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Ökumenisches Heiligenlexikon

Paulus

bis zur 1. Missionsreise: Saulus

Gedenktag katholisch: 29. Juni
Hochfest - gebotener Feiertag (= Tag mit Sonntagspflicht)
Diözesankalender Berlin, Lausanne-Genf-Fribourg, Gliwice /Gleiwitz und Legnica/Liegnitz sowie der Stadt Poznań/Posen, Ordenskalender der Marianer von der Unbefleckten Empfängnis
Fest I. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die I. Klasse einem Hochfest. (Todestag)
Fest II. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die II. Klasse einem Fest.
Die Feste II. Klasse werden auch in den geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) gefeiert und verdrängen die Tagesliturgie.
28. Juni (Vigil)
Fest bei den Barnabiten: 30. Juni
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
30. Juni (Kommemoration)
in Antiochia: 20. März
bedacht im Eucharistischen      Die Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I, im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I, im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Hochgebet und im Keltischen Hochgebet I

die weiteren Gedenktage

Gedenktag evangelisch: 29. Juni

Gedenktag anglikanisch: 29. Juni

Gedenktag orthodox: 29. Juni
bedacht in der ProskomedieDie Proskomedie ist die Vorbereitung der Gaben Brot und Wein vor der Eucharistie in den Orthodoxen Kirchen

Gedenktag armenisch: 29. Juni, 29. Oktober, 25. Dezember, 28. Dezember
liturgische Feier am 6. Samstag nach Pfingsten
Synaxis      Synaxis, griechisch für Versammlung, bezeichnet in den Ostkirchen eine liturgische Feier in der Gemeinschaft. Der Begriff wird auch verwendet für die Bezeichnung des Gedenkens an eine Gruppe von Heiligen, wobei die einzelnen in der Regel auch noch ihren individuellen Gedenktag haben. des Apostels: 30. Juni
Vision, bei der er den dritten Himmel sah (2. Korintherbrief 12, 2): 1. September

Gedenktag koptisch: 29. Juni
wundersame Heilung der Kaisertochter: 9. Juli
Kettenfeier: 16. Januar

Gedenktag syrisch-orthodox: 29. Juni (Fest), 11. Januar,
                                                      4. Donnerstag nach Ostern, 28. Juni, 29. Juli,
                                                      9. September, 22. November, 28. Dezember
Gedächtnis seiner Einkerkerung in Ketten: 16. Januar
Weihetag seines Oratoriums, das heißt Tempels: 20. August
bedacht in der Jakobus-Anaphora

Gedenktag Syrische Kirche des Ostens: 29. Juni

Name bedeutet: S: der Kleine (hebr.)
P: der Kleine (griech. - latein.)

Apostel, Märtyrer (?)
* 7 bis 10 (?) in Tarsus in der Türkei
† zwischen 60 und 68 in Rom (?)


Übersicht: Leben  -  Bedeutung  -  Gedenken

Leben:

Paulus - hebräisch: Saulus - war Sohn vermögender jüdischer Eltern mit römischem Bürgerrecht, war aber in einer griechisch-bürgerlichen Umgebung aufgewachsen und beherrschte die griechische Sprache. Saulus erlernte den Beruf seines Vaters als Zeltteppichweber und folgte ihm auch als Anhänger der glaubenstreuen jüdischen Gruppe der PharisäerDie Pharisäer (hebr. für „die Abgesonderten”) waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung. Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt. Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren. Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen., d. h. als jüdischer Theologe im Laienstand.

Zu seiner weiteren theologischen Ausbildung ging er nach Jerusalem zu dem hoch angesehenen jüdischen Lehrer Gamaliel (Apostelgeschichte 22, 3). Saulus' Glaubenseifer hatte zur Folge, dass er die aufkommende christliche Kirche verfolgte, die er für eine jüdische Sekte hielt, die vom Gesetz abwich und deshalb zerstört werden müsse (Galaterbrief 1, 13). Die Apostelgeschichte erzählt, er habe im Jahr 35/36 bei der Steinigung des Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers, die Kleider der Peiniger bewacht (7, 58).

