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Ökumenisches Heiligenlexikon

Ort des Schiffbruchs von Paulus


Prof. Helmut Bouzek aus Wien hat für uns die wesentlichen Erkenntnisse über den Ort des Schiffbruchs von Paulus bei dessen Reise nach Rom dargestellt:

Als Schauplatz des Schiffbruches des Paulus wird seit dem Beginn der Neuzeit gemeinhin Malta angenommen, während man im Mittelalter die kroatische Adriainsel Mljet favorisierte. Der Wechsel mag damit zusammenhängen, dass den Johannitern, den Malteser-Rittern, daran gelegen war, ihr abseitiges Eiland als urchristlich und wichtig für die Kirchengeschichte zu verkaufen Während das mittelalterliche Malta keine Lobby hatte, durfte sich Mljet venezianischer Protektion erfreuen.

Die maltesische Überlieferung läßt den Schiffbruch auf den St-Pauls Inseln stattfinden, also vor der St-Pauls-Bucht. Die Lokaltradition nennt die Insel Selmunetta als historischen Ort, auf der die Paulusstatue steht, die ihn als unbezwinglichen Rhetor und Triumphator zeigt (im Paulusbild nach Lukas). In Burmarrad wurde 1964 an der Paulus geweihten Kapelle eine alte römische Villa ausgegraben, die Überlieferung nennt diesen Ort das Langdgut des Publius, auf dem Paulus die ersten drei Tage zu Gast war.

In Rabat, der größten Stadt des südwestlichen Gebirgsplateaus Maltas, befindet sich das Zentrum der Verehrung des Paulus auf dieser Insel. Schon in einer Urkunde aus dem Jahr 1372 wird ein Kapelle St. Paul vor den Mauern - nämlich den Mauern der damaligen Hauptstadt Mdina - erwähnt, die sich über der legendären Paulusgrotte erhob, in der der Apostel während seines drei Monate währenden Aufenthaltes auf Malta (Apostelgeschichte 28, 11) gefangengehalten worden sein soll.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon
Die St-Pauls-Kirche in Rabat auf Malta

Den eigentlichen Pauluskult Maltas ließ jedoch erst der spanische Adelige Giovanni Beneguas, der von 1600 bis 1617 in der Grotte als Eremit gelebt hatte, entstehen. Er stiftete direkt neben der ersten Kirche eine Kapelle für St. Publius, den legendären ersten Bischof Maltas, diese ist jetzt in den heutigen, Ende des 17. Jahrhunderts errichteten Kirchenbau integriert, die jetzige Fassade der St-Pauls-Kirche stammt jedoch aus der Regierungszeit von Manuel de Pinto (1714 - 1773). Großmeister Alof de Wignacourt errichtete ein Collegium sowie eine Klosterschule für Ordenskapläne und erhob die Kapelle zur Kollegiatskirche des Ordens.

Die Diskussion um den wahren Ort des Schiffbruches begann im Jahr 1730 mit einem in Venedig erschienen Buch des Benediktinermönchs aus Ragusa - dem heutigen Dubrovnik - Ignatius Georgi. Im Anschluss an dieses Buch entstand eine Fülle weiterer Veröffentlichungen. Doch schon vor dem Erscheinen des Buches von Georgi waren Bücher mit Hinweisen auf den Ort des Schiffbruches herausgegeben worden: Zu nennen sind hier einige Reiseberichte, die teilweise Paulustraditionen bezeugen und Rückschlüsse auf den Schiffbruchort zulassen. Ein nie versiegender Strom von Wallfahrern zog in den Jahrhunderten der Kreuzzüge und bald nachher nach dem Morgenlande, um das Land zu betreten, den Boden zu berühren, ubi steterunt pedes eius (wie es in den Kreuzzugsbullen hieß), und manche von diesen Pilgern haben Reiseberichte, Itineraria in terram sanctam, hinterlassen. (Jürgen Niebecker).

Einige besonders erwähnenswerte Publikationen:

