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Ökumenisches Heiligenlexikon

Petrus

ursprünglicher Name: Simon

Gedenktag katholisch: 29. Juni
Hochfest - gebotener Feiertag (= Tag mit Sonntagspflicht)
Diözesankalender Berlin, Lausanne-Genf-Fribourg, Gliwice/Gleiwitz und Legnica/Liegnitz sowie der Stadt Poznań / Posen, Ordenskalender der Marianer von der Unbefleckten Empfängnis
Fest I. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die I. Klasse einem Hochfest.
Vigil: Fest II. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die II. Klasse einem Fest.
Die Feste II. Klasse werden auch in den geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) gefeiert und verdrängen die Tagesliturgie.
: 28. Juni
bedacht im Eucharistischen      Die Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I, im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Hochgebet und im Keltischen Hochgebet I

die weiteren Gedenktage

Gedenktag evangelisch: 29. Juni

Gedenktag anglikanisch: 29. Juni

Gedenktag orthodox: 29. Juni
Erscheinung bei Kaiser Justinian: 5. September
bedacht in der ProskomedieDie Proskomedie ist die Vorbereitung der Gaben Brot und Wein vor der Eucharistie in den Orthodoxen Kirchen

Gedenktag armenisch: 29. Juni, 29. Oktober, 25. Dezember, 28. Dezember
Weihe seiner Kirche in Antiochia: 30. Juni

Gedenktag koptisch: 29. Juni
wundersame Heilung der Kaisertochter: 9. Juli

Gedenktag syrisch-orthodox: 29. Juni (Fest)
                                                      11. Januar, 2. Donnertag nach Ostern,
                                                      4. Donnerstag nach Ostern, 28. Juni,
                                                      9. September, 22. November, 28. Dezember
Weihetag seines Oratoriums, das heißt Tempels: 20. August
bedacht in der Jakobus-Anaphora

Gedenktag Syrische Kirche des Ostens: 29. Juni

Name bedeutet: der Fels (griech. - latein.)

Apostel, Märtyrer (?)
* um 1 in Bethsaida, heute der Hügel Et-Tell bei Ad Dardara in Syrien,
oder in Kafarnaum, heute abgegangener Ort am See Gennesaret in Israel
† um 64 (?) in Rom (?)


Übersicht: Leben - Bedeutung - Gedenken

Leben:

Der Fischer Simon lebte mit seiner Frau in Kafarnaum. Dass er Kinder hatte, weiß die Legende von Petronilla. Er wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas, der zuvor schon Jünger von Johannes dem Täufer war, von Jesus in dessen Jüngergruppe berufen (Markusevangelium 1, 16 - 18).

Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus vom Fieber war eine der ersten Wundertaten Jesu (Matthäusevangelium 8, 14 - 15). Beim Wandel auf dem See Gennesaret zeigte sich Petrus' Glaube als zögerlich: er wollte dem auf dem Wasser gehenden Jesus folgen, bekam aber Angst zu versinken; nach seiner Rettung bekannte er mit einem Kniefall: Du bist in Wahrheit Gottes Sohn (Matthäusevangelium 14, 28 - 32).

Mit Johannes und Jakobus war Petrus bei der Verklärung Jesu zugegen (Matthäusevangelium 17, 1 - 8). Hervorgehoben wird Petrus auch bei der Fußwaschung, als er sich nicht würdig fühlte, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen (Johannesevangelium 13, 5 - 10). Bei der Gefangennahme Jesu schlug er in seinem Eifer Malchus, dem Diener des Hohenpriesters, das Ohr ab (Johannesevangelium 18, 10). Petrus verleugnete Jesus nach dessen Gefangennahme drei Mal, noch ehe der Hahn krähte (Markusevangelium 14, 66 - 72). Petrus war aber auch der erste männliche Zeuge der Auferstehung Jesu (1. Korintherbrief 15, 5; Lukasevangelium 24, 34). Nach dem vermeintlichen Ende der Jesus-Bewegung kehrte Petrus in seine Heimat zurück und arbeitete wieder als Fischer, auch dort erschien ihm und anderen Jüngern Jesus und teilte mit ihnen Brot und Fische ähnlich wie beim ersten Abendmahl (Johannesevangelium 21, 1 - 14).