Saulus erhielt den Auftrag, in Damaskus weitere Christenverfolgungen zu leiten, aber eine wunderbare Begegnung mit dem auferstandenen Christus vor Damaskus veränderte sein Leben radikal (Apostelgeschichte 22, 5 - 16; 26, 12 - 18).

Michelangelo: Die Bekehrung des Saulus, 1542 - 45, Fresko in der Cappella Paolina im Vatikan
Michelangelo: Die Bekehrung des Saulus, 1542 - 45, Fresko in der Cappella Paolina im Vatikan

Paulus selbst bezeichnete dieses Ereignis des Jahres 32 - nicht als Bekehrung, sondern als Offenbarung von Jesus Christus (Galaterbrief 1, 12). Von der übermächtigen Erscheinung Christi getroffen, fiel Saulus zu Boden und wurde - erblindet - nach Damaskus geführt. Ananias heilte ihn und taufte ihn, er wurde Christ, sah sich durch die persönliche Begegnung mit Christus selbst als Apostel (Galaterbrief 1, 17) und zum Missionar berufen; er predigte in der Synagoge von Damaskus und wurde bald schon selbst verfolgt; Freunde halfen ihm, im Jahre 38 in einem Korb über die Stadtmauer zu entfliehen (Apostelgeschichte 9, 1 - 25).

Caravaggio: Die Bekehrung des Saulus, 1600, in der Cerasi-Kapelle in der Kirche Santa Maria del Popolo in Rom
Caravaggio: Die Bekehrung des Saulus, 1600, in der Cerasi-Kapelle in der Kirche S. Maria del Popolo in Rom

Saulus zog sich für drei Jahre nach Arabien zurück (Galaterbrief 1, 17f). Durch Barnabas wurde er in die Urgemeinde von Jerusalem eingeführt (Apostelgeschichte 9, 27); dort war inzwischen Jakobus der Ältere enthauptet und Petrus aus dem Gefängnis befreit (Apostelgeschichte 12, 1 - 19). Aufenthalte in Tarsus und Antiochien - dem heutigen Antakya in der Türkei - erfüllten die nächsten Jahre. Nach einer ersten Missionsreise nach Zypern und ins südliche Kleinasien (Apostelgeschichte 13; 14) fand in Jerusalem das Apostelkonzil statt (Apostelgeschichte 15); inzwischen benutzte er seinen Namen in der griechischen Form: Paulus

Die kontrovers verlaufende Versammlung der konkurrierenden Parteien der jungen Kirche - wohl im Jahr 48 -, gewährte Paulus die Freiheit zu Missionsreisen zu nichtjüdischen Menschen; sein Gegenspieler war Petrus als Vertreter der Position, wonach das Christentum nicht die jüdischen Wurzeln verleugnen dürfe; die vermittelnde Position nahm der Leiter der Urgemeinde in Jerusalem, der Herrenbruder Jakobus ein. Vor allem Paulus' Drängen brachte also die junge Kirche dazu, die geistigen und räumlichen Grenzen zu sprengen und das Wurzelland Israel, in dem die junge Kirche theologisch und mentalitätsmäßig zuhause war, zu verlassen und die Heidenmission voranzutreiben. Dass mit der Einigung auf diesem Konzil die Auseinandersetzungen nicht für immer vorbei waren, zeigt der antiochenische Streit (Galaterbrief 2, 11 - 14), wo Petrus und auch Barnabas aufgrund des Einflusses von Vertretern der Jerusalemer Gemeinde doch wieder die Einhaltung der jüdischen Speisegebote praktizierten, was Paulus als Heuchelei und nicht den auf die Wahrheit des Evangeliums ausgerichteten Weg bezeichnete und deshalb Petrus persönlich entgegen trat.