Konstantin VII. Porphyrogenitus
Der byzantinische Kaiser Konstantin VII. Porphyrogenitus (* 905, † 9. November 959; Kaiser von 913 bis 959) verfasste um 950 die Schrift De administrando Imperio. In dieser Schrift kommt er auf den Schiffbruch des Apostels Paulus zu sprechen. Er beschreibt neben anderen Inseln auch die Insel Melite (Meleta) und erwähnt, dass Paulus dort von einer Schlange gebissen worden sei. Es ist erwähnenswert, dass er die Insel, die er beschreibt, zuerst Meleta oder auch Malozeata nennt, und dann die Verbindung zum Melita der Apostelgeschichte (28, 1) zieht. Bei Konstantins Text handelt es sich um die erste nachzuweisende Quelle, die auf Mljet verweist. Er wendet sich, ohne Nennung von Argumenten gegen die Auffassung, dass Paulus auf der Insel Kreta, Ios oder Lesbos Schiffbruch erlitten hat. Somit muss es vor der Entstehung dieser Schrift, obgleich heute nicht mehr in schriftlicher Form vorliegend, Traditionen gegeben haben, die auf diese drei Inseln verwiesen haben. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass der Grund, den Schiffbruch des Paulus auf Mljet zu verlegen, in der Tatsache zu suchen ist, dass Kaiser Konstantin VII. den Schiffbruch auf einer Insel seines Byzantinischen Reiches hat stattfinden lassen wollen. Malta wurde jedoch in der Zeit von 870 bis 1090 - der Zeit der Entstehung dieser Schrift - von Arabern beherrscht, und gehörte somit nicht zum Byzantinischen Reich.

Conrad von Hildesheim
In einem Brief spricht Conrad I. von Hildesheim im Jahre 1195 davon, dass er auf Capri Sarazenen sah. Diese Bewohner der Insel könnten giftige Tiere durch Anspucken töten. Diese Kraft, die sie seit ihrer Geburt besäßen, bringt er nun mit dem Schiffbruch des Paulus auf der Insel Capri, die in der Apostelgeschichte Mitilena genannt werde, in Zusammenhang. Paulus sei dort von einer Schlage gebissen worden, was ihm nicht geschadet habe, und die Einwohner hätten ihn dann verehrt. Paulus habe dann ihnen und ihren Nachkommen die Kraft gegeben, giftige Tiere mit ihrem Speichel zu töten. (vgl. Apostelgeschichte 28, 3 - 6) Der Inselname Mitilena ist ungewöhnlich, da die Vulgata auch Militene schreibt. Offensichtlich wurden hier im Inselnamen zwei Buchstaben vertauscht, was dann zu dieser Interpretation führte. Es scheint hier zu einer Vermischung von Volksglauben und Inhalt der Apostelgeschichte gekommen zu sein.
Eine ähnliche Darstellung findet sich etwa 150 Jahre später bei Ludolf von Suchen und um 1390 bei Kopisten desselben. Bis zu dieser Schrift lassen sich aus dem 13. Jahrhundert einige Itinerarien und andere historische Aufzeichnungen nachweisen, in denen Reisende auf Malta eine Zwischenstation eingelegt haben oder von Malta gesprochen wird. Von Paulustraditionen ist jedoch keine Rede. Da derartige Traditionen an sich gerne rezipiert wurden, scheinen die Reisenden auf Malta nicht auf solche Traditionen gestoßen zu sein oder sie hielten sie nicht für erwähnenswert. Ein positives oder negatives Argument lässt sich aber aus dem Fehlen eines Hinweises auf Paulus kaum ableiten.

Nikolaus von Hude
Von dem Itinerar Ludolfs gibt es aus dem Jahre 1390 eine stark verkürzte und umgearbeitete Ausgabe. Zwei oder auch alle vier Handschriften stammen aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster in Hude bei Oldenburg in der Diözese Bremen.

Bischof Ylario
Im Archiv der Kathedrale von Mdina auf Malta befindet sich eine Urkunde aus dem Jahre 1366, durch die Bischof Ylario ein Grundstück an Bochius de Bochio übereignete, das sich nahe der Kirche St. Paul de cripta befand und im Westen von Kirche und Friedhof begrenzt wird. Demnach muss zu dieser Zeit bereits eine Pauluskirche und eventuell eine Krypta bzw. Grotte existiert haben. Dies ist, neben den schon gefundenen Angaben in Ludolfs Itinerar, der zweite konkrete Hinweis auf eine Paulustradition auf Malta.
Vor diesem Hintergrund wird der zwar oft angezweifelte und für übertrieben gehaltene Hinweis von Matteo Surdu, dem Pfarrer der Kirche S. Paulu di Fora in Rabat, verständlicher, der 1549 - auf eine ältere Tradition verweisend - von Leuten spricht, die aus verschiedenen Regionen des christlichen Europa aus Verehrung für den Apostel Paulus und seine Wundertaten nach Malta gekommen waren, um sich schließlich auf dem Friedhof unweit der Paulusgrotte beerdigen zu lassen.