Veit Stoß: Holzrelief mit Petrus (oben) und Malchus, 1477 - 89,  Hochaltar in der Marienkirche in Krakau
Veit Stoß: Holzrelief mit Petrus (oben) und Malchus, 1477 - 89, Hochaltar in der Marienkirche in Krakau

Petrus' zukünftige Aufgabe wurde ihm beim Fischzug angekündigt: von nun an Menschenfischer zu sein (Lukasevangelium 5, 10). Nach seinem Bekenntnis in Cäsarea Philippi - heute Ruinen bei Ein Kinya auf den Golan-Höhen - wurden Petrus die Schlüssel des Reichs der Himmel übergeben, auch in der Volksüberlieferung bewacht er deshalb die Himmelstür. Jesus bezeichnete ihn als Fels - griechisch: pétros - auf dem er seine Kirche bauen wolle (Matthäusevangelium 16, 16 - 19) und erteilte ihm am Abend vor seiner Kreuzigung einen besonderen Auftrag im Apostelkreis: stärke deine Brüder (Lukasevangelium 22, 32). Durch den Zuruf des Johannes erkannte Petrus, vom reichen Fischzug zurückkehrend, den am Ufer erschienenen Auferstandenen und erhielt den Auftrag: Weide meine Lämmer (Johannesevangelium 21, 1 - 19). Diese herausgehobene Stellung des Petrus ist mit begründend für die besondere Stellung aller späteren Nachfolger Petri in Rom, den Päpsten.

Am ersten Pfingstfest hielt Petrus eine wirkungsvolle Predigt (Apostelgeschichte 2, 14 - 41); mit Johannes heilte er einen Lahmen, der vor die Pforte des Tempels in Jerusalem getragen worden war (Apostelgeschichte 3, 1 - 11); der Hohepriester Ananias setzte ihn und Johannes gefangen, ließ ihn aber wieder frei (Apostelgeschichte 4, 1 - 23); Kranke wurden vom Schatten des vorüber gehenden Petrus geheilt (Apostelgeschichte 5, 15); der Zauberer Simon bekehrte sich augenblicklich, wurde von Philippus getauft, von Petrus aber der dennoch anhaltenden Falschheit entlarvt (Apostelgeschichte 8, 9 - 24). In Lydda - dem heutigen Lod - heilte Petrus den gichtbrüchigen Aeneas, in Joppe - dem heutigen Jaffa, Ortsteil von Tel Aviv - erweckte er Tabitha vom Tod (Apostelgeschichte 9, 32 - 42); er bekehrte mit dem Hauptmann Cornelius den ersten Nicht-Juden zum Christentum, nachdem er von den reinen und unreinen Tieren geträumt und gehört hatte, dass er keinen Menschen unrein heißen dürfe; auch die Anwesenden wurden zu einer gemeinsamen Schau entrückt und getauft (Apostelgeschichte 10). Über die Grenzen des heiligen Landes hinaus wirkte er in Antiochia - dem heutigen Antakya -, wo er ebenfalls die Gemeinschaft mit nichtjüdischen Christen pflegte (Galaterbrief 2, 11f); der Überlieferung zufolge wirkte Petrus ab dem Jahr 42 dort sieben Jahre lang als Bischof, woran das Fest „Petri Stuhlfeier” auch erinnert.

