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Ökumenisches Heiligenlexikon

Jesus Christus von Nazaret

Namenstag katholisch: 3. Januar
Tag der Namensgebung des Herrn: 1. Januar
die weiteren Gedenktage

Gedenktag evangelisch: 1. Januar
Tag der Namensgebung und Beschneidung des Herrn (EKD, ELCA, LCMS)
                                            15. August (ELCA, LCMS)

Gedenktag anglikanisch: 1. Januar
Tag der Namensgebung und Beschneidung des Herrn

Gedenktag orthodox: 1. Januar
Tag der Beschneidung unseres Herrn,
Gottes und Erlösers dem Fleische nach

die weiteren Gedenktage

Gedenktag armenisch: 13. Januar
Tag der Namensgebung des Herrn
die weiteren Gedenktage

Gedenktag koptisch: 1. Januar
kleineres Fest Tag der Beschneidung
die weiteren Gedenktage

Gedenktag syrisch-orthodox: 1. Januar
Tag der Beschneidung des Herrn - kleines Herrenfest

Name bedeutet: J: Gott rettet (hebr. - griech. - latein.)
C: der Gesalbte (griech.)

Messias
* im Frühjahr 5 v. Chr. (?) in Nazaret (oder Betlehem (?) in Israel
† 7. April 30 (?) in Jerusalem in Israel


Übersicht: Leben - Gedenkstätten - Gedenktage

Leben:

Sound:
Der Messias: Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel, bearbeitet von Wolfgang Amadeus Mozart, Chor und Orchester der Universität Witten/Herdecke und Solisten, Leitung: UMD Ingo Ernst Reihl

Nach den außerbiblischen Quellen kann es keinen Zweifel an der tatsächlichen Existenz Jesu geben.

Jesus wurde während der Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus geboren (Lukasevangelium 2, 1), also zwischen 31 v. Chr. und 14 n. Chr. Schwierig ist aber, das genaue Geburtsjahr zu bestimmen. Nach dem Matthäusevangelium 2, 1 und dem Lukasevangelium 1, 5 fiel seine Geburt noch in die Regierungszeit von Herodes dem Großen, der 4. v. Chr. starb.

Die Steuererhebung, die Jesu Eltern nach dem Bericht des Lukasevangeliums nach Betlehem führte (2, 1), fand aber erst im Jahr 6/7 n. Chr. statt, nachdem der hier ebenfalls erwähnte Quirinius auch erst 6 n. Chr. sein Amt angetreten hatte; außerdem fand diese nur in Judäa statt, erfasste also nicht Josef als Bürger von Nazaret in Galiläa.

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Johannes, 1594/95, in der Sakristei der Kathedrale in Toledo
Francesco Bassano: Anbetung der Hirten, um 1590, in der Sakristei der Kathedrale in Toledo

Als Weihnachtsstern, der nach dem Matthäusevangelium (2, 2) die drei Weisen zu Jesus führte, galt bislang eine Begegnung von Saturn und Jupiter im Mai, dann im Oktober und noch einmal im Dezember des Jahres 7 v. Chr., wobei ihr Aufleuchten an der Spitze des Zodiaklichtes am 27. November im Jahr 7 v. Chr. besonders eindrücklich war. Neuere Studien des Max-Planck-Instituts für Aeronomie nehmen als wahrscheinlicher an, eine im Frühling des Jahres 5. v. Chr. im Sternbild Adler aufleuchtende Nova sei der Stern von Betlehem gewesen. Wenn wir die Geburtsgeschichte des Lukas als legendär betrachten, ergibt sich als wahrscheinlicher Geburtstermin also das Frühjahr 5 v. Chr.

Guido Reni: Joseph mit dem Jesus-Kind, um 1635, in der Hermitage in St. Petersburg
Guido Reni: Joseph mit dem Jesus-Kind, um 1635, in der Hermitage in St. Petersburg

Matthäusevangelium und Lukasevangelium berichten von Jesu Geburt in Betlehem. Das älteste Evangelium, das des Markus, kennt diese Überlieferung nicht und spricht nur von seiner Heimat Nazaret (Markusevangelium 1, 24; 6, 1 u.a.), ebenso hält es das Johannesevangelium (1, 45). Die Erzählungen im Matthäus- und Lukasevangelium sind als Glaubensaussagen über die Davidsohnschaft und Messianität Jesu zu verstehen: David wurde in Betlehem geboren und auch nach Micha kommt von hier, der Herrscher in Israel werden soll; sein Ursprung (aber) ist in der Vorzeit (5, 2).

Der Stammbaum Jesu im Lukasevangelium (3, 23 - 38) führt die Abstammung Jesu über Joseph als Vater bis auf David, weiter auf Abraham und weiter auf Adam zurück, ähnlich im Matthäusevangelium (1, 1 - 17) und in der ältesten Überlieferung, der bei Paulus im Römerbrief (1, 3); Paulus stellt auch ausdrücklich fest, dass Gott seinen Sohn sandte, von einem Weibe geboren (Galaterbrief 4, 4). Auch die Geburtsgeschichte des Lukas geht selbstverständlich davon aus, dass Maria und Joseph Jesu Eltern sind (Lukasevangelium 2, 4f).

Schon sehr bald entstand aber die Überlieferung von der jungfräulichen Geburt durch Maria, mit der die Göttlichkeit Jesu aufgezeigt werden soll. Matthäus erzählt deshalb etwas umständlich von der Erscheinung des Engels in Josefs Traum (Matthäusevangelium 1, 18 - 25). Auch die anderen Erzählungen rund um die Geburt Jesu haben theologische und keine historische Bedeutung: so die bekannte Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums (2, 1 - 20) mit der Verkündigung der Engel und dem Besuch der Hirten im Stall, die deutlich macht, dass Jesus besonders zu den Menschen am Rande der Gesellschaft gesandt wurde; die Erzählungen des Matthäus vom Besuch der drei Weisen und vom Kindermord (Matthäusevangelium 2, 1 - 12. 16 - 18), die den universalen Anspruch Jesu und seine heilsgeschichtliche Bedeutung vor Augen stellen; so auch der Bericht von der Flucht nach Ägypten (Matthäusevangelium 2, 13 - 15), der Jesus mit dem Schicksal und der Heilsbedeutung == Mose verbindet.

Paolo Veronese: Jesus unter den Gelehrten im Tempel, um 1558, im Nationalmuseum del Prado in Madrid
Paolo Veronese: Jesus unter den Gelehrten im Tempel, um 1558, im Nationalmuseum del Prado in Madrid

Von Kindheit und Jugend Jesu wissen wir nichts, auch von seinem Aussehen oder Charakter ist nichts überliefert - das Grabtuch von Turin kann da wohl nicht helfen. Dass er in Nazaret, also in einfachen bäuerlichen Verhältnissen aufwuchs, als erstgeborener Sohn den Beruf seines Vaters das Bauhandwerk erlernte und zusammen mit vier Brüdern - von denen Jakobus und Simon später für die junge Kirche bedeutsam wurden - und mehreren Schwestern aufwuchs, berichtet das Markusevangelium (6, 3). Allein das Lukasevangelium erzählt die idealtypische Geschichte vom 12-jährigen Jesus, der im Tempel in Jerusalem ob seiner Kenntnis der Bibel Aufmerksamkeit erregte (2, 41 - 47). Weil von Joseph dann keine Rede mehr ist wird vermutet, er sei früh gestorben und Jesus als ältester Sohn habe Verantwortung als Familienoberhaupt und Ernährer getragen.

