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Ökumenisches Heiligenlexikon

Lukas

Gedenktag katholisch: 18. Oktober
Fest
Hochfest in der Stadt Sanlúcar de Barrameda im Bistum Cádiz
18. Oktober (Todestag), 9. Mai (Übertragung der Gebeine)
Übertragung der Gebeine nach Konstantinopel unter Kaiser Konstantin: 3. März
2. Übertragung der Gebeine: 2. Mai

Übertragung der Gebeine nach Konstantinopel: 8. Mai, 9. Mai

Gedenktag evangelisch: 18. Oktober

Gedenktag anglikanisch: 18. Oktober

Gedenktag orthodox: 4. Januar, 22. April, 18. Oktober
Übertragung der Gebeine und Kleider: 20. Juni

Gedenktag armenisch: 9. April, 18. Oktober
liturgische Feier am 5. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Gedenktag koptisch: 19. Oktober

Gedenktag syrisch-orthodox: 20. Mai, 2. Juni, 18. Oktober, 19. Oktober

Name bedeutet: aus Lukanien stammend (griech.)

Apostel, Evangelist, Märtyrer (?)
* in Antiochia, heute Antakya in der Türkei (?)
† um 80 in Theben in Böotien, heute Thiva in Griechenland oder in Bithynien in der Türkei (?) oder in der Achaia in Griechenland (?)


Lukas stammte vermutlich aus Antiochia, war Heidenchrist und der Überlieferung nach von Beruf Arzt (Kolosserbrief 4, 14) - im 2. Jahrhundert wird er auch als Jurist bezeichnet - und lebte in Böotien, der Landschaft um Livadia in Griechenland. Über seine Bekehrung zum Christentum ist nichts bekannt. Lukas schloss sich demnach in (Alexandria) Troas - heute Ruinen bei Dalyan - Paulus an und begleitete diesen als Gefährte und treuer Freund auf dessen zweiter und dritter Reise, auf der Reise nach Rom und während der Gefangenschaft dort (Phlilemonbrief 24; 2. Timotheusbrief 4, 11).

Dieser Lukas gilt seit dem 2. Jahrhundert als Verfasser des gleichnamigen Evangeliums und als Autor der Apostelgeschichte, so auch bei Irenäus von Lyon. Als deren Entstehungszeit werden heute allgemein die Jahre zwischen 70 und 80 angesehen; die Identifizierung des Autors dieser Schriften mit dem bei Paulus erwähnten Lukas ist höchst unwahrscheinlich; die theologischen und sachlichen Unterschiede zwischen Lukas' und Paulus' Werken schließen eine Gleichsetzung praktisch aus: Im lukanischen Werk fehlt die Deutung des Todes Jesu als Sühnetod (vgl. Lukasevangelium 22, 19; Apostelgeschichte 20, 28) und die bei Paulus zentrale Rechtfertigung aus Glauben (vgl. Apostelgeschichte 13, 38). Zudem wird Paulus nie als Apostel bezeichnet, wobei dieser darauf gerade entscheidenden Wert legte. Zudem gibt es in der Apostelgeschichte erhebliche Widersprüche zu den Angaben von Paulus in seinen eigenen Briefen, was sein Wirken betrifft, so z. B. bei der Darstellung des wichtigen Apostelkonzils in Jerusalem (Apostelgeschichte 15, 6 - 29 gegen Galaterbrief 2, 2 - 10). Da der Kolosser- und die Timotheusbriefe nicht von Paulus stammen, können auch sie nicht als Beleg gelten. Weder das Evangelium noch die Apostelgeschichte haben einen Hinweis auf Lukas als Autor. Auch die Überlieferung, Lukas sei der Übersetzer des von Paulus verfassten Hebräerbriefes gewesen, ist unhaltbar, der Brief stammt nicht von Paulus selbst.

Cimabue: Lukas (Detail), 1280 - 83, Fresko in der Oberen Kirche der Basilika di San Francesco in Assisi
Cimabue: Lukas (Detail), 1280 - 83, Fresko in der Oberen Kirche der Basilika di San Francesco in Assisi

Der Verfasser des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte war nach eigenen Angaben kein Augenzeuge Jesu (Lukasevangelium 1, 3) und stammte offenbar nicht aus Palästina, da er schlechte Ortskenntnisse hatte (z. B. Lukasevangelium 4, 44). Er war ein gebildeter, griechisch schreibender Stadtbewohner wohl in einer Stadt in den von Paulus missionierten Gebieten. Er war wohl Jude oder der Synagoge nahestehend, was seine Vertrautheit mit dem Alten TestamentWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde., und die Vertrautheit mit dem jüdischen Gottesdienst aufweisen. Das Evangelium entstand auf jeden Fall nach 70 n. Chr., später die Apostelgeschichte (Apostelgeschichte 1, 1), da der Verfasser von der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch die Römer im Jahre 70 wusste (z. B. Lukasevangelium 19, 43 - 44). Lukas entwickelte eine eigene heilsgeschichtliche Konzeption, in der Jesus die Mitte der Heilsgeschichte ist: Nach der Zeit Israels kommt mit Jesus der Übergang zur Zeit der Kirche, die bis zu Wiederkunft Christi wirkt durch die Gabe des Geistes, der Kraft aus der Höhe (Lukasevangelium 24, 49; Apostelgeschichte 1, 8; 2, 1 ff.) und das noch ausstehende endgültige Heil ansagt und vorwegnimmt. Starke soziale Züge kennzeichnen sein Werk mit vielen Erzählungen, in denen sich Jesus den Armen, Verachteten und Verlassenen zuwendet (z. B. Lukasevangelium 16, 19 - 31) sowie der Darstellung der Jerusalemer Urgemeinde als kommunitaristische Gemeinschaft (Apostelgeschichte 4, 32 - 37). Politisch vermeidet er bewusst eine Konfrontation mit dem römischen Staat, was die Darstellung von Pontius Pilatus als schuldlos (Lukasevangelium 23, 1 - 25) aufweist.