Nach der Enthauptung Jakobus' des Älteren, ließ König Herodes Agrippa I. den nach Jerusalem zurückgekehrten Petrus zwischen zwei Kriegsknechten ins Gefängnis werfen. Ein Engel erschien, die Ketten fielen, Petrus ging ungehindert an den Wächtern vorbei und musste dann zweimal am Haus der Maria, der Mutter des Johannes Markus, anklopfen, da die Magd Rhode zwar seine Stimme erkannte, aber sich angesichts dieser Überraschung erst bei ihrer Herrschaft vergewissern wollte (Apostelgeschichte 12, 1 - 19) - das Fest Petri Kettenfeier hat in dieser Geschichte seine Wurzel. Petrus hatte zusammen mit dem Herrenbruder Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und begründete die christliche Mission, er wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Die Meinungsverschiedenheit zwischen Jakobus und Paulus über die Mission bei den Heiden wurden dank der vermittelnden Rolle des Petrus beim Apostelkonzil ausgeglichen, wo die Heidenmission befürwortet wurde und nur die Einhaltung einiger Reinheitsgebote gefordert wurde (Apostelgeschichte 15). Nach der Legenda Aurea war Petrus beim Tod wie bei Himmelfahrt der Maria anwesend und war es Petrus, der mit Paulus ihre Bahre trug und den Hohenpriester heilte, dessen Hände durch seinen Unglauben und sein Bestreben, das Begräbnis zu verhindern, an der Bahre gelähmt hängen gebleiben waren.

Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom; der Überlieferung zufolge kam er in Santa Maria di Leuca an Land, bekehrte die Menschen dort vom Minerva-Kult zu Christus und widmete den Namen der Stadt der Jungfrau Maria; aus dem Minerva-Tempel wurde demnach schon im Jahr 43 die älteste christliche Kirche in Italien und damit in ganz Europa. In Rom wirkte Petrus dann als Leiter der Gemeinde, unter Kaiser => Nero starb er demnach den Märtyrertod. Schon anfangs des 2. Jahrhunderts gehen kirchliche Schriftsteller von seiner Anwesenheit in Rom aus.

Masolino da Panicale: Petrus predigt, 1426 - 1427, Fresko in der Cappella Brancacci der Kirche Santa Maria della Carmine in Florenz
Masolino da Panicale: Petrus predigt, 1426 - 1427, Fresko in der Cappella Brancacci der Kirche Santa Maria della Carmine in Florenz

Der Überlieferung im 1. Brief des Clemens I. zufolge begegneten sich Petrus und Paulus in Rom, zusammen überführten sie den Magier Simon, der mit seiner Flugkunst zu Tode stürzte. => Nero verlor mit ihm seinen Hofkünstler und ließ Petrus und Paulus ins Gefängnis - den Carcere Mamertino - werfen; vor der Hinrichtung erreichten Freunde, dass Petrus sich entziehen konnte. Der Fliehende begegnete vor den Toren der Stadt Christus - an der Abzweigung der Via Ardeatina von der Via Appia, an der Stelle, an der heute die Kirche S. Maria in Palmis steht * - und fragte ihn: Quo vadis, Domine?, Wohin gehst du, Herr?; als Christus anwortete, er gehe nach Rom, um sich noch einmal kreuzigen zu lassen, beschloss Petrus, mit ihm zu gehen und dieses Schicksal zu teilen; gleich danach sah er den Auferstandenen in den Wolken entschwinden. Petrus wurde dann auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero - an der Stelle, wo heute der Petersdom steht, nach anderer Überlieferung am Ort der heutigen Kirche S. Pietro in Montorio - ans Kreuz geschlagen: mit dem Kopf nach unten, da er nicht würdig sei, den selben Tod wie Jesus Christus zu sterben.

Herausragende Bedeutung hat Petrus' angebliches Grab unter dem Petersdom, das schon früh auf dem vatikanischen Hügel verehrt wurde. Die Grotten unter dem Altar des Petersdoms wurden 1940 bis 1949 erstmals archäologisch erforscht, 1951 wurde die dabei erfolgte Entdeckung des Petrusgrabes bekanntgegeben, was in der archäologischen Wissenschaft aber keine Zustimmung fand, deshalb gab es 1953 bis 1958 und 1965 weitere Grabungen, die breit diskutiert wurden; ihr Ergebnis ist heute zu besichtigen; neben Gräbern von Christen fand man ein Erdgrab aus dem späten 1. Jahrhundert ohne Knochen, das wohl seit etwa 140 einen Gedenkstein enthielt, der nach umstrittener Meinung auf Petrusreliquien hinweist; andere Ausgrabungsorte in Rom haben ähnliche Inschriften, die ein Gedenken an Petrus und Paulus belegen. 1942 wurden bei den Ausgrabungen auch Knochen gefunden, die einem älteren Mann zugeschrieben werden können, der zur Zeit von Petrus gelebt haben könnte. Dass die zwei bis drei Zentimeter langen Knochenfragmente tatsächlich Petrus zuzuordnen sind, wurde nie päpstlich bestätigt; erstmals wurden sie 2013 durch Papst Franziskus bei einer Messe auf dem Petersplatz der Öffentlichkeit gezeigt in einer Kassette mit der Inschrift: Aus den Knochen, die in den Grotten der vatikanischen Basilika gefunden wurden, und die als die des seligen Apostels Petrus gelten.

