Ökumenisches Heiligenlexikon

Dionysios der Areopagite

Gedenktag katholisch: 3. Oktober
Hochfest in der Stadt Jerez, nicht gebotener Gedenktag im Bistum Asidonia-Jerez de la Frontera: 9. Oktober

Gedenktag orthodox: 4. Januar, 3. Oktober

Gedenktag armenisch: 3. Oktober
liturgische Feier am 5. Donnerstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag
und am 6. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Gedenktag syrisch-orthodox: 3. Oktober, 19. November, 3. Dezember

Name bedeutet: dem (griechischen) Gott Dionysos geweiht (latein. - griech.)

erster Bischof von Athen, Märtyrer
96 (?) in Athen in Griechenland


Ikone in der Dionysios von Zakynthos geweihten Kirche in Zakynthos auf Zakynthos
Ikone in der Dionysios von Zakynthos geweihten Kirche in Zakynthos auf Zakynthos

Dionysios, Mitglied des Areopags, des hohen Gerichtshofes in Athen, und nach mancher Überlieferung Ehemann von Damaris, hörte Paulus' berühmte Predigt auf dem Platz des Areopags (Apostelgeschichte 17, 22 - 31). Unter den wenigen Hörern, die nicht spotteten oder mangelndes Interesse bekundeten, war Dionysios, der sich überzeugen ließ und gläubig wurde (Apostelgeschichte 17, 34). Nach dem Bericht von Eusebius von Cäsarea wurde er der erste Bischof von Athen, laut der Bischofsliste amtierte er von 52 bis zu seinem gewaltsamen Tod, den er zusammen mit seinem Priester Rusticus und seinem Diakon Eleutherius erlitt.

Unter seinem Namen wirkte in der Spätantike, vermutlich im frühen sechsten Jahrhundert, ein christlicher Schriftsteller - heute als Pseudo-Dionysios-Areopagites bezeichnet - dessen wirkliche Identität unbekannt ist; vermutet wird, er könnte ein syrischer Mönch gewesen sein, manche erkennen in ihm Petrus den Iberer. Die Werke dieses Autors sind stark vom Neuplatonismus beeinflusst, daneben von Clemens von Alexandria, Basilius dem Großen und Gregor von Nazianz, Origenes und anderen. Sie entfalten ein System christlicher Kultusmystik. Die Verfasserschaft des von Paulus bekehrten Dionysios wurde zwar schon 532 von Bischof Hypatios bezweifelt, dann aber allgemein, auch von Gregor dem Großen, anerkannt und erst im 16. Jahrhundert als Spätschrift erkannt.

Im 9. Jahrhundert wurde der Areopagite durch die Vita Dionysii des Hildwin auch noch mit dem frühchristlichen Pariser Märtyrer Dionysius gleichgesetzt, die ihm zugeschriebenen Werke erlangten hohes Ansehen besonders bei Mystikern wie Meister Eckhard und Heinrich Seuse, aber auch in der Scholastik, wo sie die nach Augustinus wichtigste Autorität waren; Thomas von Aquin verwendete sie häufig.

Rekonstruktionsgrafik der Dionysios geweihten Basilika und des Bischofspalastes aus dem 16. Jahrhundert
Rekonstruktionsgrafik der Dionysios geweihten Basilika und des Bischofspalastes aus dem 16. Jahrhundert

Am nördlichen Hang des Areopag-Hügels in Athen wurde im 16. Jahrhundert eine Dionysios geweihte Basilika errichtet, die wohl schon 1601 durch ein Erdbeben ebenso zerstört wurde wie der neben ihr errichtete Bischofspalast.

Der reformierte Theologe Jean Daillé (Dallaeus) wies 1666 endgültig die Unhaltbarkeit der Identifizierung des Schriftstellers mit dem Areopagiten der Apostelgeschichte nach.

Patron von Athen

Worte von (Pseudo-) Areopagites

Um Gott zu erkennen. müssen wir alle unsere menschlichen Vorstellungen von Gott aufgeben, vergleichbar mit dem Tun eines Bildhauers:
So etwa wie ein Bildhauer, um zu einer Wesensgestaltung zu gelangen, mit Hammer und Händen den Marmor von aller Materie reinigen muss, die dem reinen Anschauen der in ihm noch gänzlich verborgenen Form im Wege steht: unsere einzige ausführbare Tat ist das Wegräumen solcher materieller Hindernisse! Nur dies negative Aberkennen kann uns erlauben, die verhüllte Schönheit des unbekannten Bildes zu offenbaren.

