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Ökumenisches Heiligenlexikon

Zisterzienserorden


Wappen der Zisterzienser
Wappen der Zisterzienser

Der Orden der Zisterzienser - lateinisch Ordo Cisterciensis, abgekürzt OCist - wurde 1098 in Cîteaux - dem heutigen St-Nicolas-lès-Cîteaux - in Frankreich von einer Gruppe von Benediktinern des Klosters Molesme unter der Leitung von Abt Robert gegründet mit dem Ziel, streng nach den Ordensregeln zu leben, die Benedikt von Nursia im Jahr 540 für seine Mönche aufgestellt hatte. Ihr Mutterkloster Cluny hatte großes Vermögen und großen Einfluss in Kirche und Staat erworben; die ursprüngliche Einfachheit des mönchischen Lebens und das Ideal, von der Arbeit der eigenen Hände zu leben, war verloren gegangen.

Die neue Gemeinschaft befürwortete strenge Askese sowie Handarbeit und lehnte Einnahmen aus der Verpachtung von Ländereien oder die Erhebung des Zehnten ab. So wollte sie getreu der Benediktinerregel leben, unterschied sich damit von anderen Benediktinerklöstern, besonders von Cluny, und wurde damit - neben den Waldensern und dem Kartäuserorden - eine der ersten Ausformungen der kirchlichen Armutsbewegung des Mittelalters. Die Gemeinschaft lebte in einem einfachen, klaren, durch ein Patriarchalsystem geprägten Mönchtum. Auch seine späteren Kirchenbauten zeichneten sich aus durch Nüchternheit, den Verzicht auf Malereien und goldenen Schmuck oder Mosaikfußböden. Schon 1098 wurde neben den eigentlichen Mönchen das Institut der Konversen eingerichtet - das sind Ordensleute, die aber in der Regel ohne Bildung sind, nicht dem Konvent angehören, statt dem weißen ein braunes Habit tragen und für die Arbeiten im Kloster zuständig sind; diese Einrichtung begründete im 12. und 13. Jahrhundert den wirtschaftlichen Erfolg und die Blüte des Ordens, den Forscher deshalb heute den Konzern der weißen Mönche nennen und der in den ersten 150 Jahren seines Bestehens 650 Klöster gründete.

Als Robert 1099 nach Molesme zurückgerufen wurde, wurde Alberich sein Nachfolger im Kloster Cîteaux; ihm gelang es 1102, die Anerkennung der Unabhängigkeit seines Klosters vom Mutterkloster Molesme bei Papst Paschalis II. zu erwirken, der Cîteaux seinem persönlichen Schutz unterstellte. Dem ab 1109 wirkenden dritten Abt, dem aus England stammenden Stephan Harding, verdankt der Zisterzienserorden die konsequente Vollendung der Reformen und die Formulierung seiner Verfassung, der Carta Caritatis, der Urkunde der Liebe, die 1119 von Papst Calistus II. bestätigt wurde. Jedes Kloster war demnach selbständig, blieb jedoch auf die einheitliche Verfassung verpflichtet und war immer dem Mutterkloster verantwortlich.

Tagesablauf im Zisterzienserkloster:
  2 Uhr: Vigil - Nachtgebet im Chor
  5 Uhr (Morgengrauen): Laudes - Stundengebet im Chor,
anschl. Privatmessen
  6 Uhr (Sonnenaufgang): Prim - Stundengebet im Chor,
anschl. Kapitel, Lesungen im Kapitelsaal
  7.30 Uhr: Arbeit
  9 Uhr: Terz - Stundengebet im Chor, anschl. Große Messe
10.30 Uhr: Lektüre
12 Uhr: Sext - Stundengebet im Chor, anschl. Mittagessen
13.30 Uhr: Ruhe
15 Uhr: Non - Stundengebet im Chor
16 Uhr: Arbeit
18 Uhr (Sonnenuntergang): Vesper - Stundengebet im Chor,
anschl. Abendessen
19.30 Uhr: Collatio - Lesungen im Kreuzgang
20 Uhr (Nachtbeginn): Komplet - Stundengebet im Chor,
anschl. Nachtruhe

