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Ökumenisches Heiligenlexikon

Mechthild von Magdeburg

auch: von Helfta

Gedenktag katholisch: 15. August

Gedenktag evangelisch: 26. Februar

Gedenktag anglikanisch: 19. November

Name bedeutet: kraftvolle Kämpferin (althochdt.)

Begine, Mystikerin
* um 1208 bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt
† 1282, 1285 oder 1294 in Helfta bei Eisleben in Sachsen-Anhalt


Andachtsbild. Inschrift: „Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist, sondern es zuerst sein, um dann in Wahrheit so zu heißen”, um 1900
Andachtsbild. Inschrift: Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist, sondern es zuerst sein, um dann in Wahrheit so zu heißen, um 1900

Mechthild wurde auf einer Burg groß, wo sie schon früh mit dem Minnegesang, der Lyrik und den Liebesliedern ihrer Zeit, vertraut wurde. Schon als 12-jährige wurden ihr mystische Erfahrungen durch Visionen zuteil. Um 1230 trat sie in Magdeburg als Begine einer Gemeinschaft bei, die nach den Regeln des Dominikanerordens lebte. Als geistlich, aber in der Welt lebende Frauen waren diese besonders für die Armen da, alltäglich konfrontiert mit Not und Elend der Leibeigenen, tätig an Krankenlagern oder als Sterbebegleiterinnen. Mechthild sah darin ihre Aufgabe gemäß der ihr zuteil gewordenen Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen.

Die Arbeit der Beginen war in den Städten gern gesehen, soweit sie Not linderten, Trauernde trösteten und Sterbende begleiteten. Aber wenn sie Reichtum anprangerten oder gar als Frauen sich in theologischen Fragen zu Wort meldeten, machten sie sich unbeliebt. Um 1250 gab es in Magdeburg solche Auseinandersetzungen der frommen Frauen mit dem Domkapitel. Mechthild begann in dieser Zeit, ab 1250, ihre Visionen in Versen und Hymnen schriftlich festzuhalten, indem sie sie einer Schreiberin diktierte, weil sie selbst nicht schreiben konnte. Sie wurde gewarnt, ihre Schriften könnte ein Feuer verzehren, sie solle mit dem Schreiben aufhören. Besonders ihre scharfe Kritik am Domkapitel und an der Amtskirche führten zu Anfeindungen des KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.. Wahrscheinlich wurde Mechthild vor das Kirchengericht des Domkapitels gestellt und musste sich und ihr Werk verteidigen; in ihrem Buch Das fließende Licht der Gottheit schrieb sie: Ich bin mir nach dem, was mir bisher geschehen ist, gewiss, dass ich noch viele Becher mit Galle austrinken muss, denn leider hat der Teufel unter den Menschen geistlichen Standes noch sehr viele Schenken, die so voller Giftes sind, dass sie es nicht allein trinken können: Sie müssen es Gottes Kindern voller Bitterkeit ausschenken (II, 24).

Mechthild flüchtete vor den Anfeindungen im Alter von 60 Jahren ins Zisterzienserinnenkloster Helfta zu Gertrud von Hackeborn, von der sie Unterstützung erfuhr und wo sie die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte. Das Kloster wurde zum Zentrum der mystischen Gotteserfahrung von Frauen und ihren daraus erwachsenen Schriften, Mechthild zur Lehrmeisterin auch von Gertrud der Großen.

Innocenz Waräthi: Mechthild (Mitte unten) und Gertrud von Helfta, Deckenfresko, um 1720, in der Bibliothek des Klosters Metten
Innocenz Waräthi: Mechthild (Mitte unten) und Gertrud von Helfta, Deckenfresko, um 1720, in der Bibliothek des Klosters Metten

Mechthilds Visionen enthalten Einheitserfahrungen mit Gott sowie Einsichten über Gott, Welt, Menschheit und Kirche. Anregungen erhielt sie aus der damals mündlich weitergegebenen Frauenmystik, aus dem biblischen Hohenlied der Liebe und den Evangelien, dazu aus Werken von Augustinus, Bernhard von Clairvaux, Hugo von St-Victor und Dionysios Areopagites. Ihre kosmische und apokalyptische Schau steht in der Nachfolge der Hildegard von Bingen. Auffällig ist die hohe poetische Bildkraft.

Mechthilds Schriften gelten als die ersten deutschen Aufzeichnungen der Mystik. Ihr Werk umfasst sieben Bücher mit dem Titel Das fließende Licht der Gottheit; die ersten Fünf enstanden vor 1260, das sechste zwischen 1260 und 1271 das siebte zwischen 1271 und 1282. Es ist nur noch in einer 1343 - 1345 in Basel entstandenen alemannischen Übersetzung sowie einer teilweise noch zu ihren Lebzeiten entstandenen lateinischen Übersetzung in einer Handschrift um 1350 überliefert.

Mechthild von Magdeburg: O du brennender Berg

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Studenten der FU - Berlin haben im Rahmen eines Seminars eine Homepage entworfen mit den Ergebnissen ihrer Forschung zu Mechthilds Werk Das Fließende Licht der Gottheit und der Frage, ob die Mystikerinnen damals nur als Medium fungierten oder ein schriftstellerisches Selbstbewusstsein entwickelten.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 22.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/m/kalm064.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Hildegund Keul: Die Liebe gebietet, was sie will. zeitzeichen 12/2007