Jesus kam dann im Alter von etwa 30 Jahren (Lukasevangelium 3, 23) in Kontakt mit Johannes dem Täufer, der im Jahr 28 erstmals auftrat (Lukasevangelium 3, 1). Möglicherweise lebte Jesus selbst einige Zeit als Gefährte Johannes, von dem er sich im Jordan taufen ließ (Markusevangelium 1, 9), wahrscheinlich an der heute Qasr el Jahud genannten Stelle auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres. Dabei erschien der Heilige Geist in Gestalt einer Taube und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Einige der späteren Jünger Jesu waren zunächst Johannes-Jünger (Johannesevangelium 1, 37). Bald schon trat Jesus selbst hervor mit seiner Botschaft: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist genaht; tut Buße und glaubet (Markusevangelium 1, 15). Mit dieser Botschaft traf er auf die bei den Juden damals glühend erwartete Zeitenwende mit Befreiung vom Joch der römischen Fremdherrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung und dem Kommen des verheißenen Messias. Anders als Johannes rief Jesus aber die Menschen nicht in die Wüste, heraus aus ihrem Alltag und in ein asketisches Büßerleben, sondern er ging zu ihnen und mit ihnen: er wollte nicht nur zur Umkehr mahnen, sondern den Leuten die Heilsbotschaft in Wort und Tat nahebringen.

Jesus zog durch Galiläa, um die Menschen zu erreichen. Er verließ seine Familie (Lukasevangelium 8, 19 - 21) und wanderte ohne Besitz und Habe durchs Land (Matthäusevangelium 8, 20), angewiesen auf die Unterstützung von Anhängern, darunter auch besonders Frauen (Lukasevangelium 8, 3). Ein besonderer Schwerpunkt seines Wirkens war offenbar die Hafen- und Grenzstadt Kafarnaum - ein heute abgegangener Ort am See Gennesaret -, die in den Evangelien 16 Mal erwähnt und im Matthäusevangelium (9, 1) als seine Stadt bezeichet wird. Von hier stammten mehrere der Jünger, die sich ihm anschlossen, so Petrus und sein Bruder Andreas, aber auch Matthäus.

Der Kreis seiner Nachfolger wurde später typisiert auf die zwölf Jünger als Repräsentaenten der zwölf Stämme Israels, er umfasste tatsächlich eine größere Anzahl von Männern und Frauen; schon früh wird Maria Magdalena genannt (Lukasevangelium 8, 2). Die Menschen - nicht nur die in Kapernaom / Kafarnaum - waren zunächst begeistert von der Botschaft Jesu und vor allem den Heilungen, die er vollzog (Markusevangelium 2, 2), die anfängliche Anhängerschaft führte aber nicht zu der von Jesus erwarteten grundlegenden Besinnung und Änderung des Lebenswandels (Matthäusevangelium 11, 23); ähnliches galt offenbar auch für eine gewisse Zahl seiner Nachfolger (Johannesevangelium 6, 66).

Ein Grund der Enttäuschung über Jesus war wohl, dass er die konkreten politischen Erwartungen mancher Anhänger nicht erfüllte. Die Geschichte von der Versuchung Jesu (Matthäusevangelium 4, 1 - 11) zeigt, was man von ihm erwartete: die Lösung der sozialen Probleme im Land, die Herstellung der nationalen Souveränität und den sichtbaren Anbruch der Gottesherrschaft auf Erden; all dies wurde von Jesus aber als teuflische Verführung abgelehnt. Noch in der nachösterlichen Begegnung mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus kommt deren Enttäuschung zur Geltung: Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen sollte (Lukasevangelium 24, 21). Auch der Verrat seines Jüngers Judas (Matthäusevangelium 26, 25) wird oft dadurch erklärt, dass er Anhänger der Aufstandsbewegung der Zeloten gewesen sei und aus Enttäuschung über Jesu' fehlende Konfrontation mit der römischen Besatzungsmacht gehandelt habe. Die offene Konfrontation mit der römischen Macht vermied Jesus, so in der Frage nach dem Steuer Zahlen (Markusevangelium 12, 13 - 17). Jesus lehnte auf jeden Fall jegliche Gewaltanwendung ab und lehrte sogar, seine Feinde zu lieben (Matthäusevangelium 5, 38 - 47). Seine fein-ironisch gefärbte Ablehnung der römischen Fremdherrschaft und ihrer Götterverehrung zeigt aber die Geschichte von der Austreibung der Dämonen vom besessenen Gerasener, wo der Dämon seinen Namen Legion - also viele - oder aber die Bezeichnung einer Militäreinheit der Römer - nennt und anschließend auf eine Herde von 2000 Schweinen übergeht, die daraufhin in den See Gennesaret stürzen und ertrinken; die in Syrien stationierte 10. Legion der Römer hatte auf ihren Feldzeichen einen Eber.

Rembrandt Harmensz van Rijn: Die kleinen Kinder werden zu Jesus gebracht - die Radierung ist bekannt als das '100-Gulden-Blatt', 1647 - 49, im Rijksmuseum in Amsterdam
Rembrandt Harmensz van Rijn: Die kleinen Kinder werden zu Jesus gebracht - die Radierung ist bekannt als das 100-Gulden-Blatt, 1647 - 49, im Rijksmuseum in Amsterdam

Auffallend für jene Zeit war, wie Jesus sich auch den Frauen zuwandte und sie ernst nahm. Auch ihnen gilt seine Lehre, so z. B. besonders deutlich in der Geschichte von Maria und Martha. Jesus übertrat die traditionellen Regeln der Abgrenzung gegenüber Frauen, so in der Geschichte von der Heilung der blutflüssigen Frau (Markusevangelium 5, 25 - 29), er ließ sich auch deren Zuwendung gefallen (Markusevangelium 14, 3 - 6). In einmaliger Weise nahm er auch Kinder ernst: das Kinderevangelium (Markusevangelium 10, 13 - 16) zeigt das gängige, abweisende Verhalten der Jünger gegenüber Kindern und im Gegensatz dazu die besondere Zuwendung Jesu und seine Wertschätzung gerade der Kinder.

Jesus sprach seine Muttersprache, Aramäisch, die Sprache des Volkes. Er war aber auch der liturgischen und biblischen Sprache, des Hebräischen, mächtig und seine Kenntnis der Bibel rief Erstaunen hervor (Lukasevangelium 2, 47). Er wurde allenthalben als Rabbi, als Lehrer der Schrift anerkannt. Eine besondere Form der Lehre und Verkündigung waren die Gleichnisse Jesu: einfache Geschichten aus der Lebenswelt der einfachen Leute auf dem Lande, zu verstehen ohne Vorwissen für jedermann und in ihrer Aussage wirkkräftig in sich. Im Gleichnis stellte er einen PharisäerDie Pharisäer (hebr. für „die Abgesonderten”) waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung. Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt. Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren. Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. - einen Menschen, der mit Gottes Geboten in seinem Leben wirklich ernst macht und deshalb allgemein geachtet wurde - einem Zöllner gegenüber - einem Mann der gehobenen Mittelschicht, oft mit betrügerischen Methoden und im Dienst der verhassten Römer - und verglich deren Gebetspraxis mit dem Ergebnis, das demütige, bußfertige Gebet rechtfertige den Zöllner (Lukasevangelium 18, 9 - 14).

Gleichnisse dienten Jesus besonders zur Veranschaulichung des kommenden Reiches Gottes, das mit seiner Wirksamkeit schon angebrochen ist (Matthäusevangelium 12, 28). Wie aus einem der kleinsten Samen, dem Senfkorn, eines der größten Gewächse wird, so wird das Himmelreich - auch gegen alle Erwartung - kommen (Matthäusevangelium 13, 31f) und sich wie eine kostbare Perle erweisen für die es lohnt, auf alles andere zu verzichten (Matthäusevangelium 13, 45f). Das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukasevangelium 15, 11 - 24) macht deutlich, dass vor Gott keiner unwürdig ist und jeder auch nach allen Verfehlungen die Chance zur Umkehr hat.