Älteste bekannte Darstellung, 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts, entdeckt im Jahr 2009 in den Katakomben der Tecla in Rom
Älteste bekannte Darstellung, 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts, entdeckt im Jahr 2009 in den Katakomben der Tecla in Rom

Die zweite Missionsreise, in deren erster Phase sich Paulus von seinem seitherigen Begleiter Barnabas trennte, führte ihn nun nach Galatien in Kleinasien, wohl im Jahr 50 in die mazedonischen Städte Philippi - heute Ruinen bei Krinides in Griechenland - und Thessaloniki, dann Richtung Süden durch Griechenland nach Korinth, wo er sich etwa in den Jahren 50 bis 52 aufhielt (Apostelgeschichte 15, 35 - 18, 22), bei Prisca und Aquila wohnte und den 1. Thessalonicherbrief - den ältesten der Paulusbriefe - schrieb. Die zuvor auf dem Areopag in Athen vor dem Altar des unbekannten Gottes gehaltene Predigt gehörte zu den bedeutendsten Ereignissen auf Paulus' Missionsreisen (Apostelgeschichte 17, 22 - 31), auch wenn sie keine Gemeindegründung zur Folge hatte. Schwierig für Paulus war, dass in den neuen Gemeinden zunehmend andere Missionare sein Wirken - teilweise erfolgreich - in Frage stellten.

Die dritte Missionsreise wird in der Regel auf die Jahre 53 bis 58 datiert und führte wieder nach Kleinasien mit einem Gefängnisaufenthalt in Ephesus - heute Ruinen bei Selçuk -, dann wieder durch Makedonien und nach Korinth (Apostelgeschichte 18, 23 - 21, 14). Dann brachte er die beim Apostelkonzil vereinbarte Kollekte aus den Gemeinden der Heidenchristen als Zeichen der Verbundenheit mit der judenchristlichen Urgemeinde nach Jerusalem, wobei er sich selbst nicht sicher war, ob diese das vereinbarte Zeichen akzeptieren wird (Römerbrief 15, 31); die Apostelgeschichte berichtet nichts von einer erfolgreichen Übergabe.

Wichtige Ereignisse der Missionsreisen sind teilweise legendär: In Paphos / Páfos auf Zypern stürzte der Zauberer Elymas blind zu Boden. In Lystra - das heutige Dorf Kilistra (Gökyurt) - wurden Paulus und sein Begleiter durch ihre Heilung eines Lahmen als Erscheinung von Zeus und Hermes angesehen; man schleppte Opfertiere herbei, um sie als Götter zu verehren. In Ikonium - dem heutigen Konya - hörte Thekla seine Predigt und wurde bekehrt. Eutychos, ein Knabe, stürzte bei einer Predigt in (Alexandria) Troas - heute Ruinen bei Dalyan - tödlich vom Fenstersims, wurde aber wieder vom Tod auferweckt.

Grabplatte für den Knaben Asellus, mit Petrus und Paulus, aus den Katakomben des Hippolytus, in den Vatikanischen Museen in Rom
Grabplatte für den Knaben Asellus, mit Petrus und Paulus, aus den Katakomben des Hippolytus, in den Vatikanischen Museen in Rom

Paulus schildert die Leiden und Strapazen seiner Reisen, immer wieder war er belastet durch Hunger, Durst, Verfolgung, Auspeitschung, Steinigung und Gefangenschaft. Den Broterwerb besorgte er teilweise durch sein Handwerk, in Korinth kehrte er deshalb bei einem Berufskollegen, dem Teppichweber und Zeltmacher Aquila ein. Predigt und Briefwechsel mit den von ihm neu gegründeten Gemeinden aber waren sein Hauptwerk. Die Missionsreisen führten Paulus durch die ganze damals bekannte Welt, nach Syrien, Griechenland, Italien, vielleicht sogar nach Spanien (Römerbrief 15, 24).