Jacop von Verona
Der italienische Notar Jacop von Verona, der 1346 nach Palästina reiste, verlegt den Ort des Schiffbruchs nach Kreta. Auch für ihn ist die Schlangenbiss-Episode (Apostelgeschichte 28, 3 - 6) das erwähnenswerte Ereignis im Zusammenhang mit dem Schiffbruch. Er schreibt hierzu:
Idem in der selben innsel Crete is gar ein hocher pergch, den man verr sicht auf dem mer, da Sant Pauls sich selber ledigt von der Schlaggen oder vipper nater, all geschriben ist in dem puch der werch der zwelff poten in dem achten capitel.

weitere
Der serbische Bischof von Dulcigno (heute Ulcinij) - Martino Segono - sprach sich für die Insel Mljet aus.
Der Mönch des Dominikanerklosters in Ulm - Felix Fabri - nennt die Insel Lesbos, die auch nach ihrer Hauptstadt Mitylena genannt wird, als Ort des Schiffbruches.
Pierre Rosseti ist der letzte Autor, der noch vor der Ankunft der Johanniter auf Malta (1530) diese Insel als Ort des Schiffbruches bezeugt.
Bis zu Georgi befassten sich noch mit dem in Rede stehenden Thema: Jean Quintin d' Autun, Gerard Mercator, Matthaeus Beroaldus, Sebastian Munster, Michael Herberer von Bretten, Philipp Cluver, Giovanni Francesco Abela, Burchard Niderstedt, Christophorus Cellarius, E. Veryard und Johann Christian Beckmann.
Ignatius Georgi legt in seinem etwa 300 Seiten umfassenden Werk dar, dass der Schiffbruch des Paulus nicht auf oder vor Malta, sondern auf der dalmatinischen Insel Mljet stattgefunden haben soll, wobei auffällt, dass er mehr Argumente gegen Malta als für Mljet aufführt.

Heinz Warnecke
Für die Gegenwart von besonderem Interesse ist die 1987 in der Reihe Stuttgarter Bibelstudien (SBS) erschienen Dissertationsschrift von Heinz Warnecke mit dem Titel Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus. Sie ist zu einer der am kontrovers diskutiertesten Schiffbruchtheorien der letzten Jahre geworden und die Diskussion hat noch kein Ende gefunden. Fünf Jahre später (1992) folgte vom gleichen Autor in Zusammenarbeit mit Thomas Schirrmacher das Buch: War Paulus wirklich auf Malta? Der erste Teil dieses Buches wiederholt die Ergebnisse von Warneckes Dissertationsschrift; der zweite Teil stammt von Thomas Schirrmacher und geht unter Berücksichtigung der Argumente des ersten Teils auf die Historizität und Verfasserschaft der Pastoralbriefe ein.

Nach Warnecke war Paulus nie in Malta und er hat plausible Begründungen angeboten. Die Fahrt hätte von der Südküste Kretas nach Pylos (Peloponnes) führen sollen, wo man in dem antiken Phoenix überwintern wollte. Dieses Ziel erreichte das Schiff freilich nie. Ein in dieser Region im Herbst häufiger Tiefdruckwirbel, dessen - selbst für ein modernes Fährschiff - heftige Unbillen Reisende bei der Überfahrt vom Peloponnes nach Kreta am eignen Leib erfahren können, trieb das Schiff nach Norden ab (wie in der Apostelgeschichte ja auch zutreffend von der Adria die Rede ist, 27, 27).
Schauplatz des Schiffbruches war demnach das westgriechische Kephalonia, und hier die Bucht von Livadia, für welche die geographischen und nautischen Angaben allesamt passen. Auch wurden die Einwohner der Region von den Griechen Barbaren genannt, weil sie einen unverständlichen (illyrischen) Dialekt sprachen; ist der Herbst kalt und regenreich; verehrten die Bewohner die griechische Göttin Dikae; gab es auf dem zur senatorischen Provinz Achaia gehörenden Kephallinia einen ersten Beamten (praedia principis) während das kaiserliche Malta von einem Prokurator verwaltet wurde; gibt es auf Kephallinia bis heute Giftschlangen, nicht aber auf Malta.

Nach der Überlieferung wurde Publius von Paulus zum Bischof geweiht und er verbreitete die Religion weiter auf der Insel. Vom Christentum finden sich auf Malta vor dem 4. Jahrhundert keine Spuren, noch wissen die seinerzeitigen Quellen davon. Anders Kephalonia, wo schon im 2. Jahrhundert von einer christlichen Gemeinde berichtet wird. Schließlich die Überfahrt nach Italien im Januar: Von Malta ist solches zwar nicht ausgeschlossen, doch nicht überliefert. Von Griechenland her war die Überfahrt hingegen während der kurzen Schönwetterperiode der Eisvogeltage im Januar gang und gäbe: Man segelte die Küste entlang bis Kephallinia, verließ die Insel abends gegen Westen, orientierte sich bei Morgengrauen an den noch sichtbaren Bergen der Insel neu, und ließ sich in der folgenden Nacht vom Glutschein des Ätna nach Sizilien leiten.

Prof. Helmut Bouzek, E-Mail vom 6. März 2005


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Autor: Prof. Helmut Bouzek - zuletzt aktualisiert am 19.04.2017
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