Johann Karl Loth: Der barmherzige Samaritaner, um 1676, Kunstsammlungen Graf von Schönborn in Pommersfelden
Johann Karl Loth: Der barmherzige Samaritaner, um 1676, Kunstsammlungen Graf von Schönborn in Pommersfelden

Das Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner zeigt neben Jesu Botschaft, den Gefallenen zu helfen, auch die unerschrockene Überwindung geltender Abgrenzungen (Lukasevangelium 10, 25 - 37). Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus enthält neben dem Aufruf zu sozialer Gerechtigkeit die Mahnung, sich auf das Gottesreich vorzubereiten (Lukasevangelium 16, 19 - 31). Mit deutlichem Bezug auf das berühmte Weinberglied des Jesaja (5, 1 - 7) mahnt Jesus im Gleichnis von den bösen Weingärtnern, ihn nicht zu verkennen (Markusevangelium 12, 1 - 12).

Jesus war Jude, auch in seinem unbedingten Festhalten an der jüdischen Thora, dem Gesetz (Matthäusevangelium 5, 17). Aber auch buchstabengetreues Verhalten kann die Erfüllung der Thora verfehlen, wie Jesus immer wieder durch seinen Umgang mit dem Sabbatgebot deutlich macht: kein Gebot darf an sich absolut gesetzt werden, Maßstab ist allein Heilung und Heil des Menschen (Markusevangelium 3, 1 - 5). Auch in seinen ethischen Forderungen, so in der wichtigen Bergpredigt mit ihren Antithesen (Matthäusevangelium 5, 21 - 48) wird nicht eine neue Ethik gelehrt; neu aber ist, dass der Forderung die Heilszusage vorangeht mit den Seligpreisungen (Matthäusevangelium 5, 3 - 11). So wird möglich, nicht nur Forderungen zu hören - sondern sich tatsächlich so zu verhalten, wie es der Goldenen Regel entspricht: Alles nun, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun; auch diese Regel findet sich schon zuvor ebenso in jüdischer Lehre bei Rabbi Hillel.

El Greco: Heilung des Blinden in Bethsaida (Markusevangelium 8, 22 - 25), 1577 - 78, im Metropolitan Museum of Art in New York
El Greco: Heilung des Blinden in Bethsaida (Markusevangelium 8, 22 - 25), 1577 - 78, im Metropolitan Museum of Art in New York

Die Behauptung Jesu, er sei Gottes Sohn, sahen gesetzestreue Juden, vor allem die strengen Pharisäer als massive Gotteslästerung an. Die fast sprichwörtliche Gegnerschaft war wohl unvermeidbar. Jesu Selbstbezeichnung als Menschensohn, wie er sich öfter nannte, war wohl auch der Versuch, unter Aufnahme eines traditionellen Begriffs aus dem Buch Daniel seine endzeitliche Sendung mit einem nicht anstößigen Begriff zu beschreiben. Aber Jesus wollte auch deutlich zu machen, dass - gut gemeintes - Festhalten am Gesetz der Thora die ursprünglich menschenfreundlichen Gebote auch in eine sinnentleerte Handlungsanweisung verwandeln kann. In der Frage des Sabbatgebotes hat Jesus das immer wieder verdeutlicht: Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen (Markusevangelium 2, 28). Pharisäer bauten auf die verändernde Kraft der Gebote, während bei Jesus das Geschenk der frohen Botschaft zur Folge hat, freiwillig und freudig Gottes Vorgaben einhalten zu können.

Jesus wirkte aber nicht nur durch seine Lehre, sondern auch durch die Heilungen, die er vollbrachte. Nach dem Erstaunen über seine vollmächtigen Worte verbreitete sich sein Ruf aufgrund der Heilung eines Besessenen in Kapernaom / Kafarnaum (Markusevangelium 1, 22 - 28). Besonders das Markusevangelium betont Jesu Wirken als Dämonenaustreiber: Jesus heilte, und die unreinen Geister warfen sich, wenn sie ihn erblickten, vor ihm nieder und schrien: Du bist der Sohn Gottes. (Markusevangelium 3, 11). Ein endgültiger Machtwechsel fand statt: Befreiung aus der Macht unreiner Geister durch Gottes Geist. Die Heilung Aussätziger (Lukasevangelium 5, 12 - 16) gab den Betroffenen nicht nur ihre Gesundheit zurück, sondern machte auch ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft möglich. Eine Kraft ging von ihm aus und heilte alle (Lukasevangelium 6, 19).

Giotto di Bondone: Einzug in Jerusalem, 1304 - 06, Fresko in der Cappella Scrovegni in Padua
Giotto di Bondone: Einzug in Jerusalem, 1304 - 06, Fresko in der Cappella Scrovegni in Padua

Spätestens nach der Ermordung von Johannes dem Täufer wird Jesus auch mit seinem eigenen gewaltsamen Ende gerechnet haben; seit seinem ersten öffentlichen Auftreten waren kaum zwei Jahre vergangen. Ort seines Wirkens war bislang Galiläa und das angrenzende Gebiet der zehn Städte mit griechischer Tradition südöstlich des Sees Gennesaret (Markusevangelium 5, 1) sowie Phönizien bis nach Tyrus - dem heutigen Sur - im Libanon (Markusevangelium 7, 24). Nun machte Jesus sich auf den Weg in die Hauptstadt und die Stadt des Heils, nach Jerusalem. Zunächst wird von seinem triumphalen Einzug am Palmsonntag berichtet (Matthäusevangelium 21, 8 - 11), was an den Tatsachen aber wohl vorbeigeht; die weiteren Schilderungen lassen deutlich werden, wie unbeachtet sein Schicksal weithin blieb. Auch die Berichte vom Einzug in Jerusalem wollen deutlich machen, dass sich durch Jesus der göttliche Heilsplan erfüllt, wie ihn das Alte TestamentWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde. vielfach vorhergesagt hatte.

Vom letzten Abend mit seinen Jüngern und der Feier des Abschiedsmahles am Vorabend des Passahfestes berichtet schon die älteste Überlieferung bei Paulus (1. Korintherbrief 11, 23 - 26). Jesus gab Brot und Wein eine neue Deutung, erklärte sie zu seinem eigenen Fleisch und Blut und zur Besiegelung des neuen Bundes, der nun und endgültig durch ihn zwischen Gott und den Menschen geschlossen wird in Erneuerung und Erweiterung des ersten Bundes, der nach Ende der Sintflut zwischen Gott und Noach und seinen Nachkommen in Kraft trat (1. Mose 9, 8 - 17). Jesus forderte bei diesem letzten Abendmahl seine Anhänger auf, ihm in der Zukunft im Pflegen eines solchen gemeinsamen Erinnerungsmahls zu begegnen (Markusevangelium 14, 22 - 25). Die letzte Mahlzeit wurde zum Vermächtnis und zur Verheißung: die Vergegenwärtigung Jesu Christi und seines Heilshandelns ist in der Feier der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Zentrum jeder katholischen Messe, das Abendmahl auch in evangelischen und orthodoxen Gottesdiensten das Mahl der wirksamen Gemeinschaft der Christen mit Jesus.