Paulus wurde nach Aufständen einer jüdischen Gruppe wohl im Jahr 57 in Jerusalem gefangen genommen (Apostelgeschichte 21, 27 - 40) und zunächst vor dem Hohen Rat im Tempel verhört, dann der Staatsgewalt in Cäsarea übergeben und dort durch den Prokurator Antonius Felix verhört und in Haft gehalten. Im Jahr 60 verhört ihn der neue Prokurator Porcius Festus, Paulus legte Berufung an den Kaiser in Rom ein und der Machthaber verfügte auf Grund von Paulus' römischem Bürgerrecht die Überstellung in die Hauptstadt. Paulus erlebte wegen eines Schiffbruchs einen Aufenthalt - wohl im Jahr 61 - auf einer Insel Melita, die man meist mit Malta, früher oft auch mit der kroatischen Adriainsel Mljet, neuerdings auch mit der westgriechischen Insel Kephalonia identifiziert; danach kam er nach Rom (Apostelgeschichte 24 - 28, 16). Dort konnte er offenbar recht frei wirken und mindestens zwei Jahre (Apostelgeschichte 28, 30) lehren und predigen. Seine Bewegungsfreiheit in Rom ist auch mit mancherlei Legenden belegt; dargestellt wurden Begegnung mit und Abschied von Petrus sowie ihr gemeinsames Auftreten vor Kaiser => Nero mit dem Sturz des Magiers Simon.

Paulus starb nach verbreiteter Auffassung um das Jahr 67 in Rom und wahrscheinlich eines natürlichen Todes. Verbreitete, aber eher unwahrscheinliche Legenden lassen ihn im Sommer des Jahres 64 als Märtyrer unter Kaiser => Nero im Rahmen von dessen Christenverfolgung nach dem Stadtbrand sterben. Manche Indizien sprechen wie manche Legenden dafür, dass er nach vier Jahren in Rom nochmals eine Missionsreise, möglicherweise nach Spanien, unternahm.

Griechisches Fresko: Die Umarmung von Petrus und Paulus, 12. Jahrhundert, Vatopedi-Kloster auf dem Athos
Griechisches Fresko: Die Umarmung von Petrus und Paulus, 12. Jahrhundert, Vatopedi-Kloster auf dem Athos

Ende des 2. Jahrhunderts entstanden Legenden von Paulus' Martyrium. Bei der legendären Enthauptung des Paulus spritzte demnach Milch auf die Henker; nach anderer Überlieferung entstanden drei Quellen aus seinem Blut; an dieser Stelle wurde später die Kirche S. Paolo alle Tre Fontane errichtet. Plantilla, eine fromme Frau, die Paulus ihren Schleier gegeben hatte, damit dieser sich die Augen verbinden könne, erhielt ihn als Reliquie zurück und sah in einer Vision Petrus und Paulus mit Siegeskronen in Rom einziehen. Ein Hirte fand den Kopf des Paulus, der nun mit dem Leichnam feierlich vereint wurde. Die der Überlieferung zufolge zunächst in der Katakombe an der Straße nach Ostia bestatteten Gebeine wurden 258 in die Katakombe des Sebastian an der Via Appia Antica überführt, um sie vor der Beschlagnahme durch die Staatsmacht zu schützen; Funde belegen, dass man Paulus und Petrus hier gemeinsam verehrte. Paulus erhielt demnach um 320 eine neue Grabstätte, über der Kaiser Konstantin eine Kirche - den Vorgängerbau der Basilika S. Paolo fuori le Mura - errichten ließ. Der Paulus zugeschriebene Sarkophag unter dem Altar der Kirche wurde neuerdings freigelegt und ist jetzt durch eine Glasplatte zu sehen.