Das Reformkloster von Cîteaux wäre wohl eine Episode geblieben, wenn nicht Bernhard von Clairvaux 1113 zusammen mit 30 Gefährten als Novize in dieses Kloster gekommen wäre; mit ihm begann ein enormer Aufschwung, nun konnten erste Tochterklöster gegründet werden: 1113 La Ferté - das heutige La Ferté-sur-Grosne -, 1114 Pontigny, 1115 Morimond - im heutigen Fresnoy-en-Bassigny. Bernhard wurde im selben Jahr Gründerabt von Clairvaux - heute der Ortsteil Outre-Aube in Longchamp-sur-Aujon. Er entwickelte sich zum einflussreichsten geistigen Leiter seiner Zeit, die schnelle Verbreitung des Ordens war weitgehend sein Verdienst. 1118 gründete er das erste Tochterkloster von Clairvaux, Troisfontaines - heute Trois-Fontaines-l'Abbaye. Bis 1153 gab es dann über 344 Zisterzienserklöster, wovon 166 unmittelbar Clairvaux unterstanden. Zur Gründung eines Tochterklosters brachen jeweils zwölf Mönche unter Leitung eines Abtes nach dem Vorbild von Jesus mit seinem Jüngerkreis auf; das neue Kloster wurde dann vom Abt des Mutterklosters beaufsichtigt und jährlich besucht. Bis zum Ende des Mittelalters stieg die Anzahl der Zisterzienserabteien auf mehr als 700 in ganz Europa. Das erste Kloster in Deutschland wurde 1123 in Altenkamp - im heutigen Kamp-Lintfort - gegründet, es folgten rund 100 weitere Gründungen.

Im 12. Jahrhundert galten die Zisterzienser als einflussreichster Orden innerhalb der katholischen Kirche. Sie übernahmen die Bistümer und Legatenämter, die noch im 11. Jahrhundert von den Benediktinern des Klosters Cluny beansprucht worden waren, und lösten letztere auch in der römischen KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan. ab. 1145 stellten sie Bernhards Schüler Bernhard von Pisa den Papst als Eugen III. Der Orden war wesentlich betraut mit der Predigt für die Kreuzzüge und beim Kampf gegen die Katharer. Wesentlichen Anteil hatten Zisterzienser auch der Christianisierung im Osten und der Unterwerfung der Sachsen; sie erbrachten einen großen Beitrag zum wirtschaftlichen Leben des Mittelalters, beeinflussten die Verbreitung der gotischen Architektur in ganz Europa und sammelten viele Handschriften in ihren Bibliotheken.

Das erste Zisterzienserkloster in Deutschland wurde 1123 in Kamp - dem heutigen Ortsteil von Kamp-Lintfort - von Morimond aus gegründet; es folgten z. B. Loccum 1163 und als Gründung von Clairvaux aus 1131 Volkenroda. Die Kolonisationstätigkeit, besonders östlich der Elbe, wurde im 12. und 13. Jahrhundert bedeutsam.

Die Gründung eines weiblichen Zweiges ihres Ordens lehnten die Zisterzienser zunächst ab, dennoch kam es schon 1120 unter Abt Stephan Harding zur Gründung eines Frauenklosters in Tart - dem heutigen Tart-l'Abbaye. Ab dem 13. Jahrhundert, als zahlreiche Frauenklöster in den Orden aufgenommen wurden, die nach der gleichen Regel lebten und ebenfalls geschlossene Klausur bewohnten, wurde es zu deren Mutterkloster; bald schon übertrafen die Frauenklöster die der Männer, weitere Frauenklöster übernahmen die Lebensweise der Zisterzienser, ohne dem Orden direkt anzugehören. Berühmt wurden die Mystikerinnen des Klosters Helfta: Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud von Helfta.