An der Stelle einer ausführlicheren Schilderung des Abendmahls erzählt das Johannesevangelium von der Fußwaschung (13, 1 - 17): zum Zeichen seiner Sendung als Diener der Menschen wäscht er seinen Jüngern die Füße - eine Verrichtung, die eigentlich niedrigste Sklavenarbeit war, und die Jesus nun als Symbolhandlung vollzieht und zur Nachahmung auffordert: Ein Bespiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich tue. Deshalb vollzieht der Papst diese Handlung jeweils in der Gründonnerstag an Kardinälen - Papst Franziskus auch an einfachen Menschen, z. B. in einem römischen Gefängnis an Häftlingen -; die Bischöfe tun es dem heiligen Vater in ihren Diözesen gleich.

Hans Multscher: Christus vor Pilatus, Panel aus dem Wurzacher Altar von 1437, Staatliche Museen in Berlin
Hans Multscher: Christus vor Pilatus, Panel aus dem Wurzacher Altar von 1437, Staatliche Museen in Berlin

Jesus starb wohl an einem Freitag während des Passahfestes oder am Tag vor dem Fest, also nach jüdischem Kalender am 14. oder 15. Nisan, wahrscheinlich im Jahr 30 - oder im Jahr 33, möglich sind aber auch die Jahre 27, 31 und 34. Seinem Tod ging eine Verhandlung vor dem Sanhedrin, dem Hohen Rat der jüdischen Tempelherren, voraus. Jesus wurde der Gotteslästerung bezichtigt (Markusevangelium 14, 62 - 64). Dass dabei ein Todesurteil gefällt wurde, ist eher unwahrscheinlich: weder war der hohe Rat zu solchem Urteil berechtigt (vgl. auch Johannesevangelium 18, 31), noch konnte diese Versammlung ein Urteil unmittelbar nach der Verhandlung und schon gar nicht des Nachts fällen.

Das Urteil wurde von Pontius Pilatus nach standgerichtlichem Verfahren ausgesprochen, der Jesus aufgrund seines - als politisch verstandenen - Herrschaftsanspruchs verurteilte (Matthäusevangelium 27, 11); die Evangelien spielen deutlich die Verantwortung Pilatus' herunter, der sprichwörtlich seine Hände in Unschuld wusch (Matthäusevangelium 27, 24).

Die von Kaiserin Helena 326 gefundene - hebräisch von rechts nach links geschriebene - 'Kreuzesinschrift Jesu', in der Kirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom
Die von Kaiserin Helena 326 gefundene - hebräisch von rechts nach links geschriebene - Kreuzesinschrift Jesu, in der Kirche S. Croce in Gerusalemme in Rom

Das Urteil gegen Jesus wurde unmittelbar danach vollstreckt als Kreuzigung, der römischen Strafe für Rebellen und Widerstand Leistende, was auch die Kreuzesinschrift bezeugt: Jesus, der König der Juden (Matthäusevangelium 27, 37). Die Evangelien berichten, dass Jesus vergleichsweise schnell - schon nach sechs Stunden am Kreuz - starb; oft warteten die Gekreuzigten zwei qualvolle Tage lang auf Erlösung. Bei ihm waren in diesen schweren Stunden nur Frauen: Maria Magdalena, (Maria) Salome von Galiläa und die Maria des Kleophas (Markusevangelium 15, 40); nach der Schilderung des Johannesevangeliums waren auch seine Mutter Maria und sein Jünger Johannes (19, 25f) dabei.

Die Grablegung musste aufgrund des herannahenden Sabbats eilig vollzogen werden. Joseph von Arimathaia stellte nach dem Bericht der Evangelien das Grab zur Verfügung. Christen bekennen, dass Jesus in der Zeit seines Todes hinabgestiegen in das Reich des Todes ist, um auch den in der Unterwelt schmachtenden Menschen das Heil zu verkünden und die zu erlösen, die sich von ihm rufen lassen.

Als am Morgen nach dem Sabbat drei seiner Anhängerinnen, darunter Maria Magdalena und (Maria) Salome von Galiläa, die zunächst aus Eile unterbliebene Totensalbung nachholen wollten, fanden sie das Grab leer. Ein Bote, ein Engel, sprach sie an: Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten; er ist auferweckt worden, er ist nicht hier (Markusevangelium 16, 6). Diese Osterbotschaft ist die zentrale Botschaft des Christentums: der scheinbar Gescheiterte, der schändlich am Kreuz Gestorbene, der die Leiden schuldlos auf sich nahm, der den Menschen das Heil gebracht hatte: Jesus lebt. Diese alles entscheidende frohe Botschaft erfuhren und erlebten jene Frauen als erste. Und die männlichen Jünger - die zuvor noch ängstlich, verzagt, verzweifelt, ohne Hoffnung und auf dem Weg nach Hause waren, weil der, an den sie geglaubt hatten, im Grab lag - sie fingen dann auf einmal an, von seiner Rückkehr zu erzählen. Vergessen waren Angst und Verzweiflung und Enttäuschung: der Ruf Jesus lebt gewann schnell mehr Anhänger, als Jesus selbst zu seinen Lebzeiten hatte.

Andreas von Florenz: Christus, hinabgestiegen in die Hölle, 1365 - 68, Fresko in der Cappella Spagnuolo der Kirche Santa Maria Novella in Florenz
Andreas von Florenz: Christus, hinabgestiegen in die Hölle, 1365 - 68, Fresko in der Cappella Spagnuolo der Kirche Santa Maria Novella in Florenz

Die Jünger hatten sich nach dem ziemlich eindeutigen Zeugnis der Evangelien nach der Gefangennahme Jesu versteckt und versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Berichtet wird, wie selbst Petrus seinen bewunderten Herrn verleugnete (Matthäusevangelium 26, 69 - 75).

Relief: Christus und die beiden Jünger auf dem Gang nach Emmaus, 11.  Jahrhundert, im Kreuzgang des Klosters Santo Domingo de Silos
Relief: Christus und die beiden Jünger auf dem Gang nach Emmaus, 11. Jahrhundert, im Kreuzgang des Klosters in Santo Domingo de Silos

Die Evangelien berichten dann von Erscheinungen des Auferstandenen vor seinen Jüngern in Jerusalem (Johannessevangelium 20, 19 - 29), auf deren Flucht nach Emmaus - dem Ort Emmaus Nicopolis, später Amwas, heute Ruinen - (Lukasevangelium 24, 13 - 32) - und nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat Galiläa (Matthäusevangelium 28, 16 -18). Dort erteilte Jesus ihnen die Verheißung und den Auftrag, der jeder Taufe zugrunde liegt: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt. (Matthäusevangelium 28, 18 - 20). Das Lukasevangelium berichtet, wie Jesus sich dann von seinen Jüngern verabschiedete und mit seiner Himmelfahrt von der Erde entschwand (Lukasevangelium 24, 50 - 51).

Als erster männlicher Zeuge der Auferstehung wird später oft Petrus genannt. Das Johannesevangelium berichtet, wie Petrus den am Ufer des See Gennesaret - dem heutigen Jam Kinneret - erschienenen Auferstandenen erkannte und von Jesus Christus den Auftrag erhielt: Weide meine Lämmer. (21, 1 - 19). Paulus erschien Christus nach dem Bericht der Apostelgeschichte einige Zeit später und bewirkte seine Bekehrung (9, 1 - 20).

Jesus sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten, so bekennt das Apostolische Glaubensbekenntnis Jesu Christi Wirksamkeit in Gegenwart und Zukunft. Durch den an Pfingsten ausgegossenen Heiligen Geist wirkt er auch heute in dieser Welt.

unbekannter flämischer Meister: Auferstehung, um 1400, Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen
unbekannter flämischer Meister: Auferstehung, um 1400, Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen

Gedenkstätten:

In Israel gibt es unzählige Orte und Stellen, an denen Jesus sich aufgehalten haben soll. Wirklich historisch und archäologisch gesichert ist eigentlich keiner dieser Plätze.