Petrus gilt als Autor der beiden im Neuen Testament enthaltenen Petrusbriefe. Der 1. Petrusbrief wurde in Rom von Silvanus geschrieben (1. Petrusbrief 5, 12 - 13); er enthält aber eher Gedankengut von Paulus, für eine Autorenschaft des Petrus spricht nichts. Der 2. Petrusbrief ist tatsächlich wohl erst Anfang des 2. Jahrhunderts entstanden, hat also sicher nicht Petrus zum Autoren. Dagegen spricht einiges für die Auffassung, dass im Evangelium des Markus, das wohl in Rom geschrieben wurde, die Überlieferung des Petrus enthalten ist.

Bedeutung:

Unbestritten ist die herausragende Rolle des Petrus im Jüngerkreis Jesu', bei der Wiedervereinigung der durch Jesu' Kreuzestod verstörten Jünger nach der Auferstehung und bei der Bildung der Urgemeinde in Jerusalem und von Gemeinden im heiligen Land, sein Einfluss darüber hinaus, so z. B. in2 Antiochia, möglicherweise auch in Korinth (1. Korintherbrief 1, 12) und seine Aufgeschlossenheit für die Heidenmission, die er selbst praktizierte und die dank Petrus' Haltung von Paulus und seinen Gefährten so erfolgreich durchgeführt werden konnte. Umstritten unter den Konfessionen ist bis heute seine Anwesenheit und seine Rolle in Rom.

Die hervorragende Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom, also alle Päpste, direkte Nachfolger des Petrus sind. Besonders Papst Gregor VII. hat diese Tradition gefördert und zugespitzt. Die Orthodoxen Kirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen.

Auf Papst Gregor „den Großen” geht wesentlich zurück, dass der von ihm direkt über dem angeblichen Petrusgrab errichtete Altar zum Zentralort der römisch-katholischen Kirche wurde; so werden seitdem hier die neu gewählten Päpste geweiht. Unterhalb des Altars gab es ein Fenster, durch das Pilger Tücher hinablassen konnten, die so mit heiliger Kraft aufgeladen zu Reliquien wurden. Unterhalb des Altars gab es Flure zum Petrusgrab, wo besondere Verpflichtungen stattfanden, Eide abgelegt oder wichtige Dokumente deponiert wurden; so spürte Bonifatius zeitlebens seine besondere Verpflichtung durch den beim Petrusgrab abgelegten Bischofseid. Die Pallien werden an dieser Stelle bis zu ihrem Versand aufbewahrt. Englische und fränkische Könige ließen sich am Petrusgrab taufen und/oder krönen, so Karl „der Große”, der zum Dank die Bestätigung der Pippinischen Schenkung, mit der der Kirchenstaat legitimiert wird, dort hinterlegte.

Schon früh haben sich Bistümer eine besondere Legitimation verschafft dadurch, dass sie ihre Gründung auf Schüler des Petrus zurückgeführt haben, so z. B. Aquileia mit Hermagoras oder Fiesole mit Romulus, in Deutschland Trier mit Eucharius von Trier, in Frankreich Périgueux mit Fronto, in Spanien die Bistümer Granada mit Cäcilius von Illiberis oder Andújar mit Euphrasius von Illiturgum. Andere Bistümer betonten ihre Unabhängigkeit von Rom, so z. B. Mailand, indem sie ihre Gründung gerade als unabhängig von Petrus - in diesem Fall der Tradition zufolge durch Barnabas - darstellten, ähnlich Ravenna mit Vitalis (wobei diese Stadt aber auch die Tradition mit Apollinaris hat).