Spätere Legenden, so bei Gregor „dem Großen”, nennen Lukas einen der 72 weiteren Jünger Jesu (Lukasevangelium 10, 1) oder auch den zweiten - namentlich nicht genannten - der Jünger, die Jesus auf ihrem Weg nach Emmaus begleiteten (Lukasevangelium 24, 13 - 32).

Das Lukasevangelium war vorrangig für die Unterweisung von Nichtchristen bestimmt. Der Evangelist war bestrebt, Person und Wirken Jesu in einen zeit- und weltgeschichtlichen Rahmen zu rücken; auch seine Geschichte und Vorgeschichte der Geburt Jesu (Lukasevangelium 1, 1 - 2, 20) soll auf die universale Bedeutung Christi hinweisen. Deutlich ist Lukas' Interesse zu erkennen, das Heil, das in Jesus in die Welt gekommen ist, als universal darzustellen, nicht einzugrenzen durch nationale, rassische oder religiöse Barrieren. Die Apostelgeschichte will zeigen, wie die Verkündigung geradezu unaufhaltsam ins Herz- und Machtzentrum der damaligen Welt, nach Rom, vorstieß. Wichtig war dem Verfasser Jesu Bemühen um die Sünder und Geächteten der Gesellschaft sowie sein Wohlwollen gegenüber den Frauen.

Lukas' Grab in Theben, dem heutigen Thiva
Lukas' Grab in Theben, dem heutigen Thiva

Legenden lassen Lukas einen Martertod erleiden, so bei Gregor von Nazianz; demnach wurde er an einem Olivenbaum gekreuzigt. Hieronymus berichtete, dass er mit 84 Jahren in Bithynien - nach anderen Quellen in Theben in Böotien oder mit 89 Jahren in der Achaia - sein Leben friedlich vollendet habe. Von Eusebius von Cäsarea stammt die Nachricht, Lukas stamme aus Antiochia. Wegen der Schilderung der Maria in den ersten Kapiteln seines Evangeliums gilt Lukas als Marienverehrer, ist nach späteren Legenden Maler des ersten Madonnenbildes und wird oft als Maler von Marienbildern dargestellt.

Lukas' Gebeine sollen 357 aus der Achaia - nach anderen Quellen aus Theben - in die Apostelkirche nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - überführt worden sein. Reliquien liegen auch in Padua, sein Kopf im russisch-orthodoxen Panteleimon-Kloster auf dem Berg Athos.

Dem Vieh gab man früher am Lukas-Tag geweihte Zettel mit Bibelversen seines Evangeliums zum Essen, um es vor Seuchen und Unfällen zu schützen. Lukas-Zettel wurden auch unheilbar Kranken und Frauen bei schwerer Geburt gegeben. Der Lukas-Tag bedeutete für Bauern den Beginn der Rübenernte. Lukas-Gilden sind seit dem Mittelalter bestehende Zünfte der Maler, die sich Lukas als Patron erwählt haben, weil er als Maler der Muttergottes besonders verehrt wurde. In Paris fand sich eine solche Gilde schon 1391; große Verbreitung fanden diese Zünfte in Flandern, fast alle bedeutenden Maler, so Hans Memling oder Peter Paul Rubens, waren Mitglieder in diesen Gilden. Im 19. Jahrhundert fand eine Wiederbelebung an der Wiener Kunstakademie statt durch Künstler der Romantik, die Nazarener, darunter Johann Friedrich Overbeck und Franz Pforr, die sich 1808 als Lukasbrüder zusammenschlossen und 1809 den Lukasbund gründeten. Sie wollten damit einen Gegenentwurf zum Klassizismus und seinem Kunstideal setzen, indem sie die altdeutschen Meister wie Albrecht Dürer und Hans Holbein zu ihren Vorbildern erhoben. 1810 wurden viele dieser Künstler aus Wien verstoßen und zogen nach Rom, wo sie in der Abgeschiedenheit des Klosters San Isidoro und nach dem Vorbild der Werke von Raffael, Fra Angelico und Giotto ihre Ideale zu verwirklichen suchten. Bald schon fand ihr Bund und die sich daraus entwickelnde Kunst der Nazaraner großen Anklang und viele Nachahmer. 1932 wurde eine Lukas-Gilde von katholischen Ärzten in Wien gegründet, 1938 in der Nazi-Zeit verboten und 1945 als katholische Ärztegilde wieder gegründet; sie ist vor allem auf Österreich beschränkt.

Attribute: Stier, denn Lukas deutet am innigsten auf den Opfertod Christi hin; Marienbild, Arztgeräte
Patron von Bologna, Padua und Reutlingen; der Ärzte, Chirurgen, Kranken, Künstler, Goldschmiede, Glasmaler, Bildhauer, Sticker, Buchbinder, Notare und Metzger; der christlichen Kunst; des Viehs und des Wetters
Bauernregeln: St. Lukas mild und warm, / Winterkält' dass Gott erbarm'.
Wer an Lukas Roggen streut, / es im Jahr d'rauf nicht bereut.
An Lukas soll das Korn gesät sein.

Catholic Encyclopedia

  Über das Lukas-Grab in Padua informiert ausführlich Erich Künzi auf seiner Website.




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 04.03.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.bauernregeln.net/oktober.html
• http://de.rian.ru/culture/20070609/66993124.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997
• Frank Schumann. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. V, Herzberg 1993 (2 x)