Elsässische Werkstatt von 1418: Der thronende Christus in der Mandorla, Buchmalerei, 1419, in der Universitätsbibliothek in Heidelberg
Elsässische Werkstatt von 1418: Der thronende Christus in der Mandorla, Buchmalerei, 1419, in der Universitätsbibliothek in Heidelberg
Ambrosio Benson: Kreuzabnahme, 16. Jahrhundert, in der Kathedrale in Segovia
Ambrosio Benson: Kreuzabnahme, 16. Jahrhundert, in der Kathedrale in Segovia

Gedenktage:

Gedenktag mit der Erinnerung an Kreuzigung und Tod Jesu ist zunächst jeder Freitag. Herrenfest mit der Feier des Heilswerks Christi ist sodann jeder Sonntag als Tag des Herrn (Offenbarung des Johannes 1, 10), dem Tag seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche *.

In der Koptischen Kirche ist der 29. Tag jedes koptischen Monats ein Gedenktag von Verkündigung, Geburt und Auferstehung Jesu Christi.

Darüber hinaus gibt es spezielle Herrrenfeste:

Relief in der Kirche in Calcata
Relief in der Kirche in Calcata

Die angebliche Vorhaut Jesu - die einzig denkbare Körperreliquie - wurde bis 1983 in Calcata bei Viterbo verehrt. Der Überlieferung zufolge erhielt Karl „der Große” sie von der byzantinischen Kaiserin Irene geschenkt, anlässlich seiner Kaiserkrönung in Rom übergab er sie Papst Leo III.; beim Sturm deutscher und spanischer Landsknechte auf Rom 1527 ging auch diese Reliquie verloren. Bei der Rückreise sei der Dieb vom Grafen Anguillara ergriffen und in Calcata ins Burgverlies geworfen worden, wo er das Schmuckstück im lehmigen Tuff des Bodens verborgen habe; nachdem er frei kam, kehrte er nach Rom zurück und starb rund 20 Jahre später in der nahe des Petersdomes, wo er einem Priester vor seinem Tod das Versteck verriet; die Versuche des Vatikans, die Reliquie nach Rom zurückzubekommen, scheiterten, Calcata wurde Ziel von Pilgern, wo die Reliquie in einem Reliquiar über dem Hochaltar lag und jedes Jahr am Gedenktag der Beschneidung in einer Prozession durch die Stadt getragen wurde, um das Wunder zu verehren, dass Gott Mensch geworden war.

El Greco: Die Anbetung des Namens Jesu, 1578/79, Monasterio de San Lorenzo im Escorial in Madrid
El Greco: Die Anbetung des Namens Jesu, 1578/79, Monasterio de San Lorenzo im Escorial in Madrid
Michael Pacher: Beschneidung Jesu, aus dem Altar in der Kirche in St. Wolfgang, 1479 - 81
Michael Pacher: Beschneidung Jesu, aus dem Altar in der Kirche in St. Wolfgang, 1479 - 81
Gemälde: Kreuzigung Jesu, in der Karanlık-Kirche im Freilicht-Kirchenmuseum in Göreme
Gemälde: Kreuzigung Jesu, in der Karanlık-Kirche im Freilicht-Kirchenmuseum in Göreme
Rembrandt Harmensz van Rijn: Christuskopf, um 1656, Staatliche Museen Preußischer Kunstbesitz in Berlin
Rembrandt Harmensz van Rijn: Christuskopf, um 1656, Staatliche Museen Preußischer Kunstbesitz in Berlin

* Seit Urzeiten ist im jüdisch-christlichen Kulturraum der Sabbat / Samstag der 7. und letzte Tag der Woche. Dass die Woche mit dem arbeitsfreien Tag beginnt, konnte die kapitalistische Wirtschaft nicht ertragen und inszenierte deshalb eine bürgerliche Kalenderreform, wonach die Woche montags anfängt. Für Christen aber gilt: erst das Geschenk Gottes - Symbol ist der arbeitsfreie Tag - dann und daraus dankbar folgend die Antwort des Menschen im Tun.

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Web 3.0 - Leserkommentare:

Schon seit langer Zeit lese ich immer wieder gerne in Ihrem Heiligenlexikon online über das Leben und Wirken der Heiligen, wo ich immer kurz und knapp das Wichtigste über sie erfahre. Deswegen wollte ich mich endlich mal von ganzem Herzen für Ihre erstklassige Arbeit bedanken und Ihnen Gottes Segen wünschen!!!

Leider hab ich zum ersten Mal etw. bei Ihnen gefunden, was mich gestört und - ehrlich gesagt - aufgeregt hat, nämlich dass Sie eine moderne, wissenschaftliche Hypothese bezüglich der Geburt Jesu übernommen haben, wo es heißt, dass sein Stern (der Weihnachtsstern) mit einer Konstellation der Planeten zu tun habe und daraus sein Geburtstag ermittelt werden kann.
Dass das aber nicht sein kann (und völlig ausgeschlossen ist), ist schon längst seit den Kirchenvätern klar, die eindeutig bewiesen haben, dass der Weihnachtsstern kein normaler, natürlicher Stern (bzw. eine Planetenkonstellation oder sonst ein astronomisches Phänomen) sein kann, sondern ein übernatürlicher, himmlischer Stern sein musste, der nicht astronomisch erklärt werden kann, sondern nur theologisch, also nicht durch die Naturwissenschaft, sondern allein durch den Glauben.
Die Begründung findet man entw. in der Catena aurea des hl. Thomas (online hier:   http://www.catena-aurea.de/ljaepi.html) oder auch in seiner Summa Theologiae, wo von seiner Geburt und den Umständen die Rede ist. Der genaue Wortlaut aus der Catena lautet:
Daß jener Stern keiner von den Sternen des Himmels war, ist offenkundig. Kein anderer Stern zieht eine solche Bahn: vom Osten nach Süden, denn so ist die geographische Lage von Palästina zu Persien. Außerdem: die Zeit, zu der er sich sehen ließ; er schien nicht nur des Nachts, sondern auch mitten am Tage, was nicht nur die Kraft eines Sternes, sondern sogar die des Mondes übertrifft. Drittens erschien er - und verbarg sich auch wieder: Als sie nämlich Jerusalem betraten verbarg er sich; sobald sie Herodes verließen, zeigte er sich wieder. Auch bewegte er sich nicht nach eigenem Tempo fort, sondern wanderte, wenn die Magier wandern sollten, und stand still, wenn sie stehen sollten, wie die Wolkensäule in der Wüste. Viertens blieb er nicht in der Höhe stehen, als er auf den Ort der Geburt aus der Jungfrau wies, sondern er stieg hernieder. Das ist nicht die Art, wie sich ein Stern bewegt, sondern Anzeichen einer vernünftigen Kraft. Daher scheint jener Stern als sichtbare Erscheinung einer unsichtbaren Kraft gebildet worden zu sein. (Chrysostomus)

