaft; die Juden, die als ein fremdes Volk unter uns leben sollten kein Wahlrecht haben und nicht Beamte werden können. 1880 gründete er die Berliner Bewegung als Zusammenschluss antisemitischer Gruppierungen. Reichskanzler Otto von Bismarck erwog, Stoeckers Gedanken unter das Sozialistengesetz fallen zu lassen und so zu unterdrücken, Stoecker aber wurde von Kaiser Wilhelm I. begünstigt, da er tatsächlich ja nicht auf der Seite der Arbeiter stand, sondern die Monarchie retten wollte. 1883 zwang Bismarck Stoecker zur öffentlichen Verzichtserklärung auf weitere politische Betätigung.

1890, nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes, begann Stoecker erneut politisch zu wirken; nicht nur durch die gewaltigen Versammlungen, die er abhielt, fiel er schließlich bem Kaiser in Misskredit und wurde als Hofprediger entlassen. Er kümmerte sich nun intensiv um die Berliner Stadtmission und entwickelte eine weitgefächerte Arbeit, die sich der Kranken, Behinderten und sozial benachteiligten Gruppen annahm. Im gleichen Jahr gründete er zusammen mit Liberalen wie Adolf von Harnack den Evangelisch-sozialen Kongress zur Erforschung der sozialen Frage. Nach der Entlassung Bismarcks gewann Stoecker in der Deutschkonservativen Partei erneut an Einfluss, 1892 gelang es ihm im Tivoli-Programm der Partei, seinen sozialen und antisemitischen Standpunkt durchzusetzen, 1898 bis 1908 war er dann erneut Mitglied des Reichstags. Er starb an seinem Alterssitz in Südtirol.

Stoeckers Eintreten für einen christlichen Sozialismus blieb letztlich erfolglos, seine antisemitische und antimodernistische Weltanschauung trug entscheidend zu der verhängnisvollen Polarisierung der deutschen Gesellschaft vor und nach dem Ersten Weltkrieg bei, so das Urteil des evangelischen Sozialethikers Günter Brakelmann. Und Stoeckers Antisemitismus legte eine Spur, die dann auch zu den Schrecken des Nationalsozialismus führte.

Stoecker war im Evangelischen Namenkalender enthalten. 2011 beschloss die Synode der Mitteldeutschen Kirche, den Vorstand der liturgischen Konferenz um Streichung zu bitten, die dann für das Kirchenjahr 2013/2014 erfolgte. Die Stadt Bielefeld änderte schon 1987 den Namen der Adolf-Stöcker-Straße um in Bernhard-Mosberg-Straße, 2007 benannte die Stadt Bochum die Adolf-Stöcker-Straße um in Anne-Frank-Straße und 2012 Mülheim an der Ruhr Stöcker-Straße und Stöcker-Platz in Anne-Frank-Straße/-Platz.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Uwe Puschner. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. X, Herzberg 1995
• http://www.hagalil.org/s1/schule-judentum/projekt/stoecker.htm
• http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/nstopo/strnam/Begriff_21.html
• https://www.derwesten.de/staedte/muelheim/umbenennungen-id6414994.html