Insgesamt aber gibt es in der katholischen Kirche und den Orthodoxen Kirchen kaum eine eigenständige Paulus-Verehrung, sie ist meist mit der Verehrung des Petrus zusammen gebunden. Auch Paulus-Patrozinien sind selten; selbst die mit Rom konkurrierenden Metropolen Konstantinopel - das heutige Ístanbul - oder Ravenna haben keinen Paulus-Kult als Abgrenzung zur römischen Petrus-Verehrung entwickelt. Auch in Rom wurde die kleine von Konstantin errichtete Pauluskirche erst Ende des 4. Jahrhunderts zur Basilika S. Paolo fuori le Mura ausgebaut. In Tarsus wurde erst kurz vor 600 eine Pauluskirche gebaut. Erst der Dominikanerorden förderte die Paulus-Verehrung. Anders in der evangelischen Kirche, wo Paulus als Vertreter der Rechtfertigungslehre und Autor des bei Martin Luther die reformatorische Erkenntnis bewirkenden Römerbriefes theologisch hoch bedeutsam ist.

Paulus-Malerei, Ende des 5. Jahrhunderts, in der Paulus-Grotte in Ephesus
Paulus-Malerei, Ende des 5. Jahrhunderts, in der Paulus-Grotte in Ephesus

Selten und erst recht spät bezeugt sind auch an Paulus erinnernde Gedenkstätten. In Philippi - den heutigen Ruinen bei Krinides - wird das Paulus-Gefängnis gezeigt, die Inschrift stammt aus dem späten 4. Jahrhundert. Inschriften am Paulus-Gefängnis und der Paulus-Grotte in Ephesus stammen aus dem 5. Jahrhundert. Auf Malta wird die Bucht gezeigt, an der Paulus angelandet sei. Wallfahrten zu Paulus-Stätten in Rom gab es schon in frühchristlicher Zeit - immer zusammen mit Besuchen am angeblichen Petrusgrab: beide zusammen wurden mit rituellem Mahl in den Katakomben des Sebastian geehrt; Paulus' Hinrichtungsort bei S. Paolo alle Tre Fontane und sein angebliches Grab in S. Paolo fuori le Mura waren weitere Ziele, dazu die Orte seiner Gefangenschaft: der eine wurde ein frühchristliches Oratorium, daneben wurde von Papst Silvester I. eine Kirche erbaut, beide zusammen sind heute die Kirche S. Paolo alla Regola; der andere wurde um 700 zur Kirche S. Maria in Via Lata umgebaut. Paulus' Kopfreliquie soll seit dem 9. Jahrhundert in S. Giovanni in Laterano verwahrt werden. Vielfache Wünsche nach Körperreliquien wurden von den Päpsten immer abgelehnt, es gibt nur einige als Reliquie verehrte Gegenstände, die Berührung mit dem Grab hatten, sowie die angeblichen Ketten seiner Gefangenschaft, die früher in Jerusalem, seit dem 6. Jahrhundert über dem Grab in S. Paolo fuori le Mura in Rom zu sehen sind.

Altarfragment, 12. Jahrhundert, im Museum der Kathedrale in Ávila
Altarfragment, 12. Jahrhundert, im Museum der Kathedrale in Ávila

Bedeutung:

Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die dieser den Menschen erweist. Diese Gnade allein und nichts anderes lässt den Menschen leben, macht ihn wieder heil, rettet ihn. Auf diese Gnade hat der Mensch keinen Anspruch, er kann sie sich nicht durch Leistung verdienen. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Paulus interpretierte den Kreuzestod Christi dahingehend, dass Gott Christus zum Sieger über die Macht der Sünde gemacht hat. Im Gegensatz zur seinerzeit herrschenden Vorstellung forderte er seine Zuhörer nicht auf, bestimmte Sünden zu bereuen, sondern vielmehr dazu, Gottes Sieg über alle Sünden durch das Kreuz Christi zu verkünden.

Das Neue Testament enthält 13 Briefe, die Paulus als Absender nennen, von denen aber vermutlich nur sieben von Paulus selbst stammen: der 1. Brief an die Thessalonicher, der Brief an die Galater, der 1. und der 2. Brief an die Korinther, der Römerbrief, der Brief an die Philipper und der Philemonbrief. Diese Briefe gelten neben der Apostelgeschichte als wichtigste Quellen, die Auskunft über das Leben von Paulus und der jungen Christenheit geben und sind ein unverzichtbarer Schatz für das theologische Verständnis des Neuen Testaments.

Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und dann im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Paulus' scharfe Abgrenzung vom Judentum - also auch seinen eigenen Wurzeln - prägte in der Geschichte der Kirche oft ein einseitiges Verständnis des Alten TestamentsWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde. und konnte immer wieder als Begründung für Antsemitismus missbraucht werden - trotz seiner leidenschaftlichen Verteidigung der bleibenden Erwählung Israels im Römerbrief (Kapitel 9 - 11).

Gedenken:

Bezeugt ist das gemeinsame Fest von Paulus und Petrus erstmals für das Jahr 258, wobei hier die Reihenfolge auffällig ist. Das Fest ist im römischen Staatskalender von 354 erwähnt und erinnert an die angebliche Übertragung der Gebeine von Paulus vom Grab an der Straße nach Ostia in die Katakomben des Sebastian an der Via Appia im Jahr 258. Dort bezeugen Funde aus der Frühzeit, dass man Paulus und Petrus zusammen verehrte. Die Kirche S. Paolo fuori le Mura war bis zur Fertigstellung des heutigen Petersdoms 1626 die größte Kirche der Welt, nun ist sie die zweitgrößte Kirche in Rom; 1823 wurde sie durch einen Brand zerstört, aber mit denselben Ausmaßen wieder errichtet.

Reliquien sind in der Basilika S. Paolo fuori le Mura in Rom, der Kopf in der Kirche S. Giovanni in Laterano, weitere in anderen römischen Kirchen, in Tarsus, London, Münster, Frankfurt, Corvey, auf Malta, in Saragossa und in Utrecht.

Der Vatikan-Archäologe Giorgio Filippi forschte nach dem Sarg in der Basilika S. Paolo fuori le Mura und fand ihn nach seinem Bekunden in der Mittelachse der Kirche an der Stelle, wo er im Jahr 390 deponiert wurde, nachdem er 70 Jahre vorher in der von Kaiser Konstantin errichteten ersten Kirche einige Meter weiter vorne und tiefer gelegen hatte. Papst Benedikt XVI. entzog daraufhin und als eine seiner ersten Amtshandlungen dem Abt des Klosters San Paolo die Rechte über die Basilika und übertrug sie einem Erzbischof des Vatikans. Keine Bedeutung hat deshalb die 2009 zum Abschluss des Paulusjahres von Papst Benedikt XVI. mit tiefer Emotion bekannt gegebene archäologische Sensation, wonach der Inhalt des Sarges mit mikroskopischen Methoden untersucht wurde und nun als der von Paulus identifiziert sei, weil die gefundenen Knochenteile von einer Person stammen, die zwischen dem ersten und dem zweiten Jahrhundert gelebt hat und in festlichen Kleidern bestattet wurde.

Die örtliche Tradition in Malta lässt den Schiffbruch auf Paulus' Reise nach Rom auf der Insel Selmunetta - den heutigen St Paul's Islands vor der St.-Pauls-Bucht - stattfinden, auf ihr steht eine große Paulus-Statue. In Rabat auf Malta gab es - erstmals 1372 erwähnt - die Kapelle St. Paul vor den Mauern über der Grotte, in der Paulus während seines Aufenthaltes gefangen gewesen sei. 1600 bis 1617 lebte der spanische Adlige Giovanni Beneguas in dieser Grotte und stiftete neben der Paulus-Kapelle eine Kapelle für Publius. Der Großmeister des Malteserordens, Alof de Wignacourt, erhob die Paulus-Kapelle zur Kollegiatskirche des Ordens.