Außerdem kann man dem noch hinzufügen, wenn geschrieben steht: als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt (Matthäusevangelium 2, 10), daraus ersichtlich wird, dass kein natürliches - wenn auch außergewöhnliches - Phänomen jemanden mit sehr großer Freude erfüllt, so als ob mit dieser Stelle gemeint sei, dass die Freude des Evangeliums von der (bloßen) Natur ausgehe, was dem Sinn des Evangeliums und der Geburt Jesu Christi total widerspricht, da die Weihnachtserzählung gerade ausdrücken will, dass hier nicht ein normaler Mensch geboren wird, sondern der Sohn Gottes, d. h. dass hier keine natürliche Geburt stattfindet, sondern eine himmlische und göttliche. Gerade das will ja der Stern Christi bezeugen und bestärken, indem er zeigt, dass die Freude, die Christus der Welt und der Menschheit bringt, nicht von der Natur ausgeht, sondern von Gott kommt, es heißt nämlich nicht nur Freude, sondern sehr große Freude, was bedeutet, dass hier etw. Größeres ist als die normale Natur, eine Freude, die man nicht in der Welt finden kann, sondern eine Freude, die vom Himmel, d. h. von Gott, herab kommt. Der Stern und die sehr große Freude können also unmöglich natürlich und von dieser Welt sein, denn das würde bedeuten, dass Christus von dieser Welt wäre, was eine große Gotteslästerung wäre. Genau das, dass nämlich Christus nicht von der Welt ist (wie Adam = Mensch), sondern vom Himmel kommt (neuer Adam = Gottmensch), bezeugt der Stern, der nicht natürlich ist (wie Adam = Erde), sondern himmlisch und geistig (wie Christus = Himmel), vgl.: So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendig machender Geist. Aber zuerst kommt nicht das Überirdische; zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische. Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel. (1. Korintherbrief 15, 45 - 47)

Es ist ja schön, dass das Max-Planck-Institut und die Wissenschaft neue Erkenntnisse über astronomische Phänomene gewonnen haben, mit denen sie die Natur und das Weltall erklären können, aber den Weihnachtsstern der hl. Schrift damit zu erklären, ist nicht nur unmöglich, sondern verfälscht gleichzeitig die Botschaft des Evangeliums und das WORT Gottes, indem es den übernatürlichen Ursprung des Sternes Christi leugnet, der auf den übernatürlichen Ursprung Christi hinweist, der nicht in der Natur, sondern in Gott liegt, nicht in der Zeit, sondern in der Ewigkeit: Im Anfang war das WORT. Und das WORT war Gott. Diese Botschaft, dass die sehr große Freude, die durch den Stern und das Licht kommt, das Christus mit sich brachte, nicht von dieser Welt ist, sondern vom Himmel kommt, ist der Kern des christlichen Glaubens und kann und darf also nicht verfälscht werden von falschen und unerlaubten Bezügen zu anderen Phänomenen, die nichts damit zu tun haben.

Daher können Sie also verstehen, warum ich mich deswegen aufrege. Ich beobachte nämlich zudem in der heutigen, modernen Theologie, wie der Widersacher auf vielerlei Weise versucht, die Gottheit Jesu Christi zu leugnen und zu relativieren und immer mehr seine Menschheit zu betonen. So fallen also viele Theologen in seine Falle, die sich freuen und glauben, dass sie die Historizität und die Wahrheit der Geburt Christi und der Weihnachtsgeschichte mit den neuen Erkenntnissen der Astronomie beweisen oder zusätzlich bestärken könnten und sehen nicht, wie sehr sie dadurch den Sinn und die Botschaft des Evangeliums verfälschen und verdunkeln. Sie freuen sich, dass sie auf der sicheren Seite der Wissenschaft stehen und außergewöhnliche Phänomene der Bibel sogar wissenschaftlich erklären und beweisen können und degradieren so das Himmlische und Göttliche der biblischen Botschaft auf die Naturwissenschaft herab. Die göttliche Wahrheit tauschen sie im Siegesrausch gegen die natürliche Wahrheit ein. Sie meinen, die Ungläubigen jetzt sicher widerlegt zu haben und sind doch selber zu Ungläubigen geworden. So hat sie der Teufel gefangen. Geblendet von seiner List und ihrem eigenen Hochmut fielen sie dort hinein, wo sie andere herausholen wollten. Zufrieden meinen sie, dass der Glaube jetzt gesichert ist, obwohl gerade sie ihn zugeschlossen haben. So triumphiert jetzt ihr Feind und sie jubeln fröhlich mit!

Ferner heißt das auch, dass man die Zeitpunkt-Bestimmung der Geburt Christi nicht nur von keinem astronomischen Phänomen herleiten darf, sondern dass man mit Sicherheit wissen kann, dass es sogar falsch ist, durch so eines die Geburt Christi zu bestimmen, da hier ein übernatürliches Phänomen stattfand. Egal, welche Phänomene die Naturwissenschaft also zur Zeit der Geburt Jesu findet, durch die hl. Schrift kann man mit Sicherheit wissen, dass keines von ihnen das in der Bibel gemeinte sein kann, da hier von einem sich vernünftig bewegendem und herabsteigendem und sich zeigendem Stern die Rede ist, was eindeutig unter die Kategorie Wunder und nicht Natur fällt.

Zuletzt müssten noch Ihre (außerbiblischen) Quellen angegeben werden, nach denen bestimmt wurde, wann die Regierungszeit des Herodes war und wann die Steuerlisten durchgeführt wurden, da diese beim Lesen zwar als sicher erscheinen, aber nicht belegt wurden.

Ich hoffe, Ihnen damit geholfen und der Wahrheit gedient zu haben! Gottes Segen!
Mit freundlichen Grüßen

Petar Komljenovic über E-Mail, 2. April 2010

Sehr geehrter Herr Komljenovic !

In einem ökumenischen Heiligenlexikon ist es aus meiner Sicht durchaus angebracht, historische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse aufzuzeigen, die zur Ermittlung des Geburtsjahres des Jesus von Nazaret beitragen können, weil in einem derartigen Lexikon auch Grundlagen, Wesensmerkmale und Praktiken der einzelnen christlichen Konfessionen in Geschichte und Gegenwart behandelt werden sollen, die u. U. auch die Basis für einen interreligiöse Dialog – ohne Beisein von Theologen - und für Diskussionen mit Nichtchristen bieten können.

Aufgeregt kann man nur dann sein, wenn man in einem ökumenischen Heiligenlexikon Berichte und Wertungen im konservativ katholischen Sinn erwartet und allzu wundergläubig ist.

Fest steht, dass für die ersten Christen weder das Geburtsjahr noch der Geburtsort des Jesus von Nazaret von besonderer Bedeutung war, da sie mit dem unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt rechneten.
Die Erwartung des nahen Endes war allerdings nichts speziell Christliches. Vielmehr stimmte dieser Glaube in seinen Hauptzügen mit der spätjüdischen Eschatologie überein, mit der Lehre von den Letzten Dingen, vom Ende der Welt und von ihrer Erneuerung.
Die apokalyptische Eschatologie des Spätjudentums war wiederum von anderen Religionen beeinflusst.
Das Ausbleiben Jesu und das Weitergehen der Geschichte muss den christlichen Führern, besonders in der apostolischen und unmittelbar nachapostolischen Zeit, gewaltige Schwierigkeiten bereitet haben, wie aus den spärlichen Notizen aus dieser Zeit zu entnehmen ist. Die Situation war besonders kritisch, weil die Parusieerwartung ein wesentlicher, vielleicht entscheidender Bestandteil der Zukunftshoffnung gewesen war.
Aber noch weit in das 2. Jahrhundert hinein war die Annahme einer baldigen Wiederkunft Jesu bei den Christen dieser Zeit die vorherrschende Meinung.
Zwischenzeitlich hatte man auch begonnen, die Lehren Jesu und Begebenheiten mit und um ihn aufzuschreiben. Wann die kanonisierten Evangelien entstanden sind, lässt sich, da keine Originale vorliegen, nicht genau sagen. Auch die heute bekannten Datierungen gewähren keine volle Sicherheit. Nach den bisherigen Erkenntnissen entstanden sie in einem Zeitraum vom Jahr 70 bis zum Jahr 100 bzw. bis in die ersten Jahrzehnte des 2. Jahrhunderts, also rund 40 bis 60/70 Jahre nach Jesu Tod.
Bis weit ins 3. Jahrhundert hinein wurde Jesus meist nicht mit Gott identifiziert und das spätere Trinitätsdogma hat seine Wurzeln im Heidentum, das eine Riesenzahl von Götterdreiheiten kannte. Denn, wie Aristoteles schon schrieb, die Dreiheit ist die Zahl des Ganzen, insofern sie Anfang, Mitte und Ende umschließt.