Petrus' Patronat für Brückenbauer hat seine Grundlage in einem der Titel der Päpste als Pontifex Maximus, größter Brückenbauer. Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor, die Paradiesespforte, auf, der Schlüssel ist in den Darstellungen sein Attribut. Diese himmlische Rolle machte ihn auch zum Wettergott: er entscheidet, ob die Himmelsschleuse zum Regnen geöffnet wird. Der Volksglaube hat Petrus hier an die Stelle des germanischen Gewittergottes Thor gesetzt, der auch das Wetter machte und die Wolkenschleusen öffnete. Petrus hat im Volksglauben - ob seines Berufes - enge Beziehung zum Wasser. Am Tage Peter und Paul darf man nicht in offenen Gewässern baden, da an diesem Tage das Wasser ein Opfer zu fordern pflegt.

Kulturgeschichtlich steht Petrus in vielem heute an Stelle des römischen Gottes Janus. Janus, ein alter Licht- und Tagesgott, galt als der himmlische Schlüsselinhaber, als Öffner (Patulcius) und als Schließer (Clusius), indem er sowohl im Himmel wie auf Erden über allen Aus-und Eingang gebietet. Er war der Herr über alle Türen, von ihm hat die Türe im Lateinischen ebenso ihren Namen (janua), wie der Monat, der das Jahr eröffnet, der Januar. Alle zum Himmel empor- und von ihm herabsteigenden Erscheinungen, die Wolken und die Winde, aber auch das Meer und die Erde hatte er nach Ovid unter seiner Oberaufsicht. Er geleitete nicht nur die abgeschiedenen Seelen gen Himmel, auch den Gebeten der Menschen schloss er demnach die Tore des Himmels auf und verschaffte ihnen Eingang bei den übrigen Göttern. Er saß an der Himmelspforte und selbst der Götterkönig Jupiter konnte ohne seine Erlaubnis nicht in den Himmel eingehen.

Gedenken:

Der Leichnam des Petrus wurde der katholischen Überlieferung nach in der Nekropole in den vatikanischen Gärten neben dem Zirkus von Kaiser => Nero beigesetzt - dort, wo heute der Petersdom steht. Anderer Überlieferung nach wurde Petrus zusammen mit Paulus zunächst auf einem alten Friedhof an der Via Appia Antica beigesetzt, den Katakomben des Sebastian; darüber wurde im 4. Jahrhundert die zunächst Petrus und Paulus geweihte Kirche erbaut, die seit dem 8. Jahrhundert S. Sebastiano ad Catacumbas genannt wird; Petrus' Reliquien wurden dann umgebettet an die Stelle, über der Kaiser Konstantin 324 die älteste Peterskirche errichten ließ; in dieser Kirche wurde u. a. 800 Karl der Große gekrönt. Den Auftrag zur vollständigen Erneuerung dieser immer mehr zerfallenden Kirche erteilte Papst Nikolaus V. 1452, im Jahr 1626 konnte der heutige Petersdom fertig gestellt und eingeweiht werden. Unter dem Hochaltar werden Petrus' Gebeine verehrt. Eine Petrus-Reliquie liegt auch in der Camera Santa der Kathedrale in Oviédo, eine weitere in Osnabrück.

Statue im Petersdom in Rom
Statue im Petersdom in Rom

Als Festtag für Petrus wird der 29. Juni erstmals für das Jahr 258 genannt, das Fest ist im römischen Staatskalender des Chronographen von 354 erwähnt. Er gilt als Tag des Martyriums des Petrus, gleichgesetzt mit dem ebenso unbekannten Todestag des Paulus; dem Fehlen eines bekannten Gedenktages wurde in der Zeit der zunehmenden Märtyrerverehrung wohl im Jahr 258 durch Einrichtung dieses Festes begegnet. Im Martyrologium des Hieronymus wird als Ort des Festes für Petrus der Hügel auf dem Vatikan, für Paulus die Via Ostiensis und für beide zusammen die Katakomben genannt. Auch in Ravenna und Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - wurden im 4. Jahrhundert Petrus-Kirchen geweiht. Das frühe Mittelalter war eine Hochzeit des Kultes um Petrus, vor allem bei Angelsachsen; die Karolinger ernannten ihn zu ihrem Patron.