El Greco: Petrus und Paulus, 1592, Hermitage in St. Petersburg
El Greco: Petrus und Paulus, 1592, Hermitage in St. Petersburg

Die katholische Kirche gedenkt Paulus' an weiteren Festtagen:
• am 25. Januar ist der Gedenktag Pauli Bekehrung;
• am 10. Februar wird in Malta das Fest Paulus' Schiffbruch als Geburtstag der Kirche in Malta gefeiert;
• am 25. Februar wird die Auffindung seines Kopfes in Rom bedacht
• am 16. April wird der Überführung der Kopfreliquie in die Basilika S. Giovanni in Laterano gedacht;
• der 6. Juli ist der Gedenktag an die erste Ankunft Paulus' in Rom;
• der 1. September ist der Tag des Gedenkens an die Wiedererlangung seiner Sehkraft nach dem Bekehrungserlebnis vor Damaskus;
• der 18. November ist das Fest der Kirchweih der Basiliken von Petrus - S. Pietro - und Paulus - S. Paolo fuori le Mura in Rom.

Attribute: Buch, Schwert
Patron von Malta, Rom, Umbrien, Kavala in Griechenland und Poznań/Posen in Polen; der Theologen und Seelsorger, Weber, Teppichweber, Zeltwirker, Korbmacher, Seiler, Sattler, Arbeiterinnen; der katholischen Presse; für Regen und Fruchtbarkeit der Felder; gegen Furcht und Angst, Ohrenleiden, Krämpfe, Schlangenbiss, Blitz und Hagel; Patron des Bistums Münster, der Bistümer Gliwice /Gleiwitz und Legnica/Liegnitz
Bauernregeln: Schön zu St. Paul, / füllt Tasche und Maul.
Peter und Paul / hat Wasser im Maul.
Regnet es an Peter und Paul, / wird des Winzers Ernte faul.
Um Peter und Paul / wird dem Korn schon mal die Wurzel faul.
Peter und Paul hell und klar / bringt ein gutes Jahr.

Das Martyrium von Paulus und Petrus

Die Missionsreisen von Paulus (Übersicht)

Paulus' 1. Missionsreise


Paulus' 2. Missionsreise


Paulus' 3. Missionsreise


Datierung von Paulus' Aufenthalt in Korinth

Ort des Schiffbruchs von Paulus


Ort und Umstände des Todes von Paulus

Legenda Aurea: Paulus

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Römerbrief
Catholic Encyclopedia: Korintherbriefe
Catholic Encyclopedia: Galaterbrief
Catholic Encyclopedia: Philipperbrief
Catholic Encyclopedia: Thessalonicherbriefe
Catholic Encyclopedia: Philemonbrief

  Ein schönes und informatives Spiel zur Lebensgeschichte des Paulus und über seine Missionsreisen bietet die Evangelische Kirche in Deutschland im Internet.

  Über die Entdeckung und Bedeutung der Paulus-Grotte in Ephesus berichtet die Webseite der Universität Wien.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Web 3.0 - Leserkommentare:

Vor einiger Zeit hatte ich Ihnen eine krtische Anmerkung zu einem Kommentar zum Paulusartikel zukommen lassen. Leider wurde der unerträgliche Text nicht geändert, noch habe ich eine Antwort erhalten. Schade, daß man einem kritischen Dialog mit den Lesern ausweicht!

Wilfried Schevalje über E-Mail, 9. September 2009


Unsere Antwort: Wir haben Ihre kritischen Anmerkungen leider nicht erhalten - oder versehentlich gelöscht - sonst hätten wir sie beachtet. Können Sie uns diese nochmals schicken?





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 19.06.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• H. Conzelmann/A. Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. J.C.B. Mohr (Paul Sibeck), Tübingen 1976
• http://www.bauernregeln.net/juni.html
• http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=32751
• http://www.biblicalturkeyguide.com/derbe.htm
• Helmut Frank: Der verborgene Paulus. In: Evang. Gemeindeblatt für Württemberg 35/2005
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998
• Carlo Munns (Hg.): In cammino sulle orme dell'Apostolo Paolo a Roma. Edizione San Paolo, Padua 2008