Die führenden Köpfe der christlichen Bewegung waren nicht blindgläubig, sondern beschäftigten sich mit den kursierenden Schriften, hinterfragten die einzelnen Punkte der Aufschreibungen, kommentierten sie und publizierten ihre Ansichten.
So beschäftigten sie sich auch mit dem Stern von Bethlehem. Sicher wussten sie, dass Sterne nach dem griechischen Dichter Hesiod (* vor 700 v. Chr.) die Blutstrophen des Uranos waren, der in der griechischen Mythologie den Himmel in Göttergestalt darstellte und in der ersten Generation über die Welt herrschte. Auch war ihnen sicher bekannt, dass man Sterne für vernunftbegabte Wesen hielt, die sich um die Welt sorgten, und dass sie oft auch als Götter verehrt wurden.
Der zu den apostolischen Vätern zählende Ignatius von Antiochia war der Meinung: Christus im Geheimnis der Menschwerdung ist selber der Stern.
In dem Brief, den Ignatius an die Epheser sandte, heißt es: Ein Stern erstrahlte am Himmel, heller als alle Sterne, und sein Licht war unaussprechlich, und seine Neuheit erregte Befremden.
Aus dem Stil des Brieftextes wurde gefolgert, dass Ignatius von Antiochien aus älteren Hymnen zitierte und der alles überstrahlende, neue Stern ein Meteorit gewesen sein könnte, der beim Eindringen in die Erdatmosphäre in leuchtende Teile zerfiel.

Dieser kirchenväterliche Beweis schien den um 185 in Alexandria geborenen christlichen Gelehrten und Theologen, den Kirchenschriftsteller Origenes, der gelegentlich zu den Kirchenvätern gezählt wird, nicht zu überzeugen. Als einer der ersten antiken Philosophen durchdachte er konkrete Möglichkeiten, welche astronomische Himmelserscheinung Anlass für den Bericht des Matthäusevangeliums (2, 1 - 19) gewesen sein könnte. Er vermutete, dass die „Magoi aus dem Osten“ chaldäische Sterndeuter gewesen seien, die ein Komet zur Reise nach Jerusalem bzw. Betlehem veranlasst habe.

Johannes von Antiochia, der im 6. Jh. den Beinamen Chrysostomus erhielt, sah in der Art, wie sich der Stern bewegte, Anzeichen einer vernünftigen Kraft. Der Stern von Betlehem, so meinte er, sei als sichtbare Erscheinung einer unsichtbaren Kraft gebildet worden.

Papst Gregor „der Große”, der jüngste der vier großen lateinischen Kirchenvätern der Spätantike, lieferte folgenden Beweis: Manche sagen, dieser Stern sei der Heilige Geist gewesen: Er, der später bei der Taufe des Herrn über ihn in der Gestalt einer Taube herabkam, sei den Magiern in der Gestalt des Sterns erschienen. Andere sagen, der Stern sei ein Engel gewesen: Derselbe, der den Hirten erschienen sei, sei auch den Magiern erschienen.
Weiter erklärte er: Wisse, dass es über diese Magier verschiedene Ansichten gibt. Die einen sagen, sie seien Chaldäer gewesen; denn die Chaldäer verehrten einen Stern als Gott. Und so heißt es, ihr so genannter Gott habe ihnen gezeigt, dass der wahre Gott geboren worden sei. Andere behaupten, sie seien Perser gewesen. Manche sagen, sie seien von den äußersten Enden der Erde gekommen. Wieder andere sagen, sie seien Urenkel des Bileam gewesen - und das ist am ehesten zu glauben. Denn Bileam hat unter anderem prophezeit: Ein Stern wird aufgehen aus Jakob (4. Mose 24, 17). Als die Magier, die jene Prophetie kannten, nun den neuen Stern sahen, verstanden sie schnell, dass der König geboren sei, und kamen.

Augustinus von Hippo, einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und wichtiger Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter, stellte fest, dass ein Stern aufging, der nicht von Beginn der Schöpfung an existierte, weil Christus geboren wurde. Womit die Geburt eines neuen Sterns bewiesen ist.
Ähnlich wie wir Menschen werden auch Sterne geboren, altern und sterben. Ihre Geburtsstätten sind riesige, kalte Gas- und Staubwolken, die man Nebel nennt. Der bekannteste ist der Orionnebel, der mit bloßem Auge gerade noch erkennbar ist.

Die Meinung, der Stern von Betlehem sei ein Komet gewesen, hielt sich über Jahrhunderte.
Man gelangte auch zu der Ansicht, der Verfasser des Matthäusevangeliums könnte unter dem Eindruck der Kometenerscheinung des Jahres 66 seine Niederschrift verfasst haben.
Seit Langem weiß man, dass es sich dabei um den Halleyschen Kometen handelte, der alle 75 bis 78 Jahre von der Erde aus zu sehen ist, und der am 25. Januar 66 seinen sonnennächsten Punkt (Perihel) erreicht hatte. Der Komet konnte während eines Zeitraumes von 74 Tagen gesehen werden. Über Jerusalem zeigte er sich in Krummsäbelform, über Rom erschien er wie ein Schwert, wie der Historiker Flavius Josephus berichtete.

Dass der Halleysche Komet immer wieder mit Christi Geburt in Zusammenhang gebracht wird, ist wahrscheinlich auf den florentinischen Maler Giotto di Bondone zurückzuführen, der auf seinem weltbekannten Gemälde Stern im Osten in der Arena-Kapelle in Padua, der Capella degli Scrovegni, eine ergreifende Szene darstellt: die Geburt Jesu im Stall. Und über dem Stall ist die erste realistische Darstellung des Halleyschen Kometen. Dieses Bild entstand im Jahr 1303. Giotto dürfte diesen Kometen mit eigenen Augen gesehen haben, denn er tauchte am 23. Oktober 1301 in die Sichtweite der Erde ein und hatte sich – so die Annahme – nachhaltig in Giottos Gedächtnis verewigt.