Die katholische Kirche feiert Petrus mit mehreren Fest- und Gedenktagen:
am 22. Februar wird das Fest Cathedra Petri begangen. Das Fest wurde im 4. Jahrhundert in Rom eingeführt als Erinnerung an die Übertragung des besonderen Hirtenamtes an Petrus.
am 1. August wird das Fest Petri Kettenfeier gefeiert. An einem 1. August sei die Kirche S. Pietro in Vincoli in Rom eingeweiht worden, in der bis heute die Ketten gezeigt werden, mit denen Petrus in der Gefangenschaft gehalten gewesen sei.
der 18. November ist das Fest der Kirchweih der Basiliken von Petrus und Paulus in Rom, Gedenktag an die Weihe der alten Peterskirche und des Petersdomes.

Ein großes Fest zu Ehren von Petrus wurde jedes Jahr am 3. April in Salerno gefeiert.

Die katholische Kirche gewährt demjenigen Gläubigen Teilablass, der einen von einem Priester oder Diakon rechtmäßig geweihten Andachtsgegenstand in frommer Gesinnung benutzt. Ist aber dieser Andachtsgegenstand vom Papst oder von einem Bischof geweiht, so kann der Gläubige durch den frommen Gebrauch dieses Gegenstandes am Fest der Apostel Petrus und Paulus auch einen vollkommenen Ablass gewinnen, wenn er nach einer beliebigen rechtmäßigen Formel das Glaubensbekenntnis spricht.

Attribute: Schlüssel, Schiff, Buch, Hahn, umgedrehtes Kreuz
Patron von Rom, Trier, Kanton sowie Stadt Genf und Poznan / Posen in Polen; der Päpste; der Reuigen, Büßenden, Beichtenden; der Brückenbauer, Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmiede, Eisenhändler, Bleigießer, Uhrmacher, Papierhändler, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer und Schiffbrüchigen; der Jungfrauen; gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl; des Wetters; des Bistums Berlin, des Domes in Bamberg, der Bistümer Gliwice/Gleiwitz und Legnica/Liegnitz
Bauernregeln: Peter und Paul / hat Wasser im Maul.
Regnet es an Peter und Paul / wird des Winzers Ernte faul.
Um Peter und Paul / wird dem Korn schon mal die Wurzel faul.
Regnet's am St. Petertag, / so drohen dreißig Regentag.
Wenn es am Peterstag regnet, so regnet es im ganzen Schnitt.
Peter und Paul hell und klar / bringet uns ein gutes Jahr.
Petrus schwimmt im Schiff daher oder dahin.
Ist's Wetter von Peter bis Laurentius heiß, / bleibt kommend' Winter lange weiß.

* Dies ist auch die Stelle, wo der Überleiferung nach ein Soldat Hannibals im Zweiten Punischen Krieg am nächsten der Stadt Rom genähert hatte.

zeitgenössische Quellen: Das Martyrium des Petrus und Paulus

Das Grab des Petrus


Helmut Bouzek: Petrus in Rom ?
Peter Gemeinhardt: Petrus in Rom? Neue Diskussionen über eine alte Frage

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Legenda Aurea: Petrus

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Petrus' Briefe
Catholic Encyclopedia: Petrus' Grab

Giovanni Lorenzo Bernini: Baldachin, 1624 - 1633, über dem (angeblichen) Petrus-Grab im Petersdom in Rom
Giovanni Lorenzo Bernini: Baldachin, 1624 - 1633, über dem Petrus-Grab im Petersdom in Rom

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.01.2016
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Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.radikalkritik.de/Petruslegende.htm
• http://www.bauernregeln.net/juni.html
• Handbuch der Ablässe, Normen und Bewilligungen. Deutsche Ausgabe des Enchiridion Indulgentiarum, Rosenkranz-Verlag, München 1971
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999