Im Lauf der Zeit entfernten sich die Zisterzienser von einigen in ihrer Verfassung verankerten asketischen Idealen und glichen sich der ursprünglich kritisierten Praxis der Benediktiner wieder an; auch sie hatten Reichtum und Einfluss gewonnen und das Ideal der Zurückgezogenheit damit preisgegeben. So hielt allein einer der zahlreichen Wirtschaftshöfe von Clairvaux 3000 Schafe, in England berherrschte der Orden den Wollhandel, in Doberan - heute Bad Doberan - betrieb er die bedeutendste Salzmine von in Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem Aufkommen der Bettelorden wie der Franziskaner schwand die Attraktivität der Zisterzienser. Nach dem Höhepunkt im 13. Jahrhundert mit fast 650 Klöstern von Trondheim bis Sizilien setzte ein Rückgang ein, die Reformation führte in Deutschland zur Aufhebung der meisten Zisterzienserklöster. Ab 1425 wurde auch die zentrale Leitung aufgegeben und der Orden nach dem Vorbild der Benediktiner in Kongregationen gegliedert. Nach dem Konzil von Trient gab es neue Reformbestrebungen und einen Aufschwung neuer reformierter Zisterziensergruppen im 17. Jahrhundert, v. a. durch die Trappisten. Diese Gruppierung entwickelte sich schließlich zu einem eigenständigen Orden, der 1892 vom Heiligen Stuhl errichtet wurde und sich Zisterzienser von der strengen Observanz nennt - zum Unterschied vom ursprünglichen Orden, der zur Unterscheidung gelegentlich als Zisterzienser der allgemeinen Observanz bezeichnet wird.

In der französischen Revolution wurde Cîteaux aufgehoben, die Mönche wurden vertrieben, damit war der Orden ohne eigentliche Führung. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Klöster aufgegeben. Erst 1880 konnte wieder ein Generalabt gewählt werden, nachdem diese Funktion seit 1814 durch den Abtpräses der italienischen Kongregation ausgeübt wurde. Nun entstanden wieder neue Klöster, so in Deutschland Himmerod.

2002 bestand der Zisterzienserorden aus 13 Kongregationen und umfasste 1513 Mönche in 92 Klöstern und 1016 Nonnen in 67 Klöstern, meist in Europa, seit 1918 auch in Vietnam, seit 1928 in den USA, dazu in Brasilien und Äthiopien. Während die Frauen meist kontemplativ leben, üben die Männer meist seelsorgerliche und pädagogische Arbeiten aus.

Die Ordenstracht besteht aus einer weißen, schwarz gegürteten Tunika, schwarzem Skapulier mit Kapuze und weißer Kukulle.

Studierende der Hochschule Rhein-Waal haben die Geschichte des Klosters in einem Film dokumentiert, erhältlich kostenlos auf der DVD Kloster Kamp. Eine Zeitreise bei der Hochschule Rhein-Waal, Campus Kamp-Lintfort, Südstr. 8, 47475 Kamp-Lintfort, Tel. 02842 - 90 82 50.

  Lebensbeschreibungen bedeutender und weniger bedeutender Zisterzienser der letzten 900 Jahre gibt es auf der Seite Biographia Cisterciensis in deutscher Sprache.

  Die Encyclopaedia Cisterciensis Cistopedia bietet in verschiedenen Sprachen eine komplette Übersicht über die Klöster des Ordens und eine Bibliothek von Schrifttum sowie ein Stichwortverzeicnis wichtiger Begriffe.

  Die Homepage der Zisterzienser bietet umfangreiche Informationen, leider nur in englischer und italienischer Sprache.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.09.2017
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:

• Pater Meinrad Josef Tomann, OCist. in Rom, E-Mail vom 27. August 2006
• Martin Bräuer: Zisterzienserorden. In: Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim 6/2008
• Peter Dinzelbacher: Gottes fromme Minnesänger. Evang. Kommentare 10/1998