Der deutsche Naturphilosoph, Astronom und evangelische Theologe Johannes Kepler konnte im Dezember 1603 am Morgenhimmel im Sternbild Schlangenträger eine Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn beobachten. Im Herbst des folgenden Jahres gesellte sich am Abendhimmel der Planet Mars zu den beiden anderen Planeten. Am 9. Oktober 1604 wurde in über 9 Grad Distanz dazu im gleichen Sternbild das Aufleuchten einer Supernova beobachtet, deren Überreste heute noch nachgewiesen werden können.
Das Aufleuchten des neuen Sterns geschah zeitgleich mit einer Konjunktion zwischen Jupiter und Mars und in einer Distanz von nur ca. 2 Grad (4 Monddurchmesser) von der damaligen Position des Jupiter.
Kepler konnte den – wie er annahm – neuen Stern, stella nova, ab dem 17. Oktober 1604 beobachten, da die Supernova eine scheinbare Helligkeit von −2,5 m erreichte und damit der hellste Stern am Abendhimmel wurde. Er konnte das Phänomen mit dem Wissensstand des 17. Jahrhunderts nicht erklären und die Distanz zur Erde nicht einschätzen (sie betrug etwa 20.000 Lichtjahre). Er vermutete, der neue Stern sei durch die Aufeinanderfolge der Konjunktion von Jupiter und Saturn und die anschließende Versammlung mit dem Mars verursacht worden.
Er rechnete zurück und fand eine ähnliche Abfolge von Ereignissen: 7 v. Chr. hatte es eine dreifache Konjunktion zwischen Saturn und Jupiter im Sternbild Fische gegeben. 6 v. Chr. zog Mars an den beiden Planeten vorbei. Warum also, so schloss er daraus, sollte damals nicht – analog zu den Ereignissen des Jahres 1604 – ebenfalls ein neuer Stern entstanden sein? Nicht die Konjunktion, sondern der neue Stern war für Kepler der von Matthäus erwähnte Stern.
Heute weiß man, dass Planetenkonjunktionen und das Aufleuchten einer Supernova in keinem Kausalverhältnis zueinander stehen. Insofern irrte Kepler. Richtig war jedoch seine Rückberechnung und die Annahme, dass solche Phänomene auch vor Jesu Geburt schon beobachtet und mit besonderen historischen Ereignissen in Verbindung gebracht wurden.

Der deutsche lutherische Theologe, Kirchenhistoriker und Orientalist Friedrich Christof Carl Heinrich Münter (* 1771, † 1830) verfasste 1827 eine Studie Der Stern der Weisen. Untersuchungen über das Geburtsjahr Christi, die das weihnachtliche Himmelsschauspiel um den Stern von Betlehem als Begegnung von Jupiter und Saturn im Jahr 7 v. Chr. deutete. Später wurde Münters Theorie landauf landab in Planetarien durchgespielt, und der emeritierte Papst Benedikt XVI. würdigte sie – kaum vom Teufel verführt - in seinem letzten Jesusbuch.

Der österreichische Astronom und Astronomiehistoriker Konradin Ferrari d’Occhieppo wies ab 1964 in mehreren Publikationen auf die bereits von Kepler bemerkte und sehr seltene dreifache Jupiter-Saturn-Konjunktion im Zeichen der Fische hin. Diese schien gut in den ungefähren Zeitraum der Geburt Jesu zu passen. Nach d'Occhieppo musste ein babylonischer Astronom eine solche Konjunktion als Hinweis auf ein Ereignis in Israel (Judäa) verstehen, weil Jupiter der Stern des babylonischen Gottes Marduk gewesen sei, während Saturn als Planet des jüdischen Volkes gegolten habe. Der westliche Teil des Fischezeichens habe unter anderem für Palästina gestanden. Daraus hätten babylonische Astronomen folgern können: Königstern (Jupiter) + Israelschützer (Saturn) = Im Westen (Sternbild der Fische) ist ein mächtiger König geboren worden.

Wenn nun das Max-Plank-Institut zu einer neuen Erkenntnis bezüglich des Sterns von Betlehem gelangt ist, so ist sicher nicht der Teufel, für den Sie die nette Umschreibung Widersacher verwendet haben, im Spiel, sondern ernst zu nehmende Wissenschaft, die es verdient, auch in einem ökumenischen Heiligenlexikon genannt zu werden.
Wer jedoch an einen eigens für die Geburt eines Gottessohnes aus einer Jungfrau geschaffenen Stern glauben will, dem kann und soll durch die Nennung des jüngsten naturwissenschaftlichen Erkenntnis der Glaube, der sich über alles hinwegsetzen und bekanntlich auch Berge versetzen kann, nicht genommen werden.

Wie man versucht hat, das Rätsel des Sterns von Bethlehem zu lösen, so war man bemüht, das Geburtsjahr für Jesus von Nazaret zu ermitteln.
Nach dem derzeitigen Stand der Forschung bzw. den meisten Jesusbiographen gelten die Jahre 7 bzw. 5 v. Chr. als das Geburtsjahr Jesu. Einer der Gründe für diese Annahme ist die Tatsache, dass sich Dionysius „Exiguus” bei der Erstellung der Ostertafel im Jahr 525, bei der er das Jahr der Menschwerdung des Herrn als Grundlage heranzog, geirrt hatte; er hatte das Geburtsjahr bzw. den Geburtstag falsch berechnet.

Die Zählung der Jahreszahlen von Christi Geburt an geht auf den angelsächsischen Benediktiner Beda „Venerabilis” zurück.

Viele bedeutende Männer haben sich mit der Geburtsjahr-Frage beschäftigt und so findet man heute in der Literatur Angaben für das Geburtsjahr Jesu von 12 vor bis 6 nach Christi Geburt.

Das Jahr 4 v. Chr. nannte u.a. der Kirchenlehrer Sulpicius Severus (um 360 – 420).

Die Zeit zwischen 3 und 2 v. Chr. errechneten der griechische Gelehrte Julius Africanus, der römische Gelehrte und Staatsmann Cassiodor und der christliche Pädagoge und Schriftsteller Clemens von Alexandria.

Für das Geburtsjahr 2 v. Chr. traten u.a. ein: Eusebius von Cäsarea, der Vater der Kirchengeschichte, Photius, der Patriarch von Konstantinopel und Heilige der orthodoxen Kirche, der Kirchenschriftsteller und Bischof Epiphanios von Konstantia und Orosius Paulus, der spanische Geschichtsschreiber und theologische Schriftsteller.

Gläubige Menschen könnten das Vorangeführte als nutzlose Zahlenspielerei abtun, wie Nichtgläubige die Beschäftigung mit dem Stern von Betlehem für sinnlos halten könnten, zumal ja Jesus wahrscheinlich nicht in Bethlehem, sondern in Nazaret das Licht dieser Welt erblickt hat.
Die Geburtslegende könnte man auch als ein lukanisches Weihnachtsmärchen bezeichnen; und all' dies sollte man m. E. in einem ökumenischen Heiligenlexikon finden können.

Bezüglich der außerbiblischen Quellen zur Regierungszeit von König Herodes dem Großen und zum Zensus unter dem Legaten Publius Sulpicius Quirinus könnte z. B. auf das Werk des jüdischen Historikers Flavius Josephus (* 37 n. Chr., † nach 100) Jüdische Altertümer hingewiesen werden.
Für die meisten Nutzer des Ökumenischen Heiligenlexikons wären aber Hinweise auf moderne historische Werke zur römischen und jüdischen Geschichte, von denen es viele gute und empfehlenswerte gibt, sicher sinnvoller.

Literaturverzeichnis:
Deschner, Karlheinz: Abermals krähte der Hahn
Flavius Josephus: Jüdische Altertümer
Mommsen, Theodor: Das Weltreich der Römer
Plötz, Carl: Der große Plötz. Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte
Prause, Gerhard: Herodes der Große
Shatzman Israel und Yonah, Michael Avi: Enzyklopädie des Altertums
Stein, Werner: Kulturfahrplan
Worm, Alfred: Jesus Christus
wikipedia

Prof. Helmut Bouzek über E-Mail, 1. Dezember 2014




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.06.2016
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Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• H. Conzelmann / A. Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1976

• Staatliches Israelisches Fremdenverkehrsbüro (Hg.): Das Heilige Land im Jahr 2000. Frankfurt/Main 1999
• Handbuch der Ablässe, Normen und Bewilligungen. Deutsche Ausgabe des Enchiridion Indulgentiarum, Rosenkranz-Verlag, München 1971
• http://www.welt.de/kultur/article109516993/Das-Geheimnis-der-heiligen-Vorhaut-Jesu-Christi.html