Denn Gott ist für uns Menschen unfassbar, daher lässt sich leichter sagen, was er nicht ist, als was er ist:
Noch höher steigend sprechen wir es jetzt aus, dass dieser Urgrund nicht Seele ist und auch nicht Geist, dass Ihm weder Einbildungskraft zu eigen sein kann noch Meinung, noch Vernunft, noch Erkenntnis; dass Gott weder ausgedrückt werden kann noch auch Ausdrücke vor anderen Ausdrücken wählt. Er kann auch weder Zahl haben noch Ordnung, noch Größe, noch Kleinheit; er kann nicht Gleichheit sein, nicht Ungleichheit; er kann nicht Ähnlichkeit sein, nicht Unähnlichkeit; er kann nicht unbeweglich sein, noch auch Sich bewegen, kann weder Seine eigene Veränderung wollen, noch Seine eigene Veränderung bewirken. Er ist auch nicht das Mögliche, noch auch das Licht, lebt nicht und ist auch nicht Leben (welches immer Veränderung wäre): Er ist also auch nicht Essenz [Wesen] oder Existenz [Dasein], nicht Sein, nicht Zeit, nicht Wirken nicht Gelten, nicht Abfolge, nicht Beharrung, nicht Hingebreitet-Sein und kein Hinbreiten - man kann Ihn daher mit Gedanken niemals fassen. Er ist aber auch nicht Wissen, nicht Wahrheit, nicht Herrschaft, nicht Weisheit, nicht die Eins oder Einheit oder Göttlichkeit oder Güte oder Schönheit oder Geist in dem Sinne, in welchem wir Menschen es begreifen könnten. Er ist nicht Vaterschaft, nicht Kindschaft, nichts was sich mit irgend etwas Bekanntem oder Erfahrbarem irgend eines erschaffenen oder auch nur erschaffensmöglichen Wesens vergleichen ließe. Er ist nichts von dem, was dem Sein angehören könnte. …
So entzieht Er sich unserem Denken, Rufen, Wissen, ist also auch nicht Dunkel, auch nicht Helle, nicht Irrtum oder Wahrheit; man kann Ihm nichts zusprechen vor anderen, nichts absprechen vor anderen, nichts anvertrauen, und nichts ableugnen - denn wenn wir Ihm im Endlichen Grenzen setzen, durch Zuspruch oder durch Leugnung, muten wir Ihm Beschränkungen zu, die an Ihn niemals heranreichen können. Und soviel wir Ihm auch gläubig zuschreiben mögen, glauben wir doch in all unserer Frömmigkeit nie etwas Ihm Zumutbares, da Er jenseits von aller Zumutung bleibt. Er allein ist der Urgrund, der allumfassende Ursprung alles Seins und Nichtseins, darin Vollkommenheit und Überschwang, die Fülle von Allem und der Verzicht auf Alles und die Jenseitigkeit selbst über Alles umschlossen liegt. Kein Sein und kein Nichtsein kann Ihn treffen, und Ja und Nein erreichen Ihn nicht.


Dreieinigkeit, über alles Wesenhafte hinaus, mehr als göttlich und mehr als gut: Du, die Du über alle christliche Gottesweisheit wachest, führe uns nicht nur jenseits von Licht und Dunkel, sondern auch über das Unkennbare hinaus bis nahe an die höchsten Gipfel des mystisch deutenden Wortes, bis dorthin, wo die ein fachen, absoluten, unversehrbaren Mysterien des Gotteswissens offenbar werden und wo die Dunkelheit des Schweigens über alles Licht hinaus die Wahrheit erhellt: denn - tatsächlich! - in diesem Schweigen enthüllen sich die Geheimnisse des Dunkels.
O Dunkel des Schweigens! Es wäre nicht genug, von Dir zu sagen, dass Du vor lauter Finsternis in strahlendstem Licht aufglänzest, nicht genug, von Dir zu glauben, dass Dein Glanz sich immer gleich bleibe, unstörbar und unzerstörbar, nie zu sehen und nie zu erreichen. Es wäre auch nicht genug, von Dir zu sagen, dass Du, Dunkelheit des Urgrunds, jenen vollkommenen Geist, der die Augen des Daseins und die Augen des Seins zu schließen vermöchte, mit der Leuchtkraft deiner Fülle bis zum Bersten blendest, und schöner bist als die Schönheit selbst. Das ist mein Gebet.

Quelle: Mystische Theologie. In: Migne Patrologie Graeca 3, Sp. 997A - 1048B; http://www.hoye.de/mystik/lieferung2.pdf

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Mehrere Werke, die Dionysius zugeschrieben werden, gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg auf Deutsch.

  weitere Briefe von (Pseudo-)Dionysios und sein Werk über die mystische Theologie gibt es auf Lateinisch online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 01.12.2019

Quellen:
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysius_Areopagita
• http://ocafs.oca.org/FeastSaintsViewer.asp?FSID=102843
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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